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Nr. 170 Dienstag den 24. Juli . 1888.

Gießener Anzeiger

Amts- unb Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

lvureaur Schul st raße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pst

Betreffend: Deutsche Buchdrucker-Berufsgenoffenschaft. Gießen, am 20. Juli 1888.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an GroßherzoglicheS Polizeiamt Gießen und die Großherzoglichen Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreise-.

Der Vorstand der Deutschen Buchdrucker - Genossenschaft hat den Buchdruckereibesitzer Fr. Ch r. Pietsch (in Firma B h l'sche Buchdruckerei) zu Gießen zum Vertrauensmann im Sinne des Unfallversicherungsgesetzes für den Bezirk des Kreises Gießen und den Buchdruckereibesitzer Louis Lichtenberger (in Firma Wilhelm Keller) zu Gießen zu dessen Stellvertreter ernannt. Wir weisen Sie hierdurch an, die Benachrichtigung über die Einleitung einer Untersuchung über die bei Mitgliedern der Deutschen Buchdrucker-Berufsgenossenschaft eingetretenen Unfälle an den genannten Vertrauensmann beziehungsweise dessen Stellvertreter in Gemäßheit des § 54 des Unfallversicherungsgesetzes vom 6. Juli 1884 zu richten.

In Verhinderung: Jost, Regierungsrath.

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Kreisstraße vom Ausgange des Ortes Odenhausen nach Ruttershausen wegen Umbaues vom 23. l. M. ab für Fuhrwerke gesperrt und daß das Befahren derselben verboten ist.

Gießen, den 20. Juli 1888. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Jost. _________________________

Betreffend: Die Anschaffung und Unterhaltung des Faselviehs. Gießen, am 20. Juli 1888.

Das Großherzogliche Kreisantt Gießen

an die Grotzherzoglicherr Bürgermeistereien des Kreises.

Wir sehen uns veranlaßt, folgende Bestimmungen des Gesetzes vom 26. October v. I. bei Ihnen in Erinnerung zu bringen.

1) Reu angeschaffte Faselochsen dürfen nicht eher zum Sprung zugelassen werden, als bis wir auf Grund eines uns vorgelegten Zeugnisses der Körcommission die Genehmigung zur Indienststellung ertheilt haben. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu-100 JL. bestraft. Der Antrag auf Besichtigung eines neu angekauften Fasels durch die Körcommission ist nicht, wie es vielfach geschieht, bei uns, sondern bei dem betr. Großh. Kreisveterinärarzt einzureichen. 9

2) Zur Indienststellung neu angeschaffter Eber bedarf es der Besichtigung durch die Körcommission und unserer Genehmigung vorerst nicht. Selbst­verständlich sind aber doch nur gute Thiere anzuschaffen, da, wenn ein Eber bei der nächsten Besichtigung durch die Körcommission beanstandet werden würde wir Ihnen den Ankauf eines neuen ansinnen müßten.

3) Die mit den Faselhaltern abgeschloffenen Verträge bedürfen unserer Genehmigung und sind in 4 facher Ausfertigung bei uns einzureichen. e Sie wollen sich in Zukunft hiernach genau bemessen.

__ ________________________________Dr. Boekmann._____________________________________

Lehrer-Conferenz

des Conferenzbezirks Lich-Hungen: Donnerstag den 2 6. Juli, Vormittags 9 Uhr, in Hungen.

Gießen, den 21. Juli 1888. Büchner, Schulrath.

Deutschland.

Darmstadt, 21. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Aller- gnädigst geruht:

Am 21. Juli den Gerichtsassessor Wilhelm Welcker aus Darmstadt zum ständigen juristischen Hilfsarbeiter bei dem Ministerium der Finanzen mit dem Amts- titelOberfinanzassessor" zu ernennen;

am 21. Juli den Amtmann bei dem Kreisamt Alzey, Dr. Otto Fischer zum Amtmann bei dem Kretsamt Offenbach und den Polizei-Eommissär 2. Classe bei dem Polizeiamt Darmstadt Polizei-Inspektor August Carl Weder zum Amtmann bei dem Kretsamt Alzey zu ernennen.

][ Darmstadt, 22. Juli. Seine Königliche Hoheit der Erbgroßherzog, welcher sich gestern Abend tu Begleitung eines Subalternofficiers seines Regiments zum Be­suche der Festspiele nach Bayreuth begeben hat auch die Prinzen Wilhelm und Alexander, sowie Fürst Alexander haben sich zu demselben Zwecke ebendorthin begeben wird am Dienstag Abend hier zurückerwartet. Höchstderselbe wird noch im Laufe dieser Woche wahrscheinlich gegen Ende derselben nach England abretsen, um seiner Königlichen Großmutter einen Besuch abzustatten. Im Gefolge des Erbgroßherzogs wird sich auf dieser Reise der Flügeladjutant des Großherzogs, Hauptmann Freiherr v. Grancy, befinden. Da im Augenblick der Generaladjutant des Großherzogs, Generallieutenant v. Westerweller, sich auf einer Erholungsreise befindet, so wird Im Laufe der nächsten Wochen nur Oberstlieutenant Wernher als Adjutant des Groß- herzogS fungiren. Das Großherzogliche Hoflager verbleibt vorläufig in Jagdschloß Wolfsgarten.

Darmstadt- 21. Juli. Ernannt wurde am 18. Juli der Hilfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgerichte Lorsch Johannes Grohrock zum Hilfsgerichtsschreiber bet dem Amtsgerichte Gießen, mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seines Nachfolgers.

Darmstadt, 21. Juli. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 19. l. Mts. wurde der Hilssgertchtsschreiber Wilhelm Lind zu^Gießen zum Hilssgertchtsschreiber bet dem Großherzogltchen Amtsgerichte

Rußland.

Petersburg, 21. Juli. DasJournal de St. Petersbourg" sagt anläßlich der Begegnung der beiden Kaiser: Heben wir den allgemeinen tiefen Eindruck dieser denkenswürdigen Feierlichkeit hervor. Es ist dies die vollkommene Harmonie zwischen den Gesinnungen der beiden Souveräne, die unter so feierlichen Umständen zusammen­gekommen sind, und denjenigen, die in so überaus großer Anzahl herbeigeeilt sind, um dieser Vereinigung beizuwohnen. Wenn die Einstimmigkeit der Souveräne sich ebenso getreu in den Gesinnungen der Bevölkerung widerspiegelt, so kann man vertrauensvoll auf eure Aera freundschaftlicher Beziehungen rechnen, die unter den gegenwärtigen Umständen ein um so größeres Gewicht haben, als sie ein sicheres Unterpfand für

die Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens sind, nach welchem sich die aame Welt sehnt.

Petersburg, 21. Juli. Der gestrige Zapfenstreich im Lager von Krasnoje-Selo verlief glänzend. Die Allerhöchsten Herrschaften wurden in allen Theilen des Lagers jubelnd begrüßt. Kaiser Wilhelm verweilte längere Zett im Kreise des Officiercorps seines Petersburger Grenadier - Regiments. Das Souper wurde im Katserzell ein­genommen. Die Rückfahrt nach Schloß Peterhof erfolgte erst spät Abends.

Se. Majestät der Kaiser Wilhelm begab sich nach der Parade nach Paw­lowsk, um der Königin von Griechenland einen Besuch abzustatten. Nachher fährt der Katser nach Petersburg, welches in reichem Flaggenschmuck prangt, nach der deutschen Botschaft, woselbst officieller Empfang mit darauffolgendem Diner stattfand. Die Rück­kehr nach Schloß Peterhof erfolgt Abends.

Kaiser Alexander ernannte den Prinzen Heinrich zum Chef des 33. Dragoner- Regiments. ö

Krasnoje-Selo, 21. Juli Die heutige Parade verlief glänzend. Kaiser Wilhelm führte lein Petersburger Grenadier - Regiment dem Kaiser Alexander vor. Nach der Parade wurde das Frühstück im Lager eingenommen.

KraSnoje-Selo, 21. Juli. Die Fahrt nach dem Lager eröffnete eine offene Equipage mit 4 weißen Pferden, worin die Kaiserin mit den Allerhöchsten Damen saß. Dann folgten beide Kaiser, Prinz Heinrich, die Großfürsten, sowie ein imposantes Gefolge zu Pferde. Bei der Ankunft im Lager ertönten laute Hurrahs, die ver­sammelten Musikcorps spielten die preußische Hymne. Nach einer Rundfahrt ver­sammelten sich die Allerhöchsten Herrschaften bei dem Kaiserpavillon, wo Kaiser Wil­helm Rapporte von Deputationen der russischen Regimenter entgegennahm, deren Chef er ist. Sodann fand ein Militär - Coucert statt, nach welchem Kaiser Wilhelm dem Commandirenden des Garde Corps, Prinzen Alexander von Oldenburg, den Schwarzen Adlerorden mit huldvollen Worten den Zustand des Garde-Corps lodend, überreichte. Um 9 Uhr war Zapfenstreich unter dem Donner sämmtlicher Geschütze, danach Abfahrt in das Krasnoje-Seloer Palais, woselbst das Souper stattfand. Eine unendliche Volks­menge begrüßte enthusiastisch die Majestäten.

Amerika.

Washington, 21. Juli. Die Unionsregierung erhielt ein Telegramm von ihrem Gesandten in Port au Prince, nach welchem am 4. ds. Mts. Brandstifter die Deputirtenkammer während der Sitzung in Brand steckten, in Folge dessen ein -Zehntel der Stadt einschließlich mehrerer öffentlicher Gebäude niedergebrannt ist. Eine weitere Brandstiftung fand am 7. d. Mts. in der Residenz des Justizministers statt, wodurch ein anderes Zehntel der Stadt zerstört wurde. Die englischen und französischen Gesandtschaften werden durch französische Seesoldaten bewacht. Ein Brandstifter ist gefangen worden.