Und die Kinder? Sie haben von klein an dieselbe Tracht und sehen allerliebst aus mit ihren gesunden frischen hübschen Gesichtern, während unter den Erwachsenen nur sehr Wenige wirklich schön gefunden werden.
In all' dem fremdartigen Treiben verfloß die Zeit nur zu rasch und früher, als den meisten recht war, wurde zum Rückzug geblasen. Noch durch ein reichliches gemeinsames Abendbrod gestärkt, begann die lange Fahrt auf Leiterwagen nach Treysa zurück und dann die noch längere mit der Bahn über Marburg, wo die Freunde sich verabschiedeten, nach Gießen. Aber jeder Theilnehmer an der Fahrt wird bestätigen, daß der Tag überreich an neuen Eindrücken war und unvergessen bleiben wird. Herzlichen Dank dem Marburger Geschichtsverein, daß er auch den Gießenern die Theilnahme ermöglichte.
Gießen, 24. Mai. Gestern Abend nach 11 Uhr entstand im Backraume des Bäckermeisters Schreiner am Lindenplatz Feuer, welches indeß, Dank der raschen Hilfeleistung, schnell gelöscht wurde. Ein Quantum Mehl, einige Backutensilien, sowie eine Partie im 1. Stock befindlichen, einem im Hause wohnenden Schuhmacher gehörigen Leders wurde beschädigt.
Verwischte 4.
△ Mainz, 23. Mai. Einer von der Lohncommission ausgegebenen Parole folgend haben seit heute wieder etwa Dreiviertel der hier beschäftigten Maurergehilfen die Arbeit eingestellt. Inzwischen ist die hiesige Bürgermeisterei eifrig bemüht, die Differenzen zu beseitigen und hat zu diesem Behufe wiederum eine Zusammenkunft zwilchen Delegirten der Meister und Gesellen veranlaßt. „Die Gehilfen haben insofern ihre anfänglichen Bedingungen geändert, daß sie die elfstündige Arbeitszeit beibehalten, dafür aber den Arbeitslohn in 2 Elasten — für bessere Arbeiter 40 Pfg. und für gewöhnliche Arbeiter 35 Pfg. pro Stunde — eingetheilt wissen wollen. Wie wir aus Kreisen von Bauunternehmern hören, ist Hoffnung vorhanden, auf dieser Basis eine Versöhnung herbeizuführen.
Mainz, 23. Mai. Bei dem'Einfahren in den Bahnhof Niederlahnstein ist der aus Coblenz kommende gemischte Zug 730 gestern Abend auf einen Güterzug gestoßen und verursachte dadurch eine Sperrung zweier Geleise bis heute Morgen. Sechs Passagiere und drei Personen des Zugpersonals haben unbedeutende Verletzungen erlitten.
△ Aus Rheinhessen, 23. Mai. In Essenheim ist einen Tag vor Pfingsten ein altes Gebäude, welches seither als Bethaus der dortigen israelitischen Gemeinde diente, zusammengestürzt. — Ein auf einem Pfingstausstug begriffener Lehrer von Partenheim wurde unfern von Stadecken von einem Unwohlsein befallen; in ein Wirthshaus verbracht war er alsbald eine Leiche. — Der Rathschretber Reinhard von Freudenheim hat vorgestern unter Mitnahme verschiedener Gemeindegelder und unter Zurücklassung zahlreicher Schulden das Weite gesucht. — In Dolgesheim legte gestern ein Brand 3 Wohnhäuser und ebensoviel Scheuern in Asche. — In Finthen wurde der Polizeidiener beim Ruhestiften einer Gesellschaft von einem der Streitenden mit einer Mistgabel derartig verletzt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird.
— Die Arbeiten für die im September in Verbindung mit der 61. Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte in Köln stattfindende wissenschaftliche Ausstellung auf dem Gebiete der Medicin und Naturwissenschaften nehmen einen rüstigen Fortgang. Bereits 100 Firmen, und darunter sehr bedeutende des In- und Auslandes, besonders Oesterreichs und Englands, ferner mehrere wissenschaftliche Institute haben eine Beschreibung der auszustellenden Gegenstände eingesandt, so daß, zumal unter den entgegenkommenden Bedingungen, die den Ausstellern gestellt sind, auch die diesjährige hiesige Ausstellung wie ihre Vorgängerinnen in Wiesbaden und Berlin viel des Interessanten bieten und den Besuchern der Naturforscherversammlung eine reiche Quelle des Genusses und der Belehrung sein wird. Die Neuerung, daß auch den Besuchern Gelegenheit zum Ankauf der ausgestellten Gegenstände geboten ist, wird Vielen willkommen sein. Wegen der vielen Nachfrage nach den Bedingungen lassen wir dieselben hier folgen und bemerken, daß Anmeldebogen vom Bureau der Ausstellung (Unter Sachsenhausen 9) bezogen werden können. 1. Zur Ausstellung soll zugelassen werden das Beste und Bedeutendste, was die Technik in den letzten Jahren der naturwissenschaftlichen Forschung, dem naturwissenschaftlichen Unterrichte, der Hygieine und Heilkunde zur Verfügung gestellt hat. 2. Die zugelassenen Gegenstände können verkauft, jedoch keinesfalls vor dem Schlüsse der Ausstellung zurückgezogen werden. 3. Platzmtethe, sowie Beisteuer zu den allgemeinen Kosten wird von den Ausstellern nicht erhoben. 4. Für gute Aufstellung, Verwahrung und Beaufsichtigung wird nach Kräften Sorge getragen. Eine besondere Ausstellung oder besondere Ausschmückung der auszuftellenden Gegenstände ist mit Zustimmung des ComitS's zulässig, doch hat der Aussteller die hierdurch erwachsenden Kosten selbst zu tragen. 5. Das Comi16 läßt auf seine Kosten, jedoch ohne jede Verantwortung, die Aus- und Einpackung besorgen. Wird Aus- oder Einpackung durch besondere Sachkundige vom Aussteller gewünscht, so geschieht dies auf seine Kosten und Gefahr. 6. Die Ausstellungsgegenstände werden seitens des Comitö's auf dessen Kosten zu dem zu declarirenden Werthe gegen Feuersgefahr und Wasserschäden versichert. Im Uebrigen wird eine weitere Verantwortung für die ausgestellten Gegenstände seitens des Comits's nicht übernommen. 7. Anmeldungen haben bis spätestens 30. Juni zu erfolgen. 8. Die Gegenstände sind spätestens bis 1. September einzuliefern. 9. Nach Schluß der Ausstellung sind die Gegenstände bis zu einem vom Comitä festzuftellenden Termine zurückzuziehen.
VII. deutscher Ahrertag.
□ Frankfurt a. M-, 23. Mai. Die Beratbungen des 7. deutschen Lehrertages wurden heute Vormittag 10 Uhr fortgesetzt. Die Theilnebmerzahl war zwar heute geringer als gestern, immerhin aber noch eine sehr stattliche. Nach Verlesung der ein- gelaufenen Begrüßungstelegramme erhielt Herr Si egert-Berlin das Wort zu seinem Vortrag über „Die ärztliche Beaufsichtigung der Schulen". An der Hand von statistischen Erhebungen weist Redner überzeugend nach, wie schlecht es mit den Gesundheits- Verhältnissen in den Schulen bestellt ist und bespricht dann der Reihe nach Beleuchtung, Heizung und Reinigung der Schullokale, dabei hervorhebend, wie manchmal durch Errichtung von drei- und mehrstöckigen Gebäuden direct den Schulen gegenüber das Licht dermaßen verschlechtert werde, daß die Kurzsichtigkeit unter den Schülern rapide zu- nehme und zunehmen müsse. Die neueren Heizungsoorrichtungen macht der Vortragende für die vielfach mangelhafte Lüftung der Schulräume verantwortlich, da dieselbe nicht selten Veranlassung sei, daß aus technischen Gründen gegen das Oeffnen der Fenster Einspruch erhoben werden müsse. Wie es mit dem Reinigen der Schullokale bestellt, wisse so ziemlich jeder Lehrer; es bleibe in dieser Richtung noch Vieles zu wünschen übrig. Auch die Schulbänke wurden von Herrn Siegert besonderer Beachtung gewürdigt und dabei betont, daß hier aus schlecht angebrachter Sparsamkeit, dort aus mangelndem Verständniß die Anschaffung zmeckentsprechender Schulbänke nicht erfolge. Die Schulbank müsse, wenn der Schüler mcht gesundheitlich Schaden nehmen soll, einigermaßen seinen Körperoerhältniffen angepaßt sehr. Seine Wünsche bezüglich der Schul- Hygiene legte Redner, nach voraufgegangener Beleuchtung der Thatrgkett emes Schularztes wie er ihn sich denkt, in nachstehenden Thesen nieder: „1. Zur Schonung und Förderung der Gesundheit unserer Schuljugend ist die hygienische Ueberwachung der Schulen nothwendig. 2. Eine vom Staate aus Aerzten, Architekten, Ingenieuren und Schulmännern gebildete Kommission leitet Untersuchungen über den Gesundheitszustand der Schuljugend ein, gibt Anweisungen für die praktische Durchführung der Schulhygiene und stellt die Grundzüge für die Thätigkeit besonderer „Schulärzte" fest, welche die Durchführung dieser Anweisungen zu überwachen haben. 3. Schularzt kann nur derjenige praktische Arzt werden, welcher die Schulhygiene zum Gegenstände seines besonderen Studiums gemacht hat. 4. Der Schularzt ist in der Regel vom Staate anzustellen. ö. Dem Schularzt ist ein größerer Bezirk (etwa Regierungsbezirk) anzuweisen. Schulärzte für kleinere Bezirke sind überflüssig und aus pädagogischen Gründen nicht wünschenswerth. 6. In gewissen Zeiträumen treten die Schulärzte emes Landes mit der unter 2 geforderten Kommission zu gemeinsamen Berathungen zusammen. 7. Die Schulärzte werden nur bann eine gedeihliche Wirksamkeit zu entfalten vermögen, wenn die Schulhygiene bei den Prüfungen für Lehrer und Schulleiter Prüfungsgegenstand wird und die Gesundheitslehre den ihr gebührenden Platz im Schulunterrichte findet. Nach Befürwortung derselben durch Herrn Dr. med. Svieß-Frankfurt werden dieselben 1 angenommen. Hierauf tritt eine Mündige Pause ein.
Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen werden zunächst einige Mittheilungen gemacht. Herr Beyer-Leipzig berichtet über den Erfolg der Sammlung für das Kehr-Denkmal. Es sind bis jetzt 6000 X. eingegangen, und weitere Beiträge stehen in Aussicht. Das Denkmal soll auf der Elgersburg in Thüringen errichtet werden. Die zu Eingang der heutigen Verhandlungen ernannte Commission zur Prüfung der Anträge auf Satzungsänderungen gibt ihre Entschließungen durch Herrn Wanner- Hannover kund und bittet um Zustimmung, welche auch ertheilt wird.
lieber die Comenius-Stiftung in Leipzig wird auf Anregung des Herrn Beeger- Leipzig deschlofsen, auf ledern deutschen Lehrertrag einen kurzen Bericht zu erstatten. Sodann folgt der letzte auf der Tagesordnung stehende Vortrag über: „Der Unterricht in Gesetzeskunde und Volkswirthschaftslehre in der Schule." Der Referent, Herr Pache aus Leipzig, sucht in einstündiger Rede die Nothwendigkeit der Einführung dieser Lehrgegenstände in den Unterrichtsplan der Volksschulen nachzuweisen, indem er namentlich hervorhebt, daß in unserer Zeit, wo durch das allgemeine Stimmrecht jeder einzelne Mann berufen sei, bei der Entscheidung der wichtigsten Fragen mitzu- wirken, dieser Mann auch so weit gebildet, so weit mit den erforderlichen Mitteln ausgerüstet sein müsse, baß er mit vollem Verstänbniß der Dinge sein Urtheil abzu- gcben vermöge. Des Weitern verweist Redner darauf, daß es im 19. Jahrhundert nicht mehr genüge, den eigenen kleinen Wirkungskreis zu kennen, baß vielmehr der Blick weiter reichen und der Einzelmensch auch im Stande sein müsse, ein Urtheil über die Gesammtlage der Weltwirthschast abzugeben. Das lasse sich aber nur einigermaßen erreichen, durch die Einführung der Gefetzeskunde und Volkswirthschaftslehre in den Lehrplan der Volksschule. Redner hat 5 Thesen ausgestellt, welche nach kurzer Diskussion in wenig abgeänderter Form zur Annahme gelangen. Sie lauten in der Fassung, wie sie der VII. deutsche Lehrertag genehmigte, folgendermaßen:
1. Die weit verzweigte Organisation des Staates und der Gesellschaft, das allgemeine Wahlrecht und die Selbstverwaltung, die Arbeitstheilung und die sozialen Zustande erheischen die Ertheilung des Unterrichts über die wichtigsten Lehren der Gesetzeskunde und Volkswirthschaftslehre in der Schule.
2. In der Volksschule der Gegenwart kann dieser Unterricht nur in beschränkter Weise im Anschlüsse an die übrigen Lehrfächer ertheilt werden.
3. Zur Zeit ist der eigentliche Ort für den Unterricht in den fraglichen Gegenständen die Fortbildungsschule.
4. Der Unterricht bezweckt:
a) Den Schülern den Aufbau des staatlichen und wirihschastlichen Organismus ^arzulegen,
b) den Schülern die Bedeutung der Stelle klarzrrlegen, welche sie selbst in Staat unb Gesellschaft jetzt einnehmen resp. später einnehmen werben,
c) in den Schülern ben Sinn für Gesetzlichkeit zu schärfen und bas Ver- ständniß für ein wirtschaftlich richtiges Schaffen zu vermitteln.
5. Der Unterricht ist ohne jede Parteifärbung und in möglichst anschaulicher Weise zu ertheilen. Der Unterricht in Gesetzeskunde und Volköwirthschafts- lehre ist in die Seminarien aufzunehmen.
Damit ist die Tagesordnung erledigt. Herr B eeger-Leipzig dankt allen Denen welche bei dem diesjährigen Deutschen Lebrertag mitgeholsen, herzlichst und bringt ein Hoch auf unfern allverehrten Kaiser Friedrich aus, in das die Anwesenden mit Begeisterung einstimmen.
Der Schluß der 2. Hauptversammlung erfolgte nach 2 Uhr. Um 3^Uhr machten die Theilnehmer am 7. Deutschen Lehrertag einen Rundgang durch die Stadt, um die Hauptsehenswürdigkeiten in Augenschein zu nehmen. Heute Abend findet im Saalbau ein großes Concert des Frankfurter Lehreroereins, des besten hiesigen Gesangvereins, statt. Morgen wird ein Ausflug nach dem Niederwald unternommen, welcher den Abschluß des heurigen Lehrertages bilden wird.
Univerfitäts-Cbronik.
Gießen. Der Lehrer der Experimentalphysik, Professor Röntgen, hat einen Ruf an die holländische Universität Utrecht erhalten, wo er den in Ruhestand tretenden Physiker und Meteorologen Bue-Rallot ersetzen soll.
— In der medicinischen Facultät der Universität Göttingen haben sich als Privatdocenten habilitirt die Herren Dr. Hildebrand und Dr. Wagenmann, ersterer für Chirurgie, letzterer für Augenheilkunde.
Telegraphischer SchiffSbericht
der „Red Star Line" Antwerpen.
New-Port, 20. Mai. Der Postdampfer „Pennland" der „Red Star Line" ist von Antwerpen heute wohlbehalten hier angekommen.
Handel »nD
Limburg, 23. Mai. Köther Weizen pro Malter JL. 16.35, weißer Weizen jtL 16.25, Korn 10 95, Gerste X 9 00, Hafer JL 7.20, Erbsen JL 00.00, Kartoffeln Jfc 0.00.
ICemillßndl S ist vom feinstenGeschmack und grösster Ans- l&vlUä&äVA riebigkeit. Dns Beste. Ist stets d-as Billigste. &
— Der bereits angekündigte Cycllls klassischer Dramen verschiedener Nationen beginnt im Frankfurter Opernhause am Mittwoch den 30. Mai mit dem ersten und zweiten Theile der „Wallenstein-Trilogie" („Wallensteins Lager" und „Piccolomini"). Für die 12 Abende, welche innerhalb einiger Wochen Werke von Schiller, Goethe, Lessing, Kleist, Shakespeare, Malier und Calderon bringen werden, ist ein Sonder- Abonnement bei ermäßigten Preisen ausgegeben worden und zwar kostet für alle 12 Vorstellungen zusammen:
Ein Platz Prosceniumsloge Parquet 35 JC.,
„ „ „ Balkon 35 vN.,
„ „ „ 1. Rang 30 JL,
„ „ Balkon-Fremdenloge 35 JL,
„ „ Fremdenloge 1. Rang 30 Jt,
„ „ Mittelloge 1. Rang 25 JC.,
„ „ Seitenloge 1. Rang 22 JL,
„ „ Balkonloge 30 Jt,
„ „ Parquetloge 30 jt,
„ „ Parquet 1. bis 10. Reihe 25 JL
„ „ „ 11. bis 13. Reihe 21 JL,
„ Mittelplatz im 2. Rang 18 JL, Seitenplatz 2. Rang 16 JL,
„ Rückplatz im 2. Rang 14 Jü, 1 Platz nummerirtes Parterre (erste 4 Reihen) 18 JL, 1 nummerirtes Parterre 16 JL,
„ Stehparterre 10 .4L, 1 Platz Mittelgalleeie 9 Jü,
„ Platz Seitengallerie 7 JL 1 Stehgallerie 5 jl
Anmeldungen zum Abonnement werden von Freitag den 25. Mai ab auf dem Bureau des Rendanten, Hochstraße 46, entgegengenommen.
Gottesdienst der israelitischen Religionsgesetlschaft.
Freitag Abend 715 Uljr, Samstag Vormittag 8°° Uhr, Samstag Nachmittag 400 Uhr, Samstag Abend 845 Uhr.
Wärmegrade der Lahn und der Luft, nach Reanmur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr. Lust 1B, Wasser 14^2 Gr.
Gießen, den 23. Mai 1888. Rübsamen.


