Ausgabe 
24.5.1888 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Srantfurt a.M. 22. Mai. Innerhalb der Mauern unserer Stadt tagt augen- <1? cr StC6 ve Va8- Derselbe ist auherordentlich zahlreich belucht; man fjott die Zahl der Th-ilnehmcr des letzt aus 1200. Gestern Abend sand im Zoologischen Garten die Borversammlung statt. In derselben wurde ein- Kommission zur Prüfung der Mandate und der Sitzungsvorstand erwählt, ferner die Tagesordnung für die beiden Hauptversammlungen festgestellt. Für die letzteren waren fünf Borträqe angemeldet davon wurden für heute bestimmt: 0Der deutsche Lehrertag", Reserent: Herr BackeS^Darm-

2) Die allgemeine Volksschule", Referent: Herr H. Kohnke-Hamburg: 3)Roth- Wendigkeit einer entschiedenen und allgemeinen Vereinfachung unserer Rechtschreibung": Re- ferent: Herr Dr A Sulzbach-Frankfurt a. M.; für morgen: 1)Die »eauf. ^ttfiung, ber «itfen , Reftrent: Herr Siegert-Berlin; 2)Der Unterricht in Gesetzes­kunde und Volkswirthschaftslehre m der Schule", Referent: Herr Pache-Leivziq. Die end. gültige Festsetzung der ^agesordnung und Wahl des Sitzungsvorstandes erfolgte in der Heuligen Hauptversammlung. Die gestrigen Wahlen und Bestimmungen wurden bestätigt.

Heute Vormittag 10 Uhr eröffnete Herr Tiersch-Berlin die Hauptversammlung, mdem er auf die ernste Arbeit hlnwies, welche der deutschen Lehrer hier harre. Er schloß seine kurze Ansprache mit einem Hoch auf Kaiser Friedrich, das Muster treuer Pflichterfül­lung. Die Versammlung beauftragte den Vorstand an Se. Majestät folgendes Begrüßungs- ^legramm abzusenden:Die m zahlreicher Versammlung zum VII. deutschen Lehrertag zu Frankfurt a. M. vereinigten deutschen Lehrer aus allen deutschen Gauen ,des Vaterlandes bringen ihrem vielgeliebten, allverehrten Kaiser Friedrich unter den Klängen der National­hymne dreifaches begeistertes Hoch, und verbinden damit die unterthänigste Versicherung unverbrüchlichster Treue, tieffter Verehrung und Hingebung der deutschen Lehrerschaft und die heißesten Gluck- und Segnungswünsche für das Wohl Ew. Kaiserlichen Majestät und des^gefammten Kaiserlichen Hauses." Sodann begrüßte Herr Regierungs- und Schulrath ö'^lcren9^;e^at>en die hier versammelten deutschen Lehrer Namens des Ministeriums und oer flonigncgen Regierung, Herr Oberbürgermeister Dr. Miquel Namens der Stadt

Un7 $err Harnischfeger- Frankfurt im Namen und Auftrage des Orts- Ausfchustes, sowie der Frankfurter Lehrerschaft. Nachdem der Vorsitzende, Herr Tiersch, den Rednern für ihre freundlichen Wünsche den herzlichen Dank gesagt hatte, ertheilte er Jperrn Backes aus Darmstadt das Wort zu seinem oben erwähnten Vortrag, welcher ein historischer Rückblick auf die Entwickelung des deutschen Lehrertages genannt werden darf. Das größte und allgemeinste Interesse erweckte das zweite Thema, welches wie angegeben, Herr G. Köhnke aus Hamburg behandelte. Redner zeigte an der Hand von Beispielen wie auf der einen Seite ein schwachbegabter Schüler sich durch viele Klassen höherer Lehr­anstalten schleppe, weil sein Vater Geld habe und darum eine bessere Bildung nicht mangeln dürfe, auf der andern Seite hingegen ein talentvoller Knabe verkümmern müsse, infolge der elterlichen Verhältnisse. Er faßte seine Ausführungen in folgende Thesen zusammen:

,,I) Jedes Kind hat ein Recht auf den seinen Neigungen und Fähigkeiten ent­sprechenden Bildungsgrad."

»2)Die allgemeine Volksschule", eine einheitliche Gliederung aller öflentlichen Unterrichtsanstalten, ist allein im Stande dieses Recht zu verwirklichen."

Obwohl dieallgemeine Volksschule" von allen Rednern lebhaft befürwortet wurde, bekämpfte doch die Mehrzahl derselben die Kvhnke'fchen Thesen mit großer Entschiedenheit, so z. B. Tews-Berlin, Stolley-Kiel, An Hel-Frankfurt u. a. m. Dafür trat nur ein Redner em, nämlich Herr Lehrer Möller aus Hamburg.

Nach langer und eingehender Diseussion wurde, nachdem die beiden Thesen des Referenten verworfen worden, ein Antrag des Herrn Riß mann-Berlin angenommen, welcher lautet:

Der 7. deutsche Lehrertag erhebt von Neuem die Forderung, die allgemeine Volks­schule, und erachtet als die ersten Schritte zur Durchführung derselben für not­wendig 1) die Aushebung d;s an vielen Orten bestehenden Unterschiedes zwischen einer sogen,gehobenen Volksschule" oderBürgerschule" und der gewöhnlichen Volksschule, durch welche Unterschiede dieser letzteren der Charakter einer Armen­schule aufgedrückt wird, 2) die Aufhebung der Vorschulklassen mittlerer und höherer Lehranstalten und Einrichtung allgemeiner Elementarschulen für das ge- sammte Schulwesen, 3) die Aufhebung des Schulgeldes zunächst an allen Volksschulen."

Der dritte Vortrag, welcher für heute auf der Tagesordnung stand, fand nach der voraufgegangenen langen und lebhaften Debatte nur wenig aufmerksame Zuhörer, obwohl

an

Wärmegrade der Lahn und der Luft, nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr. Luft 15, Wasser 14 Gr.

Gießen, den 23. Mai 1888. Rübsamen.

GchtssSnachrächten.

r, Bremen, 22. Mai. sPer transatlantischen TelegraphZ Der Schnelldampfer Fulda, Capt. N. Rrngk, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 12. Mai von Bremen und am 13. Mai von Southampton abgegangen war ist gestern 12 Uhr Mittags wohlbehalten in Newyork angekommen. 9 9 ' 1

Bremen, 22 Mai Wer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer America, Capt. H. Hetneke, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 7. Mat von Bremen abgegangen war, ist am 20. Mat wohlbehalten in Baltimore

Handel Brsketzr.

,a ®r nnnz?1*6/ £19- Mai. lFruchtpreise.) Weizen A 19.10, Korn A 000 \ ^crfie 00 00 Hafer 14.40, Erbsen A 00.00, Linsen A 00.00, Lein A 000.0, Samen A 00.00, Kartoffeln A 0.00, Wicken 00.00.

I £r°6em ""gemeinem Interesse war. Herr Dr. Sulzbach-Frankfurt faßte sich an- ^i rroarrV Hlrei^n Beispfil-n den f. Zk herrschenden

in folgenden Anträgen^ '^chifchreibung nnd gab feinen Ausführungen kurzen Ausdruck Rechtschreibung bedarf im nationalen Interesse einer einheitlichen einfachung anb unb tm pädagogischen einer durchgreifenden Der-

2) Eine Regelung der deutschen Rechtschreibung kann nur mit Unterstützung der Regierungen ms Werk gesetzt werden. In jedem deutschen Staat, der im Besitz amtlichen Orthographie ist, sollte von der Regierung eine Commission kUtCn b-rufen werden, um zu berathen, was im Interesse einer einheit- Vs . uud vereinfachten Orthographie aufzugeben oder aufzunehmen sei. Die Re ultate der Einzelcommiisionen wären dann von einer Centralcommission, in roekfjer die Emzelcommissionen durch Abgeordnete vertreten sein müßten zu be- rat^cn' be? ban bte lchließUche Festsetzung der Rechtschreibung obläge. ' These wurde angenommen, die zweite hingegen nach längerer Discussion blMerrfn Flsch e-Hamburg, Ries-Frankfurt, Schoer-Berlin, frelmfe '

PrSAtun 9 "'?bthnligten, abgelehnt. Desgleichen wurden alle Thesen, welche' auf die Scbroer ' beut,$en Akademie hinausliefen, abgelehnt, dagegen ein Antrag des Herrn Schroer-Berlm angenommen, welcher die deutsche Lehrerschaft mit dec weiteren Versolauna nn h^f^rß96 ^?U rr?9t-rot5er roiU- $ie eFfte Hauptversammlung schloß kurz nach 3 Uhr9 400bÄbe ret^? ^bstbankett im Palmengarten an. An letzterem nahmen gegen au? XiJ? erl-!n Toast brachte Herr Regierungs- und Schulrath v. Fischen

auf Kaiser Friedrich, den zweiten Herr Harnischfeger auf das deutsche Vaterland, den dritten Herr Rector Herb er' Frankfurt auf die obere Schulbehörde, den vierten Herr Ober- burgermelster Dr. Miquel in zündender, wirkungsvoller Rede auf die deutsche Lehrerschaft aus. Alle diese Hochs fanden begeisterte Ausnahme.

Wettere Hochs galten den deutschen Söhnen und Töchtern, der Stadt Frankfurt $C%DJ^ iqUe ' ?en Aschen Frauen u. s. w. Das Festmahl rief allerseits die ani- Mlrteste Stimmung hervor und verlief in schönster Weise. Das Menu (3 A pro Couverts war übrigens ganz dazu angethan, die Lebensgeister zu wecken, denn es gab für den ae- F°'scnd°s: 1) Wildfuppe, 2) Turboi mit Kartoffeln und Same 3) Roastbeef mit Maccarom, 4) Spargel mit Schinken und Zunge, 5) französisches Ge- Pugel mit Salat und Obst, 6) Eisdiplomat und 7) Nachtisch. Das ist doch wahrhaftig 3tUeS/ was man für 3 verlangen iann: Gegen 6 Uhr Abends ging di- zahlreiche ver- gnugtc Berfaimnlung langsam auseinander, um sich zum Opernhaus zu begeben woselbst heute Abend Festvorstellung stattfindet. Ein gemüthliches Zusammensein beim Bier wird den heutigen Tag beschließen. Morgen wird die ernste Arbeit wieder ausgenommen

Allgemeiner

Anzeiger.

Lieferungs-Verdingung.

Die Lieferung von 1335 Ctr. An- thracit-, 285 Ctr. Nuß- und 967 Ctr. melirte Kohlen, sowie 892 Ctr. Braun­kohlen, soll aus dem Wege öffentlicher Verdingung vergeben werden und sind Angebote bis

Montag, den 4. Juni 1889, Vorw. 10 Uhr,

zu welchem Zeitpunkte die Eröffnung der Angebote stattfindet, verschlossen unter der AufschriftAngebote für Brennmaterialien" bei der unterzeichne­ten Behörde einzureichen.

Die Lieferungsbedingungen können auf unserer Schreibstube eingesehen oder gegen Erstattung der Abschrifts^ gebühren bezogen werden.

Gießen, den 17. Mai 1888.

Grobherzogliche

Akadem. Administrations-Commission.

In Vertretung des Kanzlers: ___________vr. Heß. 4320

Freitag, den 2S l. M.,

Nachmittags 5 Uhr, sollen in dem Gemeindehause zu Wieseck nachbenannte Arbeiten und Lieferungen öffentlich in den Accord gegeben werden: veranschlagt zu !

Steinbrechen.....48 «M. |

Steinfahren.....90 \

Liefern von Decksteinen. . 260 ! Steinsetzen......20 !

Liefern von Wandsteinen . 60 -

Chaussirarbeiten .... HO ; Pflasterarbeiten .... 870 -

Gießen, am 19. Mai 1888.

Senßfelder, 4287 Bez.-Bauausseher.

Dickmilch Z

bei Milchhändler Roth, Löwengasse.

Arbkilsvkrgkbung.

Donnerstag, den 24. l.

Mittags 1 Uhr, sollen in der Gemeinde Mainzlar Pflasterarbeiten, veranschlagt i zu 234 öffentlich in den Accord j gegeben werben.

Gießen, am 19. Mai 1888.

Senßfelder, 4286 Be^.-Bauaufseher.

Montag den 4. und Dienstag den 5. Juni,

von Nachmittags 2 Uhr an, wird der Nachlaß des Herrn Theo­dor Wortmann, Bleichstratze 12, im Hause des Herrn Kohlermann ' meistbietend versteigert. Es kommen j besonders zum Ausgebot r 1 schöner i Decretör, Kommode, Tische, Stühle, vollständige Betten mit Sprung­feder- u. Roßhaarmatratzen, Nacht­tische, Kletderschrünke, Stehpult, Ofenschirm, 3thetl. Brandkiste, Weißzeug, Gartrntisch, -Stühle und -Gerüthe, Schnitzvank, Werkzeuge, Grabenseil u. Bohrer, niedrere Flaschen alter jNordyüuser Korn- - vranntwein, Landwirttzschaftliche i Zeitung von Beginn an, gute ; Bilder, darunter: The Engagement * & the Departure from Brighton, daö heil. ' Avendmahl nach L. da Vinei, Thier- stücke, «sewehre, eine Parthte «leider i u. Stiefel; ferner Silber-G egen- i stände, wie Borleg-, Etz- u. Kaffee­löffel, Tortenschaufel rc. re., 1 gold. Uhr mit Kette, Siegelringe, 2 schöne filv. Becher, 1 Bronze-Standuhr mit zwei Kandelabern (Kunstwerk), feines Porzellan und (Stüser, Haus­und Küchengeröthe.

Im »Auftrag r Louis Rothenberger, Taxator. v-ME" Schriftl. »Aufträge nimmt der Unterzeichnete entgegen. 4351

Bekanntmachung.

Das Gras von einem Theil der städtischen Wiesen im Altentisch, und zwar von den Stücken Nr. 12, 13, 14, 15 und 16, welch s schon jetzt ge­erntet werden kann, soll

SamStag dsn 26. d. Mts.,

Nachmittags 5 Uhr, an Ort und Stelle versteigert werden. Gießen, den 23. Mai 1888. Großh. Bürgermeisterei Gießen.

________A. Bramm._____4326

Hotzgeld Erhebung.

Montag, den 28. d. M., von Vormittags 9 bis Nachmittags 2 Uhr, soll die letzte auswärtige Er­hebung von Freiherrlich von Nabenau- schen Holzgeldern in der Wirthschast des Herrn Kaspar Ranft zu Beuern stattfinden.

Londorf, d-n 22. Mai 1888.

Der Rentmeister: 4319 Schmidt.

Ieilgevotenes.

Gebrauchter Rollwagen, Leiterwagen und ein Halbverdeck werden preiswerth abgegeben. Wo? sagt die Cxp. d. Bl. ______^317

Eine fast neue Dreschmaschine mit Schüttelwerk billig zu verkaufen bei Carl Sedneider, Schlossermeister in Steinbach. [4338

2585

i Mr Maschmkntechniker.

j Eine Anzahl Bücher für Maschinen- technikkr, darunterder practische Maschinenconftructeur" d. Uhland, , sind preiswürdig zu verkaufen.

i Näh. in der Exped- d. Bl 4134

L>

ju

*<d

Q. o CO ®

=, * «2 = m

^1^2

2-3 Ä

'S L 'r-i -r cj Z.

U o M ^3 .

CD -5 00

5 B o 8

F2 O

M JA

S

J-..

Brennholz.

Buchen- und Tannenholz, in guter trockener Waare, per Meter und per Centner, billigst bei

96 _ Andrea« Huler.

Frisir- und Taschenkämme jeder Art, Zahn- und Nagel­bürsten, Toilette-Kasten und Spiegel und sonstige Toilette- Artikel empfiehlt billigst 3801

I. H. Fuhr, Sonnenstr. 25.