Einzelbild herunterladen

Wöchentliche Neberficht der Todesfälle in der Ziadt Gieße«.

29. Woche. Vom 15. Juli bis 21. Juli 1888.

Einwohnerzahl: 19 001 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 13,7 o/qo.

Kinder

Zusammen: Erwachsene:

im

vom

Es starben an:

1. Lebensjahr: 2.15. Jahr r

3 (2)

Summa: 5 (3)

3 (2)

3 (2)

1 (1)

1

Lungenschwindsucht Gehirntuberkulose Gehirnentzündung

1 (1) 1

2 (1)

Anm. Die in der betreffenden

in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen»

Wärmegrade der Lahn und der Luft, nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr. Luft 171/2, Waffer 15 Gr.

Gießen, den 24. Juli 1888. Rübsamen.

Der Unterricht meiner Schule beginnt

Mittwoch den 1. August.

Anmeldungen nehme jederzeit in meiner Wohnung entgegen.

Lina Moeser,

gepr- Handarbeitslehrerin

5968 Schiffenbergerweg 14.

n |L Dnlnnlnnnknn ertheilt M. M. Rotten, biplomirter Jn-

Hath in ratentssclwn an der technischen

Hochschule zu Zürich.

Berlin NW., Schiffbauerdamm Nr. 29a.

Geschästsprinzip: Persönliche, prompte und energische Vertretung. [6019

Literarische-.

Von der WelthandelszettsckriftGlobus" in München liegt uns Nr. 152 vor, welche Nummer in den z. Z. in München statlfindenden Ausstellungen im Zeitungs­kiosk des Herrn Rudolf Mosse gratis abgegeben wird.

Eine stattliche 20 Seilen starke und typographisch vorzüglich ausgestattete Nummer ist es, welche die Verlagshandlung den Ausstellungsbesuchern als Erinnerung an München dedtcirt. Künstlerische Illustrationen zieren die im redacttonellen Theile befindlichen Artikel hervorrragender Kunst- und industrieller Firmen, während die zwölf Seiten Inserate ein beredtes Zeugniß dafür ablegen, daß die deutsche Industrie ein derartiges nur ihren Interessen dienendes Organ auch thalkräftig unterstützt.

Unsere größte belletristische deutsche Zeitung »Utbtt Land und Meer" hat, wie wir boren, den Marinemaler Herrn Earl Saltz mann, welcher auf spectellen Befehl osficicll als Künstler die Reise nach Rußland im engeren Gefolge Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm II. mitmacht, als Spectalzeichner für die kaiserliche Zusammen­kunft und die damit zusammenhängenden Festlichkeiten gewonnen. Außerdem ist der Berliner Militärmaler Herr H. Lüders, der bekanntlich die wichtigsten Vorkommnisse im Leben unseres hochseligen Kaisers Wilhelm I. für die allerhöchste Privat-Bilder- sammlung malte, nach Rußland gereist, um im Verein mit Herrn Boltzmann und noch einigen russischen Künstlern die Kaiserbegegnung in ihren Einzelheiten fürUeher Land und Meer" mit ihrem Stifte zu verherrlichen. Wir werden daher schon in den nächsten Nummern des berühmten Weltblattes die interessantesten Scenen im Bilde sehen können, und dürfen wir mit Befriedigung constatircn, daßlieber Land und Meer" feine Aufgabe, solch wichtige Weltbegebenheiten gut und rasch zu illustrtren, mit Geschick und Geschmack, ohne Ansehung der jedenfalls sehr großen Kosten, zu lösen bestrebt ist.

Lokales.

Gießen, 24. Juli. Das gestrige Eoncert der Badischen Grenadiercapellc in Stetn's Garten war außerordentlich stark besucht, fast überfüllt. Tas hochinteressante Programm wurde meisterhaft executtrt und machte der Capelle und ihrem tüchtlgen Dtrlgenten alle Ehre. An wohlverdienten, nicht enden wollenden lebhaften Beffallsbezeugungen nach jeder Pidce hat es in Folge dessen denn auch nicht gefehlt. Nur schade, daß der schlechten Witterung halber die Aufführung nicht im Garten stattfinden konnte; manches zart besaitete Nervensystem wird bet der mächtigen Tonfülle tm geschlossenen Raum diesen Wunsch wohl gehegt haben.

Schiff-nachrichten

Bremen, 21. Juli. [Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Saale, Capitän H. Richter, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 11. Juli von Bremen und am 12. Juli von Southampton abgegangen war, ist gestern Mittag wohlbehalten in Newyork angekommen.

Universität-° Chronik.

Bonn, 21. Juli. Sicherem Vernehmen derBonner Zeitung" nach wird Professor Bender aus der evangelifch theologischen Facultät hiesiger Universität in deren philosophische Facultät übertreten, um fortan allgemeine Religionswissenschaft, d. h. Religionsphilosophie und vergleichende Religionsgeschichle zu lehren.

Platz genommen, links von dem Hofminister der Staatssecretar Bismarck, die Minister v. Giers, Wannowskt, Possiet, Deljannow, der Botschafter Schuwalow und Baron Jomtni. Bet dem Toaste des Kaisers Alexander intontrle btc Musik die preußische Nationalhymne, bet demjenigen des Kaisers Wilhelm die russische Hymne.

Petersburg, 23. Juli. Kaiser Wilhelm wohnte heute Abend der Feier des Namensfeftes der Königin von Griechenland in Pawlowsk bei. Margen findet das Dejeuner auf einem der deutschen Kriegsschiffe statt, worauf um 2 Uhr Nachmittags die Abreise des deutschen Kaisers erfolgen wird.

KraSnoie-Selo, 23. Jult. Heute Vormittag wohnten die Kaiser Wilhelm und Alexander den Uedungen des Wyborger Jnsanterie-Reglments und' der Garde- cavallerte bei. Nach Beendigung der Hebungen führte Kaiser Wilhelm sein Wiborger Regiment in Parademarsch an dem russischen Kaiser vorüber. Die Uebungen der Gardecaoallerie wurden von Großfürst Nikolaus geleitet und von 5- Eskadrons aus­geführt. Am Schluß defiltrte die gesammte Cavallerie vor den beiden Kaisern, worauf Kaiser Wilhelm dem Großfürsten Nikolaus seine Anerkennung für die glanzende Aus­führung der Uebungen aussprach. Das darauffolgende Deieuner wurde beim Groß­fürsten Wladimir eingenommen. Hierauf besuchten beide Kaiser das Lager und das Lazareth des Wiborger Regiments. Kaiser Wilhelm richtete daher an bte Kranken im Lazareth teilnehmende Worte. Der russische Kaiser verlieh dem Grasen Herbert BtSmarck die Diamanten zum Alexander-Newsktorden, der deutsche Kaiser dem Minister Giers die Diamanten zum schwarzen Adlerorben, sowie Wlangalt den rothen Adlerorden erster C ^ss Jubelfeier zur Einführung des Christenthums in Rußland wurde gestern mit einer Vigilie eingeleitet, welche der Metropolit von gerbten, Michael, am Grabe der Großfürstin Olga celebrirte. - Heute fand die feierlrche Etnwerhung des Denkmals Bogdan Chmelnizky's statt. k

Bukarest, 23. Juli. Das Königspaar verlaßt Smafa am Mittwoch, der König begibt sich nach Gräfenberg in Österreichisch-Schlesien zum Kurgebrauch, die Königin nach 23. Juli. Fürst Ferdinand ist heute hierher zurückgckehrt.

Handel und Verkehr.

Gießen, 24. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, pr. Pfd. JL 0,750,90, Hühnereier, 1 St. 00 H, 2 St. 911 H, Enteneier 56 Gänse -

eter 000 Käse pr St. 4-7 H, Käsematte pr. St 3 H, Erbsen pr. Liter 16 Linsen pr. Liter 28 Tauben pr. Paar X 0,600,70, Hühner pr. St. X 0,901,10, Hahnen pr. St. X 0,601,00, Enten pr. St. X 1,301,70, Ochsenfleisch pr. Pfd. 6968 Kuh- und Rindfleisch 4554 Schweinefleisch 5060 H, Hammelfleisch 5464 H, Kalbfleisch 4046 Kartoffeln pr. 100 Kilo X 5,508,00, Zwiebeln per Centner X 8,5010,00, Milch pr. Liter 12-18 H, Weißkraut pr. St. 00-00, Kirschen pr."Pfd $$ (Viehmarkt). Anaefahren waren 476 Ochsen,

39 Bullen, 566 Kühe, Stiere und Rinder, 219 Kälber, 61 Hämmel, 159 Schweine. Die Preise stellten sich pro 100 Pfd. Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qual. X 5759. 2. Qual. X 5054, Bullen 1. Qual X 3638, 2. Qual. X 35-36, Kühe, Stiere und Rinder 1. Qual. X 50-53, 2. Qual. X 4016, Kälber 1. Qual, pro Pfund Schlachtgewicht 5052 H, 2. Qual- 4046 Hämmel 1. Qual. 5060 H, 2. Qual. 4850 H, Schweine 1. Qual. 4550 H, 2. Qual. 4748

Vermischtes.

Frankfurt, 23. Juli. Der am Samstag verhaftete angebliche Maler nennt sich Bergmann, es ist indeß bereits festgestellt, bafi der Einbrecher, der übrigens hier seit 6 Jahren als Rentier lebt und zwar auf großem Fuße, nicht Bergmann heißt, sondern sich nur so nach einer mit ihm zusammenlebenden Frauensperson, bte man bislang für die Gattin des HerrnRentier" hielt, nennt. Den richtigen Namen ver­weigert der Einbrecher. Das wird ihm aber nicht viel helfen, wenn es auch die Unter­suchung erschwert, denn heute schon steht zweifellos fest, daß unsere Polizei in dem Herrn Maler Bergmann" einen vortrefflichen Fang gethan hat und den Silberdleben (es sind deren ohne Fehl mehrere) auf der Spur ist. Langner und Bergmann waren jedenfalls Eomplicen und der Dritte im Bunde scheint der Hehler Link in der Buch- gaffe dahier gewesen zu fein. Bergmann will jetzt aus Danztg sein. Er war hier stets nobel in seinem Aeußern wie in seinem Auftreten, trug stets Cylinder und goldene Brille und ließ in den Wirtschaften gerne etwas draufgehen. Kern Wunder, wenn man io leicht das Geldverdient". In ferner Begleitung sah man außer feiner Concubine stets ein Bolognefer Hündchen, das auch in der Hunbe-Ausstellung tm Mai einen Platz gefunden hatte. Man sieht, der HerrRentier" war überall und wußte nach feinen Mitteln und feinem Rang aufzutreten. Die Verbrecherwerkzeuge die man bei Langner vergeblich gefixt hatte, hat die Polizei bei Bergmann in reichster Auswahl vorgefunden. Der freche Einbrecher wohnte hier -Seckbachergaffe 11. Man darf tn der That gespannt darauf sein, was die Untersuchung, die natürlich mit der größten Sorgfalt und Umsicht geführt wird, noch zu Tage fördert. , ,

Von der Saar. In engeren Kreisen ist wohl schon oft die Frage erörtert worden, wann im Kriege 1870 der erste Zusammenstoß mit dem Feinde statt hatte. Die nachfolgenden Zeilen, von denen mir das Material von hochgefchatzter Seite zur Verfügung gestellt wurde, dürfte den Nachweis liefern, daß dies bereits am 19. Juli 1870, früh 3V1 Uhr, also am gleichen Tage, an welchem die Kriegserklärung in Berlin übergeben wurde, und zwar bet Saarbrücken, der Fall war. Der denkwürdige Vorfall, der auch im Kriegstagebuch des damals in Saarbrücken stehenden 7. Ulanen-NegimentS (jetzt in Saarburg) niedergelegt ist, spielte sich nach den Darstellungen eines ^heil- nehmers an demselben folgendermaßen ab: Am 19. Juli vor Tagesanbruch ging die 2. Schwadron des genannten Regiments unter Rittmeister v. Luck zu einer Recog- noscirung über Saarbrücken gegen die Grenze bei Stieringen vor. Dieselbe traf 3*/i Uhr bei Folsterhöhe ein und entsandte von gedeckter Stellung aus zahlreiche Patrouillen, welche bald die Meldung brachten. daß von Stieringen her eine größere Cavallerie- Ablheilung anrücke. Letztere marschirte auf dem Felde westlich von der Straße unter großem Aufwande von Eommandos und Signalen schwerfällig auf. Bei diesem Anlaß sand Trompeter Blanke Muße, seinem Rittmeister mitzutheilen,daß denen ihre Trom­peten in Es stehen". Der Feind, ein geschlossenes Regiment mit vier Schwadronen Chasseurs ä Cheval, zog nun eine starke Plänklerkette vor, welche 500 Meter vor dem preußischen Zollhause Halt machte und auf jeden einzelnen Ulanen ein mörderisches, übrigens ganz erfolgloses Feuer richtete. Eine halbe Schwadron Chasseurs ritt gegen bas Zollhaus vor und nahm die beiden Zollbeamten gefangen. Rittmeister v. Luck ging "nun, von der Flanke her durch Lieutenant v. Pfannenberg unterstützt, zum Angriff vor und trieb den Feind bis zur Planklerkette zurück. Gegen 4 Uhr trafen die 3. und 4. Schwadron unter Rittmeister Freiherrn v. Lefort ein und gingen gegen die Plänkler vor, welche sich eiligst zurückzogen. Es wurde sodann zur Attacke geblasen, das feind­liche Regiment nahm jedoch den Kampf nicht auf, sondern machte Kehrt und zog sich in schnellster Gangart nach Stieringen zurück der erste Zusammenstoß mit dem Feinde war zu Gunsten der Unserigen entschieden. Nachdem in den folgenden Tagen die Ulanen mit Hilfe von Jnfanteriehelmen sich in Dragoner und durch Drilltchjacken und Feuerwehrhelme in Kürassiere verwandelt hatten und dadurch erwiesenermaßen bei den Franzosen die Täuschung veranlaßten, als ob Saarbrücken durch eine ganze Caoalleriedioision besetzt sei, wurde am 21. Juli der erste Gefangene gemacht. An diesem Tage zechten einige Franzosen tm sogenannten Drahtzuger Wirthshaufe. Der Besitzer ließ dies durch sein Töchterchen dem auf dem alten Exercielptatze befindlichen Rittmeister v. Luck mittheilen; der von dem letzteren entfanbten Patrouille gelang es, einen Sergeanten gefangen zu nehmen, der bann Tags darauf in bekränztem Wagen nach Eoblenz geschickt wurde.

Zu einem evangelischen Blutzeugen wäre der Reformator Kaspar Adler (Aguila), der Freund Luther's und Milübersetzer der Bibel, fast geworden, als Sickingen's feste Ebernburg von den vereinigten Heeren des Landgrafen von Hessen, des Kurfürsten von Trier und des Pfalzgrafen berannt wurde. Schulte vom Brühl erzählt darüber im dritten, die Ebernburg behandelnden Heftchen seines volksthümlichen, echt vaterländischen Merkchens:Deutsche Schlösser und Burgen" (Leipzig, Voß' Sorti­ment, G. Haessel) das Folgende: Als die Ebernburg nach dem Tode ihres Herrn von den verbündeten Fürsten belagert wurde, wollte einer der Besatzung aus Aberglauben von dem Prediger eine hereingefallene Kugel getauft haben. Aquila weigerte sich dieser Handlung als einer gottlosen, worauf er von den Spießgesellen des seltsamen Tauf- naters köpflings In einen weitseeligen Mörser gesteckt wurde, um in die Luft geschossen

zu werden. Zum Glück versagte das Zündkraut und ein herbeirilender Führer zog den Aermsten an Den Beinen aus dem Geschütz hervor.Ich will sie dennoch nit kaffen", soll das erste Wort gewesen sein, welches der kaum befreite, starkherzige Gottesmann darauf sprach. Geweih ein Beweis von Uederzeugungstreue und großer Geistes­gegenwart.

Ein probates Mittel hat ein in der Elsasserstraße nahe dem Rosenthalcr Thor in Berlin wohnender Barbier gefunden, um sich vor pumpsüchtigen Freunden zu schützen. Die weltbekannte Hilfsbereitwilligkeit und Loyalität, welche ja zu den Standesetgenthümlichkeiten der Barbiere gehören, machte sich ein großer Theil der Kundschaft unseres biederen Bart- und Haarkünstlers in der Weise zu Nutze, daß sie ihren Freund und Gönner bei jeder Gelegenheit mit kleinen Beträgen anpumpten, unter dem bekannten Vorwande, dasPortemonnaie vergessen" zu haben. Der menschen­freundliche Barbier, welcher sein lobenswerthes Verständniß für die Verlegenheiten der Unglücklichen stets durch bereitwillige Hilfe dokumentirte, bemerkte indeß bald, daß Un­dank der Welt Lohn fei; denn er verlor nicht nur die geliehenen Beträge, fondern auch die betreffenden Kunden. Um diesen unangenehmen Eventualitäten auf eine ehrenvolle und Erfolg versprechende Weise aus dem Wege zu gehen, hat er nun, wie dasB. T." erzählte, in seinem Laden folgendes Plakat veröffentlicht:

50 Mark Belohnung.

Diese Summe zahle ich Demjenigen, welcher vom heutigen Tage ab von mir irgend einen Geldbetrag geliehen erhält, desgleichen Demjenigen, welcher mir nach- weist, daß ich Jemandem Geld leihweise verabfolgt habe."

Die Wirkung dieser Veröffentlichung ist eine offenbare, denn sobald Jemand in den alten Fehler zu verfallen droht, so entgegnet ihm der schlaue Barbier:Ach, Sie wollen sich ja nur die Belohnung verdienen; so dumm sind wir nicht." Auf diese Weise behält er fein Geld und feine Kunden.