Ausgabe 
20.5.1888 Drittes Blatt
 
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Sonntag den 20 Mai

im

Nr. 117 Drittes Blatt.

Bureaur Schulftraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

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Lokales.

Gießen, 18. Mai. fSitzung der Stadtverordneten vom 17. Mai.) Anwesend: Herr Bürgermeister Bramm, Herren Beigeordneten Keller und Gnaritb, Seitens der Stadtverordneten die Herren Baist, Georgi, Grüneberg, Dr. Gutfleisch, Hanftein, Hoch, Homberger, Jughardt, Kauf, Aug. Noll, Petri, Dr. Ploch, Schopbach, Simon, Vogt und Wallenfels. Herr Bürgermeister Bramm macht vor Emtritt in die Tagesordnung einige Mittbeilungen, zu welchen Disiderien der letzten Stabloerorbnetensitzung Veranlassung gegeben haben. Die Ar- Leiien an der gärtnerischen Anlage der O stanlage konnten in Folge ungünstiger Witterung erst am 7. Mai begonnen werden. Die Pflasterung derLöwengasse kann wahrscheinlich erst am 24. Mai beginnen, weil die Lieferung der Steine in's Stocken geralhen ist. Bezüglich der schadhaften Stellen an der St ein sohle des Stadtringgrabens soll zunächst Herrn A. Stein in Wetzlar Mittheilung gemacht und mit demselben ein Abkommen auf Ausbesserung dieser Schäden getroffen werden. Nach Kenntnißnahme der in voriger Sitzung zur Sprache gebrachten Verkehrs­störungen durch Stehenbleiben mehrerer Personen, Tragen von Holzbündeln rc. auf den Trottoirs hat Großh. Polizeiamt die Vorlage eines, speciell die Ungehörigkeiten im Verkehr auf den öffentlichen Straßen und Plätzen behandelnden Local-Reglements in Aussicht gestellt. Zu Punkt 1 der Tagesordnung: Vertilgung der Blutlaus, erklärt sich die Versammlung damit einverstanden, daß die hierbei zu treffenden Maß­regeln von der Polizei überwacht und in die Commission zur Untersuchung der Obst­bäume die Herren Simon, Helfrich, Vogt und Kennel gewählt werden. An Stelle des verstorbenen Mitglieds des WiesenVorstandes, Herrn Wortmann, wird Herr Stadtverordneter Vogt gewählt. Das Gesuch der Barbier-Innung um Ueber- lassung des Rathhaussales resp. eines entsprechenden Locales im Bürgermeiftereigebäude wirb abgelehnt. Der Special-Voranschlag des Realgymnasiums und der Realschule für 1889, in welchem die auf die Stadtkasse zu übernehmende Hälfte der Ausgaben den Betrag von 17 280 JL. ergeben, wozu an sachlichen Ausgaben noch -4777 JL kommen, wird genehmigt. Die Möbeltransporteure Bender und Müller suchen um pachtweise Ueberlassung städtischen Geländes zur Aufbewahrung ihrer Möbel­wagen nach, da ihnen die seitherigen Standorte derselben seitens der Bahnverwaltung gekündigt wurden. Bei der Auswahl geeigneter Plätze haben sich indeß solche Schwierig­keiten ergeben, daß die Versammlung auf Antrag des Herrn Bürgermeisters beschließt, vorerst weitere Vorschläge hierüber von dem Stadtbauamt einzufordern. Während von Seiten der Gesuchsteller auf einen Platz an der Pumpstation reflectirt wirb, schlägt das Stadtbauamt einen solchen zwischen der Ausgerinnschleuse und der Geilfuß'ichen Besitzung vor, wogegen seitens der Baudeputation geltend gemacht wird, daß man gerade diesen Platz als vorzüglich geeignet zum Lagern von Straßmbauniaterial be­zeichnen könne. Auch gegen die Ueberlassung eines Platzes an der NodHeimer Chaussee (bet der Burk'schen Mühle) sprechen verschiedene Gründe, so die Rücksicht gegen den Besitzer der Mühle und namentlich auch die Mißstande, weiche sich aus dem Ansaurmeln einer großen Anzahl Wagen ergeben. Gegen den in Vorschlag gebrachten Platz zwischen dem Lahnslein und dem Viaduct wendet Herr Beigeordneter Gnauth ein, daß die Aufstellung von Möbelwagen dort eine rückt zu empfehlende Staffage für die Nord- anlage, deren Ausbau in Aussicht stehe, fei; schon die Lagerung von Straßenbau­material daselbst halte er für mißständig. Herr Bürgermeister Bramm äußert sein von der Versammlung getheiltes Bedauern darüber, daß man nicht in der Lage sei, den Wünschen der Gesuchsteller zu entsprechen und stellt den oben erwähnten Antrag. Dem Antrag des Herrn Chr. Rübsanren auf Verbesserung des Rodbergweges wird entsprochen, indem der obere Theil des Weges verbessert, der untere Theil durch einen Abzugskanal entwässert werden soll, wogegen der Gesuchsteller sich zur Lieber: brückung eines Grabens auf eigene Kosten verpflichten soll. Das Gesuch des Herrn Chr. Wallenfels um Aufbesserung des Hohleichwegs wirb auf Antrag ber Bau­deputation, welche ein öffentliches Interesse als nicht in Frage stehend erklärt, abgelehnt. -- lieber die Errichtung einer Babehalle für die städtischen Volksschulen wirb, bem Anträge der Baubeputation entsprechenb, beschlossen, oberhalb der Franz'schen Badeanstalt Kastenbäber anzulegen und zwecks Einrichtung derselben Ausschreiben auf dem Submissionswege zu erlassen. Die Anlage einer Badehalle nebst Zugang zu der­selben oberhalb des Wehres an der Neumühle, für welche das erforderliche Gelände pachtweise beschafft werden müßte, und die Einrichtung eines Freibades in ber offenen Lahn ist in ber Baubeputation ebenfalls eingehenb erwogen, jeboch nicht befürwortet worben, weil bas Baben einer größeren Anzahl von Schulkindern für bie mit ber Aufsicht betrauten Personen ein viel zu verantwortungsvolles sein würbe unb man j auch nicht bie Möglichkeit des Babens ber Kinber beiberiet Geschlechts außer Acht lassen wollte, für welch letzteren Fall bas Gutachten bes Schulvorstanbes mit in Berechnung gezogen werben müsse. Die Frage, ob auch bie zu errichtende Kastenbadanstalt der Be­nutzung für Knaben und Mädchen zu überlassen sein würde, ist noch eine offene. Von Seiten der Baudeputation wird indeß vorgefcklagen, bie Anstalt im ersten Jahre nur für bie Knaben zu benutzen, da ja für bie Mädchen vor der Hand durch die Einrich­tung bes Schulbabes im Schulhause an ber Westanlage gesorgt fei. Die Versammlung ist hiermit ehwerftanben.

Der von Herrn H. Schaffstaebt eingereichte Accorb über bie Einrichtung von Brausebäbern in ber Sladtmäbchenschule wirb genehmigt. Da bie Nothwendigkelt zur Beschaffung von Schulräumen für bie Stadtknabenschule eine immer dringendere geworden, beantragt bie Baubeputation bie Erbauung eines Knab ens ckul- aebäudes bis 1891. Die Versammlung spricht sich für ben Antrag aus unb ertheilt den Auftrag zur Aufsuchung eines geeigneten Bauplatzes. Zu bem Gesuche des Schreinermeisters E. H. Müller um Bauerlaubnitz (Neubau in ber Weserstraße) hat die Baubeputation ben Antrag gestellt, bie Befürwortung besselben so lange zu ver­sagen, fo lange Petent sich nicht mit der Stadt über die Abtretung von Gelände einigt, zu welcher er sich s. Z., bei Ausführung seines Neubaues in ber Schillerstraße, ver­pflichtete, das betr. Gelände jedoch inzwischen veräußert hat. Die Baudeputation glaubt ferner, mit dieser Gelegenheit auch diejenige sich nicht entgehen zu lassen, auf eine bessere äußere Ausstattung des projeclirten Neubaues in der Weserstraße zu bringen. Die Versammlung ist mit ben Anträgen ber Baubeputation einverstanden. Das Gesuch des Herrn Wagnermeisters Karl Linden st ruth um Anlage einer eisernen Brüstung am Stabtbach (Tiefenweg) wird in der gestellten Form nicht genehmigt, da­gegen soll dem Petenten gestattet werden, die Verlängerung bes Gewölbes über bem Stabtbach auf feine Kosten ausführen zu lassen. Aus Anlaß bes Gesuches bes Hrn. Kaufmann Aug. Voigt um Baucrlaubniß wirb beschlossen, für bie Wolkengasse bie Baufluchtlinie auf betben Seiten festzusetzen.

Die nun folgenden Gegenstände der Berathung betreffen den Friedhof. Frau Friedhofaufseher Noll Wwe. sucht um die Erlaubniß zur Entnahme von Gartenerde von dem Cadaverplatz, bie ihr von bem Friebhofaufseher untersagt worben, nach, inbem sie geltend macht, baß sie s. Z. mit vielen Kosten biese Erbe habe Herstellen lassen. Das Gesuch wirb abgelehnt, ba bie Friedhofscommission eine Bestätigung der für bas Ge- ' i

$ sprcchenben Angaben mcht zu ftnben vermochte. - Abgelehnt wirb auch bas Ge- &cr.rn S?rtmrr Noll um Erlaubniß zur Lagerung von Sanb ?c. auf

> mh5ncbb.°r- Dre Versammlung schließt sich dem noch weiter gehenden Anträge ber ÄPUt^H ? e ^ogkrung von Material zur Herstellung von Grabstätten auf ' ^m Friebhofe überhaupt gänzlich zu verbieten und eine gründliche Reinigung des Fried-

. Hofes auf städtische Kosten vornehmen zu lassen. Um weiteren Mißständen bie Spitze

?nHnntK?'ler au§obem Anfahren von Grabmaterial ergeben, schlägt bie Baubepu- ' £ Zerplatzen oberhalb bes Friedhofs unb Anbringen einer zweiten

^bure daselbst, durch welche das Material leicht auf den Friedhof gebracht werden Eonne, vor. - Der Friedhofaufseher berichtet, daß bie Frledhofswege nicht in Staub gebalten werhen lonntem wenn breselben mit Materialfuhrwerk so oft befahren würben ö"r Abltellung bleses Mrßstanbes hat die Baudeputation beantragt, anzuordnen, daß b e Wege nur mit einspännigem Fuhrwerk befahren werden und dieses nur ein an der südöstlichen Ecke des Friedhofes anzulegendes Einfahrtsthor benützen dürfe. Es wird diesem Antrag entsprechend beschlossen. Herr Bai st bemerkt, ob es nicht möglich sei Maßregeln zu treffen, daß bet großem Andrang von Publikum, wie z. B. bei der am Himmelfahrttage ftattgehabten Beerdigung eines Majors, Beschädigungen an Gräbern durch Zertreten rc. vermiedcu werden. Herr Bürgermeister Bramm erwidert, daß aus Anlaß ähnlicher Vorkommnisse schon früher Veryandlungen mit der Polizei stattgefun­den halten, ohne zu einem Resultat zu gelangen, was jedenfalls sehr schwierig sei, denn orredhof könne man doch nicht absperren. - Dem Friedhofaufseher wirb auf sein Gesuch ern weiteres Zimmer zu seiner Dienstwohnung überlassen unter ber Bebingung dasselbe zu raumen, wenn es für bie Zwecke ber Leichenschau rc. in Anspruch genommen werben muß. Der ©artnerelbetrieb bes Friedhofaufsehers hat den hiesigen Gärtnern Veranlaffung gegeben, an die Stadt eine Eingabe des Inhalts zu richten, demselben angesichts der ihnen drohenden Concurrenz die Ausübung ber Gärtnerei außerhalb des Hledhofs zu untersagen. Bei Anstellung bes Fiiebhofaufsehers würbe derselbe ver­pachtet, sich des Handels mit Grabdecorationen, sowie der Zuckt und des Handels mit glanzen zu enthalten, wogegen ihm gestattet worden, die Ausschmückung und Unter­haltung von Gräbern Privater zu übernehmen. Die Herren Hanstein und Horn- 0/59er finden hieraegen nichts zu erinnern, wollen es aber dem Friedhofaufseder ge­staltet wlsten, daß dieser seinen Bedarf an Pflanzen auf einem außerhalb des Fried- Hoses gelegenen Grundstücke ziehe, damit er nicht selbst von den Gärtrern abhänge Herr Georgi bemerkt, daß man dem Friedhofaufseher den Verkauf von Pflanzen ge- statten möge, andernfalls man ihm die Möglichkeit nehme, sich mit der Ausschmückung ber Graber, auf welchen Nebenverdienst er mit angewiesen sei, zu befassen. Diese An­gelegenbeit wird nochmals an die Friedhofscommission verwiesen.

Die Einfriedigung ber stabtischen Anlagen beantragte bie Baubeputa- tton eijt im nächsten Jahre fortzusetzen, da die im laufenden Jahre für die Anlagen aufauwenbenhen Summen (u. A. für den Ausbau der Ostanlage) an sich schon bedeu­tend sind; dagegen werden die Kosten für die Aufstellung von Ruhebänken in den Frieb- hofsanlagen, in der Süd- und Nordanlage bewilligt. Infolge der Vernachlässigung der sog. Wodestraße in Bezug auf ihre Reinigung har Gr. Polizeiamt angefragt wie es mit derselben gehalten werden soll, da weder die städtische Kehrmannschaft noch die Anwohner diese, so viel Stoff zu Verhandlungen gebende Straße reinigen. Die Baudeputation hak hierzu beantragt, bie Verpflichtung ber Stadt zur Reinigung dieser Straße abzulehnen unb den über den Schoorgraben nach der Ostanlage führenden Stea zu entfernen. Gegen den Baudepiltationsantrag wendet sich zunächst Herr H an stein- die in dieser Straße belegenen Häuser brächten der Stadt mehr Steuern wie verschie­dene andere, bie Straße würbe sehr stark begangen, nicht nur von ben Interessenten, sondern von vielen anderen Passanten, den Zöglingen ber Kleinkinderschule und ihren Angehörigen u. s. w. Aus diesen Gründen schon beantrage er Uebernahme der Straße aus dre Stadt. Herr Beigeordneter Gnauth hält es angesichts ber ben Interessenten der Wodestraße seither gemachten weitgehenden Concessionen, die vielfach gar nicht be­achtet wor den seien, für das Beste, den Baudeputationsantrag anzunehmen, einem sol­chen Verhalten der Interessenten gegenüber gäbe es keine andere Antwort. Herr Kauf kann ein Bedürfniß zur Offenhaltung der Wodestraße nicht anerkennen; im vergangenen Winter sei der Steg über den Schoorgraben in einem unverantwortlich schlechten Zu­stande gewesen; was die Passanten an dem Wege sparten, gehe ihnen durch den schlechten Zustand desselben verloren, das Gelände sei s. Z. so billig abgegeben worden, daß die Hausbesitzer das Opfer der Unterhaltung der Straße wohl zu bringen im Stande seien er sei dagegen, daß den Anliegern auf Kosten ber Stabt noch Vortheile geboten würben, bie ihnen nicht gehörten. Dian möge doch enblich einmal energisch vorgehen. Herr Hornberger ist ebenfalls für ben Baubeputationsantrag, man solle sich nicht mehr herumzrehen lassen. Herr Baist betont, baß bie Straße eigentlich Niemanbens Eigen- thum sei, sie könne von Jebermann befahren werben, aber ein Interesse baran bie Kehrmannschaft vahin zu schicken, habe bie Stadt nicht; sorgten bie Anwohner für bie Reinigung, nun gut, traten sie es nicht, so sei es ihre Sache, ber Umweg um bas Thorhaus sei unwesentlich, er betrage nur einige 90 Schritte. Nachdem Herr Han- stein wiederholt für Aufrechkerhaltung der Passage durch die Wodestraße gesprochen und zum Beweise, daß dieselbe sehr stark frequentirt werde, statistische Erhebungen vorschlägt, tritt Herr Kauf irochmals für den Baubeputationsantrag ein; nach seinen Erfahrungen als rtvgerichtsmann könne kein Theil eines Grunbstückes von einem Besitze genommen werben, ohne in einen andern überzugehen; wenn hier Fehler gemacht worben seien, 1° möge man für bie Folgen biejenigen verantwortlich machen, bie bas Gelänbe s. 3. veräußert. Bei einigermaßen Entgegenkommen von Seiten der Hausbesitzer hätte sich dre Stadt vielleicht noch zu weiteren Concessionen herbeigelassen; die Verairtwortung für die hieraus entstehenden Consequenzen möge er nicht tragen unb finbe es unter ben jetzigen Umsiänben für sehr bebenklich, ber Sache überhaupt nochmals bas Wort zu reden. Der Antrag ber Baubeputation wirb angenommen.

Für bie Feuerlöscheinrichtungen werben bie vorgeschlagenen Anschaffungen genehmigt, besgleichen wirb die Jnstanbhaltung der Spritzen Herrn Gg. Schwan wider­ruflich übertragen. Auf Grund neulich erhobener Beschwerden über die schwierige Abfuhr der Caldaunendüngerwagen aus bem Schlachthause und des daraus resul- tirenben Minbererlöses bei ber Persteigerung bes Düngers hat bie Baubeputation bie Anlage einer zweiten Dunggrube beantragt, um bei nassem Wetter bie Abfuhr ver- febieben zu können. Die Versaminlung beschließt demgemäß unb genehmigt ferner bie Pflasterung eines Theils bes vor ber Wagenhalle befindlichen Zufuhrweges. Das Gäßchen auf dem Neuenweg (neben bem Mannberger'schen Hause) soll auf bie Stabt übernommen unb neu gepflastert werben, sofern alle Interessenten ihr Einoerstänbnitz hiermit erklären unb auch sonstige Eigenthumsansprüche nicht erhoben werden. Die käufliche Ueberlassung städtischen resp. Hospital - Geländes an Heiwn Drechslermeister Häuser wird genehmigt, nachdem bie Armenbeputation im Verein mit bem Ortsgericht ihr Einverständniß hierzu erklärt unb letzteres ben Preis auf 5 pro Dieter fest­gesetzt hat.

Nachdem bie Besitzer ber am Seltersweg auf ben Strecken zwischen ber Maigasse unb ber Plockstraße einerseits und bem Fischbach'schen Hause bis zur Löwengasse anberersetts