Einzelbild herunterladen

M. 23

Freitag den 27. Januar

1888.

6>icßciicr

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

. , ,, c x Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

kSureanr Schnlstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf,

Amtlicher Hsseik.

Betreffend: Die Beitreibung der Gemeindeeinkünste. Gießen, am 25. Januar 1888.

Das Großhcrzogliche Kreisamt Gießen

att die Großherzoglicken Bürgermeistereien des Kreises mit Ausnahme der Stadt Gießen-

Unter Bezugnahme auf unser Amtsblatt Nr. 9 von 1876 fordern wir Sie zur unverzüglichen Einsendung der Pfandbefehle auf.

vr. Boekmann.__

Der Rekrut Karl Willy Christoph Maurer, geboren am 6. IM 1865 auf der Ludwigshöhe bei Leihgestern, Kreis Gießen, zuletzt in Duisburg wohnhaft, Commis, ausgehoben für's Infanterie-Regiment Nr. 53, hat der an ihn ergangenen Ordre zur Gestellung am 5. November 1887 gu Wesel behufs Absendung an seinen Truppenthell nicht Folge geleistet.

Derselbe war, well er ohne Abmeldung verzogen, trotz aller Nachforschung nicht zu ermitteln und wird daher hierdurch aufgefordert, sich binnen 6 Wochen bei dem unterzeichneten Kommando zu gestellen, widrigenfalls gegen ihn das Verfahren wegen Fahnenflucht eingeleitet werden wird.

Wefel, den 19. Januar 1888. Königliches Landwehr-Bezirks-Kommando des 1. Bataillons (Wefel)

5. Westfälischen Landwehr-Regiments Nr. 53.

Nerttschland.

Darmstadt, 25. Januar. (Zweite Kammer der Stände.) Bei Zweiter Kammer der Stände ist folgender Antrag des Abg. Schröder eingebracht wor­den :Die Kammer wolle beschließen, bei Kapitel 46 des Hauptvoranfchlagr für 1888/91Beiträge zu Besoldungen der Volksschullehrer" unter Titel 2: Schullehrer-Pensiori-fonds" mit Strich der in Einnahme gestellten 48 000 Jl. an Beiträgen der Gemeinden zumSchullehrer-Pensionssonds" statt der hier geforderten 232,000 die Summe von 280,000 JL in Ausgabe zu stellen.

Berlin, 25. Januar. Der Kaiser besuchte gestern Abend die Over, hörte heute beit Vortrag Wllmowski's und machte um 2 Uhr eine Spazierfahrt. Morgen ist große Soiree im kaiserlichen Palais, wozu meistens Mitglieder des diplomatischen Corps geladen find und vorher Vorstellung derselben bei den Majestäten.

Berlin, 24. Januar. DieDeutsche Heeres-Zeitung" bringt einen Artikel:Das Disciplinar-Strasrecht im deutschen und österreichischen Heere", der im Eingänge die Schlußbestimmungen aus der deutschen Disciplinar-Straf­ordnung citirt, welche lauten:

Die Besugniß der Mllitär-Vorgesetzten zur Verhängung von Disciplinar- strafen tritt auch in dem Falle ein, wenn die Mllitärperson, welche die Disci- plinarstrafe verwirkt hat, einem anderen Kontingent des deutschen Heeres angehört."

Der Schlußpaflus lautet:

In Bezug aus die Ausrechthaltung der Disciplin befinden sich hiernach betoe Heere auf gleichem Niveau, und wäre im Falle einer gemeinsamen Ope­ration keinerlei Störung zu besorgen."

Dieser Hinweis wird von einem Gewährsmann derM. N. N." durch eine Mittheilung ergänzt, der ein gewiffes Jntereffe nicht abzusprechen sein dürfte. Die Kooperation des deutschen unv des österreichischen Heeres in einem Kriegs­fälle wäre nämlich derart feststehend, daß sogar die ordre de bataille ganz akademisch natürlich bereits festgestellt und daß als Obercommandant der vereinigten Armeen König Albert von Sachsen in Aussicht genommen sei. Ein Armee-Corps würde von Erzherzog Albrecht von Oesterreich commandirt, deffen Gmeralstabs-Chef Graf Walderfee sein soll.

Der dem Bundesrath vorliegende Gesetzentwurf wegen Ausbringung her Mittel zur Durchführung der Erweiterung de» Wehrgesetzes soll als vor­läufig geheim bezeichnet sein. Man wird indeß doch als zutreffend annehmen können, daß der ersorderliche Betrag rund 270 Millionen betragen werde.

Hesterreich.

Wien, 25. Januar. Abgeordnetenhaus. Fürst Lichtenstein und Ge­noffen brachten einen Entwurf zum Volksschulgesetz für die Reichsrathsländer ausschließlich Galiziens ein.

Der Unterrichtsminister beantwortete die Interpellation des Abg. Echoe- »erer wegen der Bestrafung der Studenten, die gegen den Pros. Tomaszczuk wegen der im Reichsrath gehaltenen Rede demonstrirten, und weist nach, daß die Maßnahmen vollkommen gerechtfertigt seien. Er werde zwar die akadem0 *e Freiheit schützen, aber allen Ausschreitungen der Studirenoen, besonder» auf politischem Gebiete, aus'» Nachdrücklichste und Strengste entgegentreten.

Irankreich.

Paris, 22. Januar. Die heutigen Blätter legen im Allgemeinen dem neuen Zwischenfalle an der deutsch-französischen Grenze wenig Bedeutung bei, selbst da» fesselndste Schauspiel langweilt, wenn e» zu oft wiederholt wird, und fast scheint es, als ob Frankreich wirklichzwischenfallmüde" sei. So interesstrt denn weit mehr die Nachricht von dem Mordanschlag auf Luise Michel in Havre, welcher dazu beiträgt, einen gewiffen menschlichen Antheil, den man un­willkürlich an dieser eigenartigen Erscheinung nimmt, noch zu erhöhen. Jener Lucas, welcher zwei Schüsse auf die Michel abgab, wurde von der entrüsteten Menge furchtbar zugerichtet: sein Gesicht war zur Unkenntlichkeit entstellt, ein Auge wurde ihm ausgeschlagen, die Nase vollständig zerschmettert. Luise aber

verzog keine Miene; ohne Klage ließ sie von den Aerzten ihre Wunden unter­suchen, und obgleich e« nicht gelang, die eine Kugel, welche hinter dem Ohr in den Kopf gedrungen war, zu entfernen, fuhr sie heute Morgen nach Pari» zurück- Den Mörder hält sie für einen Trunkenbold, und als der Vertreter der Staatsanwaltschaft ihr mittheilte, er werde von Amts wegen gegen den Verbrecher vorgehen, machte sie ihre Aussagen. Man glaubt in der That, daß Lucas, der im Krankenhause von Havre an seinen Wunden darniederliegt, in einem Zustande besinnungsloser Trunkenheit gehandelt hat.

Wußland.

Petersburg, 25. Januar. Der frühere Lieutenant der bulgarischen Armee, Kffche^sly, rst als Lieutenant in die russische Armee eingestellt worden. Der Botschafter Schuwalow kehrt Ende der Woche nach Berlin zurück.

Telegraphische Depeschen»

Wolff'S telegr.

Berlin, 25. Jan. DerReichsanzeiger" meldet, daß der Kaiser den zum Bischof von Fulda gewählten und durch Papstbreve vom 7. December vorigen JahreS als Bischof bestätigten Dekan Joseph Weyland mittelst Urkunde vom 12. Januar die nachgesuchte landesherrliche Anerkennung ertheilt hat. Die Urkunde ist am 24. ds. dem neuen Bischof durch den Oberpräsidenten von Hessen-Nassau ausgehändigt worden, nachdem derselbe den in der Verordnung vom 13. Februar 1887 vorgeschriebenen Eid geleistet hatte.

Berlin, 25. Januar. Abgeordnetenhaus. In Beantwortung der von Jagd- zewski etngebrachten Interpellation betreffs des polnischen Sprachunterrichts in Posen und Westpreußen, wies Cultusminister o. Goßler zunächst den AusdruckGroßherzog- thum Posen" als unrichtig zurück und führte dann weiter aus, daß der Erlaß bezüg­lich Wegfalls des polnischen Sprachunterrichts das Ziel verfolge, preußische Unters thaneu polnischer Muttersprache mit der deutschen Sprache vertraut zu machen, dieselben aus der socialen und wirthschaftltchen Jsoltrung zu befreien und sie zu befähigen, an dem öffentlichen und wirthschaftltchen Leben Preußens und Deutschlands mehr als bis­her theilzunehmen. Nach der Rede des Cultusministers nahmen an der Besprechung der Interpellation im Sinne der Interpellanten Theil die Abgeordneten Stablewski, Windthorst, Schorlemer und Jarochowski: im Sinne der Regierung die Abgeordneten v. Minnigerode, v. Zedtlitz, Seer und Wehr.

Die übrigen auf der Tagesordnung stehenden Vorlagen wurden der Rechnungs­und Budget-Eommission überwiesen.

Nächste Sitzung Samstag um 12 Uhr Vormittags. Tagesordnung: Auf­hebung der Relictenbetträge.

Dresden, 25. Jan. Die zweite Kammer genehmigte in der heutigen Schluß- berathung den Ankauf der auf sächsischem Gebiete gelegenen Strecke der Berlin- Dresdener Eisenbahn und den Bau der Verbindungscurve zwischen der Haltestelle Naundorf und dem Bahnhof Coswig. Der Kaufpreis für die Bahn beträgt 13 Mill., die Kosten für die Herstellung der Verbindungscurve 265,000 JL

Stockholm, 25. Januar. Die Abendblätter melden, daß der König heute 6 leitende Persönlichkeiten der Schutzzollpariei des Reichstages berufen und ihnen erklärt hätte, daß er den Erzbischof Sandberg mit der Bildung eines schutzzöllnerischen Ministeriums beauftragen würde.

Paris, 25. Jan. Betreffs des Abbruchs der Verhandlungen über den franzö­sisch-italienischen Handelsvertrag verlautet, daß von 272 Artikeln, welche der Vertrag von 1881 umfaßt, die italienischen Delegirten nur 89 und zwar mit Erhöhungen in den neuen Vertrag aufnehmen wollen.

San Remo, 25. Jan. Heute Abend fand anläßlich der Feier des dreißigsten Hochzeitstages des deutschen Kronprinzenpaares vor der Villa Zirto ein prachtvolles, von der deutschen Kolonie veranstaltetes Feuerwerk statt. Außerdem haben viele Ge­bäude, namentlich die größeren Hotels, glänzend tlluminirt. Der zum Gebrauch des Kronprinzen stehende AvisodampferBarborigo" war prächtig erleuchtet. Vor der Villa Zirto befand sich ein zahlreiches Publikum, welches dem Kronprinzenpaar un- ausgesetzl enthusiastische Ovationen darbrachte.

Reval, 25. Januar. Die Rhede ist eisfrei; einige Dampfer kommen von Baltischport hierher.

Darmstadt, 26. Januar. (Privatdepesche.) Der Großherzog ist mit der Prinzessin Irene heute nach San Remo abgereist.

Vermischtes.

Marburg, 24. Januar. Im Anschluß an unsere gebrachte Notiz über daÄ Abhandenkommen zweier Gewehrschlösser in hiesiger Kaserne können wir heute mit­theilen, daß auch das zweite Schloß nunmehr gefunden wurde und zwar beim Aus- . leeren der Latrinen. Ein Diebstahl derselben ist also ausgeschloffen.