— W as soll man nur mit dem Beerenobst anfangen? So hört man manchen Gartenbesitzer fragen, wenn er vor seinen reich behängten Stachelbeer- und Johannisbeerstauden steht. Einmachen? Aber schon schüttelt die im Departement der Küche regierende Hausfrau kräftiglich das zarte Haupt oder das liebe Köpfchen und gibt fragend zurück: Und woher all den Zucker nehmen? Woher die vielen Gläser, Krüge und Krücken? Und wer soll das Eingemachte all essen? Und wenn's uns gar verdürbe. So wird denn Geschloffen, nur einen Theil einzumachen und den Hauptertrag der Früchte auf den Markt zu schicken. Mit Mühe wird geerntet, mit Mühe die großen sorgfältig mit Papier ausgelegten Waschkörbe gefüllt und stillvergnügt schmunzelnd sehen die Gatten im Geiste auch schon die blanken D^ppelkronen dafür einrüden. Aber fehlgeschofsen! Diese Körbe voll der saftigen Früchte waren nicht die einzigen auf dem Markte, die Nachbarn und selbst die etwas weitläufigen Verwandten haben auch die ihrigen geschickt.
Sie haben ebenso gedacht und calculirt. Nun sind aber mehr Früchte als Käufer und kopfschüttelnd steht nun er sammt seiner besseren Hälfte, wenn statt der erwarteten Doppelkronen nur wenige und ganz einfache Silberlinge zurückfließen. •
Jetzt erinnern sie sich, daß der und jener ihre Früchte weit besser verwertheten, indem sie Weine daraus zogen und zwar Werne, die den Traubenweinen nichts nachgeben, erinnern sich wie hoch die Flasche Himbeersaft, Johannisbeerwein oder Stachelbeerwein bezahlt werden muß, wenn sie sie kaufen wollen.
Doch wozu die Einwendungen?
Wenn sie auch ihre Früchte hätten zu Wein machen wollen, sie besaßen ja doch kein chemisches Laboratorium, wie also hätten sie da es machen sollen? So trösten sie sich und die neue Ernte bringt wieder die alte Frage und den alten Aerger.
Ja, das chemische Laboratorium spukt noch so vielen im Kopfe herum und hält sie ab, ihre Ernte ebenso einfach als gut zu verwerthen. Obwohl fast mit jedem neuen Tag ein neues Schriftchen erscheint, das über die Einfachheit und die Rentabilität der Fruchtsaft- und Obstweinbereitung handelt, obwohl in jeder Buchhandlung für wenige Pfennige leicht faßliche und sichere Anleitungen zu erhalten sind, wissen doch gerade Viele nicht, wie außerordentlich einfach und einträglich dies Verfahren ist und wie wenig die Einrichtung dazu erfordert, unter der sie sich ein ganzes chemisches Laboratorium vorstellen.
Ein Faß, Fäßchen oder sonstiges Gefäß und eine Saftpresse, das ist alles, was zu einer solchen Einrichtung gehört und die. Anschaffung einer solchen Saftpresse macht nur eine geringe einmalige Ausgabe, da sie schon zu JL 24 von der Firma PH. Mayfarth u. Co. in Frankfurt a. M. und Berlin IV., Chausseestraße 2 E., ausgeboten werden.
Zur Saft- und Weinbereitung eignen sich die meisten Staudenfrüchte, wir nennen nur die Johannisbeere, die weiße, die rothe und ganz besonders die sehr ertragreiche schwarze, die Stachelbeere, Himbeere, Brombeere, aber auch die Heidelbeere und viele andere. Die Herstellungskosten z. B. von Johannisbeerwein stellen sich, wie die Deutsche Landw. Preffe jüngst berichtete, uneingerechnet des Werthes der Beeren und der Arbeit, auf ungefähr 10 bis 12 Pfg. per Liter, sie weist darauf hin, daß es bekannt sei, daß solcher Wein, richtig bereitet, dem besten französischen Rothwein nicht nachstehe.
Es ist daher sehr wünschenswerth, daß auch diese Art der Obstverwerthung weit mehr gepflegt werde, als es bis jetzt der Fall war, denn sie wird den Gartenbesitzer unstreitig dazu führen, die Eultur des Beerenobstes künftig mehr zu schätzen und zu hegen.
Literarisches.
— In der Bibliothek -er Gesammtliteratur (Verlag von Otto Hendel in Halle a. S.) erschienen soeben: Nr. 221. 222. Hauff, Der Mann im Monde, geh. 50 in eleg. Ganzleinenband mit Rothschnitt 75 H. Nr. 223. 224. Moritz Graf Strachwitz, Gedichte, Geiarnrnt-Ausgabe, geh. 50 H, eleg. geb. 75 in Prachtband mit Goldfchn. 1,50 JC Nr. 226—228. Scott, Kenilworth, geh. 75 eleg. geb. 1 JL Nr. 229.230. Slowacki, Gedichte, übersetzt von Albert Weiß, geh. 50 eleg. geb. 75 in Prachtband mit Goldschnitt 1,50 JL. — Der Druck ist, wie bei den früher erschienenen Bänden, deutlich und groß, das Papier gut geglättet und stark, der Preis im Verhältniß zur guten Ausstattung ein erstaunlich geringer. Jeder einzeln käufliche Band ist mit Einleitung und Titelbild versehen. Vollständiges Verzeichniß sendet die Verlagsbuchhandlung gratis und franco.
Hanvek und Verkehr.
— sRandreisescheineZ Nach der vor Kurzem erschienenen Zusatzbestimmung zum Betriebsreglement für die Eisenbahnen Deutschlands, wonach der Satz: „Ausgeschlossen ist die Rückfahrt mit einem Rundretsebillet über die zur Hinfahrt benutzte Route" aufgehoben ist, können demnach auch bei combinirten Rundreisebillets die Benutzung einer anderen als der auf dem Billet vorgedruckten Route, ohne Rücksicht darauf, daß diese Route schon einmal befahren wurde, gestattet werden. Wenn also z. B. ein Reisender, dessen combinirtes Rundretsebillet von Frankfurt die Hinfahrt über Aschaffenburg, Würzburg nach Nürnberg trägt und die Rückfahrt — wegen der zu viel befahrenen Doppelstrecken — Nürnberg-Bamberg-Würzburg-Aschaffenburg-Frankfurt lautet, so kann derselbe durch einen Vermerk des diensthabenden Beamten die direcle Strecke zur Rückfahrt — also in diesem Falle Nürnberg-Würzburg-Frankfurt — ausführen. Für kürzere Strecken hat der Reisende weiter nichts und bei längeren Strecken blos diebetreffenden Mehrkilometer nachzuenlrichten.
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Gießen, den 25. Juli 1888. Rübfamen.
Briefkasten.
F. 44. Bericht erwünscht. Depesche hat keinen Werth. Gruß.
Allgemeiner Anzeiger.
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Das diesjährige Jugendfest wird am 9 August im Philofopbeuwald abgehalten werden. Es sind zur Betheiligung über 2500 Kinder angemeldet, woraus zu ersehen, daß zur würdigen Begehung des Festes ansehnliche Geldmittel erforderlich sind. Wir richten deshalb an die geehrten Eltern und Freunde der Jugend die freundliche Bitte, uns auch diesmal durch Beiträge an Geld wohlwollend unterstützen zu wollen.
Junge Damen, die geneigt sind, als Zugführerinnen oder Spielordnerinnen mitzuwirken, werden gebeten, sich bei einem der unterzeichneten Comitemitgliever, am besten bei Herrn Lehrer Lehr zu melden und sich Sonntag, den 2g. d. M, Vormittags 11 ttbr, in der Turnhalle der höheren Mädchenschule einzufinden.
Da diesmal die Plätze für die acht Wirthschaften versteigert werden sollen, so ist hierzu Termin auf IMittwoch, den 1. August, Nachmittags 5 Uhr, an Ort und Stelle anberaumt. 5989
Das Festcomlte:
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Fuhr, Franz, Georgi, Hahn, Haustein,
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