Ausgabe 
22.7.1888 Erstes Blatt
 
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Nr. 169 Erstes Blatt. Sonntag den 22 Juli 188L.'

Meßmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Amtlicher Hßeil.

Betreffend: Gmeral-Versammlungen des landwirthschastlichen Bezirksvereins Gießen. , «

Bekanntmachung.

Donnerstag der» S«. Juli l. I., Nachmittags 2 Uhr, wird eine Generalversammlung des landwirtblcbaftliebeu MezirkSvereinS Gietzen zu Hungen in demSolmser Hof" (bei Herrn Jockel) abgehalten werden.

Alle Mitglieder des Vereins und Freunde der Landwirthschast werden zu dieser Versammlung hierdurch freundlichst eingeladen.

Tagesordrrung:

1) Feststellung des Voranschlag» des landwirthschastlichen Bezirksverein» Gießen pro 1888.

2) Beschlußfassung über den Entwurf der Statuten des landwirthschastlichen Bezirksvereins Gießen.

3) Berathung über die zur Vertilgung der Raupe« an Obstbäumen zu ergreifenden Maßregeln.

4) Referat des Herrn Gutsbefitzers Schlenke von Gießen über das Thema:Ist die Hagelversicherung auch für den kleinen Landwirth geboten?"

Gießen, den 14. Juli 1888. Der Director des landwirthschastlichen Bezirksverein» Gießen.

_____________________________________Jost.__

Lehrer-Co nfereuz

de» Conferenzbezirk» GLetzeu: Mittwoch den 25. Juli, Vormittags 10 Uhr, in Gießen. Lieder 2. 10. 49;

des Conferenzbezirks Grünberg: Freitag den 27. Juli, Vormittags 10 Uhr, in Grünberg. Lieder 18. 122.

Gießen, den 20. Juli 1888. - Büchner, Schulrath.

Gefunden: 1 weißes Taschentuch, 1 Heft, 1 weißer Kinderstrumpf, 1 Stock, 1 Bettelmünze, 1 Portemonnaie, 1 Korallenarmband, 1 Krieas- oenkamnze. °

Zugelaufen: 1 Mopshund.

Gießen, 21. Juli 1888. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Darrnflabt, 19. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Aller- gnädigft geruht:

Am 15. Juli den ordentlichen Professor vr. Boström zu Gießen zum Rector der Landes - Universität für die Zett vom 1. Oktober 1888 bis dahin 1889 zu ernennen.

Darmstadt, 18. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom Heutigen dem Hauptmann der Landwehr, Schlenke, vom Landwehr-Batatllons-Bezirk Gießen das Ritterkreuz 2. Classe des Verdienstordens Philipps des Großmüthtgen zu verleihen geruht. ___________________

Telegraphische Depeschen.

«ölst'» telegr. «orresponbe«, - Bureau.

Berlin, 20. Juli. DieNordd. Allgem. Ztg." theilt mit Rücksicht auf die unvollständige und verstümmelte Wiedergabe der Antwort des Staatsministertums vom 29. Mai auf die Polenadresse an Kaiser Friedrich den wahren Wortlaut mit, worin es heißt: Der Kaiser ließ dem Staatsmtnisterium die Ergebenheitsadresse zugehen, dieselbe in allerhöchstseinem Namen zu beantworten. DaS Staatsministerium entledigte sich des Auftrages, indem es versicherte, daß der König an der Treue seiner polnischen Unterthanen niemals gezweifelt habe. Es habe dem König aber Freude gemacht, dasselbe Gefühl, von dem die polnisch redenden Unterthanen jederzeit beseelt waren, auch in der Adresse vom 4. Mat ausgedrückt zu finden. Der König entnehme daraus die Zuversicht, daß die Unterzeichner der Adresse das Gefühl treuer Anhänglichkeit und Dankbarkeit für die Wohlthaten geordneter staatlicher Einrichtungen auch in ihren par­lamentarischen Arbeiten des Reichstags und des Landtags im Interesse des preußischen Staates bethätigen werden.

Berlin, 20. Juli. DerSoleil" hatte die Kaiser-Reise als die letzte An­strengung, Rußland zu versöhnen, bezeichnet und von einem Erfolg der russischen Di­plomatie gesprochen, welche nunmehr die Absetzung des Koburgers verlangen würde und Deutschland gebe dazu seine Zustimmung, jedoch unter Bedingungen, welche dem Ezaren nicht gefallen und ihn im Entschluß befestigen, Deutschland keinerlei Zu­geständnisse zu machen. Dazu bemerkt die Nordd. Allgem. Ztg., daß die deutsche Politik von Anfang an im Sinne des Berliner Vertrages gegen die Abenteuer des Koburgers vrotesttrt und hieran niemals eine Bedingung Rußland gegenüber geknüpft habe; die Bedingung sei eine kindische Erfindung; der Berliner Vertrag, welchem Deutschland vräsidirt habe, sei ein bindendes Abkommen und die koburgische Occupation stehe mit den Grundsätzen desselben in Widerspruch.

München, .20. Juli. Gegen zwölf hiesige Socialdemokraten, darunter Ab­geordneter Auer, ist Anklage wegen Mitgliedschaft an einem Grhetmbunde erhoben worden.

Eisenach, 20. Juli. Der Großherzog hat sich in Wilhelmsthal gestern Abend beim Steigen aus dem Wagen am rechten Fuß verletzt. Heute ist sein Befinden den Umständen nach befriedigend.

Wien, 20. Juli. Einer Meldung aus Kasch au zufolge richtete Kaiser Wilhelm an Oberst Latterer folgendes Handschreiben: Durch meine Ernennung zum Oberstinhaber Ihres Regiments hocherfreut, begrüße ich dasselbe aus vollstem, wärmsten Herzen. Mir steht, in­dem ich in die 47 Jahre von ihm innegehabte Stelle trete, das Bild meines theuren ehr-- würdigen Großvaters in seiner aufrichtigen Freundschaft für den hohen Kriegsherrn des Regiments, in seinem lebendigen Soldatensinn, in seiner hohen Werthschätzung alles deffen, was Soldaten ehrt und ziert, sowie in seinem warmen Wohlwollen für das Regiment klar vor Augen, und mich erhebt der Gedanke, auch als Oberst-Inhaber des Regiments sein Nachfolger sein zu dürfen. Das Regiment weiß, daß ich bisher schon längere Zeit seine ehrenvolle Uniform mit aufrichtiger Befriedigung trug, und daß es mir eine Freude war, demselben anzugehören, umsomehr beglückt es mich jetzt, Oberst-Inhaber des Regiments zu sein und um so lebendiger ist mein Wunsch, daß die Zeit, welche mir vergönnt sein wird, an dieser Stelle zu stehen, eine für das Regiment an Ruhm und Ehren reich gesegnete sein möge. Ich bitte Sie, dies dem Regiment bekannt zu machen. Potsdam, 12. Juli 1888.

Pari», 20. Juli. Floquet fuhr gestern nach Grenoble. Bei dem Carnot und ihm zu Ehren von der Municipalität gegebenen Banket forderte Floquet alle Repu- chlikaner auf, um dm Präsidmten Carnot sich zu schaarm.

Boulanger richtete an die Wähler deS Departement» Ardeche ein neues Rundschreibm, worin er bedauert, nicht persönlich sich vorstellen zu können.

Senvon, 20. Juli. Das Unterhaus erledigte die Berathung sämmtlicher Artikel der Lvcalverwaltungsvill.

Petersburg, 20. Juli. Ueber die erste Begegnung des Kaisers Wilhelm mit dem Kaiser Alexander wird mitgetheilt, daß die Monarchen sich sehr herzlich umarmtm und küßten. Hierauf fand die Vorstellung des beiderseitigen Gefolges statt. Kaiser Wilhelm hatte noch auf derAlexandria" eine längere Unterredung mit Herrn o. Giers, während Kaiser Alexander sich mit dem Grafen Bismarck unterhielt. Hierauf zogm sich beide Kaiser zuruck und das beiderseitige Gefolge blieb in lebhaftester Unterredung. Außer dem Familiendiner in Peterhof fand auch eine Miniftertafel statt, woran Graf Bismarck und Herr v. Giers theilnahmen. Der Minister Woronzow-Daschkow präfi- dirte. Abends fand bei magischer Beleuchtung, während alle Wasser sprangen, eine Rundfahrt durch den Park von Peterhof statt. Heute Vormittag begibt sich Kaiser Wilhelm mittelst Dampfers nach der Peler-Paulsfestung, um das Grab Alexanders IL zu besuchen. Das Frühstück wird auf dem Dampfer genommen. Hierauf wird Kaiser Wilhelm die in Oranienbaum, Snamenski und Michajlowka wohnenden Großfürsten besuchen. Zu dem heuttgen Galadiner sind zahlreiche Einladungen ergangen; für dm Abend ist ein Besuch des Lagers von Krasnoje Sselo in Aussicht genommen, wobei ein großer Zapfenstreich ftattfindet. Die Rückkehr nach Peterhof erfolgt erst Nachts.

Petersburg, 20. Juli. Nach dem nunmehr genehmigten Programm, welches noch abgeändert werden kann, verbleibt Kaiser Wilhelm die nächste Nacht im Laaer von Krasnoje Sselo und wohnt morgen Vormittag der dortigen Truppenparade bei, besucht hierauf das Großfürstenpaar Wladimir, vielleicht auch die Großfürstin Alexandra Josefowna und die Königin von Griechenland; eventuell findet der Besuch am Sonn­tag statt. Morgen Abend dinirt der Kaiser bei dem deutschen Botschafter General Schweinitz und empfängt dort die Vertreter der hiesigen und provinziellen deutschen Colonien. Am Sonntag findet ein Dejeuner auf demHohmzollem" und Abends im Peterhof ein Galadiner statt. Die Rückreise des Kaisers Wilhelm ist auf Montag fest­gesetzt. Bei dem gestrigm Empfange waren außer der gesammten Kaiserfamilie an­wesend das Erbprinzenpaar von Schaumburg-Lippe, die Minister Woronzow-Daschkow, Giers, Wanowsky, sowie die Botschafter Schweinitz und Schuwalow. Graf Bismarck fuhr mit dem Großfürsten Wladimir. An der Spitze der Ehrenwache beim Palais stand der Großfürst Michael der Aeltere. Nach dem Diner fuhr der Kaiser Alexander allein nach der Villa Alexandria. In einer sechssitzigen Charabanka folgten die Kaiserin, Kaiser Wilhelm, Prinz Heinrich und das Großfürstenpaar Wladimir. Dort wurde der Thee eingenommen und nach 11 Uhr erfolgte die Rückkehr. Heute um 10y< Uhr fuhren Kaiser Wilhelm und Prinz Heinrich von Peterhof nach Petersburg auf der Alexandria".

Petersburg, 20. Juli. Kaiser Wilhelm und Prinz Heinrich mit Gefolge trafen um 11 Uhr Vormittags am Landungsplatz hier ein, wurden von den Spitzen der Marine, den Hafenbehörden, dem Minister des Innern und dem Stadthauptmann empfangen, vom Publikum enthusiastisch begrüßt. Sie fuhren in vier Dampfbarkassen zur Peterpaulsfestung, wo sie Eommandant Stabe empfing, und legten am Grabe Alexander's IL in der Festungskirche ftische Rosenkränze nieder, deren Schleifen die Namen der Spender tragen. Sie besuchten sodann das Häuschen Peters des Großen und kehrten auf der AachtAlexandria" nach Peterhof zurück. Siachmittags machte der Kaiser per Wagen Besuche bei der Großfürstin Katharina, sodann in Snamenski bet Großfürst Nikolaus sen. und in Michailowka bei Großfürst Michael sen. In Krasnoje Sselo trafen der deutsche Kaiser, das russische Kaiferpaar und Prinz Heinrich Abende 7 Uhr ein, am Bahnhof von den Mitgliedern des Kaiserhauses, den Höchstcommandirenden der Truppen und einer Ehrencompagnie des Wiborger Infanterieregiments empfangen. Kaiser Wilhelm führte die Kaiserin, Prinz Heinrich schritt neben dem russischen Kaiser. Vor dem Bahnhof erwartete sie eine glänzende berittene Suite, beide Kaiser und Prin^ Heinrich stiegen zu Pferde, die Kaiserin und die Großfürstinnen folgten zu Wagen. Kaiser Wilhelm beabsichtigt, erst Dienstag nach Stockholm weiter zu reisen.

Petersburg, 20. Juli. Die Thetlnabme des Publikums an dem gestrigen Empfange des deutschen Kaiser» war eine besonoers große. Mele Taufende waren auf den Schiffen und noch weit mehr an den Ufern und auf dem Wege nach Peterhof^.