Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Dureairr Schulstraße 7.
und auch der Hauptträger dieser Bewegung, der „Boulangismus", in den letzten Wochen verschiedentlich Fiasco gemacht hatr Trotzdem bleibt es wahr, daß tiefgehende Meinungsverschiedenheiten das französische Volk wie Parlament spalten und nach wie vor characterisirt sich darum die politische Lage jenseits der Vogesen als eine schwankende
In den industriellen Kreisen Spanien-, in erster Linie unter den Spiritus - fabrikanten, hat das neue spanische Alkoholgesetz vielfach Unzufriedenheit erregt. Dieselbe äußerte sich in Tarragona sogar in Ruhestörungen, die sich aus einer Versammlung in Sachen des neuen Gesetzes entwickelten und wurden bet den Tumulten mehrere Personen verwundet. Die Regierung ergriff Maßregeln, um weiteren Unruhen vorzubeugen.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pst
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S trlegr. (Korrespondenz. Buren«.
Potsdam, 19. Juli. Der „Circolo della Caccia" in Rom, dessen Ehren- vräsidtnt König Humbert ist, übersandte eine künstlerisch gearbeitete Broncekrone an den italienischen Botschafter de Launay, um sie am Sarge Kaiser Friedrich's, welcher Ehrenmitglied der Gesellschaft gewesen, niederzulegen. Kaiser Wilhelm drückte für die Sendung seine Genugthuung aus, ebenso sprach die Kaiserin Friedrich ihre lebhafte Dankbarkeit für diesen neuen Beweis der Sympathie aus.
London, 19. Juli. Dem „Bureau Reuter" wird aus Yokohama gemeldet, daß in der Nähe der Stadt Takamatsu der Ausbruch eines Vulkans erfolgt ist. 400 Personen sollen umgekommen und gegen 1000 verletzt sein.
Rom, 19. Juli. Die „Rtforma" erwidert auf die Ausführungen der französischen Pcesse, speciell des „Journals des Debats": „Wenn aus dem Besuche des Kaisers Wilhelm in Petersburg eine erneute Intimität der deutsch-russischen Beziehungen und neue Bürgschaften des europäischen Friedens resultiren würden, würde die Stellung Italiens in den Allianzen nicht nur nicht erschüttert werden, sondern es würden dessen allgemeine Interessen nur dabei gewinnen."
Rom, 19. Juli. In der letzten Nacht herrschte hier ein heftiger Orkan, der an Häusern vielfach Beschädigungen anrichtete, unter anoerm von dem Hotel der spanischen Botschaft beim Vatikan einen Theil des Daches fortrtß.
Madrid, 19. Juli. In Tarragona schlossen sämmtliche Alkoholfabrikanten ihre Fabriken.
Kronstadt, 19. Juli, V/z Uhr Nachm. Der Dampf des deutschen Geschwaders wird soeben sichtbar. Die hier befindlichen Kriegsschiffe erwarten dasselbe in Parade- stellung, alle Schiffe im Hafen sind im Flaggenschmuck und eine große Anzahl Privatdampfer, überfüllt von Menschen, befindet sich auf der Außenrhede. Von Petersburg ist zahlreiches Publikum gekommen, um der Ankunft des deutschen Kaisers bei»u- wohnen.
Deutschland.
Darmstadt, 19. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Aller- gnadrgst geruht:
r • k den Georg Mansfeld aus Mainz zum Telegraphenverwalter
bet den Oberheffischen Eisenbahnen zu ernennen;
r r 18. Juli l. I. den Senatspräsidenten am Oberlandesgericht Carl Eckstein auf sein Nachsuchen von den Funktionen eines Mitgliedes der Prüfungs-Commission für das Justrz- und Verwaltungsfach zu entbinden und an dessen Stelle den Ober- landesgertchtsrath Wilhelm Pfannmüller zum Mitgliede der gedachten Commission zu ernennen. "
k- Merlin, 19. Juli Die „Nordd Allq. Ztg." schreibt in einer Polemik gegen dw Moskauer Zeitung" hochofficws: „Nichts habe sich geändert, als die Haltung der „Moskauer Zeitung , die an die Stelle der früheren Fictionen, daß Deutschland den Krieg wolle letzt die Erfindung setzt, daß Deutschland erst jetzt plötzlich zur Frredenspoltllk sich entschlossen habe. Deutschland habe sich niemals in seiner
t aI5 20 Jahren befolgten Friedenspolitik irre machen lassen Auch der aufgezwungene Krieg mit Frankreich habe es an dem Satze nicht irre gemacht, daß selbst siegreiche Kriege.kein Aequioalent für die Wohlthaten des Briedens bilden. Diese Politik leite auch den jetzigen Kaiser und bewege ihn zu dem Besuch in Petersburg, ohne irgend welche Wunsche und Forderungen der russischen Politik damit untcrPützen zu wollen. Wir wüßten nicht, was Rußland uns gewähren könnte und uns sind keine, wie die „Moskauer Zeitung" sagt, streng legalen, zweifellos gerechten Forderungen Rußlands bekannt, denen Deutschland nicht jederzeit entsprochen hätte ungeachtet unverschämter Großsprecherei einiger Russenblätter." '
Einladung zur Mahl des Vorstandes der israel. Keligionsgemeinde ?u Gießen.
?ir? ^erm.u zur Kenntniß der Interessenten gebracht, daß gemäß dm Vorschriften der Wahlordnung vom 4. August 1871 die Wahl eines Vorstandsmitgliedes dec rsrael. R?ügwnsgemernde zu Gießen an Stelle des verstorbenen Mitglieds Isaac Hanau 9
. _ f . Donnerstag den 2. August 1. I., Vormittags von 9-12 und Nachmittags von 3—S Uhr, im Saal des alten Rathhauses dahier stattfinden wird.
Sämmtliche nach § 2 der genannten Wahlordnung Stimmberechtigten werden daher zur Wahl einaeladen.
Gießen, am 18. Juli 1888. Der Wahlcommissär:
_____Haustaedt, Regierungsaccessist.
Politische Rundschau.
Gießen, 20. Juli.
Im Mittelpunkt der Wocheneretgnisse steht diesmal das nach glücklich zurück- gelegter Meeresfahrt Kaiser Wilhelms nun zur Thatsache gewordene Ereigniß der Kaiserzusammenknnft aus russischem Boden. Bereits am Mittwoch Morgen hatte das deutsche kaiserliche Geschwader den Eingang des finnischen Meerbusens erreicht, am Abend passirte es Reval und in der dritten Nachmittagsstunde des Donnerstag langte es in der Kronstädter Bucht an. Der Czar scheint seinen ursprünglichen Entschluß, seinem kaiserlichem Gaste entgegen zu fahren, noch in letzter Stunde wieder aufgegeben zu haben, denn die erste Begrüßung zwischen beiden Monarchen fand in Kronstadt statt. Hierselbst hatte sich die deutsche Flotte mit dem großen russischen Ostseegeschwader zu einem einzigen imposanten Geschwader vereinigt, welches im reichsten Flaggenschmuck, unter dem Donner der Geschütze und dem Hurrahrufen der Schiffs - besatzungen die Majestäten begrüßte. Nach der ersten Begrüßung geleitete der Czar seinen hohen Gast nach Peterhof, woselbst Kaiser Wilhelm mit seinem Bruder, dem Prinzen^Heinrich, im östlichen Flügel des mit hochfürstlicher Pracht ausgestatteten eigentlichen Schlosses Wohnung genommen hat. Das Programm der während des Besuches des deutschen Monarchen stattfindenden Festlichkeiten weist außer den üblichen Gala - dinerS Kosakenspiele, Flottenmanöver, Parade der im Lager von Krasnoje Selo zusammengezogenen Gardetruppen, Manöver der beiden Garde-Cavallerie - Divisionen rc. auf, es ist also vorwiegend militärischer Natur. Am Freitag Nachmittag war von Kaiser Wilhelm ein Besuch der Kaisergräber in der Petersburger Peter-Paulsfeste sowie eine Umfahrt durch die Residenz beabsichtigt; später gedachte er sich auf dem Wasserwege nach dem kaiserlichen Lustschlosse Oranienbaum zu begeben, um die hier in der Sommervilleggiatur weilenden Mitglieder der Czarenfamilie, den Großfürsten Nicolai Michael und den Prinzen von Oldenburg, zu besuchen. Im Petersburger Wintcr- palais sollte ein Empfang von Deputationen der Deutschen in Rußland durch Kaiser Wilhelm stattfinden.
Im Laufe des kommenden Montag verläßt Kaiser Wilhelm wiederum die russischen Gestade — es sei denn, daß in letzter Stunde noch andere Dispositionen beliebt würden — um, abermals geleitet von dem deutschen Kriegsgeschwader, die Heimfahrt anzutreten. Dieselbe wird den hohen Reisenden, wie bekannt, zunächst nach Stockholm und dann nach Kopenhagen führen und namentlich der Besuch des deutschen Kaisers am Hofe von Kopenhagen trägt in Anbetracht der obwaltenden Verhältnisse । eine ausgeprägte politische Bedeutung, die darin gipfelt, daß der Besuch des Kaisers in Kopenhagen voraussichtlich ein freundschaftlicheres Verhältniß zwischen Deutschland und Dänemark zur Folge haben wird, als dies bislang der Fall war. Die Aufnahme Kaiser Wilhelms wird in beiden Hauptstädten eine glänzende sein und verlautet u. A., daß eine dänische Flotte das deutsche kaiserliche Geschwader auf der Fahrt von Stockholm nach Dänemark einholen werde.
Auf dem Gebiete der innere« Politik beginnt es allmählich an „Ereignissen" zu fehlen und in sofern könnte man vom Eintritte der sommerlichen Ruhepause sprechen. Anderseits schweben indessen noch immer Fragen, welche von der Tagespresse zur Zett noch lebhaft erörtert werden, wodurch sich der Beginn der politischen Ferienperiode vorerst weniger bemerklich macht. Die Angelegenheiten der deutschen Paßmaßregeln in Elsaß-^othringen haben der deutschen Tagespresse bis in die jüngste Zeit hinein zum Gegenstände langer Erörterungen gedient, wobei nicht selten das Verlangen laut wurde, die Paßpflicht sollte, als zwecklos und die deutschen Interessen schädigend, umgehend wieder ausgehoben werden. Jedenfalls denkt aber die deutsche Negierung nicht hieran, wie eine scharfe Auslassung der „Nordd. Allg. Ztg." zur Paßfrage bekundet und wenn ( das officiose Blatt hierbei offen erklärt, der ganze Zweck des Paßzwanges sei eben, die socialen und commerciellen Verbindungen zwischen Frankreich und Elsaß - Lothringen . vollständig abzubrechen, so wird man zugeben müssen, daß die Verhältnisse diese an sich ! bedauerliche Maßregel vollkommen rechtfertigen.
In Frankreich ist am Mittwoch der Schluß der Parlamentssession erfolgt, ! nachdem die Deputtrtenkammer am letzten Sitzungstage noch ein halbes Dutzend Inter- i pellationen über dies und jenes ziemlich summarisch erledigt hatte. Die Vertreter der i französischen Nation, soweit sie an der Erhaltung der bestehenden Zustände im Lande ein Interesse haben, konnten mit verhältnißmäßiger Befriedigung nach Hause gehen, da für's Erste der Sturmlauf in- und außerhalb des Parlaments gegen die Kammer, der auf ein gewaltsames Ende der Deputtrtenkammer zielte, abgeschlagen worden ist
Betreffend; Gustav-Adols-Verein. Lang.Göns, am 19. Juli 1888.
Das Großherzogliche evangelische Dekanat Gießen
an die Kircheuvorstände des Dekanats.
1lm .n JMS! soll das Zweigvereinsfest in Großen Linden gefeiert werden. Anfang des Morgengottesdienstes
7,10 Uhr. Pfarrer Walz von Nauheim predigt- Die NachmittagSpredigt wird Pfarrer Klingelhöffer von Lich halten. Die Kirchsnvorstände werden
-ersucht, Abgeordnete zu senden. Die ev. Pfarrämter wollen das Fest den Sonntag in der Kirche anzeigen. Um zahlreichen Besuch wird mbeten __vr. Strack..
Ar. 16S Samstag den 21. Juli 1888«
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giefjen.


