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Bureaur Schulstraße 7.

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Mr. 27S. Freitag den 23. November 1888«

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Politische Rundschau.

die

von auS und von

Gießen, 22. November. Wie in den vorhergegangenen Jahren, so werben auch in diesem Winter mehrere öffentliche Vorträge des Localgewerbevereins statt- inben, bcren Besuch hiermit allen Gewerbtreibenden, bie ihr Wissen zu bereichern bestrebt ftnb, bestens empfohlen wirb. Die Vorträge finben am 27. November, 4. und 11. December b. I. unb am 15. Januar unb 5. Februar nächsten Jahres in Cafö Balzer (Ebel) statt unb beginnen Abends 8 Uhr. Es werden Vorträge halten:

Herr Amtmann Dr. Dietz: Heber das Krankenkassen-Gesetz vom 15. Juni 1883 und das Unfallversicherungs-Gesetz vom 6. Juli 1884. lieber daS Bau-Unfalloersicherungs-Gesetz vom 11. Juli 1887. Heber die Hnfall- und Kranken­versicherung der Land- und Forstwirthschaftltchen Arbeiter.

Herr Prof. Dr. Thiel aus Darmstadt: Heber die Luft in Wohngebäuden.

Herr Dr. W. Sonne auS Darmstadt: Heber Eisen und Stahl.

In der gestrigen Sitzung der Strafkammer wurde der frühere Postverwalter Bin gern er aus Staden wegen Betrugs, Verbrechen im Amte und Hrkundenfälschung einschließlich einer vom vorigen Schwurgerichte ausgesprochenen ^Gefängnißstrafe, zu

m r i. ?erlitt, 21. November. Der heute im Bundesrathe zur Berathung aelanaende Gesetzentwurf bezüglich des Kaiser Wilhelm-Denkmals betrifft die Bewilligung der für Preisausschreiben erforderlichen Geldmittel. B '

... de^ttn, 21. November. In der Denkschrift zur Vorlage, betreffend die Er- richtung eines Denkmals für Kaiser Wilhelm I., wird bemerkt, daß als Platz für die 0 ntur Vlm0ri°6c Straßenzug vom königlichen Schlosse unter den Linden nach garten in Betracht kommen könne. Die Frist für Einreichung von Entwürfen »aUr ^nate festgesetzt. Es sind neun Preise im Betrage von 100,000 X ausgesetzt. '

e .,.s?reslau, 21. November. Bel den heutigen Stadtverordnetenwahlen find in ber ersten Abthetlnng sammtliche Eandidaten der Liberalen gewählt worben

Bremen, 21. November. DieDeutsche Gesellschaft zur Rettung Schiff- brüchiger meldet aus Westerland: Am 21. November von der auf Syll gestrandeten ^erettet^a^ar 110 ' ®apitan ®ucfen' 4 Personen durch Hilfe 'ber Station Westerland w Karis, 21 November. Boulangistischen Blättern zufolge fand gestern Abend, als Boulanger das Nenaissancetheater verließ, eine boulangisttsche Kundgebung statt, wobei mehrere Personen verhaftet wurden.

. 3-ft»n Abend projedkte Meeting mit Gilly's Vorsitz wurde vertagt,

da Gilly noch nicht zurückgekehrt ist. '

London, 21. November. In ber heutigen Sitzung der Parnell - Commission verhängte der Prafibent eine Gelbstrafe in ber Höhe von 500 Pfunb gegen Ebward H^^ugton, den nationalistischen Deputirten für Kerry, wegen bes imKerry ©cntinel* Artikels, welcher eine schwere Beleibtgung gegen den Gerichtshof ent- 9tcy- .^r Artikel, auf welchen derGeneralprokurator gestern hingewiesen hatte, führte aus, baß ber Gerichtshof nur eine Creatur ber Regierung unb berTimes" sei. Jparrtn0ton erklärte auf Befragen des Präsidenten, baß er bie Verantwortung für ben Artikel übernehme.

n -21- November. Dem Vernehmen nach wirb ber Papst im nächsten

t irlor um ? b Erzbischöfe von Rouen, Lyon, Mecheln unb Prag, sowie einen spanischen unb zwei italienischen Prälaten (Macht unb Annibale) zu Carbinälen ernennen.

re 21 November. In ber heutigm Senatssitzung erklärte Ministerprästbent

Crispi bei der Berathung bes Gesetzentwurfs über bie Communal- unb Provinzial Pforrn, datz er nach Beenbigung ber biesbezüglichen Debatte bie Interpellation Corte'S über bie italienische Politik im Rothen Meere beantworten werbe.

j Petersburg, 21. November. Die Ernennung bes Generallteutenants Hermann Paucker (vom Jngenieurcorps) zum Minister für Wege unb Verkehrsanstalten ist heute publictrt worben.

Berlin, 22. November, 12 Hhr 30 Min. Mittags. (Eröffnung bes Reichstages). Die Thronrebe gebenkt zunächst ber Reisen bes Kaisers im Reiche, welche bie Heberzeugung gewährten, baß bie Neichseinheit im gesammten Volke tiefe Wurzeln geschlagen unb erwähnt bie Hamburg-Bremischen Zollanschlüsse unb bie schweizerische Hanbelsübereinkunft. Die Finanzlage sei befriebigenb, freubig zu begrüßen ber wirthschaftliche Aufschwung; sei auch ber auf ber Lanbwirthschaft lastenbe Druck noch nicht gehoben, so lasse boch bie Möglichkeit einer höheren Verwerthung ber land- wirthschaftlichen Erzeugnisse eine Besserung erhoffen. Die Thronrede kündigt die Vor­lage von Gesetzentwürfen über die Genossenschaften, Aenderung des Krankenversicherungs­gesetzes, sowie über die Alters- und Invalidenversicherung an. An bas Abkommen mit Englanb wegen Ostafrika würben sich weitere Verhanblungen mit anberen Re­gierungen unb biesbezügliche Vorlagen an den Reichstag knüpfen.

Die Beziehungen zu allen Regierungen seien frieblich. Der Kaiser sei unaus­gesetzt für bie Befestigung bes Friebens bestrebt. Mit bem christlichen Glauben und ben Pflichten bes Kaiser« sei es nicht verträglich, ohne Roth bie Leiben eines selbst siegreichen Krieges über Deutschlanb zu verhängen. Die Besuche bei ben befreundeten Monarchen bezweckten eine Verstänbigung zur Sicherung bes Friebens. Das allseitig bezeigte Vertrauen berechtige zu ber Hoffnung, baß es gelingen werbe, ben Frieben zu erhalten.

Kevtschlattd.

Berlin, 20. November. Der russische Thronfolger wirb zum Besuche bes Kaisers morgen Abenb aus Kopenhagen hier eintreffen unb voraussichtlich bis Donnerstag Abenb hier verweilen. Zum Ehrenbienst sinb bestellt: Der Chef bes Generalstabs ber Armee, Generaladjutant Graf Walbersee, sowie ber Oberst v. Rauch- Haupt, Commanbeur bes Alexanber-Garde-Grenabier-Regiments, bcssen Chef ber Czar ist. General ber Cavallerie Graf Walbersee war, wie man sich erinnern wirb, bereits zum Ehrendienst bei bem Thronfolger befehligt worben, als berfelbe im November v. I. mit seinem Vater, bem Kaiser von Rußlanb, hier zum Besuche war. Vom 1. West­fälischen Husaren - Regiment Nr. 8, zu besten Chef der Großfürst - Thronfolger bei ber Anwefenheit des Kaisers in Peterhof ernannt worben ist, trifft eine Aborbnung von Officicren unb Mannschaften unter Führung des Obersten v. Szczytnicki zur Begrüßung des Regimentschefs ein. Außerdem werden llnterofficiere dieses Regiments die Ehren­posten vor der Wohnung des Großfürsten stellen.

Berlitt, 20. November. Herr von Bennigsen wird seinen in Hannover betonten Standpunkt zu dem Unternehmen einer Emin-Pascha-Expedition in Entsendung der­selben, nach Herstellung der Ruhe in Deutsch-Ostafrika, durch das Gebiet der beutsch- ostafrikanischen Gesellschaft, unb Benutzen bes Etappen-Systems, auch in einer am kommenden Sonntag in Berlin anberaumten Sitzung des Emin-Pascha-Comitäs, wie dieNat.-Ztg." erfährt, persönlich vertreten.

Die Frage nach ber Existenz ober Nichtexistenz eines Kaiserlichen Hanb- fcbreibcn« an bie Berliner Stabtbehörben anlangenb, läge, berKreuzztg." zufolge, bie Wahrheit in ber Mitte, bergeftalt, daß bas Kaiserliche Hanbschreiben allerbings erlassen wäre, aber an ben Cultusminifter, unb von letzterem bem Magistrat mitgetheilt worben sei.

Wie wir hören, ist bie Einrichtung zweier weiterer Militär-Brieftauben- ftationen in Aussicht genommen, durch welche das geplante Brieftaubennetz an ben Grenzen zum Abschluß gelangen würbe. Die hierzu nothwenbige Summe soll bereits im Etat pro 1889/90 in Ansatz gebracht fein. ;

Gießen, 22. November.

2)ie Ueberfiebelung ber kaiserlichen Familie aus bem Marmorpalais bei Potsdam nach bem königlichen Schlosse tn Berlin, welche erst für ben 22. November in Aussicht genommen war, ist bereits am Dienstag vor sich gegangen, so baß bie Majestäten nunmehr staubig in ber Reichshauptstadt refibiren werden. Bald nach er­folgter Heberfiebelung trafen eine Reihe fürstlicher Persönlichkeiten am kaiserlichen Hose tjeil8 zu nur kurzem, theils zu mehrtägigem Besuche ein, nämlich Prinz Heinrich Preußen aus Kiel, der Prinz-Regent Albrecht von Braunschweig nebst Familie Schlesien, der Erbgroßherzog von Sachsen-Weimar aus Thüringen, der Herzog die Herzogin von Aosta aus Italien unb ber Großfürst-Thronfolger Nicolaus Rußland aus Kopenhagen, anläßlich seiner Rückreise nach Petersburg.

Der Bnndesrath hat in seiner am 19. b. M. abgehaltenen Plenarsitzung Vorberathung beS Reichshaushaltsetats im Wesentlichen zum Abschlüsse gebracht und außer ben noch reftirenben wichtigeren Etatsthetlen bie Gesetzentwürfe, betr bie Fest­stellung bes Reichshaushaltsetats pro 1889/90 unb betr. Aufnahme einer Anleihe zu Zwecken bes Reichsheeres, ber Marine unb ber Retchseisenbahnen genehmigt Auch bem Entwürfe zum Besoldungs- unb Pensions-Etat ber Reichsbankbeamten für bas Etatsjahr 1889 stimmte ber Bunbesrath zu. Dagegen versagte derselbe den Reichstags- beschluffen über die Arbeiterschutzgesetzgebung, über die Beschränkung der Kinderarbeit und Veranstaltung einer EnquSte bezüglich des sogenannten Normalarbeitstages, weiter über die Jnnungsfrage und über die Sonntagsarbeit seine Zustimmung, was sich bei mindestens theilnahmslosen Verhalten der Regierung gegenüber ben Anregungen des Reichstages über bie genannten Punkte allerbingS erwarten liefe. Aber bie Fragen einer Regelung ber Arbeiterschutzgesetzgebung, der Beschränkung der Kinderarbeit und der Sonntagsarbeit sinb in ihrer Art so wichtige unb dringliche, daß sie mit ber ab- weifenben Haltung ber Regierung unmöglich als abgethan betrachtet werben können unb sicherlich stehen nach biesen Richtungen hin neue Anträge im Reichstage zu er­warten, bie hoffentlich enblich einen besseren Erfolg aufzuweisen haben werden, als bie ^on früher wicberholt gestellten gleichen Anträge. - Die bem Bunbesrathe zugegangene neue Vorlage über bie Statistik ber Branntweinbrennereien unb ber Branntwein­besteuerung würbe ben zustänbigen Ausschüssen überwiesen.

In Frankreich zeitigt ber Prozeß Gilly allerhand charakteristische Nachwirkungen. Die opportunistischen Abgeordneten, welche in bem Prozeß als Zeugen auftraten wollen erbittert über ben resultatlosen Ausgang besselben, Herrn Gilly zwingen, seine Be- schulbigungen gegen bie Mitglieder ber Bubgetcommission in öffentlicher Kammersitzung vorzubringen unb in ben französischen Abgeorbnetenkreisen sieht man deshalb neuen parlamentarischen Scandalscenen entgegen. Ferner richtete ber frühere Finanzminister Raynal an Gilly eine Zuschrift wegen besten Aeußerung, es seien 14 Millionen Frcs. alsTrinkgelderE an Mitglieder des Parlaments anläßlich ber Hebereinkunft mit ben Eisenbahngesellschaften gezahlt worben. Raynal fragt nun an, ob er etwa auch hier­mit gemeint sei unb droht Gilly mit einer Forderung, zu welcher Raynal bereits seine Zeugen ernannt hat. Herr Gilly scheint da in ein böses Wespennest gestochen zu haben'

Jrn englischen Parlamente spielen die ostafrikanischen Angelegen­heiten noch immer eine Hauptrolle. So hat ber Premier Salisbury im Oberhause Erklärungen über bie Blokadesrage abgegeben, welche an die Aussehen erregenden Steuerungen des Ministers Goblet in der französischen Deputirtenkammer anknüpfen Aus den letzteren war, entgegen früheren Mittheilungen Salisbury's, zu entnehmen, daß Frankreich weder an der Blokade theilnehmen, noch auch eine Durchsuchung der unter seiner Flagge segelnden Schiffe nach Sclaven, sondern nur stach Waffen gestatten wirb. Wie nun Lorb Salisbury zu seiner Annahme gelangen konnte, Frankreich werbe in aller Form an ber Blokade theilnehmen, geht jedoch aus seinen jüngsten Erklärungen nicht hervor; nur meinte er zum Schluffe, Frankreich erkenne bie Gesetzlichkeit bes beutsch-englischen Abkommens gegen bie arabischen Sclaoenhänbler an. Im Hebrigen wiederholte Lord Salisbury, daß England an Operationen zu Lande nicht theilnehmen würde und erklärte schliefelich, eine gesonderte Action der Admiräle der bei ber Blokabe beteiligten Mächte sei erwünscht unb hanbelten bie Admiräle auch bereits demgemäß.

Telegraphisch« Depesche».

»OlU'S kelegr. «arrespOnbe«,. Burearr.

Sf*»*'21. November. Zu Ehren Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich hatten hier viele öffentliche und private Hauser Flaggenschmuck angelegt. Der Reicks- mCTQt"JS*1 aufrichtigen Theilnahme an allem Schmerz,'welchen HOT«Ä.mTbte flu® 7aKf mbinbcn überall die her,-

sibenh ^^riirn,in2OTt9ZoöMnbcr*l Der Grvßfürst-Thronfolger von Rußland traf heute isiSrMUÄf s hierein, empfangen vom Kaiser, dem Prinzen Heinrich, der

Generalität, dem Gouverneur, dem Commandanten, dm zum Ehrenbienst befohlenen Officicren und dem Personal ber russischen Botschaft. Der Kaiser unb Prinz Heinrich trugen russische, ber Großfurst Thronfolger die Uniform des 8. preußischen Husaren- 3 Nach herzlichster Begrüßung schritten bie Fürstlichkeiten bie Fiont ber

Alexander - Regiments ab unb bestiegen sodann bie Hofwagen, wurden C nCr ®§fa^ron ^cr ^arde - du - Corps bis zur russischen Botschaft eskortirt