rnetschers. Sie bezeichnete Rückert's Behauptungen, von dem Schweiggeld, dem unbekannten Germain u. s. w. als Lüge. Die Juwelen habe sie testamentarisch von ihrer Mutier vermacht bekommen und habe nicht nöthig, solche in Sicherheit zu bringen. Mehrere der vorliegenden Werthgegenstände rekognoscirte sie als Eigenthum. Desgleichen erklärte der vielgenannte Allfree, die Aussagen Rückert's seien unwahr, er kenne keinen Germain, dem der Angeklagte auf Allfree's Weisung die Juwelen ausge- Ländigt und von dem er die in seinem Besitz gefundenen als Belohnung erhalten haben will. Die Staatsanwaltschaft hielt die Sache für völlig aufgeklärt. Wer der Dieb sei könne außer Betracht bleiben, da Rückert nur der Hehlerei angeklagt sei. Er hält eine strenge Strafe für angemessen und beantragt 4 Jahre Gefängniß und 4 Jahre Ehrverlust und Polizeiaussicht. Vor der Verthetdtgung nahm Rückert das Wort; er be- züchtigte Allfree und die Fürstin des Meineids; sie hätten sich verständigt und könnten außerdem nicht anders als in der Voruntersuchung aussagen, wenn sie sich nicht der Gefahr aussetzen wollten, wegen Meineids angefaßt zu werden. Auch auf die Presse schimpfte der Beschuldigte in der heftigsten Weise; dieselbe habe ihn moralisch mißhandelt und die Sache in einer unerhörten Weise aufgebauscht. Der Staatsanwalt unterbrach ihn mehrmals, nahm die Presse in Schutz und wünschte, der Präsident möge Rückert das Wort entziehen.
Dr. Geyger nahm sich seines Clienten in wärmster Weise an, er bestritt zunächst die Eompetenz des Gerichts, suchte sodann darzuthun, daß der Schuldbeweis nicht erbracht sei und plaidirte in letzter Linie für eine mildere Strafe, da die beantragte viel zu hoch sei. Der Gerichtshof trat in letztem Punkte der Vertheidigung bei und verurthetlte den Angeschuldtgten zu zwei Jahren Gefängniß und zwei Jahren Ehrenverlust. Der Schluß der Verhandlung erfolgte um 9 Uhr Abends.
== Frankfurt, 18. October. Heute Vormittag 11 Uhr fand unter Bethei- liauna der Staats- und städtischen Behörden, zahlreichen geladenen Gästen und vielen Offizieren im Nizza Hierselbst die Pflanzung der Kaiser eichen statt. Die Festrede hielt Hauptmann A. Gößmann vom Untformirten Veteranencorps, welches die Feier veranstaltet hatte. Die Bäumchen sind ein Geschenk des verunglückten Landgrafen Friedrich Wilhelm von Hessen. Sie erhielten die Namen „Kaiser-Wtlhelm-Eiche" und .Kaiser Friedrich-Eiche". Die Urkunde wurde von den anwesenden hohen Personen unterzeichnet, in eine Blechkapsel gesteckt, versenkt und dann eingemauert. Als Hauptmann Gößmann das Hoch auf Kaiser Wilhelm II. ausbrachte, intonirte die Kapelle die Nationalhymne, Böller wurden gelöst und die Hüllen, welche die Eichen umgaben, fielen. Hierauf übergab Redner die Kaiser-Eichen dem Schutze der Stadt. Senator von Oven übernahm dieselben und versprach sie sorgfältig zu pflegen. Heute Abend findet als Schluß der Feier in der Neuen Börse ein Commers statt.
— Von der letzten Rundreise des bayerischen Prinz - Regenten in der Pfalz wird noch nachstehende Episode erzählt: Der Bürgermeister einer kleinen Ortschaft wurde bei der Vorstellung von dem Prinzregenten gefragt, wie viel Umlagen die Gemeinde bezahle. Der Bürgermeister antwortete: „Dreihundert Procent." Auf die Frage des Prinz-Regenten, „ob denn dieses die Bürger bestreiten könnten", antwortete der Bürgermeister: „Was wolle Se mache? Se müsse."
Hamm, 10. October. (Ein angeleimter Reiter.] Uebel wurde am Sonntag einem hiesigen Sonntagsreiter mttgespielt; derselbe unternahm einen Spazierritt nach dem benachbarten Orte W. Während er sich hinter einem Glase Bier gütlich that, benutzte ein Schalk die Gelegenheit, um auf dem Sattel seines vor dem Hause stehenden Rosses ein Gläschen mit flüssigem Leim zu entleeren. Was der Witzbold erreichen wollte, war ihm gelungen, denn unser Reiter mußte zu Hause im Sattel vom Pferde gehoben werden, so hatte der Leim gewirkt.
Literarische-.
— Vor uns liegt der zweite Band der im Verlag des Süddeutschen Verlags- Instituts (vormals Emil Hänselmann) in Stuttgart erscheinenden »Jllrrftrirten beschichte Deutschlands^, Preis 10 JL in elegantem Leinenband, 11 in hochfeinem Halbfranzband. Die Zeit nach dem Interregnum und namentlich die Entstehung und Fortentwicklung der deutschen Reformation ist an der Hand der besten Quellen geschildert, und da es der Bearbeiter des Textes sich angelegen sein ließ, in möglichst allgemein verständlicher Form zu erzählen, so sind wir üverzeugt, daß das Buch seinen Zweck auch vollkommen erreichen wird. Ohne einseitig zu sein, nimmt das Buch doch gerade in der Schilderung der bewegten Reformationszett einen entschiedenen und klaren Standpunkt ein und sucht die Gründe, die eine solche Veränderung nothwendig machten, ausführlich darzulegen, um von hier aus dann namentlich auch Ursache und Entstehung des dreißigjährigen Kriegs, sowie dessen Fortgang und Ende zu schildern. Neben den mancherlei populären Geschichtswerken wird deshalb auch die „Jllustrirte Geschichte Deutschlands" stets ihren Platz behaupten und nicht am wenigsten dazu beitragen werden, die mit großer Sorgfalt ausgewählten und trefflich in den verschiedensten Reproducttonsarten ausgeführten Illustrationen, die In engem Zusammenhang mit dem Text stehend, ein anschauliches und belehrendes Bild der damaligen Zett geben. Wir können ob all der angeführten Vorzüge auch den zweiten Band dem Publikum nur auf's Beste empfehlen.
»Wassersport* 1888/89, Nr. 3, Verlag von A. Braun L Co. in Berlin, enthalt Unter Rudern: Heber die Regatten 1888. Die Amateur-Frage. Canoe-Spmt tn Frankreich. Unter Segeln: Der Plattensee (Schluß) mit Abbildung. Dänische Kragejolle mit 3 Abbildungen. Aus Amerika. Einiges über Windmesser. Ferner zahlreiche Nachrichten aus Rudern, Segeln, Schwimmen, Eislauf und anderen Sportgebieten, sowie Allgemeines, Briefkasten und officielle Bekanntmachungen der Clubs.
Die soeben am Quartalswechsel erschienenen Nummern 39 und 40 der »Garteir- tlarrbe* bringen neben dem fesselnden Roman „Die Alpenfee" von E. Werner noch den Anfang einer „Hofgeschichte aus dem 17. Jahrhundert" unter dem Titel „Deutsche Art, treu bewahrt" von Stefanie Keyser. Die Verfasserin ist durch ihre früher in der
„®artenlau&e' erschienenen Novellen „Der Krieg um die Haube", „Glockenstimmen", „Fanfaro 2c. rasch zum Liebling der weitesten Leserkreise geworden. Der gewandten Feder von St. Keyser sagen vor allem diejenigen Stoffe zu, welche sich auf einem geschichtlichen Hintergrund abspielen. „Deutsche Art, treu bewahrt" hat ein ähnliches Thema zum Vorwurf und dies macht uns die neueste Arbeit von St. Keyser um so interessanter. Unter den Artikeln möchten wir namentlich die treffliche Arbeit von Dr. M. Taube, „Der Lehrer als Wächter der Gesundheit", hervorheben, die insbesondere allen in kleineren Gemeinden wirkenden Lehrern sehr willkommen sein dürfte. Die Illustration der betreffenden Nummern ist geradezu prachtvoll zu nennen. Die zwei doppelseitigen Bilder: Alarich in Rom im Jahre 410 von Lindenschmit und „Zur Zeit der Hirschbrunst im Hochgebirge" sind wahre Meisterwerke der Holzschneidekunst.
Landwirthschaftliche Nachrichten.
(Nachdruck verboten.)
— (Grünzeug als Beigabe zum Hühnerfutter.] Wie nützlich, ja wohl noth- wendlg die Beigabe von Grünzeug dem Geflügel neben Körnerfutter ist, das lehren uns die Hühner und Puten, indem sie nach dem Körnerfutter sich beeilen, junges Gras zu pflücken, damit zeigend, daß ihnen das Grüne unentbehrlich bei der Nahrung ist. Nun ist das Grünzeug im Sommer ja sehr leicht zu beschaffen, aber wo welches her« nehmen im Winter bei Schnee und irgend starkem Frost. Da muß man sich schließlich nach etwas anderem umsehen, was man dem Geflügel den Winter über geben kann. Da eignet sich dann am besten Kohl, besonders grüner, krauser Kohl, der in dichten Reihen niedergelegt und mit Fichtenzweigen bedeckt auch im Freien bei ziemlich starkem Frost sich bestens hält. Diesen Kohl, der ein äußerst schmackhaftes Gemüse für die Küche liefert, sollte man außer für den Tisch auch für den Hühnerhof bereit haben. Ebenso ist eine Beigabe von etwas Porrelauch sehr nützlich, namentlich auch, und zwar neben Wermuthkraut, bei der Aufzucht von Puten, welche besonders viel Grünzeug zu ihrer Entwicklung brauchen.
Telegraphischer Tchiff-bericht
der „Red Star Line" Antwerpen.
Newyork, 17. October. Der Postdampfer „Noordland" der „Red Star Line" ist von Antwerpen heute wohlbehalten hier angekommen.
Handel und Verkehr.
Limburg, 17. October. (Fruchtmarkt). Rother Weizen JL 17.10, weißer Weizen JL 17.0U, Korn Jt 0000, Gerste JL 0.00, Hafer JL 6 40, Erbsen X 00.00, Kartoffeln JL 0 00.
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Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
G o t t e s d i e n st.
Samstag, den 20- October:
Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Dingeldey.
21. Sonntag nach Trinitatis, den 21. October: Vormittags 9Vr Uhr: Psarrer Schlosser.
Feier des heiligen Abendmahls.
Nachmittags 2*/z Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr, Pfarrer Schlosser.
Bibel stunde: Montag den 22. October, Abends 8 Uhr, in der Kleinkinder- schule, 1. Mos- Kap. 3, der Sündenfall der ersten Menschen. Pfarrer Dr. Naumann.
Am Sonntag den 28. Qctober, wird das Ernte-Dankfest gefeiert werden; nach beiden Gottesdiensten dieses Tages Kolekte für unseren Kirchbaufonds.
Die Nachmittagsgottesdienste beginnen am Sonntag den 28. October um 5 Uhr.
Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 21. ditz 27. October besorgt Pfarrer Schlosser.
Katholische Gemeiade.
22. Sonntag nach Pfingsten.
Samstag: Nachmittags um 4 Uhr und Abends um V28 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte.
Sonntag: Morgens von 6 Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; um 7 Uhr Frühmesse; nm ‘/«IO Uhr Hochamt mit Predigt; Nachmittags um 3 Uhr sacramentalische Andacht mit Predigt.
Gottesdienst in der Synagoge.
Freitag Abend Uhr, Samstag Morgen 8s° Uhr, Samstag Mittag 3<” Uhr, Samstag Abend 540.
Allgemeiner Anzeiger.
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