Ausgabe 
26.7.1888 Zweites Blatt
 
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Dnrearrr Schulstraße 7.

Betreffend: General-Versammlungen des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf,

Nr. 172 Zweites Blatt. Donnerstag den 26. Juli 188Z

«iicßener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bekanntmachung.

. - Donnerstag dea 2«. Juli l. I., Nachmittags 2 Uhr, wird eine Generalverfammluna des

BezirkSvereenS Gtetzen ,u H un ge n in demSolmser Hof» (bei Herrn Jockel) abgehalten werden. lanvw.rtdfchaftl.ch.n Alle Mitglieder des Vereins und Freunde der Landwirthschast werden zu dieser Versammlung hierdurch freundlichst eingeladen.

Tagesordnung:

1) Feststellung des Voranschlags des landwirthschaftlichen Bezirks Vereins Gießen pro 1888.

2) Beschlußfassung über den Entwurf der Statuten des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen.

3) Berathung über die zur Vertilgung der Raupen an Obstbäumen zu ergreifenden Maßregeln

4)«»»Pt«* Schlenke von Gießen über das Thema: ,3t bie WverMerung aud) für ben tobten

G"ßen, den 14. Juli 1888. Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen.

------ ------ _____---Jost.

Berlin, 23. Juli. Es erregt in hiesigen Kreisen einige Verwunderung bafc auch angesehene auswärtige Blätter sich ganz ernstlich mit der Frage haben beschäftigen können, ob das Gerücht, würben beulscherseits Entwaffnungsvorschläge gemacht u^den, begründet fei oder nicht. Der Pariser Times-Eorrespondent, der die Nachricht französischer Blatter, daß Graf Herbert Bismarck in Paris die Abrüstung verlangen Werb& "U* s^ed,t aI§ Unsinn bezeichnet, fügt dieser Berichtigung hinzu, es sei nur da von die Rede gewesen, daß die Mächte FEreich freundschaftliche Vorstellungen machnr NEn wegen eines wahrend der Pariser Ausstellung geplanten Socialisten-Congreffes. D'es konnte zu der falschen Nachricht Anlaß gegeben haben. Der Times-Eorrespondent hatte es bei dem ersten Theil ferner Berichtigung belassen sollen, was er derselben hin- .grund^s wie das Gerücht von den deutschen Abrüstungsplänen. Deutschland hat mrt der Par ser Weltausstellung nicht das geringste zu thun unb will uuch mchts zu thun haben, und es ist einzig Sache der Franzosen, ob sie zu der Zeit Socialrflen-Eongresse rn Paris dulden wollen oder nicht. (Köln.Ztg.)

$?rrten bei solchen Gelegenheiten aus dem Munde des Kronprinzen und der Kronprinzessin manches anerkennende und ermuthigende Wort. 4

2113 hn Jahre 1884 die Kochschule im Pestalozzi-Fröbel-Hause eingerichtet wurde war eine der ersten Schülerinnen Prinzessin Victoria; nicht selten nahm sie die von fphCth-en ^Et nach Hause und der Kronprinz verfehlte nicht, gelegentlich seine Erledigung über die kochkunstlerischen Leistungen seiner Tochter auszusprechen fr,r serner kurzen Regierung hat Kaiser Friedrich sein besonderes Interesse

ur die Frobel sche Erziehungsmethode dadurch bethättgt, daß er der in Lambura lebenden hochbetagten Wittwe Fröbel's eine namhafte Pension bewilligte $ 9

,, Eine Schöpfung der Kronprinzessin, welcher ihr hoher Gemahl seine besondere Theilnahme zuwandte, war die Gründung des Vereins für häusliche Gesundheitspfleae im Jahre 1875. Derselbe beschäftigt sich mit Ausbildung von wissenschaftlich gebildeten mit Feriencolonien Versorgung der ärmeren Klassen mit 0uter

un* ^?brn zu sehr mäßigen Preisen, mit häuslicher Armen-Krankenpflege För- ftrhU%i*r ^eil]lid)Ceit und gesundheitlicher Lebensweise rc. Der Kronprinz beteiligte sich gleich mit einem hohen Beitrage und von der zur silbernen Hochzeit bargebrachten Spenbe wurden 1'0,00 JL und die bei derselben Gelegenheit von der Stadt Berlin übernHefen fur cin Krankenpflegerinnen-Heim von fast 120,000 diesem Verein

. . Ende des Jahres 1885 wurde zum Besten des Vereins für Volksernebuna buusliche Gesundheitspflege auf besondere Anregung und unter Mithülfe der Kronprinzessin in den ^eüsalen des Rathhauses ein Bazar veranstaltet. Die ganze kronprmzliche Familie nahm den lebhaftesten Antheil an demselben. Nicht nur bet ber ifhpnnTn0, U-n? btiuL Schlüsse erschienen die hohen Herrschaften, sondern sie verweilten leben Tag wahrend ber Dauer des Bazars mehrere Male in ben schön geschmück t b«->» >«>.

Waften in ber Sommerzeit, hat die Kronprinzessin ein Kinderheim geschaffen, in roekbem be'r 5eeibnarte^trn®4gingm.6ner unb ßcifli0e SpfIe0e finden, während die Müttc(

Eine Schülerin aus dem Pestalozzi-Fröbel-Hause ward dorthin berufen zur -cit- ÄX £ Ä ?.r ^"L°^A°rsteherin und zur Einführung der FrKelschen

Methode in das Kinderheim. Das besonders eingehende Interesse, welches der Kron prinz allem, was mit Bornstedt zusammenhängt, widmete, erstreckt sich natürlich auch oben geniuink Anstalt. Aber auch der Bau von Arbeiterwohnungen, Fürsorge ur R-rch- und Schule gingen aus dem cinmüthigen Wirken beS hohen Paares für die Bornstedter Bevölkerung hervor. ,ur vlc

Der Gedanke, gesunde und zweckmäßige Wohnräume für den Arbeiterstand überhaupt zu schaffen, lag beiden ganz besonders am Herzen und daß sich für diese üm±4fi 8fc4t " D-u'sch-°nd oerhältnißmätzig wenig Theilnahme z^gte, dl- iUUUHll lv I lv | tul

nn ÄE$eitc ift bereits berichtet, welch lebhaften Antheil ber Kronprinz an ber Bau-Gesellschaft nahm, welche tn Berlin sich mit gemeinnützigen Bauten beschäf- tigt, unb an bem Bemühen, ein ähnliches Actien-Unternehmen in's Leben zu rufen . Auch ber Grünbung ber Berliner Bau-Genossenschaft, welche burch die Arbeiter selbst und deren Mittel Hauser im Umkreise Berlins bauen wollte zum Eigenerwerb

bT(* berKronprinz großes Interesse entgegen.9 Sobald er davon horte, ließ er sich eingehenden Vortrag darüber halten. Gerade daß bie $au= Genossenschaft ihre Arbeit im Wesentlichen auf Selbsthilfe gründete und den Betheiligten eigene Hauser schaffen sollte, war es, was er besonders billigte. Noch nach San Remo ließ er sich über die Fortschritte der Genossenschaft berichten.

Nttt tiefgefühltem Danke überblicken wir bas cble Thun unb Wollen bes hoben Paares auf dem Gebiete gemeinnützigen Lebens. Mit stillem Schmerze schauen wir betn erhabenen, nun von uns geschiedenen Geiste Friedrichs III. nach, dessen umfassendes Verftändniß für die Bedürfnisse seines Volkes und die rechten Mittel zu deren Be- riedigung unsere Bewunderung erweckte, dessen immer warme und wahrhaft reine Menschenliebe uns begeistert, ihm nachzustreben."

Kaiser Friedrich's Wirken für Polksersiehung, Gesundheitspflege und Arbeiterwohl.

Aus dem Vorstande des Centralvereins für das Wohl der arbeitenden Klassen erhalt die Redactton desVolkswohl" als weiteren Beitrag zur Darstellung der gemein­nützigen Bestrebungen Kaiser Friedrichs die nachstehenden Mittheilungen des Vorstands­mitgliedes, Herrn Abgeordneten Schrader in Berlin:

Das lebhafte Interesse, welches bie Kaiserin Victoria an der Kleinkinder- Erziehung und der Ausbildung mütterlicher Erzieherinnen nimmt, veranlaßte dieselbe im Jahre 1877, mit meiner Frau, einer Großnichte und Schülerin Friedrich Fröbel's, die Nch der Ausführung von dessen und Pestalozzi's Grundideen schon längere Zeit gewidmet hatte, in Verbindung zu treten. Seit dieser Zeit, also 11 Jahre hindurch, haben wir beide häusig Gelegenheit gehalt, zu erfahren, in welch erhabenem Sinne die Kaiserin Victoria und ihr hoher Gemahl bestrebt waren, Dinge in das Leben zu rufen und zu fördern, welche dem Wohle ber menschlichen Gesellschaft dienen.

Aon welchem Grundgedanken das hohe Paar bei seinen gemeinnützigen und wohlthatigen Werken ausging, hat Kaiser Friedrich in seinem Erlasse an den Reichs- ranzler ausgesprochen. Ihm lag vor Allem daran, daß ein freundliches, hilfreiches Verhaltniß zwischen den verschiebenenBeoölkerungsklassen bestehe, daß die Wohlhabenberen den Aermeren in bem Kampfe um's Dasein zur Seite stehen und daß letztere durch eine angemessene körperliche und geistige Erziehung in den Stand gesetzt werden, sich aufrecht zu halten und vorwärts zu kommen.

In Deutschland und in anderen Ländern konnte nichts Bedeutendes auf socialem ober pädagogischem Gebiete geschehen, was nicht dem Kronprinzen oder der Kron- i n iur Keuntniß kam und von ihnen darauf geprüft wurde, ob und wie es sich einfuhren ober förbern ließe. So verdanken ber gewerbliche und ber Fortbildungs- Unterricht, die Knaben-Handarbeit, bie höhere, sowie die auf Hebung der Erwerbs­fähigkeit gerichtete Frauenbildung, bie Feriencolonien, bie Krankenpflege, bie Recon- valescentenpflege, bie Kinderheilstätten, die Soolbäder für Kinder, die Bekämpfung ber Trunksucht, der Bau von Arbeiterwohnungen und viele andere ähnliche Bestrebungen Hohen Paare eine rege und nicht blos materielle, sondern ganz vorzugsweise auch geistige Forderung. Der Friedrich-Wilheim-Victoria Fonds ist für solche Zwecke bestimmt und wtrd ihnen weiter bienen. Aber wie vieles auf den genannten Gebieten schon von dem kronprmzlichen Paare geschaffen war, Größeres hatte sich dasselbe noch für bie Zukunft Vorbehalten.

f, Wie es in ber Natur der Sache liegt, war es besonders die Kronprinzessin, welche sich im einzelnen mit direct oder indirect der Erziehung dienenden Ideen unb peren Ausführung beschäftigte, aber immer war bas Interesse ihres hohen Gemahls an tbrem geiualen Schaffen unb liebevollen Wirken lebendig und so oft es seine Seit erlaubte unb er es für angemessen hielt, befunbete er öffentlich, wie warm ihm basselbe, U"e ihm überhaupt Erziehung unb Unterricht am Herzen lagen. Wie oft hat er, bald auetn, bald von der Kronprinzessin begleitet, Schulen besucht unb an Prüfungen theil- genommen; gar mancher Mann wirb es zu seinen schönsten Erinnerungen zählen, baß ihn sein Kaiser selbst einmal examinirt hat; in ben Lehrlings - Ausstellungen war er §reunb ma°l8er u^cr* feiten ein sachverständiger Kritiker, immer ein warmer ar 4. -S?. ?e"?ele s?in Wohlwollen auch dem unter dem Protektorate der Kaiserin Victoria stehenden Pestalozzi-Fröbel-Hause, Steinmetzstraße 16, Berlin, einer Schöpfung bes 2^^113 für Volkserziehung, zu, wie er auch den leitenden Ideen der beiden großen Pädagogen, welche der 2lnftalt den Namen verleihen, die höchste Aner­kennung zollte.

ist 1^73 gegründet und umfaßt jetzt einen großen Volks- wnbergarten mit ^6^1111^3; und Elementarklasse, Knaben-Arbeitsschule, Mädchen- ^^Houshaltmigsklasse und Mittagstisch für arme Kinder; ferner ein Seminar ^ÄÄozzt'Arob.el scher Erzieherinnen, eine Kochschule und das Victoria- Madchenheim, ein billiges Pensionat für die auswärtigen Schülerinnen der Anstalt.

steht in enger Verbindung mit einem ßocalcomitä des Vereins für häus- Ne G-sundheitspflcge, von dem jpater bie Rede fein wirb und welches im Haufe Sieinmetzstratze 16 ^nen Sitz hat. Dadurch werden den ärmeren Zöglingen des Pestalozzi-^robel-Haufes Reinrgungsbader, Fürsorge in Krankheitsfällen durch die in der Steinmetz,traße 16 stationirten Armen - Krankenpflegerinnen und andere Wohl- thaten zu Theil, welche das erziehliche Wirken ber Anstalt so wesentlich unterstützen.

Die Kronprinzessin besuchte das Pestalozzi-Fröbel-Haus häufig, regte zu neuen jeder Art"^e" i,e^cIben an * fchastte unb gab birecte Unterstützung, Rath unb Hilfe

Der Kronprinz hörte gern von den Entwickelungen und Erfolgen der Anstalt, und als sie am 13. April 1882 das 100jährige Geburtsfest Fröbel's in den fchönen Konferenzsälen des Anhaltischen Bahnhofs beging, beteiligte er sich mit der Kron­prinzessin daran und verweilte auch noch dort, als bie Kinder zum Schlüsse bewirtet würben. Im Jahre 1882 und 1885 schenkte er auch der Weihnachtsfeier der Anstalt seine Gegenwart. 1

Freundlich und herzlich, jeden Zwang bet Seite schiebend, verkehrte bei solchen ^"egenhelten das kronprinzliche Paar mit ben den ärmsten Schichten der Bevölkerung ungehörigen Kindern und Eltern; sie scherzten mit ben Kleinen, welche oft gar keine 4bnung hatten, wer sich mit ihnen beschäftigte, ihnen Zuckerwerk zutheilte, sie wohl gar auf Den Arm nahm und sich von ihnen vorplaudern liefe. Die leitenben Persönlich- I