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Mittwoch den 21. März
1888,
ebener Anzeiger
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Vureaur Schul st raße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit BringerlohP. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pft
Einladung zum Abonnement
auf den
Gießener Anzeiger,
Amts- unö Anzeigeblall für Öen Kreis fließen.
Der „Gießener Anzeiger" erscheint, wie gewohnt, täglich/ mit Ausnahme der Tage nach Sonn-, und Feiertagen, incl. der Beilage „Gießener Farurlieublatter", welche dreimal wöchentlich dem Anzeiger beigelegt werden.
Der Abonuementspreis für den Anzeiger, frei in'S HauS geliefert, beträgt 2 Mark 20 Pfg.; für auswärtige Abonnenten, welche nur bei der Post abonniren können, 2 Mark ercl. Postgebühr.
Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, den Anzeiger auch im II. Quartal 1888 zusenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen.
Wir bitten die neuen Abonnenten, namentlich auswärtige, ihre Bestellungen baldgefälligst aufgeben zu wollen, damit wir vollzählige Exemplare liefern können.
Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß den Abonnenten des Anzeigers die „DerwaltungSblätter" zum ermäßigten Preise von 50 pro Quartal geliefert werden. Die Expedition.
Amtlicher HheiL
Betreffend: Die Berichtigung der Forst- und Feldstrasen von der I. Periode 1888/89. Gieße«, den 17. März 1888.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Srotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreiset.
Wir beauftragen Sie, alsdald und jjederrfall- »och vor l^nde diese- Monats in Ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt machen zu lassen, daß die Berichtigung der im Monat März 1888 gerichtlich erkannten Forst- und Feldstrafen in den ersten 25 Tagen des Monats April 1888 und zwar mit Ausschluß des 12., 13. und 14. an die betreffenden Distrittseinnehmereien statkzufinden hat und daß nach fruchtlosem Ablauf dieser Frist gegen die säumigen Schuldner das für sie mit Kosten verbundene BeitreibungSversahren etngeleitet wird.
Dr. Boekmann.
Deutschland.
][ Darmstadt, 19. März. Se. Königs. Hoheit der Großherzog, Se. Königs. Hoheit der Erbgroßherzog und Ihre Gcoßh. Hoheit die Prinzelfin Irene, in deren Geiolge die Hoidame Freiin v. Grancy, Generaladjutant Gcnerallieutenant v. Wefterwellör, Flügeladjutant Hauptmann v. Grancy uno Hauptmann v. Schwartzkoppen fich befinden, kehren von Berlin, wo fie im König!. Schlosse abgestiegen waren, heute Abend 9*/, Uhr h erher zurück. Staats- Minister Finger, welcher das Großh. Ministerium bei den Beisetzungs-Feier- lichketten in Berlin repräsentirte, sowie Oberbürgermeister Ohly und Stadtverordneter Bergsträßer, welche die hesftsche Residenzstadt vertreten, find bereits wieder hier eingetroffen.
Es halte hier vielfach unangenehm berührt, daß die Gcoßh. Hoftheater- Directton, aus nächsten Donnerstag, 22. März, den Geburtstag weiland Kaiser Wilhelms, eine Darstellung des Schauspiels „ Antoinette" vorgemerkt halt?. Wie wir nun hören, wird voraussichtlich am 22. März überhaupt nicht gespielt werden in unserem Hoftheater.
Berlin, 19. Märr. Der Kaiser und die Kaiserin empfingen die Deputationen russischer und österreichischer Regimenter in Audienz.
— Das Befinden des Kaisers ist trotz der Anstrengungen verhältnißmäßig gut, nachdem in der vergangenen Nacht mir einigen Unterbrechungen der Schlaf doch erquicklich gewesen.
— Der Kaiser erschien heute Nachmittag 2Vz Uhr im großen Empfangssaale des Charlottenburger Schlosses in anscheinend lebhafter Unterhaltung mit dem Kronprinzen und dem Prinzen Christian von Schleswig-Holstein. Der Kaiser verweilte in Uniform etwa 20 Minuten am Fenster.
Deutscher Reichstag.
58. Sitzung vom 19. März 1888.
Am Tische des Bundesrathes: Fürst v. Bismarck, ». Bötticher, v. Schelling, v. Stephan und zahlreiche andere Bevollmächtigte zum Bundesrath.
Nach einigen geschäftlichen Bemerkungen ertheilt der Präsident von Wedell-Pies- dorf dem Reichskanzler Fürsten von Bismark das Wort.
Reichskanzler Fürst v. Bismarck: Ich habe von Sr. Majestät dem Kaiser eine Allerhöchste Botschaft an den Reichstag erhalten und beehre mich, dieselbe im Nachstehenden zu verlesen. (Die Mitglieder erheben sich.)
„Wir Friedrich, lon Gottes Gnaden, Deutscher Kaiser, König von Preußen, thun kund und fügen hiermit zu wissen: Durch den nach Gottes Rathschluß erfolgten Eintritt Unseres geliebten Herrn Vaters ist mit der preußischen Krone die deutsche Kaiserwürde auf Uns übergegangen. Wir haben die mit derselben verbundenen Rechte und Pflichten mit dem Entschlüsse übernommen, die Retchsverfasiuna unverbrüchlich zu beachten und aufrecht zu erhalten und demgemäß die verfassungsmäßigen Rechte der einzelnen Bundesstaaten
und des Reichstags gewisienhaft zu achten und zu wahren. Im Bewußtsein der mit der Kaiserlichen Würde Uns überkommenen hohen Aufgabe werden Wir nach dem Vorbild» Unseres unvergeßlichen Herrn Vaters jederzeit darauf bedacht sein, in Gemeinschaft mit den Uns verbündeten Fürsten und freien Städten unter der verfasiungsmäßigen Mitwirkung des Reichstags Recht und Gerechtigkeit, Freiheit und Ordnung im Vaterlande zu schirmen, die Ehre des Reiches zu wahren, den Frieden nach Außen und im Innern zu erhalten und die Wohlfahrt des Volkes zu pflegen. Durch die einmüthige Bereitwilligkeit, mit welcher der Reichstag den auf die Fortbildung der vaterländischen Wehrkraft behufs Sicherstellung des Reichs gerichteten Vorschlägen der verbündeten Regierungen zugestimmt hat, ist Unsere hochselige kaiserliche Majestät uoch in den letzten Tagen seines Lebens hoch erfreut und gestärkt worden. Ihm ist es nicht mehr vergönnt gewesen, dem Reichstage seinen kaiserlichen Dank für diese Beschlüsse auszudrücken. Um so mehr ist es Uns Bedürfniß, dieses Ver- mächtniß des in Gott ruhenden kaiserlichen Herrn dem Reichstage zu übermitteln und dem Letzteren auch Unseren Dank und Unsere Anerkennung für die bei diesem Anlaß auf's Neue bewiesene patriotische Hingebung auszusprechen. Im zuversichtlichen Vertrauen auf diese Hingebung und auf die bewährte Vaterlandsliebe des .gesammten Volkes und seiner Vertreter legen Wir die Zukunft des Reiches in Gottes Hand. Gegeben Charlottenburg, den 15. März 1888. Gezeichnet Friedrich. Gegengezeichnet vom Reichskanzler."
Ich erlaube mir, diese Allerhöchste Botschaft auf den Tisch des Hauses niederzulegen und dem Herrn Präsidenten zu überreichen.
Präsident v. Wedell-Piesdorf: Meine Herren! Gs dürfte angezeigt sein, daß der Reichstag die Allerhöchste Botschaft, welche wir soeben vernommen haben, in einer Adrefle beantwortet. Ich erlaube mir, die Bitte an Sie zu richten, mich zu beauftragen. Ihnen morgen den Entwurf einer solchen Adresse zur Beschlußfassung zu unterbreiten. Ich darf feststellen, daß der Reichstag sich mit diesem meinem Vorschläge einstimmig einverstanden erklärt hat. Sodann, meine Herren, in der Gewißheit, daß es dem Reichstage daran liegen würde, sobald als möglich Sr. Majestät dem Kaiser und der kaiserlichen Familie die Gefühle der Trauer und Hingebung, welche den Reichstag erfüllen, auszuiprechen, hat das Präsidium des Reichstages bei Ihren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin, bei Ihrer Majestät der Kaiserin Wittwe und bei Ihren kaiserlichen Hoheiten dem Kronprinzen und der Frau Kronprinzessin um Audienzen gebeten. Es ist uns gnädigst in Aussicht gestellt worden, daß diese Audienzen bewilligt werden würden; es ist indeß bis jetzt wegen der großen Inanspruchnahme der allerhöchsten und höchsten Herrschaften noch nicht möglich gewesen, uns diese Audienzen zu gewähren. Heute, meine Herren, möchte ich Sie bitten, den Gefühlen der Hingebung, die uns für unseren allergnädigsten Kaiser beseelen, dadurch Ausdruck zu geben, daß wir rufen: Seine Majestät der deutsche Kaiser, König Friedrich von Preußen lebe hoch! und abermals Hoch! zum dritten Mal Hoch! (Der Reichstag stimmt dreimal begeistert in den Ruf ein.) Meine Herren! Bevor wir in unsere Geschäfte ein- treten, möchte ich noch nach einer anderen Richtung hin Empfindungen Raum geben, die uns, wie ich glaube, Alle erfüllen. In einer großen Zahl von außerdeutschen parlamentarischen Versammlungen ist die Trauer um den Heimgang Sr. Majestät unseres hochseligen Kaisers und das Mitgefühl an dem Schmerz, welcher das deutsche Volk bewegt, zum wärmsten Ausdruck gelangt. Ich glaube, von dieser Stelle aussprechen zu dürfen, daß die Zeichen der Verehrung für unseren aus dem Leben geschiedenen großen Monarchen und der Theilnahme an dem Geschick des deutschen Volkes, welche aus den Volksvertretungen befreundeter Nattonen zu uns herüber erklungen sind, überall in Deutschland die tiefste Rührung und die lebhafteste Dankbarkett hervorgerufen haben. (Beifall.) Ich bin gewiß, daß ich in Ihrer Aller Sinne spreche, wenn ich dem innigen Danke des deutschen Reichstags, als der Vertretung des deutschen Volkes, für jene in Wahrheit wohlthuenden Kundgebungen hiermit Worte gebe. Meine Herren! Die erhabene Gestalt unseres geliebten Kaisers Wilhelm wird über sein Grab hinaus eine unvergängliche Wirkung üben. Möchte


