Ausgabe 
20.10.1888
 
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Nr. 246 Samstag den 20. October ijift«

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bureaur Schulftraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montaas. Preis vierteljährlich 2Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Amtlicher Tßeil,

Bekanntmachung.

Betreffend: Den Herbstfaselmarkt des landwirtschaftlichen Bezirksvereins zu Friedberg pro 1888.

Der diesjährige Herbstsaselmarkt des landwirthschastlichen Bezirksvereins Friedberg soll Mittwoch den 2 4 L Mts. in Kriedberi abgehalten werden. 8 °

. Die aufgetriebenen Fasel werden durch eine hierzu bestellte Commission gemustert und wird den Eigenthümern der als preiswürdig erkannten Thiere eme Geldprämie bewilligt, wozu der landwirthschastliche Bezirksverein und die Kreisstadt Friedberg entsprechende Beträge zur Disposition gestellt haben. Die eigene Züchtung der Thiere durch deren Eigenthümer erscheint nicht als eine Bedingung der Prämiirung.

Bon der Preisbewerbung sind Gemeindefasel ausgeschloffen, desgleichen Fasel, die um 9 Uhr Vormittags noch nicht am Platze sind.

Für Fasel, welche als tauglich befunden, aber nicht prämiirt werden, wird auf Verlangen eine Wegvergütung ausgezahlt.

Nicht genügend gefeffelte Thiere werden von dem Platze weggewiesen.

Die zum Abschluffe kommenden Verkäufe wollen dem Großh. Bürgermeister Herrn Steinhäußer zur Anzeige gebracht werden.

Zu recht zahlreichem Besuche des Marktes wird hiermit eingeladen.

Friedberg, den 12. October 1888. Der Direetor des landwirthschastlichen Bezirksvereins Friedberg.

______________________________________________________________ Dr. Braden.

Bekanntmachung.

Betreffend: Das Einhalten der Tauben während der Saatzeit.

, , Diejenigen Einwohner von Gießen, welche Tauben halten, werden hiermit aufgefordert, dieselben ohne Ausnahme vom 21. October bis 18. November l. bet Meldung der in Art. 79 des Feldstrafgesetzes vorbestimmten Strafe in den Schlägen eingesperrt zu halten.

Gießen, am 18. October 1888. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Deutschland.

Darmstadt, 18. October. Das Amtsblatt des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, Sektion für Justizverwaltung, Nr. 28, enthält Ausschreiben vom 10. October, betreffend: Den zwischen dem Grotzherzogthum Hessen und den Ver­einigten Staaten von Amerika abgeschlossenen Vertrag über die Staatsangehörigkeit der Auswandernden vom 1. August 1868; hier insbesondere die Auslegung des Art. 2 des­selben und der Ziffer 2 des Schlußprotokolls zu demselben vom gleichen Tage.

Berlin, 18. October. Der heutige Tag, der Geburtstag des verstorbenen Kaisers Friedrich, ist dem Andenken desselben geweiht gewesen. In der Friedensktrche in Potsdam, wo der zu früh Verstorbene vorläufig betgesetzt ist, sand im engen Kreise der hier awesenden Mitglieder des kaiserlichen Hauses die Feier der Grundsteinlegung für das Mausoleum statt, welches die sterbliche Hülle später bergen soll. Vorher hatte die trauernde Wtltwe, Kaiserin Friedrich, in ihrem hiesigen Palais, umgeben von ihren drei Töchtern und dem Verlobten der zweiten, dem Kronprinzen von Griechenland, die Deputation des Magistrats und der Stadtverordneten von Berlin empfangen, welche ihr eine Adresse und die zum Andenken des verstorbenen Kaisers bestimmte Stiftung der Stadt überreichten. Es war ein ergreifender Akt, welcher von Neuem Zeugniß ablegte, wie lebhaft und unzerstörbar die Verehrung und Anhänglichkeit ist, welche die Hauptstadt des Reiches dem verstorbenen Kaiser über das Grab hinaus und seiner Ge­mahlin widmet. Die Kaiserin konnte, während der Oberbürgermeister die Adresse ver­las, ihre Thränen nicht zurückhalten. Die Adresse lautet:

Berlin, 18. October 1888. Allerdurchlauchtigste, großmächtigste Kaiserin!

Allergnädigfte Kaiserin, Königin und Frau!

Der heutige Tag, dessen Wiederkehr wir in einer langen Reihe von Jahren mit Stolz und Freude als ein nationales Fest zu feiern gewohnt waren, er führt uns mit stiller Trauer das theure Bild des hohen Entschlafenen vor die Seele und mahnt uns mit einer Sprache, die eindringlicher ist als alle Worte, was der Verklärte uns war. Den erneuten Ausdruck des Schmerzes drängt das erhabene Beispiel zurück, das der edle Dulder in langer Letdenszett gegeben und mit seinem Heimgänge besiegelt hat. Mit Euerer kaiserlichen und königlichen Majestät, der in vollster Hingebung ihm ver­bundenen Gattin des äußern und Innern Lebens, empfinden wir es, daß wir des ge­liebten Kaisers theures Gedächtnitz nicht besser feiern können, als indem wir im Sinne der hohen Gedanken, Regungen und Ziele zu wirken suchen, die bis zum letzten Hauch sein ganzes Sein erfüllten. In diesem Sinne wünschen wir als die Vertreter der Retchshauptstadt, deren stetige Entwickelung für Eurer kaiserlichen und königlichen Majestät hochseligen Gemahl allezeit ein Gegenstand anregender, fördernder und schützender Theilnahme war, zum bleibenden Andenken an weiland Kaiser Friedrichs Majestät eine allerhöchstdessen Namen tragende Stiftung zu begründen. Diese Kaiser- Friedrich-Stiftung soll im Sinne des hochseligen Kaisers und Königs der Förderung der allgemeinen Volkswohlsahrt gewidmet sein und aus den Mitteln der Stadtgemeinde mit dem Betrage von fünfhunderttausend Mark ausgestattet werden. Die nähere Be­stimmung des Zweckes der Stiftung haben wir einhellig beschlossen, der Entscheidung Euerer kaiserlichen und königlichen Majestät ehrfurchtsvoll anheimzugeben. Der erha­benen Genossin aller idealen und auf Förderung der Volkswohlfahrt gerichteten Be­strebungen des hochseligen Kaisers, der verständnißtnnigen Vertrauten seines Dichtens und Trachtens gebührt die Entscheidung, welche Art der Bethättgung am besten dem Sinne des hohen Verklärten entspricht. Wir haben ferner einhellig beschlossen, daß dem hochseligen Kaiser Friedrich unter Betheiligung der Bevölkerung in der Reichshauptstadt ein Denkmal errichtet werde, welches das Bild des edlen, hochsinnigen, dem Herzen des Volkes so nahe stehenden Fürsten in lebendiger Erinnerung erhalten soll für alle Zu­kunft. Eurer kaiserlichen und königlichen Majestät unterbreiten wir am heutigen Tage diese Beschlüsse zu allerhöchster gnädiaer Kenntniß als ein Zeugniß der innigen Liebe, Dankbarkeit und Verehrung, mit der die gesammte Bürgerschaft das Andenken an ihren geliebten Kaiser Friedrich III. hegt und für immer bewahren wird. Mögen Eure kaiserliche und königliche Majestät allergnädigst geruhen, in diesen Kundgebungen der getreuen Bürgerschaft von Berlin den Ausdruck der tiefen Dankbarkeit und Verehrung für den verklärten geliebten Kaiser zu genehmigen, welche in aller Herzen unauslöschlich fortleben wird. Möge die Belhätigung des Willens, im Sinne des uns Allen zu früh Entrissenen zu schaffen und zu wirken, Eurer kaiserlichen und königlichen Majestät eine

Linderung deS Schmerzes sein, den zu verklären, nach Eurer kaiserlichen und königlichen Majestät allerhöchst selbst gewähltem Wort,nichts so trefflich lehrt, als das Bemühen, fremdem Leid zu wehren". Gott erhalte Eurer kaiserlichen und königlichen Majestät das gläubige Vertrauen und den Sinn wie die Kraft steter werkthätiger Liebe, die jedes Leid zu stiller Versöhnung mit Allem führt, was durch Gottes Rathschluß uns auf­erlegt wird. In tiefster Ehrerbietung verharrm wir Eurer kaiserlichen und könig­lichen Majestät allerunterthänigste, treugehorsamste

Magistrat und Stadtverordneten zu Berlin.

v. Forckenbeck. Stryck."

Berlin. Der Erste Staatsanwalt am Königlichen Landgericht zu Duisburg hat mittelst Schreiben vom 17. October er. die Professoren v. Bergmann und Gerhardt aufgefordert, Strafantrag zu stellen gegen dm Arzt Mackenzie, den Buchhändler Spaar- mann und den Buchdrucker Kühne wegen gegen sie in der confiscirten Broschüre Friedrich der Edle und seine Acrzte" verübter Beleidigungen. Beide Professoren haben, wie dieNat.-Ztg." aus sicherer Quelle vernimmt, ablehnend geantwortet sie feien überzeugt, daß die Beleidigungen Mackenzie's auf ihn selbst zurückfielen,' sie wünschten daher im Gegentbeil eine möglichste Verbreitung der Broschüre.

Bekanntlich ist zum Vertreter der Berliner Universität im Herrenhause an Stelle des verstorbenen Professors Beseler Professor Hinschius gewählt worden. Wie dieNat.-Ztg." meldet, war vorher der Professor Gneist befragt worden, ob derselbe das Mandat übernehmen wolle; er hat aber erwidert, daß er vorziehe, Mitglied des Abgeordnetenhauses zu bleiben.

Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat die Königlichen Etsmbahn- dtrectionen angewiesen, auf prompte Ablieferung und Inanspruchnahme der für den diesjährigen Herbst bestellten Güterwagen nachdrücklichst binzuwirken, um die neuen Wagen zur Bewältigung des in diesem Jahre ganz außerordentlich starken Herbst­verkehrs mitbenutzen zu können.

Berlin, 18. October. Einen doppelten Gedenktag hatte Deutschland in der ablaufenden Woche zu begehen, denn am heurigen 18. October waren 57 Jahre ver­stossen, daß weiland Kaiser Friedrich geboren wurde und vollendeten sich Dreioiertel eines Jahrhunderts, daß die welthistorische Völkerschlacht auf Leipzigs Fluren tobte. In freudiger Stimmung pflegte sonst das deutsche Volk den 18. October, als den Ge­burtstag vonunserm Fritz", des ritterlichen Lieblings Der ganzen Nation, zu feiern; diesmal ist er aber zu einem Tage stiller Wehmuth und schmerzlichen Gedankens an den edlen Fürsten geworden, der seit den schweren Junitagen dieses Jahres in der Potsdamer Friedenskirche den letzten Schlaf schläft. Nur in einfacher, nichtofficieller Weise ist des entschlafenen Kaiser Friedrichs noch einmal zum 18. October in den verschiedensten Kreisen der Nation gedacht worden, aber auch diese stille Feier bekundete, daß das Bild des unglücklichen Monarchen im Herzen des deutschen Volkes fortstrahlt und daß sich das Andenken an ihn rein von allen Schlacken erhalten wird, welche die trüben Wogen der Parteikämpfe dem Bilde des verblichenen Kaisers anzuhaften drohten.

Mit anderen, freudigeren Gefühlen konnte Deutschland das zweite Ereigniß feiern, an welches der heurige 18. October erinnerte, die 75. Wiederkehr der Tage der Leipziger Völkerschlacht. Denn als in den heißen Tagen des 16. bis 19. October 1813 das sieggewohnte Heer des schlachtengewaltigen Franzosenkaisers Napoleons I. dm ver­einigten Armeen halb Europas bei Leipzig unterlag, da war hiermit vor Allem die Befreiung der deutschen Stämme von dem Joche des corsischen Weltenstürmers errungen und zugleich der Grundstein gelegt worden, auf dem sich ein halbes Jahrhundert später das neue deutsche Reich so kräftig aufbauen konnte. Daß wir nunmehr die 75jährige Gedenkfeier der Leipziger Riesenschlacht im Strahlenglanze der auf Frankreichs Schlacht­feldern schwer genug errungenen nationalen Macht und Größe Deutschlands begehen konnten, bildete die herrliche Umrahmung des Festes, das sich somit zu einer aber­maligen Kräftigung des patriotischen Gedankens gestaltete. Und gerade in diese nationale Festfeier hinein warf der nun beendigte Besuch Kaiser Wilhelms im Süden, in dem, Deutschland so innig befreundeten Italien, seinen schimmernden Abglanz, die deutsch- italienische Freundschaft und Waffenbrüderschaft auf's Neue im hellsten Lichte zeigend; konnte die Feier wohl eine schönere Beleuchtung erfahren?

DieVossische Zeitung" behauptet, daß hiesige amtliche Stellen auf die Be­schlagnahme der Broschüre Mackenzie's nicht ohne Einfluß geblieben seien. Dem gegenüber ist zu constatierm, daß die Beschlagnahme hier allgemeine Ueberraschung hervorgerufen hat. Eine Extraausgabe derFreisinnigen Zeitung" von gestern Abend,