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Telegraphische Depeschen.

Wolff'S tekegr. Eorresr-SÄdenr'Btrrea«.

Berlin, 19. Januar. Seine Majestät der Kaiser empfing Vormittags den Prinzen Eduard von Anhalt und conferirle darauf mit Albedyll und dem Kriegs­minister. Abends findet eine kleine Theegesellschaft statt, wozu auch die Minister Bötticher und Maybach geladen sind. Morgen Mittag werden der Kaiser und die Kaiserin die Präsidien beider Landtagshäuser empfangen.

Die Hoffeste des diesjährigen EarnevalS finden im kaiserlichen Palais und nicht im Königsschlosse statt. Die herkömmliche Cour fällt in Folge dessen aus, die nöthigen Vorstellungen erfolgen bet den Fürstlichkeiten im Palais.

Berlin, 19. Januar. Die Commission des Reichstags zur Vorberathung des Gesetzentwurfs über die Wehrpflicht erledigte in ihrer heutigen Vormittagssitzung die von der Ersatzreseroe der Seewehr und der Marine - Ersatzreserve handelnden Para­graphen 8 bis 22 unverändert, und behielt sich vor, einzelne namentlich in Betreff der Uebungszeit der Ersatzreserve, geäußerte Wünsche als Anträge bet der zweiten Lesung einzubrtngen- Die übrigen Paragraphen wurden mit unwesentlichen Aenderungen genehmigt. Die Commission behielt sich die Entschließung darüber vor, ob die durch die jetzige Vorlage bedingte Aenderung des Verfassungsartikels 59 in dem vorliegenden Gesetze oder durch ein besonderes Gesetz auszusprechen sei.

Elberfeld, 19. Januar. Wie dieElberf. Ztg." meldet, hat der kürzlich ver­storbene Großindustrielle Neoiandt zu Wohlthätigkeitszwecken, soweit bis jetzt bekannt, 320,000 vermacht, darunter dem Krtegsministerium 10,000 v4L als Prämien für solche Angehörige der deutschen Armee, welche sich im Kriege durch Heldenmuth aus- zetchnm.

Erefeld, 19. Januar. Das Rheintrajekt Griethausen-Welle der Strecke Cleve- Zevenaar ist wegen Eisganges auf unbestimmte Zeit gesperrt. Die Reisenden von und nach Holland müssen die rechtsrheinische Bahnstrecke Köln-Oberhausen-Zeoenaar oder die Strecke über Rymwegen benutzen.

Paris, 19. Januar. DerTemps" fordert die Journale auf, sich eines jeden aufreizenden Artikels über den Zwischenfall in Florenz zu enthalten, da dessen Lösung unmittelbar bevorstehe.

Auf Vorstellung des Präfekten von Rouen sicherte der dortige Erzbischof zu, daß der Wanderprediger Garnier weitere Versammlungen in der dortigen Kathe­drale, welche gestern Abend zu ernsten Ruhestörungen Veranlassung gaben, nicht ab­halten solle.

Paris, 19. Januar. Ministerpräsident Tirard erklärte sich damit einverstanden, die Vorlage des Budgets auf nächsten Montag festzusetzen. Er wird an der rectifictrten Budgetvorlage festhalten, hat sich aber noch nicht schlüssig gemacht, ob er eine Cabinets- frage daraus machen wird.

London, 19. Januar. Beresford überreichte heute seine Demission als Lord der Admiralität. Derselbe batte gegen den Antrag des Cabinets erklärt, daß der Credit für das Nachrichten - Departement der Adurrralität um taufend Pfund ermäßigt werbe.

Belgrad, 19^ Januar. Mehrere pronouzirt liberale Kreispräfekten sind theils mit Pension ihrer Stellen enthoben und ihre Aemter mit radikalen Präfekten besetzt worden.

Stockholm, 19. Januar. Der König eröffnete heute den Reichstag. In der Thronrede wurde heute eine Vorlage betreffs Errichtung eines Ministeriums für Ackerbau, Industrie und Handel angekündigt. Obgleich bedeutende Steuer - Er­leichterungen stattgefunden haben, schließt doch das Budget in Einnahme und Ausgabe mit 82,781,000 Kronen.

Massauah, 19. Januar. Bei einer von dem kommandirenden General San Marzano vorgekommenen Rekognoscirung, die sich bis Saati erstreckte, würbe von den Abeffyniern nichts wahrgenommen.

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Gießen, 20. Januar. sAus dem Verwaltungsbericht Großh. Bürgermeisterei.^ Fortsetzung. Für die öffentliche Armenpflege wurden im Jahre 1886/87 aufgewendet:

1) Aus den Mitteln der Armenkasse 19 893 90

2) Zuschuß aus der Stadtkasse 32 800 «4t, sodaß der Gesammtaufwand für die öffentliche Armenpflege 52 193 JC. 90 H beträgt.

Die Gesammtzahl der Familien und einzelstehenden Personen, welche ständige Unterstützung erhielten, betrug 280. Hierunter befinden sich 192, welche auf Grund des Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz ihren Unterstützungswohnsitz dahier erworben haben.

Ebenso erheblich ist die Zahl der vorübergehend mit Geld, Kleidern, Brenn­material, Lebensmitteln u. s. w. unterstützten dahier wohnenden Familien und einzel­stehenden Personen resp. derjenigen, welche auf Grund des von der Armendeputation mit der Landes-Universität abgeschlossenen Vertrages unentgeltliche Aufnahme in dem akademischen Hospital fanden unD solcher, welchen das Schulgeld erlassen wurde, beziehungsweise deren Kindern die erforderlichen Schulbücher auf Kosten der Armen­kasse angeschafft wurden. Außerdem wurden 39 Kinder auf Kosten der Armenkasse in Prioatpflege gegeben, darunter 33, deren Eltern resp. Mütter dahier nicht hetmaths- berechttgt waren. Im Bürgerhospital befanden sich 19 Personen.

Von der Plock'schen Stiftung wurden verausgabt 3847 JL 56 H, in welcher Summe jedoch ein Zuschuß von 3300 JL zur Armenkasse enthalten ist.

Für 6 in das Landeshospital Hofheim und für 4 in die Landesirrenanstalt Heppenheim aufgenommene Personen hatte die Armenkasse das Pfleggeld zu entrichten und zwar bei 6 auf Grund des Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz.

Das Vermögen der Armenkasse hat sich im Etatsjahr 1886/87 auf 354498 vtt 64 H, dasjenige der Plock'schen Stiftung auf 105 578 JL 57 erhöht.

In Gemäßheit des § 28 des Gesetzes über den Unter st ützungs Wohnsitz mußten 85 männliche ortsfremde Personen mit 3463 Verpflegungstagen und 16 weib­liche ortsfremde Personen mit 1117 Verpflegungstagen die ersteren zum weitaus größten Theil Handwerksburschen im Laufe des Jahres 1886 in das akademische Hospital emgewtesen und 22 männliche Personen mit 229Va Verpflegungstagen wegen Platzmangel in die Herberge zur Heimath, von welcher aus sie ambulatorisch behandelt wurden, ausgenommen werden und weitere 21 männliche Personen wurden mit Kleidungsstücken und in sonstiger Weise unterstützt.

Der mit der Landes-Universität am 11. Mai 1847 abgeschlossene Vertrag nebst Nachtrag vorn 26. November 1863 wegen Uebernahrne der Behandlung und Ver­pflegung der Stadtarmen wurde aufgehoben und am 27. Juli 1886 mit Genehmigung Großherzoglichen Ministeriums oes Innern und der Justiz durch einen neuen Vertrag ersetzt, nach welchem die Stadt für die erwähnten Leistungen eine jährliche Vergütung von 10 000 an die Universitätskasse bezahlt.

Von dem allgemeinen Verein für Armen- und Krankenpflege wurden im Jahre 1886 Unterstützungen verabreicht in 772 Fällen an 193 Personen und Familien. 17 Kinder wurden zu einer Badecur in das Elisabethhaus in Bad-Nauheim geschickt. Krankenpflege wurde von den im Dienst des Vereins stehenden Diaconissinnen in 251 Familien geübt und dabei 448 Nachtwachen geleistet. Die gesammten Auf­wendungen des Vereins für diese Zwecke betrugen 5789 v4L 85

Unter Artikel Bauwesen bemerkt der Bericht:

Baugesuche wurden eingereicht: 34 für Vorderhäuser, 43 für Nebengebäude und 36 für Bauoeränderungen.

Unter dem 9. April 1886 wurde mit Genehmigung Grobherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz ein vorläufiges Ortsbaustatut erlassen, welches haupt­sächlich den Zweck hat, diejenigen in den Stadtbauplan aufgenommenen, jedoch nur thetlweise ober noch gar nicht fahrbar hergerichleren Straßen zu bezeichnen, welche vorläufig zum Bebauen vorgesehen finb.

Im Jahre 1886 wurden 4 neue Tonneneinrichtungen fertiggestellt, sodaß die Gesammtzahl zu Ende des Jahres 1886 302 betrug.

Die Anzahl der Gaslaternen wurde im Jahre 1886 um 5 Stück vermehrt, sodaß sie Ende des Jahres 1886 376 betrug. Die Eigenschaft als Richtungs­laternen erhielten im Jahre 1886 außer den 118 Stück des Vorjahrs noch weitere 20 Stück, sodaß von den 376 Gaslaternen am Ende des Jahres 1886 = 138 Stück Richtungslaternen waren. Von den zu Ende des Jahres 1885 vorhanden gewesenen

Petroleumlaternen wurde eine durch eine Gaslaterne ersetzt. Durch Aufstellung von 3 neuen Petroleumlaternen erhöhte sich deren Gesammtzahl mit Ende des Jahres 1886 auf 57. Die Gesammtkosten der Straßenbeleuchtung betrugen für das Etatsjahr 1886/87 19 729 8

Nachdem, wie im Verwaltungsbericht für das Jahr 1885/86 bereits erwähnt, der Anschluß der in der Gemarkung Großen-Buseck erschlossenen Quellen an die Haupt­leitung erfolgt war, fanden am 25. November 1886 die ersten Einführungen der Quellwasserleitung in die Häuser statt. (Fortsetzung folgt.)

Gießen, 20. Januar. Wie wir kürzlich mittheilten, feiert die Ruder-Gesellschaft ihr XI. Stiftungsfest Samstag den 28. d. M. in Stein's Etablissement.

Das Programm, bestehend aus Theater, komischen Aufführungen, lebenden Bildern und Souper, woran sich Ball schließt, trägt allen Ansprüchen Rechnung und stellt den Theilnehmern einen genußreichen Abend in Aussicht.

Da die Ruder-Gesellschaft in dieser Saison weitere Vergnügungen nicht ver­anstaltet, sucht sie dafür ihre Stiftungsfeier um so glänzender zu arrangiren und bietet, wie vergangenen Winter so auch diesmal ihren-Mitgliedern und Gästen mit diesem Feste etwas Besonderes.

Die Einzeichnungslisten für das Essen liegen bei Herrn Ernst Balser, Mäusburg und bei Herrn Stein im Garten offen.

Gießen, den 20. Januar. sTheater-) Die Rudolph'sche Künstlerschaar hat vor ihrem Abschiede von Gießen unseren Theaterliebhabern noch einen vollen Kunst­genuß bereitet durch die geradezu vorzügliche Darstellung von Shakespeares genialem MeisterwerkeDer Kaufmann von Venedig". Indem nur eine Stimme des Lobes herrschte, bedauerte man gleichzeitig, daß derartige classische Meisterwerke nicht bereits früher zur Aufführung gekommen sind, zumal die dazu erforderlichen Kräfte hrnrelchend vertreten waren. Den Beweis dafür, wie unser Publikum auch classischen Darstellungen das vollste Interesse entgegenbringt, lieferte das vollständig besetzte Haus bei der Dienstags-Aufführung. Den Darstellern wurde lebhaftester Beifall gezollt. Jeder einzelne gab sein Bestes, um der großartigen Dichtung gerecht zu werden. Wir möchtenDer Kaufmann von Venedig" als die effectvollste Aufführung der diesjährigen Theatersaison bezeichnen und die Direction handelt gewiß im Sinne aller Kunstfreunde, wenn sie diese entzückende Dichtung nochmals in Scene gehen läßt-

, Warum gibt man gerade Sonntags immer Possen und sonstige Erzeugnisse der leichtgeschürzten Muse? Ist es nicht auch für dasjenige Publikum, welches Sonntags das Theater besucht, von großem Vortheil, ebenfalls die edelsten Proben unserer Welt­literatur, durch die Bühne verkörpert, kennen zu lernen? Aus einer Classtker-Vor­stellung nimmt ein Jeder etwas mit nach Hause, sie wirkt bildend und belehrend und regt Geist und Gemüth vortheilhaft an. Daher möchten wir unserer kunstsinnigen Tbeaterleitung den Vorschlag warm an's Herz legen, am nächsten Sonntag, woselbst sich die Gesellschaft von uns verabschiedet, noch eine Dichtung edleren Styls zur Auf­führung bringen zu lassen und wenn irgend möglich, denKaufmann von Venedig". Gewiß wird sich ein zahlreiches Publikum, welches noch Genuß am Edlen und Schönen findet, zu dieser Abschiedsvorstellung einfinden. Herr Musikdirector Krauße hat den Kaufmann von Venedig- durch eine gewählte Musik auf das Vortheilhasteste unterstützt. ß.

In einem Hauie in der Weserstraße entstand gestern Abend ein Kamin- branb, welcher jedoch gelöscht wurde, ehe das Feuer größere Ausdehnung annehmen konnte.

UninerfittM - Sbronik.

Straßburg, 19. Januar. Der berühmte Botaniker der hiesigen Universität, Professor de Bary, geboren im Jahre 1831 zu Frankfurt a. M., ist heute nad) langer schmerzlicher Krankheit gestorben.

Der preußische Staatsbaushaltsetat für 1888/89 enthält für die Unionfi'ät H alle einen Zuschuß von 596 265 Ferner an einmaligen Ausgaben: zum Neubau des Physikalischen Instituts, 2. Rate 115 000 JL, zum Erwerb eines Bauplatzes für den Neubau einer Irren-Klinik 125 000 «X und zur Herstellung einer Warm- wasser-Heizungs-Anlage im Palmenhause und im Gewächshause II des Botanischen Gartens 13 000 JL

Groß en-Linden, 18. Januar. Heute fand im Casinolokale desSchwarzen Adlers" dahier die erste Versammlung des neu gebildeten Lehrer - Bezirks - Vereins Großen-Linden statt. Referent Burk-Leihgestern entrollte in seinem sehr eingehend aus­gearbeiteten ThemaHeinrich der Eiserne" ein recht interessantes Stück hessischer Ge­schichte. Am Schluffe feierte Kling - Watzenborn in kurzer begeisterter Ansprache die hochwichtige geschichtliche Bedeutung des heutigen Tages. Mit ächlem Stolze müsse sich jeder Deutsche heute der denkwürdigen Vorgänge am 18. Januar 1871 in dem Procht- schlosse zu Versailles erinnern und mit wahrer Befriedigung könne Jeder heute der Früchte jener Schöpfung sich freuen. Ein Hoch auf unseren erlauchten Kaiser schloß die Feier. Möge ein gesunder Corpsgeist die Mitglieder des jungen Zweigoereins beseelen, damit dieser als ein thätiges Glied in das Ganze eingereiht werden kann um hier mitzuwirken im Kampfe für die Wahrung der Interessen für Schule und Lehrer.

Mainz, 19. Januar. Von Seiten der in Strafhaft befindlichen Social- bemofraten war an bie Staatsanwaltschaft ein Gesuch gerichtet worden, während der Dauer der Haft die eigene Kleidung tragen zu dürfen. Dieses Gesuch ist abgelehnt und eine vollständige Gleichstellung mit den übrigen Gefangenen 'angeordnet worden.

Vom Rhein, 19. Januar. Sämintliche Betriebsbeamte der rheinischen Eisenbahn müssen sich eben einer augenärzllichen Untersuchung unterziehen. Zweck der Untersuchung ist, um mit Rücksicht auf die Signale zu ersehen, ob keiner der Beamten farbenblind ist. Bei Vallendar fand man heute Morgen am Bahndamm die Leiche eines gutgekleideten Mannes, der sich von einem Eisenbahnzug hat Überfahren lassen. Wer der Lebensmüde war, konnte bis jetzt nicht ermittelt werden.

Frankfurter Stadttheater.

Herr Kammersänger Emil Götze, welcher, wte bereits gemeldet, nächsten Montag, den 23. Januar, im Frankfurter Opernhause ein einmaliges Gastspiel absolviren wird, tritt, wie nunmehr endgültig festgesetzt worden ist, als Jos6in Bizel'sCarmen" eine der hervorragendsten und erfolgreichsten Partien des Künstlers auf. Diese Partie wurde gewählt, weil Herr Götze bis jetzt noch nicht Gelegenheit hatte, dieselbe vor dem hiesigen Publikum zu singen.

MrsEM-Ge AnzeiMeu der Sksrdt WteOeu.

EvLAgelischt Gemeinde.

Gottesdienst.

3. Sonntag nach Epiphanias, 22. Januar: Vormittags 9Va Uhr: Pfarrer Schlosser. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Beichte und heiliges Abendmahl im Abendgottesdienst. Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr, Pfarrer Schlosser.

r, , Montag, den 23. Januar, Abends 8 Uhr, Bibelftunde in der Kleinkinder- Anschlag wider Jesus, Salbung in Bethanien, des Judas Verrathersinn; Pfarrer Or. Naumann.

Di- PfarrgeschSste in der Woche vom 22. bis 28. Januar besorgt Pfarrer Schlosser. * 1 2 11

Katholische Gemeinde.

3. Sonntag nach Erscheinung des Herrn.

Von 7 Uhr an Beichte.

Um 8 Uhr: Frühmesse und Austhetlung der h. Communion.

ValO Uhr: Hochamt und Predigt.

2 Uhr: Andacht.

Gottesdienst in der Synagoge.

_ Frettag Ab-nd Uhr, Samstag Morgen 8«- Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr. Samstag Abend 520 Uhr.