Ausgabe 
22.11.1888 Zweites Blatt
 
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Pelle an der Gemeindeschule zu Rothenbura mit einem jährlichen Gehalte von 1000 X, sowie die gleichfalls mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende 2. Lehrcrstelle an dieser Schule mit einem jährlichen Gehalte von 900 X Mit der ersten Stelle ist Ktrchendtcnst verbunden. Zu beiden Stellen steht dem Herrn Grafen von Erbach- Fürstenau daS PräsentationSrecht zu. Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrersiell? an der Gemeindeschule zu Jugenheim mit einem jährlichen Gehalte von 900 X Mit der Stelle kann Organtstendtenst verbunden werden. Die 1. Lehrer­stelle an der evangelischen Schule zu Vielbiunn mit einem jährlichen Gehalte von 900 X Mit der Stelle ist Olgantstendienst verbunden. Dem Herrn Fürsten von Löw-iiftein-Wertheim-Rofenberg und dem Herrn Grafen von Erbach-Schönberg steht das Präi-ntattonsrecht zu derselben zu. An der Volksschule zu Worms drei Lehrer- stellen, von denen zwei mit evangelischen Lehrern zu besetzen sind und eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzen ist, mit Gehalten von je 1200 x jährlich. Eine mit einer katholischen Lehrerin zu besetzende Stelle an der Gernetndeschule zu Boden­heim mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährlichen Gehalte von 1000-1200 X.

Berlin, 19. November. Der Bundesrath hatte heule eine Plenarsitzung und wird im Laufe der Woche noch mindestens eine solche Sitzung behufs Abschlusses der Etalsberathungen abhaltm. Die letzten Specialetals nebst dem Entwürfe des Etats- aesetzes sind ihm bereits zugegangen. Die in dem letzteren einzurückenden Hauptzahlen des Etats fkbcn allerdings noch nicht völlig fest, ihre Höhe wird wesentlich von den finanziellen Effecten derjenigen Abänderungen abhängen, welche in dem Bundesrathe vorgenommen werden. Solche stehen dem Vernehmen nach namentlich bezüglich des Marine- und MilttäretatS in Aussicht. WaS insbesondere den letzteren anlangt, so pflegt der Bundesrath bekanntlich regelmäßig eine Correctur der auf die Natural- verpflegung bezüglichen Positionen vorzuuehmen. Der ersten Etatsaufstellung werden die 10jährigen DurchfchnittSpretfe zu Grunde gelegt und dagegen können die Marttni- marktpreise des laufenden Jahres, des frühzeitig erforderlichen Abschlusses des EtatS- entwurfcS Seitens der Verwaltung wegen, erst bet den Berathungen des Bundesraths mit herangezogen werden. Wie in den meisten vorhergehenden Jahren wird auch dieses Mal auf Grund der Martintmarktpreise eine merkliche Aenderung des ursprünglichen EtatsansaheS, welcher nach Mittheilungen in der Presse ohnehin um über 3 Millionen Mark erhöht fein soll, zu gewärtigen sein. Unbeschadet der hiernach sich etwa ergebenden Aenderungen im Einzelnen darf nach Allem, was inzwischen an die Oefsentlichkeit gedrungen ist, angenommen werden, daß der nächste Etat das Bild einer fortschreitenden günstigen Entwickelung der Finanzverhältnisse des Reiches entrollen wird. Wenn trotzdem abermals ein Deficit von rund 22 Millionen Mark zu decken ist, die Matri- kularumlagen nur um 1 bis P/a Millionen im Ganzen sich erhöhen dürften, während die Gesammthöhc der Uederwcifungen an die Bundesstaaten um den Betrag von etwa 15 Millionen den Ansatz des laufenden Jahres übersteigen sollen, so weist dies schon im Vergleich zu dem Vorjahre auf eine wesentlich bessere Gestaltung des finanziellen Verhältnisses des Reiches zu den Bundesstaaten hin. Jenes Bild gestaltet sich aber noch günstiger, wenn man die vorübergehenden Momente in Betracht zieht, welche auf dasselbe einwtrken. Dabei kommt zunächst der zu deckende Fehlbetrag des letzten Finanzjahres mit rund 22 Millionen Mark, welcher die Erhöhung der Matrtkular- umlagen um den gleichen Betrag bedingt, in Betracht. Da mit dem im nächsten Jahre bevorstehenden Eintritt der vollen Wirkung des ZuckcrsteuergesetzeS die Quelle der Fehlbeträge verstopft ist, nsird demnächst auch die Nolhwendigkeit fortfallen, zur Deckung eines solchen die Matrikularumlagen, über den Bedarf des Etats gehend, zu erhöhen. Das zweite vorübergehende Moment beruht in der in dem laufenden Etat mit 8 Millionen Mark sigurirenden Nachsteuer, welche eine außerordentliche Mehrüber­weisung von gleichem Betrage zur Folge hatte. Wenn daher, wie verlautet, der nächst­jährige Etat Mehrüberwetfungen im Betrage von 15 Millionen Mark in Aussicht nimmt io bedeutet das eine Besserung der dauernden Quellen jener Ueberweisungen *

um rund 23 Millionen Mark. Beide Momente dienen daher dazu, daS Bild der finanziellen Verhältnisse des Reiches, sowohl wie es auS dem nächstjährigen Etat selbst sich ergibt, als bezüglich dessen, was er für die Zukunft in Aussicht stellt, noch günstiaer zu gestalten, alS es sich bei der ersten Vergleichung mit dem diesjährigen Etat ob ne bin schon darstellt.

Vermischtes.

~ der hessischen Lande« - Irrenanstalten.!

In dem Jahre 1887/88 vereinnahmte die Kasse an Beit'ägen: J

aus der Provinz Starkenburg 7 332 30 x, M M * Oberhessen 205 53

_ h * Rheinhessen 3 804.56

Dagegen verausgabte die Kasse an Unterstützungen:

1) an Angehörige der Provinz Starkenburg 6 689.66

* * Qberhefsen 1508.75

3) ,, , ,, Rheinhessen 4 234.62

Wahrend also sowohl in der Provinz Starkenburg, als auch in der Provinz Oberhesien

die verw!lligten Unterstützungen durch die eingegangenen Beiträge mehr als ersetzt wurden, war in der Provinz Rheinhessen das Gegenthell der Fall. Die Ausgabe an jonnc \DQr größer als die Einnahme an Beitragen und zwar um

4oU.0b X Die Anzahl der unterstützten Personen belief sich in der Provinz Starkcn- Quffl40aUt 89, m ber Provinz Oberhessen auf 28 und in der Provinz Rheinhessen io m. im Berliner Amtsgericht.j Am Donnerstag zwischen 11 und

12 Uhr Vormittags erschien in dem ehemaligen Eadettenhause in der neuen Friedrich: straße, wo jetzt das Amtsgericht I untergebracht ist, General,eldmarschall Gras v. Moltke und begab sich nach dem Testaments-Bureau, um dort seinen letzten Willen gerichtlich nieberzulegen. Das ziemlich umfangreiche Actenftück trug derStbg. tyg.N zufolge auf die vorschriftsmäßige von deS Feldmarschalls eigener Hand in deutlichen

kräftigen Zugen geschriebene Aufschrift :Hierin befindet sich mein Testament. Gericht Uche Siegelung meines Nachlasses ist verbeten. Moltke, Feldmarlchall." Elastischen Schrittes verließ der greise Schlachtendenker, der übrigens außerordentlich wohl aussad dte Raume des Gerichtsgebäudes, nachdem die gesetzliche Förmlichkeit vollzogen war

Stolp, 17. November. Mit dem Vorhaben, das hiesige Ratbbaus in die Luft zu sprengen bat vorgestern Abend der in der hiesigen Stadthauptkasse beschäftigte Receptor Schumann folgendes zu Wege gebracht: Er machte in einem Wasserglas eme Nachtlampe zurecht, stellte dieselbe brennend in den im Magtstrats-Sitzungssaale befind­lichen Ballotagekasten und drehte nunmehr sämmtliche Gashähne auf. Rur dem Um- nande, daß der Unhold vergessen hatte, die Ventilationsktappen zu schließen, ist die Richtentzündung des Gases und damit die Verhütung großen Unheils zu verdanken das leicht entstehen konnte, wenn man bedenkt, daß im Rathbaus- der Eastellan mit seiner Familie wohnt. Schumann war am Tage nach der That nach Stolpmünde gefahren, wurde aber sofort ergriffen und verhaftet. Was ihn zu der Thal bewogen, ist noch nicht aufgeklärt; man darf aber wohl annehmen, daß die That in qe.ntaer umra£i)tung ausgeführt wurde, worauf auch schon frühere Handlungen des Schumann schließen lassen.

. . _. ~ vlach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahl- industriellen belief sich dte Roheisenproduction des Deutschen Reichs (einschließlich Luxemburgs) m Monat Octoder 1888 auf 362 066 Tonnen, darunter Puddelrohstim 164963 Tonnen, Bessemerroheisen 36080 Tonnen, Thomasroheisen

Tonnen und Gießereiroheisen 49 401 Tonnen. Die Production im Cctobir 1887 betrug 354 925 Tonnen. Vom 1. Januar bis 31. Oktober 1888 wurden pröDucirt 3 530 647 Tonnen gegen 3 204 416 Tonnen im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Der Dünger aus zwei Gruben soll Freitag den 23. dS. MtS., Vormittags 11 Uhr, im Schlachthof versteigert werden.

Gießen, den 20. November 1888. Großh. Bürgermeisterei Gießen.

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