Ausgabe 
24.2.1888
 
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Grstzher-ogltche Paar von Baben, das Abends 8 Uhr von Cannes hier eintraf, begab sich in die Villa Ztrio.

Die Kronprinzessin eröffnete heute, von dem Prinzen Heinrich, den drei Prinzessinnen und Prinzessin Irene von Hessen begleitet, den Bazar zum Besten der hiesigen deutschen Kirche.

San Remo, 22. Februar, 11 Uhr Vormittags. Der Kronprinz hatte eine gute Nacht. Der Schlaf war völlig ungestört und lang dauernd. Der Kronprinz fühlte sich heute Morgen sehr erfrischt und wird vom Husten weniger belästigt.

Kopenhagen, 22. Febr. Der Finanzausschuß bewilligte auf Antrag des Finanz­ministers 15,0C3 Kronen als Kostenamheil Dänemarks für die neue Telegraphenleitung -wischen Gjedser und Warnemünde. Außerdem soll eine directe telegraphische Ver­bindung zwischen den Börsen von Berlin und Kopenhagen in Aussicht genommen sein.

PariA, 22. Febr. In der heutigen Verhandlung des Prozesses Wilson führten die Vertheidiger der Angeklagten aus, daß keine Gesetzbestimmung vorhanden sei wo­nach diejenigen strafbar seien, welche ihren Einfluß verkaufen. Flourens überreichte gestern Abend dem italienischen Gesandten, General Menabrea, die neuen Vorschläge des französisch-italienischen Handelsvertrages.

London, 22. Februar. Unterhaus. Die Adresse wurde angenommen. An­läßlich der Debatte über die zweite Lesung der Adresse stellte Labouchere einen Antrag nach welchem dem Hause gegenüber Mittheilung zergehen solle, ob die Regierung Italien bindende Zusagen im Falle eines Krieges mit Frankreich gemacht hätte, ferner wird verlangt, daß, wenn solche Zusagen schon gemacht worden seien, dieselben zur Kenntniß des Hauses gebracht werden.

London, 22. Februar. DieTimes" sagt bezüglich des heute zur Debatte gelangenden Amendements von Labouchere in Betreff Italiens, wenn die Gefahr vor­handen ist, daß Italien ein Schlag zugefügt werde, der die italienische Marine ver­nichtete und Frankreich ein unbeftiiitcned Uebergewicht im Mittelmeere gäbe, so würde es die Pflicht Englands fein, für die Sicherheit des eigenen Reiches und Handels die Aufrechthaltung des em opäischen Gleichgewichts und Erhaltung desjenigen Staates ' mit welchem England durch die Bande der Sympathie und Freundschaft verknüpft ist' mit seiner ganzen Macht das Unglück abzuwenden. '

_ London, 22. Febr. sUnterhaus.j Fergusson bedauert in seiner Beantwortung des Amendements Labouchere, daß dieser seine Behauptungen auf Zeitungsgerüchien basire; der Admiral Hewett erkläre, daß die Zeitungsberichte seiner in Genua gehal­tenen Rede absolut falsch seien. Fergusson wiederholt, daß England keine weiteren Verpflichtungen, wodurch das Militär oder die Flotte engagirt würden, außer den dem Hause schon bekannten eingegangen sei; er bestreitet bestimmt, daß Salisbury's Politik Frankreich feindlich gesinnt sei. Die Beziehungen Englands zu Frankreich selben gute; er hoffe und glaube an deren Fortdauer umsomehr, da Frankreichs aus­wärtige Politik derjenigen Englands parallel laufe. Eine Veröffentlichung des Schrift­wechsels mit den Großmächten über die Lage Europa's sei unmöglich, da dies einen Derttauensbruch involviren würde. Redner hofft, daß die Gefahr einer Störung des Friedens jetzt nicht größer, sondern geringer als im Vorjahre sei. Englands Aufgabe sei, sich in einen Krieg nicht einzumischen, wenn nicht seine nationalen Interessen berührt würden; es lebe jetzt mit allen Mächten in Frieden und Eintracht. Gladstone erwiderte hierauf, daß es höchst wünschenswerth gewesen sei, die Ration möglichst zu beruhigen, namentlich jetzt, wo sie schmerzlich bewegt sei durch die Besorgnisse wegen der Gefundheit des deutschen Kronprinzen. Er möchte wünschen, daß es in der Macht des Hauses läge, den Verlauf der Krankheit zu beeinflussen, welche so tiefe Gefühle der Theilnahme und Bewunderung für den Patienten heroorgerufen habe, da es sich um ein für Europa unschätzbares Leben handle. (Beifall.) Der erste Lchatzlord Smith «art, er sei überzeugt, daß das gefammte Europa mit Sorge und Hoffnung die Krankheit des Kronprinzen verfolge, oessen Leben allgemein als eine mächtige Bürg- schaft für den Frieden Europa's angesehen werde. Labouchere zog darauf seinen Antrag zuruck; die Fortsetzung der Debatte wird vertagt.

wk 221 Februar. In der heutigen Specialsitzung des Municipalraths

wurde eine Resolution gefaßt, worin dem deutschen Kronprinzen anläßlich seines Leidens die aufrichtige Theilnahme der Versammlung ausgesprochen wird.

Petersburg, 22. Februar. General Werder ist gestern Abend hier eingetroffen und nahm als Gast des Kaisers im Winterpalais Wohnung. , 4

o k 1 $***5*?' Aebruor. (Privatdepesche desGießener Anzeigers".) Prinz heute Morgen 6 Uhr gestorben. (Prinz Ludwig Wilhelm ist £ aIfo"ur das jugendliche Alter von 23 Jahren erreicht. Das badische Fürstenhaus, sowie auch unser Kaiserhaus erleidet durch diesen Todesfall einen herben Verlust.)

8 o f a 1 e «.

,, ,* Bietzen, 23. Februar. Mit dem am 21. Februar erfolgten Ableben be« Medicinalraths v'- Friedrich Kehrer verliert die Stadt Siegen rinen treuen, feit 37 Jahren ihr angehörigen Mitbürger und allgemein hochgeschätzten ärztlichen Berath-r.

Dr. Friedrich Kehrer, geboren den 14. Februar 1807 zu Erbach im Odenwald 71 m Gottfr. Wilh. Kehrer, verlebte im Kreise von

^?e><AEern, die ihm alle im Tode vorangegangen sind, seine erste Jugend in seinem l«97Ur bie Gymnasien in Worms und Mainz, absoloirte hier

darauf 4 Jahre lang Medicin in Gießen, promooirte 1831 und wirkte «Äscher Arzt von 1832-40 in Guntersblum in Rheinhessen, wo er P1!1 Luise Baumann vermahlte. Dieser Ehe entsprossen 3 Kinder; das einzige Überlebende ist der jetzige Professor der Gynäkologie in Heidelberg. 1840 wurde der ffierftorbene als Kreisarzt in Altenschlirf im Vogelsberg angestellt und übte dort bis 1847 eine ausgedehnte, sehr beschwerliche Praxis aus. 1847 erhielt er die Stelle eines die eines solchen für den Landbezirk Gießen, sowie die eines Asslstenzarztes und Lehrers an der Entbindungsanstalt daselbst. Letztere Stelle bekleidete er bis 1861, als Kreisarzt wirkte er bis 10 Juli 1876, wo er genöthigt war sich wegen Verlust der Sehkraft an einem Auge und Kränklichkeit vom Staatsdienste zuruckzuziehen. Als Anerkennung seiner Verdienste wurde ihm von Sr Kal Hobest WSSLSs i e n£n £anjcn Werth zu schätzen, denn es widersprach seinem zu trlgm. ' ' ' Erfahrungen, fein Wissen und sein- Leistungen zur Schau

Als,Ergebniss- seiner wissenschaftlichen Thätigkeit liegen neben kleineren

Tausenden war er ein treuer ärztlicher Helfer Berater nnh m c < All-, welche ihn gekannt, werden ihm ein treues Andenken bewahren? b b Cfe unb §^r. Die Proben zu dem am Sonntag den 26 d Wta stattfindenden Concert des akademischen Gesangvereins

.ÄÄUSÄ-Mr-SK

e 23- Febr. Beigeordneter Koch von Wieseck wurde heute Morgen in

dem Holzschuppen ^es Bürgermeisters erhängt aufgefunden. 0

Herrn L s ch t c i.

Ji2\Pebruar« ^ur Ermittelung des oder der Thäter des am X bier vorgekommenen Raubmords hat die hiesige ©taatdanroalt=

anwitfäfiü 5,°9* ausgesetzt. Trotzdem Polizei und (Staate

Thü"gkeit entwickeln, ist über die blutige That immer noch ab«- Wpmnn1 rnn6Eine lange Reihe von Zeugen wurde vernommen, TnLn cfnl Slusfage zu machen, die der Untersuchung ein greifbares ?an,e Sache ist so räthselhaft, daß die begleitenden Um- nickt^viell/ickt^n ^^b»? Behörde sogar schon den Gedanken eingegeben haben, Obiestm roo0Tn allerdings das Abhandensein von Werth­

objekten wie die bedeutenden Verletzungen des Schädels sprechen Hoffentlich wird die ausgesetzte Belohnung dazu beitragen, Licht in die Sacke 7u bringen

. n~*lt der Verlegung des hiesigen Eentralbahnhofs sind in den letzten Jahren Mtpraeipinp0 Hotels entstanden, die den weltberühmten Mainzer Rhein-

7ab?der ne ^ emp^ndllche Concnrrenz bieten. Im Saufe dieses < sommers wird die werden um ein sehr großes Hotel ersten Ranges vermehrt

iludem Herr Kollofens, der frühere Besitzer des Hotel Union in Frankfurt in unmittelbarer Rahe des Centralbahnhofs um den Preis von 295 000 JL emen riesigen für F7emd^dürst?7s einem Gasthofe eingerichtet werden mehr fehlen. " ncUcn Hotels in Mainz wohl nun schwerlich

frtmmrimA an^a,V(?:n bcr Lohuverhältnisse hatte eine in einer größeren Ver-

W^rerm^iftPr 7 f Kommission von^Maurergehilfen die hiesigen Bauunternehmer und br k ®aiy0ta0 )U einer Besprechung eingeladen. Letztere

Mten aber der Einladung mcht, sandten vielmehr schriftlich eine in einer ihrerseits 7^Even Versammlung gefaßte Resolution, durch welche abgelehnt wird, mit der Lohncommission der Maurergehilfen zu unterhandeln, weilin der Zusammensetzung der Commrsston nicht der Ausdruck der Gesinnung der gesummten hier beschäftigten Ge- befHmmkUln6nf"hn 's' 3m Uebrigen vereinbarten die Meister in der Resotution bestimmte Lohnsätze und eine allgemeine Arbeitszeit.

ennrnh täirn.m Betrugsfall, welcher sich hier ereignete, erregt ziemliches Aussehen.

Hanau war bxj bcn Bijouterie-Fabrikanten B. fchon 17 Jahre iufriebm dl0, orb.entll*er- nüchterner Mann, mit dem seine Principale wL» s>rLiTrtn' Es sollte aber anders werden, denn der Verführer nahte und gab ei«nlMm«tUhl?eTOAUhnb .Aalhschlage. Seit mehreren Jahren mußten die Gefchästs- b Wahrnehmung machen, daß bei fertiger Ablieferung der Arbeiten, wenn unbba dn Teilung und zufammengekehrtem Staube hier

und immer f'n 50a6-' leotzdem die Eontrole der Arbeiter, wie seither

uuv immer gebräuchlich, strengstens eingehalten wurde. Das Gold wird nämlich aro^nua stt b°s! cina Don Eichenholz stark gearbeitetes Kästchen, was

werden kann^ ^senstand aufnehmen zu können und verschlossen

werden kann. Bei Schluß der Arbeit wird alles Gold und Abfälle mit Staub zusammen in diesen Kasten eingeschlossen und abgeliefert, die Schlüssel werden abgezogen brockt^na^d^"b77 ^han und in die Privatwohnung zum Aufbewahren □Pfchl?f^nnm?r7m s"0^^^ammtliche Kästchen in einem besonderen Schranke cin- imÄTni?1Pho .Morgens werden die Schlüssel wieder geholt und die Kästchen Aemtck? E c? biter eingehandigt Trotz dieser Eontrole fehlte ab und zu am f * Mmr sann nach und kam zu dem Schluffe, daß Niemand anderes als der hr»? sm I Diebstahl begehen könne. Es wurden am Samstag vor zwei und ^eftaeM^unh0«^ Kasten geöffnet und das in denselben sich befindend/Gewicht und das S ben exrft? Sonntagabend ergab sich ein Manco von sechszig

bns Mal von vierzig Mark. Daraufhin wurde die Polizei verständigt,

daß den nächsten Samstagabend der Ausläufer beim Nachhausegehen angehalten und ^ttr bn au/lhPm 9°iatC Polizei aber hatte bei dem belebten Verkchr um diese ihn aus dem Auge verloren und konnte ihn erst zu Hause finden. Man fand und keinen Abfall, aber ein Portemonnaie mit 160 Maik ,nu.n ^^Housuntersuchung geschritten und soll man, wie zuerst 7nd n^olb und Banknoten und 30 000 Mark in Obligationen

unb Loosen vorgefunden haben, worauf er und feine Frau verhaftet wurden ^tach hQt ltd) "Leben, daß man nur an baar und Werthpapieren 25 000 Mark vorgefunden hat. Schuhmacher hat eingestanden, daß er fett 1880 diese äbrif"an^n gerieben, den Abfall für die Hälfte des Werthes an den Goldwaaren- fabrikantenK. verkauft habe, der augenblicklich in Berlin auf der Reise fei. K. habe ihn verleitet, Wachsabdrucke von den Schlössern zu nehmen und Nachschlüssel machen b C e Michschlüssel habe er im Geschäft versteckt, wo sich auch noch ein Beutel m e^nIn ö^l^nben ?urde. K. ist in Berlin verhaftet worden und seine Frau ?blcheauch verhaftet werden sollte, fiel in Krämpfe und ist so krank geworden daß L ?och nicht verhört werden konnte. Die Frau des Schumacher ist als'nickt schuldig befunden aus der Haft entlassen worden.

-,Stuttgart, 20. Februar. fKriegsoerficherung.l Wie man hort

w?itKr-? N^f^"on der Lebensverstcherungs- und Ersparnißbank in Stuttgart ^nach b^a"mMn der Kriegsverficherungsfrage für ihre kriegsdienstpflichligen Ve^ ^^n.1.^odes Kriegs ohne jede Gegenleistung zu übernehmen. Diese Absicht m w" voller Anerkennung zu begrüßen. Humanitär ist solche gegenüber der großen mPirbhibpnUiSh h* unbebingt zu billigen und finanziell ist sie gerechtferttg?

über ll miirTinn1?6« ^p?rniJJe ON Mindersterblichkeit (im Jahre 1886 betrug solche im Kriegs all- in «?A?,?fC QU9 den Versicherungen der jüngeren Altersklassen, die frit M /owmen, entspringen. Es ist daher ein Akt der Gerechtig-

den diese Ersparmß zunächst zur Verlustdeckung herangezogen, bezw.

den Krtegsdienstpflichtigen nicht zugemuthet wird, für die im Interesse der Allaemein- di^Van^si"/b^^^.»"^fahren noch besonders besteuert zu werden. Eine Getahr für m.Ca^>nf b/o^usfuhrung dieser Absicht nicht zu erblicken. Nach den Erfahrungen aus dem Z^iege 187071 und in Berücksichtigung des beseitigen Versicherunasstandes der Bank ist im ungünstigsten Falle ein Verlust von ca. 1 Million JL »u befürchten moflte man aber den Verlust sogar verdoppeln, bezw. auf 2 Millionen setzen so bliebt na$ den derzeitig zu erwartenden Ueberschüssen, welche sich übrigens in Folge der fort- * tenbeneünrmeS flhr'iü118 alljährlich n-esmllich steigern, immer nod/elne bedcu- tenoe Cumme übrig. Pro 1887 rotrb voraussichtlich der Ueberschuß ca 3 Millionen Außerdem aber besitzt di- Bank für fvlch- Zwecke auch noch -ine Ertra g lick Wetterberbb/t"b^^inat°n- welche im Hinblick aus möglichc Kriegsgesahr^alljähr-

Die derzeitig vorhandene Dtvtdendcn-Reserve (pro IM7 die Eiolkn^n mtrb f?1 ÄrJeßSfaUe voraussichtlich niemals berührt werden und nuna auck nick statutarifch vorgcschricbcnen 4jährigen Durchschnittsbercch-

nn»8 ift hi, I b k* und 1-denfalls nur vorübergehend vermindert werden. Hi^- nach ist die Bank in der glücklichen Lage, die beabsichtigte, in jeder Hinsickt aerecki? t "ea8bkn1tmltotin.n °^e jede Gefährdung durchführen zu können8 ih?-n

^^^vlenstpflrchtigen Familienvätern gegenüber, die das neue Wehrgesetz bis xu ihrem bbt^bensiahre in den Dienst des Vaterlandes stellt, wird die Lebensversiche^ hiimeifelnCIhn6C Bestimmung erst recht erfüllen, und etz ist Nickt zu

Änüick'b-?? dieser Schritt zur weiteren Förderung der Lebensveisicherungssacke wesentttch beitragen wird. An der Zustimmung des Verwaltungsraths nnd bergen?' ralversammlung zu diesem Plane kann voraussichtlich nicht gezweifelt werden.

«{«ft* ü e leÄerfte Mahlzeit, wenn die BerdaunnaSfunktion

cmib! e Sodener Mineral-Pastillen wirken aus die sanfteste

Weife, aber durchgreifend dem Magenkatarrh und der Verstopfung entgegen und lin- bern und beseitigen wirksamst die Qualen des Hämorrhoidalleidens. Attest Nack regelmäßigem und fortgesetztem Gebrauche der Sodener Mineral-Pastillen kann ich mit couAttrm, daß dieselben ein ausgezeichnetes Mittel gegen Hämorrhoiben

Allm zum Gebrauche empfehlens welche sich durch fitzenbe Berufsthatigkett bieses beschwerliche unb schmerzhafte Hebel zugezogen haben haben V°rkäufsU°°P^?°8b^'p«Sch°S

Gottesdienst der israelitische!! ReligionsgeskUschafh

3°' Uhr^ Samstag°Ab-nd S»bsihffEstag Vormittag 8°- Uhr, Samstag N-chmitt-,