Nr. aal Freitag den 21. September 1888«
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Bureau r Schul st raße 7.
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pst
Amtlicher Theis.
Gießen, den 15. September 1888.
Betreffend: Die Steuerfreiheit des Branntweins für gewerbliche Zwecke, hier den Handel mit denaturirtem Branntwein.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die «rotzherzoglicherr Bürgerweiftereien de» »reise».
Der Bundesrath hat in seiner Sitzung vom 21. Juni l. I. u. 91. das Folgende beschlossen:
Temrturirteni Branntwein das Denaturirungsmittel ganz oder theilweise wieder auszuscheiben, oder - abgesehen von einer Ausnahme wonach dem allgemeinen Denaturirungsmittel von den zur Zusammensetzung desselben besonders ermächtlgten Fabriken em Zusatz von 40 gLavendelol oder 60 g Rosmarinöl auf je 1 Liter beigemengt werden darf — dem denaturirten Branntwein Stoffe beizufügen, durch welche dre Wirkung des Denaturirunasmittels in Bezug auf Geschmack oder Geruch verändert wird; t t f.
b. Branntwein, welcher — abgesehen von obiger Ausnahme — in der unter a angegebenen Weise behandelt ist, zu verkaufen oder feilzuhalten.
Händler mit denaturirtem Branntwein sind verpflichtet, einen Abdruck des vorstehenden Verbotes m ihren Verkaufslocalen an einer deutlich Indem wi7°Ig"n°d°ß'Zuwiderhandlungen gegen die vorstehenden Bestimmungen, soweit nicht eine andere Strafe dadurch verwirkt ist der Bestrafung nach SS 3 und 4 des Gesetzes vom 19. Juli 1879, betr. die Steuerfreiheit des Branntweins zu gewerblichen Zwecken, nach 8 18, Ziffer 5 bezw. § 26 bes Gesetzes vom 24. Juni 1887, betr. die Besteuerung des Branntweins, unterliegen, beauftragen wir Sie , die vorstehenden Vorschriften unter gleichzeitigem Hinweis auf die Strafbestimmungen ortsüblich bekannt zu machen und Zuwiderhandlungen zur Anzeige zu bringen. ■
* id pr, Boekmann.__________________
Mnterkmlus an der Ackerbauschule des landw. Vereins für die Provinz Oberhessen ?u Iriedberg pro 1888—1889.
Der diesmalige Winterkursus hiesiger Ackerbauschule beginnt Freitag den 2. November und dauert bis gegen Ende März k. I. Der Unterricht erstreckt sich auf allgemeine Schulfächer. Naturkunde und LandwirthschaftSlehre. Er wird von zwei Landwirthschastslehrern, einem seminaristisch gebildeten Hauptlehrer und mehreren geeigneten Hilfslehrern ertheilt. Die nöthige Anschauung gewähren die reichen Lehrmittel der Anstalt im Verein mit Excurstonen. Aufnahmsfähig sind alle unbescholtenen jungen Leute, welche die Volksschule mit gutem Erfolg absolvrrt haben und einige iw«bem wirthschaftsbetriebe besitzen. Der Lehrplan hiesiger Ackerbauschule ift auf zwei berechnet, weshalb der Unterricht «ijwtt ertheilt wird. In die obere derselben werden nur solche Schüler ausgenommen, welche die untere bereits durchgemacht, oder sich anderweitig die in derselben zu erwerbenden Kenntnisse angeeignet haben. Das Schulgeld beträgt für den Besuch der unteren Klasse 40 «X, für ben ber oberen 20 «X Anmeldungen nimmt schriftlich oder mündlich der Anstaltsdirigent, Landwirthschastslehrer Dr. Tobisch, entgegen, welcher auch anderweitige bezügliche Auskunft ertheilt. Die Neuanqemeldeten haben ein Zeugniß ihrer Bürgermeisterei über unbescholtenen Lebenswandel beizubringen.
Friedberg, im September 1888. Der Aussichtsrath der Ackerbauschule zu Fnedberg
o 9 vr. Braden, Kreisrath. Dr. Wallau, Amtmann. Schmidt, Schulrath. Dr. Tobisch, Landwirthschastslehrer.
Politische Rundschau.
Gießen, 20. September.
Auch der letzte Theil der heurigen Kaisermanöver, die vom 17. bis 19. September stattgefundenen Feldmanöver des Gardecorps und des brandenburgischen Armeecorps gegen einander, ist in der glänzendsten Weise verlaufen, zumal der Kaiser hierbei wiederum persönlich commandirte. Mittwoch Mittag 1 Uhr fand der Schluß des letzten Feldmanövers bet Müncheberg und hiermit der gesummten großen Herbstübungen der beiden Armeecorps statt, worauf alsbald die Rückbeförderung der Manöoertruppen in ihre Garnisonen mittels gewaltiger Militärzüge erfolgte und gab dieser interessante Abschluß der Manöoerbilder auch dem Eisenbahnregiment Gelegenheit, seine Leistungsfähigkeit zu zeigen. Die fürstlichen Gäste des Kaisers hatten mit Ausnahme des schon vorher nach Sachsen zurückgekehrten Königs Albert den Manöver» bis zuletzt beigewohnt. Von ihnen reisten die beiden bayrischen Prinzen, sowie die beiden Prinzen von Schleswig- Holstein noch am Mittwoch Abend wieder von Berlin ab, während der Fürst von Hohenzollern, der Erzherzog Albrecht von Oesterreich und der Großfürst Nicolaus von Rußland bis Donnerstag noch am Berliner Hofe verweilen.
Die bevorstehenden großen Herdstreisen Kaiser Wilhelms treten jetzt, nach Beendigung der Katsermanöver, mehr und mehr in den Vordergrund des allgemeinen Interesses. Wie bereits durch ein officielles Telegramm aus Stuttgart festgestellt worden ist, wird nun doch in der schwäbischen Hauptstadt selber und nicht in Friedrichshafen die Begrüßung des Kaisers durch das württembergische Königspaar erfolgen und wird sich der Kaiser alsdann von der Mainau aus vermuthlich direct nach München begeben. Im Wien wird der hohe Reisende nicht am 4. October eintreffen, wie bislang gemeldet wurde, sondern schon am 3. October. Die gesammte Wiener Garnison bildet hierbei Spalier vom Bahnhofe bis zur Hofburg, woselbst großes Galamahl und Hof- conzert stansindet; am 4. Octobcr ist wieder Galadiner in der Hofburg; am Abend nimmt Kaiser Wilhelm den Thee beim Erzherzog Earl Ludwig. Am 5. October be- giebt sich der Kaiser Franz Josef mit seinem kaiserlichen Gaste zur Abhaltung von Jagden nach der Steiermark, worauf der deutsche Kaiser nochmals nach Wien kommt, um nunmehr die Reise nach Italien fortzusetzen. Den glanzvollsten Theil der Kaiser- reife wird offenbar der Besuch Kaiser Wilhelms i» Rom und Neapel bilden, und wird sich sein Empfang in beiden Städten nach Allem, was man jetzt schon hierüber vernimmt, zu einer geradezu großartigen Feier gestalten.
Seit Dienstag ist Graf Kalnoky der Gast unsers Reichskanzlers in Friedrichs- ruh und wie schon die erste Begrüßung beider Staatsmänner einen außerordentlich herzlichen Eharakler trug, so deutet auch der ungewöhnlich lange Aufenthalt Kalnoky's auf dem lauenburgischen Landsitze des Fürsten Bismarck auf die Intimität der Beziehungen zwischen beiden Staatsmännern hin. Letzteren Beziehungen entspricht aber in glücklichster Weise auch das Verhältniß zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn und nur Eine Stimme herrscht darüber, daß dessen Innigkeit durch den gegenwärtigen Besuch des österreichischen Ministers beim Reichskanzler wiederum die schönste Illustration erhalte. Welche Fragen bei der Zusammenkunft Bismarck's mitKalnoky zur spectellen Erörterung gelangt sind, darüber wird man sich freilich bis auf Weiteres
eines bestimmten Uriheiles enthalten müssen, aber immerhin sind die Meinungen der tonangebenden Berliner und Wiener Blätter mit Genugthuung zu verzeichnen, daß auch die heurige Zusammenkunft der leitenden Minister Deutschlands und Oesterreichs lediglich im Interesse des Friedens erfolgt sei.
Die rumänischen Kammern sind am Donnerstag zusammengetreten, aber nur, um die königliche Botschaft von der Auflösung der Kammern entgegen zu nehmen. Unmittelbar an letzteren Schritt dürfte sich in Rumänien eine lebhafte Wahlcampagne anknüpfen, da die Neuwahlen schon in den Tagen vom 24. bis 26. October vor sich gehen sollen und hängt es von deren Ausfall ab, ob das Ministerium Rosettt-Earp definitiv am Ruder der rumänischen Staatsgeschäfte verbleibt.
Deutschland.
Darmstadt, 19. September. Seine König!. Hoheit der Großherzog haben Aller- gnädigst^ geruht ^^^mber den Director des Gymnasiums und der Realschule Worms Dr. Earl Boßler, mit Wirkung vom 1. October l. I. an, auf fein Jiaä)'. suchen und unter Anerkennung seiner treu geleisteten Dienste bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit in den Ruhestand zu versetzen; r. a
an demselben Tage den Director des Realgymnasiums und der Rea chu e zu Gießen Ludwig Nodnagel zum Director des Gymnasiums und der Realschule zu Worms und den Lehrer an dem Gymnasium zu Mainz Georg W eihr tch zum Dtrector des Realgymnasiums und der Realschule zu Gießen, beide mit Wirkung vom 1. october b" ^Darmstadt^l^Septbr. Das Amtsblatt des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, Sektion für Justizverwaltung, Nr. 26
Darmstadt, 6. September, betr. die Besichtigung der Provinzial-Arrefthauser und Haft- locale September. Der hiesige ^Tägl. Anz." ist in die Lage versetzt,
die Gerüchte, als werde Prinz Heinrich von Hessen „ demnächst Commandeur eines preußischen Armeekorps werden, als vollständig unbegründet zu bezeichnen.
Berlin, 18. September. Das neueste Marine-Verordnungsblatt bringt folgende Kaiserlich^ ErlM^ Reservedivisionen. Ich ermächtige Sie, vom 1. October
l Js an bei den Stationen Kiel und Wilhelmshaven je eine weitere Reservedivision, bestehend aus dem betreffenden Wachtschiffe mit zugehörigem Schwesterschiffe und K einem Aviso, zu formiren.
Potsdam, 6. September 1888.
Wilhelm.
An den Ehef der Admiralität. ,
In der Ausführung vorstehender Allerhöchster Ordre hat die Admiralität folgende Zusammensetzung und Bezeichnung der Reservediotsionen bestimmt: a. Ostseestatton. 1) 1. Reservedioision der Ostsee: S. M. Panzerschiff „Kaiser' als Stammschiff, S. M. Panzerschiff „Deutschland, S. M. Aviso „Grille". 2) 2. Re ervedivision der Ostsee: S. M. Panzerschiff „Bayern" als Stammschiff, S. M -Panzer schm "Sachsen. S. M. Panzerschiff „Württemberg", S. M. Panzerschiff „Baden , S. M. Aviso Kietben". 3) 1. Torpedoboots-Reservedivision: ein V-Boot, acht L-Boote. d. 9^rdsee- station: 1) 1. Reservedioision der Nordsee. S. M. Panzerschiff „Friedrich der Große


