Ausgabe 
23.8.1888 Erstes Blatt
 
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Landwirthschaftliches.

[3ebn Regeln des Baumschnitts.] DiePr. Obstztg." gibt folgende sehr beachtenswerthe zehn Regeln des Baumschnittes:

1. Die kräftige Gesundheit eines Baumes hängt größtentheils von der gleichen Vertheilung des L-astes an alle seine Aeste ab. 2. Die Lebensdauer und die kräftige Gesundheit eines Baumes hängen größtentheils von dem beständigen Gleichgewicht zwischen seinen Aesten und Wurzeln ab. 3. Der Saft strebt immer so senkrecht rote möglich, von den Wurzeln in die Aeste aufzusteigen, ist daher in den aufrechten Aesten im Ueberfluß vorhanden, zum Nacktheil der anderen. 4. Der Saft entwickelt auf einem kurz gescknittenen Aste viel kräftiger wachsende Triebe als auf einem lang- geschnittenen. 5. Der L>aft strebt immer, dem Ende der Aeste zuzufließen und ent­wickelt daher das am Ende stehende Auge kräftiger als die seitlichen. 6. Wenn man einen Ast ganz unterdrückt, so kommt der Saft den benachbarten Aesten und Zweigen zu gute. 7. Die Aeste, in welche viel Saft zuflteßt, erzeugen viel Holz und wenig Früchte, diejenigen im Gegentheil, in Die er sich nicht in großem Ueberfluß ergibt, erzeugen viele Früchte und wenig Holz. 8. Je mehr der Saft in seiner Eirculation Hindernisse findet, desto mehr bringt er Fruchtzweige und Fruchtknospen hervor. 9. Jeder seiner Triebe beraubte oder abgekniffene Ast bringt durch den Ueberfluß von Saft, welcher keinen Ausgang in der Entwickelung des Holzes findet, eine große Menge von Fruchtzwetgen und Fruchtknospen hervor. 10. Je mehr man einen Baum^ nothigt, Frucht zu tragen, desto mehr erschöpft man ihn; je mehr man ihn im Holz erhält, desto mehr nehmen seine Kräfte zu. '

Jeder Landwirth sollte sich diese zehn Regeln des Baumschnitts alsgoldene Regeln" fest einprägen. Er wird den Nutzen davon alsbald sehen.

sFast vertrocknete Bäume zu retten.] Bei der Versendung von Bäumen geschieht es öfter, daß, aller angewandten Vorsicht ungeachtet, bei dem Anlangen der Bäume an ihrem Bestimmungsorte sie doch gänzlich vertrocknet scheinen. Dies rührt meistens vom Durchzug trockener Winde durch die Baumpackete her. Diese Bäume, . so wie sie nun sind, gleich in die Erde zu stellen, wäre ihr Untergang. Man lege 1 vielmehr die Bäume in einen anderthalb Fuß tiefen Graben, den man in recht frische I Erde gemacht hat, überschütte sie einen halben Fuß hock mit lockerer Erde und über- I gieße dieselbe, im Falle sie trocken sein sollte. So läßt man sie einige Tage liegen. >

Ist noch irgend Kraft in den Fibern der Saftröhren der Rinde vorhanden, so wird diese Behandlungsart die Bäume gewiß retten. Bekommt die Rinde ihr glattes An­sehen wieder, so nimmt man die Bäume aus der Erde heraus und verpflanzt sie sogleich an den Ort ihrer Bestimmung. Am besten geschieht dies bei feuchter Witterung und milder Luft.

Wöchentliche Neberficht der Todesfälle in der Stadt Gießen.

33. Woche. Vom 12. August bis 18. August 1888.

Einwohnerzahl: 19 001 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 30,1 %o.

Kinder

Es starben an:

Lungenschwindsucht

Zusammen:

2

Erwachsene:

2

im

1. Lebensjahr: 2

vom .-15. Jahr r

Lungenentzündung

1

1

Brustfellentzündung

1

1

Luftansammlung im Pleurasacke 1 (1)

1 (1)

Gehirnentzündung

1

1

Schlagfluß des Gehirns

1

1

Bauchfellentzündung

1 (1)

1 (1)

Diphtherie

1 (1)

1 (1)

Verunglückung

1 (1)

1 (1)

Altersschwäche

1

1

Summa: 11 (4)

9 (3)

1

1 (1)

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Wärmegrade der Lahn und der Luft,

nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr.

Luft 131/2, Wasser 12V2 Gr.

Gießen, den 22. August 1888. Rübsamen.

Allgemeiner Anzeiger.

Schrcinerarbeit.

Die Lieferung von 12 Abdampf- fchränken für das neue hiesige chemische Laboratorium, veranschlagt im Ganzen zu 1428 «X, soll in zwei, eventuell drei Loosen auf dem Wege des öffentlichen Angebotes vergeben werden. Pläne und Probe-Abdampfschrank, Voranschlag und Bedingungen können aus unserem Bureau eingesehen werden. Die An­gebote sind verschlossen und mit ent­sprechender Aufschrift versehen bis zum Mittwoch, d.2S.ArrgustL888,

Vormittags 11 Uhr, portofrei an uns einzureichen, um welche Zeit auch die Eröffnung der Angebote in Gegenwart der etwa er­schienenen Interessenten stattfindet.

Gießen, den 22. August 1888.

Großh. Kreisbauamt Gießen.

I. V.: 6727

Schnitzel, Kreisbaumeister.

Iagiwerpachtung.

Dienstag, den 28. August d. I., Vormittags 10 Uhr, soll die Jagd der hiesigen Gemarkung auf der Rathhausstube Hierselbst auf 6 Jahre verpachtet werden.

Waldgirmes, den 18. August 1888.

Bernhardt, 6723_____________Bürgermeister.

Arbeitsvergebung.

Die nachstehenden bei Ausführung einer Kirchenheizung in Lang-Gon- vorkommenden Arbeiten sollen im Sub- misstonswege vergeben werden: veranschlagt zu Maurerarbeiten «X 160.17

Eisenwerk (Gußplatten rc) 89 96 Ofenlieserung 297.

Schmiedearbeit 19.20

Schlofferarbeit ,, 52.20

Dachdeckerarbeit 18.90

Weißbinderarbeit 7.80

Schreinerarbeit 33.50

Summa «X 678.73

Kostenvoranschlag sammt Bedingun­gen sind aus Großh. Bürgermeisterei Lang'Göns einzusehen, wohin auch die Offerten bis zum 27. dS. MtS., Mittags 12 Uhr, einzusenden sind.

Gießen, 21. August 1888.

6725 Rohrer.

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Arbeitsversteigerung.

Kommenden Freitag, den 24.

d. M., Mittags 1 Uhr, sollen auf Großh. Bürgermeisterei Oppenrod nachstehende Arbeiten versteigert werden: veranschlagt zu

Maurerarbeit «X 40.20

Glaserarbeit 39.24

zus. v4t 79.44

Gießen, 20. August 1888.

Rohrer, 6726 Bezirks-Bauaufseher.

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