Vermischtes.
IlniversttLts - ßhronik.
~ Witte in Schulpforta ist von der theologischen Facultät der Universität Greifswald, trotzdem er den Ruf dorthin abgelehnt hat, zum Toctor „honoris causa ernannt.
Der Pros, der philosophischen Facultät Dr. Lenz zu Marburg wurde in gleicher Eigenschaft nach Breslau berufen.
r :x Der außerordentliche Professor in derselben Facultät, Dr. Kestler, ist in gleicher Ergenschaft an die Universität Greifswald versetzt worden.
o , 7- Der Prof, der Anatomie, Gruber, hat aus Gesundheitsrücksichten sein
>neblcinif«en Akademie in St. Petersburg ntedergelegt und beabsichtig" sich in Wien oder Berlin dauernd niederzulassen.
Lokales.
J.9- Zu« Mn historisches Concerti Die Capelle des Großh. Leib-Grenadrer-Regiments Hal es unternommen, eine musikalische Aufführung ru möglichst getreues Bild von der historischen Entwickelung der Mtlitar-Mustk geben soll. Diesen Zweck sucht das Concert - Unter- nehmen dadurch zu erfüllen, daß es nicht allein eine Reihe von hervorragenden Musiken von dm ersten primitiven Versuchen bis zur glänzendsten modernen Ausgestaltung J^se Musikstücke in der ihnen etgenthümlichen Inftrumentirung und mit den hierfür berechneten Instrumenten vorsührt. Verschiedene dieser Instrumente gelangten bei dem Herdelberger Universitäts-Jubiläum zur Verwendung und stammen aus der Zeit der ersten Versuche auf dem Gebiete der Militärmusik.
19. Juli. D-rh°st-t wurde gestern die Dicnstmagd Elise Graubner ™ci[ Jie ?^cm Dicnstherrn, einem hiesigen Wäschereibesitzer, den Wäscher ohn von 5 Kunden seit. October 0. Js. in 42 Fällen im Betrage von 136 M. unterschlagen hat.
Handel und Verkehr.
Limburg, 18. Juli. (Fruchtmarkt). Rother Weizen M. 15.60 weisser fcirtnfLl^ 7o°(M> ÄOtn ■* 1L35' G-rst- M. 9.20, Hafer JL 7.55, Erbsen JL 00.00, jvm iuj j ein vfu u.uva
o. r ?QraSQr^rt ?,?• Äuli. Erbsen ganze pr. Psd. 12—16 do. geschälte 14—18 & 18—28 weiße Bohnen 20—22 X Kartoffeln 100 Ko. ji 6—7,50, do- pr. Pfd.
? ? S>u^cI.pr: 90—1,10, Eier das Stück 5—6 Kohlraben per Stück
nr mA' ^Etßkraut per Stück 20—25 Rotherüben per Portion 50-60 Kirschen pr- v io
«andwirthfchaftttche Nachrichten.
(Nachdruck verboten.)
«,^'lNutzen und Schaden der Krähen.) Di- Krähen sind im Allgemeinen unter den Vögeln wenig geschätzt und es kann ja auch nicht geleugnet werden, daß sie einen Landmann, wenn sie in großer Schaar in seine Erbsen einfallen, arm fressen können, wie groß häufig die Schaaren derselben sind, welche gesellig bet einander nisten, das weiß Jeder, der einmal beobachtet hat, welchen Lärm sie verursachen können, wenn sie sich über ihre Ntststatten im Walde umhertummeln, das geht aber auch daraus hervor daß man z. B. in einer Colonie in der Nähe von Halle 3000 nistende Paare gezählt hat. Wenn solch eine Schaar einfällt, so stiftet sie entweder furchtbaren Schaden oder sehr großen Nutzen, denn auch der letztere ist durchaus nicht ausgeschlossen. So haben Forstleute beobachtet, daß ganze Waldstrecken in kurzer Zeit durch sie fast gänzlich von den Kieferspinnen befreit wurden, während in naheliegenden Waldtheilen, die nicht von den dunklen Vögeln aufgesucht wurden, eine Vermehrung jenes Ungeziefers statlfand. Für den Sandmann sind die Krähen nützlich, wo Wurzelfrüchte gebaut werden, weil sie dort eine stattliche Menge von Erdkerfen vernichten, während sie den Körnerfrüchten vorzüglich aber den Erbsen, wie schon oben erwähnt, bis zur vollständigen Vernichtung schädlich werden können.
Die Ordre spricht alsdann den Dank des Kaisers für die geleisteten Dienste aus und hebt die dauernden Verdienste Caprivi's um die Marine hervor.
Karl-ruhe, 18. Juli. Die Thronrede des Großherzogs bei dem Landtagsschluß erwähnt die während der Session hereingebrochenen schweren Schicksalsschläge, den Tod des Prinzen Ludwig und der beiden Kaiser. Diese Ereignisse, welche in rascher Folge das deutsche Vaterland im innersten Leben erschütterten, waren geeignet, die Liebe zu Kaiser und Reich noch fester zu begründen und werden dazu beitragen, die Regierung des Kaisers Wilhelm II. zu einer gesegneten zu gestalten. Die Rede gedenkt der angenommenen Gesetzentwürfe, insbesondere des kirchenpolitischen Gesetzes, worüber, wenngleich volles Einvernehmen nicht erzielt werden konnte, doch werthoolle Einigung erfolgte, des Einführungsgesetzes der Unfallversicherung für die land- und forstwirthschaftlichen Arbeiter, des Beamtengesetzes und des Schullehrergesetzes. Die Rede schließt mit den Worten: Das Reich, das inmitten der schmerzlichen Verluste unerschüttert geblieben, wird auch fortan unser starker Schutz nach außen sein. — Der Großherzog, bei der Vorfahrt vom Publikum enthusiastisch begrüßt, war bei der Schlußrede tief bewef t. Die Tribünen waren überfüllt. Der Erbgroßherzog und Prinz Earl wohnten dem Landtagsschluß bet. Die Straßen waren reich beflaggt.
Karlsruhe, 18. Juli. Die dem Großherzoge dargebrachte Huldigungs-Kundgebung hatte einen glänzenden Verlauf. Der aus Vertretern der städtischen Behörden, der Jnnunaen, der Studentenschaft, den sämmtlichen hiesigen Vereinen und einer großen Anzahl anderer Bürger gebildete Zug nahm in der mit Flaggen reich geschmückten Karl-Friedrich-Straße und auf dem Marktplatze, wo Gasflambeaux brannten, Aufstellung und bewegle sich nach dem Schloß, wo patriotische Lieder gesungen wurden. Der Zug defilirte vor dem Großherzog, welcher auf den Balkon getreten war. Der Schloßplatz war mit Gasflammen und Magnesiumlicht taghell erleuchtet. Der Großherzog empfing die Deputation, welche eine Huldtgungs- und Dank-Adresse überreichte und sprach seinen Dank für die patriotische Kundgebung aus.
Karlsruhe, 18. Juli. Hofrath Maier aus Baden-Baden ist gestern mit Gehermralh Tenner hier etngetroffm und untersuchte auf's Genaueste die Augen der Großherzogin. Er constattrte einen guten Erfolg des bisherigen Heilverfahrens und erklärte, die Fortsetzung desselben berechtige zu den besten Hoffnungen völliger Wiederherstellung.
Paris, 18. Juli. Präsident Carnot ist heute Morgen in die Dauphins abgereist.
Tarragona.- 18. Juli. Gelegentlich einer gestern abgebaltenen Versammlung wegen des Alkoholgesetzes fanden Ruhestörungen statt, wobei mehrere Personen verletzt wurden.
Athen, 18. Juli. Nach einer „Havas-Meldung" ist die Annahme italienischer Blatter, daß die griechische Regierung die Gesetzmäßigkeit der den Ausländern in Massaua auserlegten Steuern anerkannt habe, unbegründet.
. Dagerot (Estland), 18. Juli. Die Kaiseryacht „Hohenzollern" passirte, von dem Geschwader begleitet, heute früh 61/* Ubr Dagerot.
Kronstadt, 18. Juli. Die Yacht „Slawjanka" mit Offizieren des Steuermann- Eorps rst heute behufs Einlootsung des deuttschen Geschwaders in See gegangen und erwartet dasselbe bet Havelland.
18. Juli. Bei einer gestern vorgenommenen Haussuchung wurden zwölf Dynamitbomben, ein Revolver und ein Dolch aufgefunden. Drei Personen wurden verhaftet. Der Polizeicommissar Bonfield erklärt, man nehme mit Unrecht an, daß | die gestrigen Verhaftungen auf eine große Verschwörung hinwiesen, welche bei Leuten einer besseren Elaste einen Rückhalt gehabt oder daß öffentliche Gebäude hätten zerstört werden sollen. In dem Complot seien nur zwanzig der untersten Elaste angehörige Personen verwickelt. Der Ehicagoer „Daily News" zufolge stehe fest, daß am 8. Juni zwanzig Pfund Dynamit unter die Anarchisten vertheilt worden seien und daß eine größere Menge Dynamit in die Hände von Mitgliedern der centralen Arbeiterunion gelangt seien.- Nach anderweitigen Mittheilungen sei die Zerstörung des Gerichtssaales und anderer öffentlichen Gebäude, sowie einiger Redactionslokale beabsichtigt gewesen Unter den Verhafteten befindet sich ein bekannter Anarchistenführer.
Petersburg, 19. Juli. Das deutsche Kaisergeschwader hat gestern Abend Reval I passirt. Die Zusammenkunft der beiden Kaiser findet Nachmittags um 3 Uhr zu Kron- I ftadt statt. I
, Mainz, 18, Juli. Der Besitzer des Gasthofs zum „Holländischen Hof" hier Herr Büdingen, welcher vor - Niger Zeit das Unglück halte, im Raunheimer Walde durch einen Zufall bet dem Entladen d-S Jagdgewehres einen Waldhüter zu erschießen hat mit der Familie des Verunglückten, ohne das Zuthun derselben, einen Vertrag getroffen, wodurch s^H-rr Büdingen verpflichtet, eine Jahresrenie von 360 und einen Baarbctrag von 5000 M. zu zahlen.
— 3n einem hiesigen Gasthof stellte sich vorgestern eine mit einer Dienstmütze oerfejiene Persönlichkeit als Polizeibeamter aus Frankfurt vor, der hierher berufen fei die Mainzer Sittenpolizei einer Reorganisation zu unterziehen. Die Persönlichkeit ließ sich Esten und Trinken gut schmecken und verduftete sodann ohne die^eche zu b" zahlen. Der Mainzer Polizei gelang es noch am Abend, den Frankfurter Eolleaen der sich als ein langgesuchter Schwindler entpuppte, zu verhaften. 0 '
^etn hier wurde heute Morgen eine gutgekleidete männliche Leiche ge- landet. Eine zweite Leiche zog man gestern Abend unterhalb Kostheim an der Main- spitze aus dem Wasser. -- Eine 70jährige Greisin, die sich gestern in der Absicht sich zu erttanken, in den Rhein stürzte, aber noch lebend auf das Trockene gebracht wurde 61Ä «n Wen’“ tr6~ ßCUte' b“ hinderten die U,r
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c c. J^CrX Dieb' welcher unlängst in eine Druckerei in der Langestraße einbrack 1,1
s» SiÄÄ sps «eberdete, wie wenn er noch in Amt und Würden sei. Ein hiesiges Haus bat der umrund 2000 geschädigt. Er wurde sehr liebenswürdig aufgenommen ifnftirÄ? 0CaMC?' Schauspielhaus begleitet und erhielt namhafte neue
Aufträge. Diese Freundlichkeiten lohnte der Gauner durch den Betrua in nh»n angegebenen Höhe. Zn anderen Städten soll er das einUäauSe^ef^äft fortariSt und Betrügereien in der Gesammthöhe von 13000 JL verübt haben. $ r 0 '
~ Die Jrühkartoffelernte wird allenthalben als eine gute bezeichnet. An den Prersen merkt man das freilich noch nicht, das Pfund kostet nämlich 15
, ~ r,r. .. Astern erhängte sich ein in der Wallstraße wohnender Colporteur. Der Selbstmörder gab Lebensüberdruß in Folge eines längeren Leidens als Motiv zur That an. 0
«,.rn ohne Einbruch und Diebstahl! In einem Hause auf dem Römer-
a^0äh,^ I1 ? Nacht eingebrochen. Die in ihrer Arbeit dem Anschein nach geftor^n Diebe n^men außer einer großen Geldsumme auch eine Parthie Waaren F1!!’ . ^ner Wirth schäft tn der Schafergasse wurde in verwichener Nacht eben- W-rlh- o°n"100^ g-stohi-m" 10 M baat' f0IDte ^ig-rr-n und Kleidungsstück- tm
I wpnfrf.” Poliziüen in der letzten Nacht einen jungen
I 06 ^Cr DOn Zuhältern tn den Leib gestochen worden war. Die Thäter
I die zwar nicht neu, aber immerhin nicht alltäglich ist, wurde
2n C nCL a?n Romerberg zum Austrag gebracht. Ein Kutscher
um^20 gewette , daß er eine 14pfündige Kalbskeule zu verspeisen vermöge. tt-g.- ichli-bUch'n°ch^in-L^°nÜLI- ‘ranf iU tem Br°t-n6Sch°pp-n Bi-r und verein
Wogens und wurden eine S^r-ck- weit L-isü I ^nem Pferd wurden die Beine gequetscht mehrere andere erlitten erhebliche Beschädi- I jungen. Es kostete stundenlange muhevolle Arbeit bis die Thiere befreit waren.
I ,, O-, ^..Frankfurt a. M., 18. Juli, lieber die Concessionsertheilung der Local- I bahn nach Komgstein erfahren wir, daß dieselbe von Höchst in nordwestlicher Richtung ^?^Eud, über die Ortschaftm Unterliederbach, Oberliederbach, Niederhofheim Münster Schneidheim nach Königstein geführt, und daß mit dem Bau noch in diesem Herbst begonnen werden soll. Eoncessionäre sind die bekannten (Sifenbabru ^bnderop u. Eo und M. Pollack u. Eo. Das Actien-Kapital beträgt lJGO^OOO gemäß dem genehmigten Kostenanschläge. Die Linienführung ist wegen D elen Ä ^^^genden Ortschaften außerordentlich günstig gewählt TnLuF fFS1 akCtncnC nc erfreuliche Zunahme des Verkehrs nach dem Taunus, sondern auch befriedigende Betriebsergebnisse erhoffm.
c , °* ^ankfurt a-M., 19- Juli. Seit heute ist durch Herrn Günther aus ^n Hof aus der Zeil ein herrliches Kolossalgemälde, „Kaiser U IrJ"1 P^rabebett , ausgestellt. Herr Günther ist bekanntlich auch der f owewunberten Orapäen Sensattonsbildes „Filicia", welches soeben gleichfalls im „Russischen Hof' ausgestellt ist. Der Besuch der Ausstellung ist nicht gemein^e?^ kft0m Publikums, sondern auch aus den Nachbarstädten ein un--
! CFnfftfipihimA^At5 n' 181 wichtige, allgemein interessirende maßgebende
or . b“^0 bat ?as Kammergertcht in Berlin als oberster Gerichtshof in Bezug auf miCpm?AUbUM ? bkr am ©onntage gefällt. In der Provinz Hessen-Nasfau, W°bI iMbe5-ubr 0eil Provinzen der Monarchie und den anderen Bundes- ^uaten. waren^die Jager und JaMtebhaber bisher der Ansicht, daß am Sonntage und Klapper -) Jagden verboten seien, daß dagegen AberÄird,e bezw. Abends der „Anstand" ausgeübt werden dürfe. Neben vielen Andern war auch ein Oeconom in Hersfeld diesen Winter an einem nach der Kirche auf den „Anstand" gegangen und hatte die Jagd ausgeübt.
Zur Anzeige gebracht war er dreserhalb wegen Uebertretung der Sabbathordnung bzw megen Uebertretun0 des 8 366, Absatz 1 des Reichsstrafgesetzbuches vom Schöffengericht ^trnffL^rb4 %«rrur be{1 Horden Hiergegen legte Angeklagter Berufung bei der dn' "«?urch seinen Rechtsbeistand ausführen ließ, daß durch die Sabbathordnung nicht die Ausübung des „Anstandes" nach der Kircke son- dern nur das Abhalten von Treib- und Klapperjagden verboten sein könne.' Die Strafkammer war fedoch der Ansicht des Voiderrichters und verwarf die eingelegte rinrUmUnrmtf Sonntagsjäger legte hierauf Revision gegen das Urteil
APinnntP T)ibif Kammergericht in Berlin zur definitiven Entscheidung
TnipntCh; Dieser oberste Gerichtshof ^ur derartige Fälle verwarf nun aber vor einigen iS b£n Revision unter Bestätigung des Unheils der Strafkammer zu
Kassel. In den Entscheidungsgrunden wird ausgesuhrt, daß das Schießen und Zagen Feiertagen allgemein durch die Sabbathordnung verboten sei, es müsse mÄ b -.^^Fung der Sonntagsfeier auch darin gefunden werden, wenn der aeüb? mprh?U6e^Aer;t,3dt" des Gottesdienstes bezw. nach Beendigung desselben aus- 0bübt werde. Damit wäre denn diese hierzulande vielfach erörterte streitige Frage Gersten Gerichtshof endgültig entschieden worden, wovon ^^?0b te?^ba in 'drem eigensten Interesse Kenntniß nehmen mögen, um sich vor Strafe und Kosten zu hüten. B '
, , - Die diesjährige Vereinsoersammlung des Deutschen Vereins gegen den Miß-
-ZEg^r Getränke findet am Abend des 13. und am 14. September zu Gotha
Ä br Tagesordnung ist von der vorjährigen Vereinsversammlung in Darm-
Ü?dt uoch übrig geblieben: 1) Das Verhältntß des Schnapses zur Volksernährung ^^0^ordnung mürbe, zugefügt: 2) Der Antheil der höheren Stände an dem Mißbrauch gelstiger Getränke in Deutschland und die denselben deshalb obliegende 3) Die richtige Art der Unternehmung von Volks-Kaffeehäusern
Uebersicht derartiger deutscher Unternehmungen. ^untC9auiern.


