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v. Goßler und der Finanzminister v. Scholz betonen wiederholt die Hoffnung auf eine Verständigung der Commission.

Morgen Sitzung um 11 Uhr Vormittags. Tagesordnung: Polen­interpellation. _ ,, , ,

Metz, 24. Januar. DieLothringer Zeitung" schreibt: Der Zwischenfall an der Grenze beschränkt sich auf die auf deutschem Gebiet erfolgte Entwaffnung des französischen Jägers Barberol aus dem französischen Grenzdorfe Trieux, etwa 20 Kilo­meter westlich von Diedenhofen, durch den deutschen Grenzausseher Hahnemann aus Lommeringen auf deutschem Gebiete. Am 21. ds. Mts. war Hahnemann Vormittags 10V2 Uhr auf einer Tournöe zwischen Lommeringen und der Grenzstation Fentsch. Er bemerkte, wie Barberot auf deutschem Boden jagte. Da Wilddiebereien täglich im dortigen Gebiete vorkommen, beschloß Hahnemann, die Verhaftung vorzunehmen. Er setzte Barberot nach, der sich bald zurückzog. Einige Schritte von der Grenze auf deutschem Boden trafen beide zusammen. Barberot knüpfte ein Gespräch mit Dem Grenzwächter an; Letzterer jedoch forderte ihn auf, ihm nach Fentsch zu folgen. Als Barberot energischen Widerstand leistete, entstand ein Ringen, welches mit der Ent­waffnung Barberot's durch Hahnemann endete. Heute begaben sich der Kretsdirector Ktlltnger und Polizeicommissar Keller von Diedenhofen nach dem Thatorte, um Er­kundigungen einzuziehen.

Wien, 24. Januar. Das Handelsministerium setzte sämmtliche bisher gegen italienische Provenienzen im österreichischen Küstengebiete noch bestehenden See-Sanitäls- maßregeln nunmehr außer Kraft.

DiePolit. Corresp." meldet aus Konstantinopel, seit der Vereitelung des Putsches in Burgas hätten abermals kleine Adtheilungen versucht, in Ostrumelten ein­zudringen. Mehrere Individuen seien schon von den Türken gefangen, andere beim Betreten von Ostrumelten entwaffnet worden. Die Zahl der Gefangenen betrage ins- gefammt 50. t

Preßburg, 24. Januar. Heute Vormittag explodirten in der Zurndorfer Dynamitfabrik auf bisher unaufgeklärte Weise eine Anzahl Dynamitpatronen. Drei Arbeiterinnen wurden getödtet, mehrere verwundet.

London, 24. Januar. Die Verhaftung des Abgeordneten Eox erfolgte auf Grund eines von einer irischen Behörde ausgestellten und von einer englischen gegen- gezeichneten Verhaftsbefehls. Cox, welcher sich lange den Nachforschungen der irischen Polizei entzogen hatte, war kürzlich nach England gekommen, da er glaubte, daß ein in Irland ausgestellter Verhaftsbefehl in England kraftlos sei. Cox wird nach Dublin zurückgebracht.

Stockholm, 24. Januar. Das Höchsten-Gericht bestätigte in zweiter Instanz die Stockholmer Wahlen zur zweiten Kammer. Die Schutzzöllner haben nunmehr definitiv die Majorität im Reichstage.

Bukarest, 24. Januar. (,,Haoas"-Meldung.) Nachdem ein Stallknecht der russischen Gesandtschaft mit vielen anderen Dienern anläßlich eines Verbrechens von der Behörde einige Stunden zurückgehalten worden, versucht man, der bedeutungslosen Angelegenheit einen politischen Anstrich zu geben und dieselbe zu einem diplomatischen Zwischenfall aufzubauschen. Alle auf Grund dieser Thalsache verbreiteten allarmirenden Nachrichten können als unbegründet bezeichnet werden.

Erinnerung an die Bettler und Arbeitslosen vor 40 und 50 Zähren.

Man pflegt recht oft die guten alten Zeiten zurückzuwünschen, ohne anzuerkennen, daß es doch unzweifelhaft in vielen Dingen besser auf der Welt geworden ist. lieber das frühere Wandern und Landstreichen wird uns von einem warmen Volksfreunde, der selbst aus Handwerkerkretsen heroorgegangen ist und früher Webergeselle war, Folgendes berichtet:

Ich habe als Junge von 910 Jahren stundenweit ganze Banden von Arbeits- lofen begleitet, weil dieselben bis 30 Mann stark, mit Musik (Ziehharmonika, Flöte, auch einmal Trompete) früh von der Herberge abzogen und nach Erreichung des nächsten Dorfes wie geschult auseinanderstoben, um die Umgegend abzugrasen. Nach 2, 3 Stunden waren sie wieder beisammen und die Reise ging weiter.

Es war in dem alten verrotteten Jnnungswesen Bestimmung, daß jeder Aus- gelernte sofort oder möglichst bald nach seiner Freisprechung in die Welt zu wandern hatte. Aber höchst selten hatte solch' armer Teufel ein paar Thaler Geld in der Tasche. Er war darauf angewiesen, zu fechten. Mein Vater, der durchaus von mir verlangte, daß ich ein Händwerk lernte, hatte allerdings manchmal in Bezug auf mich seine Bedenken, er meinte dann:Kerl, was soll aus Dir werden. Du kannst im Leben nie sechten lernen." Meine Brüder dagegen das waren Hauptkerle seiner Meinung nach, die durchwanderten alle Gaue Deutschlands, bis ihre Sachen als Lumpen vom Halse fielen und dann waren sie plötzlich eines Tages, verlumpt und verlaust, wieder im elterlichen Hause und durften neu gekleidet werden. Läuse hatte jeder Wanderer. Wenn mein Vater einen neuen Gesellen einstellte, so nahm er ihn zunächst in ein Bodenkämmerchen und dort untersuchte er den Bruder Schlesier und Westfalen. Das Ergebniß war stets, es mußte der ganze Kerl gebadet, seine Wäsche gebrüht und ihm frische Wäsche geliehen werden. Hosen wurden gewöhnlich gleich verbrannt rc.

Es blieb auch für die armen Teufel gar nichts weiter übrig unter den damaligen Zuständen, als zu betteln. Als mein Bruder, der älteste, im Jahre 1840 oder 1841 das erste Mal in die Fremde ging, hatte er gleich das Glück, in Dresden Arbeit zu finden. Er bekam als Böttchergeselle freie Kost und Wohnung und wöchentlich 8 Ggr. Von einem wöchentlichen Verdienste von 8 Ggr. Wäsche rc. bezahlen und so viel zu sparen, daß die weitere Wanderschaft aus Ersparnissen sich machen läßt, ist nicht möglich.

Als ich vor ungefähr 30 Jahren in der Gegend von O . . . einquartiert war, kamen aus der Stadt ganze Schaaren von Bettlern und Bummlern, so daß in der ganzen Umgegend die Behauptung zu hören war:Die .... betteln alle und was dazu zu faul ist, das stiehlt."

In jeder Wirthschaft kleiner Städte und Dörfer wurde früh eine Taffe mit Kupfermünzen gefüllt und jeder Ansprechende erhielt seinen Pfennig. Es war eine unglaublich hohe, aber fast von Niemandem verweigerte freiwillige Steuer. Ich kann über Hohe derselben nichts Genaues angeben; doch glaube ich mit Sicherheit behaupten zu können, daß jedes am Wege wohnende wohlhabende Gemeindeglied mindestens 4 Ggr. täglich zu opfern hatte."

Lokale-.

Gießen, 25. Januar. In unterer Zeit, wo durch die Verwerthung der Dampfkraft und Elektrizität und durch die Gründung der Weltpoft die Schranken, welche früher die verschiedenen Nationen trennten, zum großen Theil beseitigt sind, ist das Bedürfniß nach einem allgemeinen Derständigungsmittel der Völker dringender geworden als je vorher. Nachdem schon seit 200 Jahren Versuche von den ver­schiedensten Nationen gemacht wurden, eine internationale Sprache zu schaffen, scheint es endlich dem deutschen Gelehrten Schleyer gelungen zu fein, in seinem sog. Volapük

i eine Weltsprache zu conftruiren, die die Kraft in sich besitzt, den Erdball in kurzer I Zeil zu erobern. Diese innere Kraft besitzt sie, abgesehen von ihren vielen Einzelvor­zügen, schon deshalb, weil sie nicht ein rein künstliches Machwerk ist, wie zahlreiche frühere Versuche, sondern weil sie der Wirklichkeit abgelauscht ist, indem sie weiter nichts ist, als eine staunenswerth geschickte und leicht zu erlernende Mischsprache der hauptsächlichsten Cultursprachen, ähnlich wie sich solche in der Wirklichkeit schon ge­bildet haben da, wo der internationale Verkehr ein besonders lebhafter ist, wie z. B. die lingaa franca an den Küsten des Mittelländischen Meeres. Daß Schleyer's inter­nationale Handels- und Verkehrssprache eine glückliche Lösung der schwierigen Frage ist, dafür zeugen nicht nur die Urtheile hervorragender Autoritäten auf dem Gebiete der Sprachforschung, sondern ganz besonders die überraschenden Erfolge, die Volapük im In- und besonders im Auslande bis jetzt erzielt hat. Die Grammatik des Er­finders ist in 32 Sprachen übersetzt, in allen Culturstaaten bestehen Weltsprachvereine, die Länder Europas besitzen bereits ihre Zeitungen und Zeitschriften in Volapük, an der Handelsschule in Paris und Wien, sowie an verschiedenen Schulen in München ist es bereits Unterrichtsgegenstand im Lehrplan geworden, und schon macht sich in größeren Geschäften und Hotels daS Bedürfniß nach Volapükkundigen bemerkbar. An­gesichts solcher Thatsachen dürfte es an der Zett sein, daß jeder Gebildete sowie jeder, der irgendwie in den Weltverkehr eingreift, sich vertraut mache mit Schleyer's Er­findung , die man schon jetzt als die wichtigste Erfindung unseres Jahrhunders be­zeichnen hört. Volapük, das große Geisteswerk Schleyer's gewinnt sich durch seine strenge Logik, durch seine grammatische Regelmäßigkeit, durch seine außerordentliche Leichtigkeit und seinen Wohlklang bald diejenigen zu Freunden, die sich nur kurze Zeit damit befassen. (Wir halten es für unsere Pflicht, auf ein Inserat, betr. Volapük, in der heutigen Nummer unseres Blattes sowie auf eine andere Anzeige in der gestrigen Nummer hierbei noch einmal hinzuweisen).

Gießen, 25. Januar. Die Vorbereitungen zu dem Samstag Abend in Stein's Saalbau stattfindenden Winterfest der Rudergesellschaft sind in vollem Gange und ist das Programm ein ausgewähltes und vielversprechendes zu nennen. Das lebende BildDer Rudersport Deutschland seine Huldigung dar bringend" dürste dem Ent­wurf nach zu urtheilen vollendet großartig werden; vorher werden ein zweiaktiges Lustspiel und eine zweiaktige Humoreske zur Aufführung kommen, während in den Zwischenpausen die hiesige Regimentsmusik conceriirt. Die Proben finden Donners­tag und Freitag Abend statt, (s. Jnseratentheil).

X X Gießen, 25. Januar. Nur noch wenige Tage und die Familie Derer vsn Hase hat Ruhe und kann sich während der nächsten Zeit ungestört den häus­lichen Pflichten hingeben. Kein Knall stört mehr das idyllische Leben der einzelnen Familienmitglieder; die Zeit, woder Jäger mit seiner langen Flinte schießt auf dich den Schrot, daß dich färbt die rothe Tinte und Du bist Dann tobt", ist für diesmal glücklich vorüber, und wer bisher von den Hasen nicht Kohl und Kraut mit seiner Haut bezahlt hat, kann sich bald der ungestörten Ruhe hingeben bis zum nächsten Herbst.

Es dürfte wohl für die meisten unserer Leser von Interesse sein, zu wissen, daß der vor einiger Zeit in unserem Blatte erwähnte Baumriese aus dem Krofdorfer Gemeindewald nunmehr auf dem Holzplatze des Herrn Ph. Karl Euler auf dem Hamm liegt. Der Stamm ist wirklich prachtvoll und hat einen Durchmesser von 1,25 Meter in der Mitte. In den ersten Tagen soll der Stamm schon geschnitten werden.

Werssi-Äsre».

Okarben, 23. Januar. Gestern Abend zwischen 8 und 9 Uhr brach auf dem großen v. Leonhardi'schen Hofgute an 5 Stellen zu gleicher Zeit Feuer aus, das die sämmtlichen Scheuern und Stallungen im Zeiträume von anderthalb Stunden total einäscherte. Weder Vorräthe noch Vieh konnte gerettet werden. Unzweifelhaft liegt Brandstiftung vor.

A Mainz, 24. Januar. Bischof vr. Haffner ist heute Vormittag in Begleitung des Domcapitular Nostadt zur Consecrationsfeier nach Fulda abgereift. Gleich wie bei verschiedenen anderen Bahnen sind die Beamten des äußeren Dienstes der Hessischen Ludwigsbahn in der jüngsten Zeit zusammengetreten, um einen Unterstützungsoer ein auf Gegenseitigkeit zu gründen, für den Fall gerichtlicher Nachspiele bei Betriebsunfällen. Die Gemeinschaft aller Mitglieder soll in Fällen, wo sich Angehörige des Vereins vor Gericht oertheidigen müssen, die Ausgaben für Anwalt, Zeugen, Gerichtskosten rc. bestreiten. Ausgeschlossen foüen dagegen solche Fälle sein, welche in Folge des Urthetlsspruches die Entlassung des ober der gerichteten Mitglieder aus dem Bahndienst zur Folge haben.

A Vom Rhein, 24. Januar. Kaum ist die Schifffahrt wieder eröffnet und schon sind zwei Schiffsunfälle zu verzeichnen. Der SchlepperJohann Faber III." ist bei Oestrich mit einem eisernen Anhangschiff zusammengeprallt Und nicht unerheblich beschädigt worden. Schuld hieran trug eine Sandbank, welche sich während des Eis­ganges gebildet hatte. Der zweite Unfall wurde ebenfalls durch eine Sandbank ver­ursacht und betraf das RäderbootFranz Hantel I.", das Bingen gegenüber auffuhr und hierbei am Hintertheil ein Defect erhielt. Die Köln-Düsseldorfer Dampfschiff­fahrtsgesellschaft hat den durch den Eisgang unterbrochenen Dienst wieder ausgenommen. Die Niersteiner Schiffer petitioniren eben bei dem Kreisamt Mainz um Anlage eines beschränkten Hafens zur Sicherung ihrer Schiffe bei Eisgang.

A Von der Mainrnündung, 24. Januar. Obgleich der Main bereits eisfrei, sind die Canalschleusen noch fest zugefroren. Eben ist man mit de» Aufbrechen derselben beschäftigt, eine Arbeit, welche sehr schwierig ist und viel Zeit in Anspruch nimmt. In Kostheim und Flörsheim sind die fliegenden Brücken wieder in Betrieb.

Wöchentliche Neberficht der Todesfälle in der Statt Gießen.

3. Woche. Vom 15. Januar bis 21. Januar 1887.

Einwohnerzahl: 19 001 (incl. 1600 Mann Militär).

Sterblichkeitsziffer: 24,5/». Kinder im vom

1. Lebensjahr: 2.15. Jahr:

Es starben an:

Zusammen: Erwachsene:

Krebs

1 (1)

1 (1)

Harnruhr

1 (1)

1 (1)

Gehirnschlagfluß

1

1

Masern

1

1

-

Lungenentzündung

2

1

1

Krämpfen

1

1

Lungenschwindsucht

2 (1)

Summa: 9

5

- 2 (1)

1 3

Anm. Die

in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle

in der betreffenden Krankheit auf von

Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

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