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Behörden dankend abgelehnt worden. Von den Berliner Behörden werden nur vertreten sein die Ministerien, das Präsidium des Oberkirchenraths und die Vertreter derjenigen Behörden, deren Chefs Staatssekretäre sind. DerNordd. Allg. Ztg." zufolge ergab dre Section, wie in ärztlichen Kreisen verlautet, eine krebsartige Zerstörung des Kehlkopfes ohne Durchbruch nach der Speiseröhre, dann eitrige Abscesse in und um Luftröhre und Bronchien.

Berlin, 1<- Juni, 2,30 N. Bei der morgigen Leichenfeier in der Friedenskirche wird der Trauerzug von Orgelklängen empfangen. Hierauf folgt das MotettoSei getreu bis in den Tod", dann die Llthurgie. Bei den WortenSelig sind die Todten, die im Herrn ruhen", fällt der Chor mit Grell's Hymne ein:Der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit!" Auch hier wirdIch weiß, daß mein Erlöser lebt" gesungen. Die Rede hält Oberhofprediger Kögel. Mit dem ChoralWenn ich einmal soll scheiden" schließt ole Ferer. In der Friedenskwche singt der Domchor, in Friedrichskron der achtzig Stimmen zählende Chor der Zwölfapostelkirche.

Berlin, 17. Juni, 1.45 N. Die Kirchen in Berlin waren heute überaus besucht, an dem im Dome stattgehabten Gottesdienste nahm auch der Kultusminister mit den hohen Beamten Theil. Der Gottesdienst wurde mit dem von Neithardt komponirten Psalm 54 .Hilf Herr Gott" eingeleitet. Rach der vom Hofprediger Schrader abgehaltenen Liturgie wurde das LiedIch weiß, daß mein Erlöser lebt" gesungen, worauf Hosprediger Schrader die Predigt hielt, anknüpfend an das Bibelwort:So demüthigt uns die gewaltige Hand ^Gottes".

. Potsdam, 17. Juni, 1.45 N. Der Kaiser und die Kaiserin statteten um halb 1 Uhr der Kaiserin Augusta im Stadtschlosse einen Besuch ab; hierauf erfolgte der Besuch bei den großherzoglich badischen Herrschaften- Auf allerhöchsten Befehl begibt sich Prinz Leopold nach Berlin, um dort die eintreffenden Fürstlichkeiten zu empfangen. Die Stadt Potsdam beginnt soeben Trauerdecorattonen anzulegen.

Potsdam, 17. Juni, 145 N Die morgen in Schloß Friedrichskron stattftn- denden Beisetzungs-Feierlichkeiten werden mit Sebastian Bach's CompositionBald rufst du mich zu höheren Freuden" eröffnet, worauf der ChoralJesus meine Zuver­sicht" gesungen wird- Der Oberhofprediger Kögel wird am Sarge das Gebet verrich­ten und die Leiche einsegnen; darauf folgt der ChoralWenn ich einmal soll scheiden". Während der Sarg emporgehoben und hinausgetragen wird, singt der Chor:Ich weiß, daß mein Erlöser lebt".

Potsdam, 17. Juni. Die Kaiserin Augusta ist heute früh hier eingetroffen. Der Andrang des Publikums vor Schloß Friedrichskron ist ein kolossaler; jeder Eisenbahn­zug bringt große Massen und von Berlin sind 200 Schutzleute hier eingetroffen, um vor Friedrichskron die Ordnung aufrecht zu erhalten.

Potsdam, 17. Juni, 12,30 N. Der Kaiser und die Kaiserin sind mit der Kaiserin Augusta, dem Großherzoge und der Großherzogin von Baden, sowie den übrigen bereits hier eingetroffenen Fürstlichkeiten soeben an die Bahre des Kaisers Friedrich getreten. Dem Publikum ist während ihres Verweilens daselbst der Zutritt nicht gestattet.

Straßburg i. Els», 17. Juni. Das Ministerium für Elsaß-Lothringen hat Landestrauer angeordnet. Die Dienstbureaux und Schulen bleiben morgen, am Tage der Beisetzung weiland Sr. Majestät des Kaisers Friedrich, geschlossen, alle öffentlichen Lust, barkeiten sind bis einschließlich Mittwoch untersagt. Die Gemeinderäthe von Straßburg und Colmar sandten Beileidstelegramme an Ihre Majestät die Kaiserin-Wittwe Viktoria, die Universität solche an Se. Majestät den Kaiser Wilhelm und Ihre Majestät die Kafferin- Wittwe Viktoria. Zahlreiche Privathäuser der hiesigen Stadt tragen Trauerdekorationen und Trauerfahnen. Heute Nachmittag findet die Vereidigung der Truppen der hiesigen Garnison statt.

Hamburg, 17. Juni. Die Bürgerschaft hielt heute Mittag 12 Uhr eine be­sondere Sitzung zur Berathuug des Antrages des Senats, den Begräbnißtag Kaiser Friedrichs für einen bürgerlichen Feiertag zu erklären. Der Antrag wurde einstimmig angenommen und folgende Resolution an den Senat beschlossen:Von tiefem Schmerz erfüllt über das Ableben Sr. Majestät des Kaisers Friedrich, des Mitbegründers des Deutschen Reichs, des pflichttreuen Herrschers und edlen Menschen, ersucht die Bürger­schaft den Senat, welcher dem allgemeinen Gefühl durck die Bekanntmachung vom Tode des Kaisers in ebenso beredten wie ergreifenden Worten entsprach, auch der Trauer der Bürgerschaft über den neuen schweren Verlust Deutschlands an höchster Stelle Ausdruck zu verleihen."

Rom, 17. Juni. Das Kriegsministerium hat an die Corpskommandanten und den Oberkommandanten in Afrika folgendes Telegramm gerichtet:Italien nimmt an cher neuen großen Trauer, von welcher Deutschland betroffen worden ist, Theil. Auf Befehl des Königs sind die Nationalfahnen mit Krepp auf den militärischen Ge­bäuden drei Tage lang, d. h. bis Montag einschließlich, Halbmast zu hissen."

London, 17. Juni, Abends. In einer besonderen Ausgabe der amtlichen London Gazette" wird anläßlich des Ablebens des Kaisers Friedrich eine sechswöchent- ltche Hoftrauer angeordnet. Ferner wird bestimmt, daß die Offiziere der Armee und Marine die Trauer auf drei Wochen anzulegen haben. Gleichzeitig wird dem Wunsche der Königin Ausdruck gegeben, daß alle Untertanen vom heute ab auf 14 Tage Trauer anlegen möchten.

London, 17. Juni. Der Prinz und Prinzessin von Wales mit dem Prinzen Albert Victor und Gefolge, Prinz Christian von Schleswig-Holstein, der Marquis os Lorne, Oberst Colville als Vertreter des Herzogs von Edinburg, sowie Oberst Clerk und der Privatfecretär der Königin, Ponsonby, sind gestern Abend nach Berlin ab- gereift, um der Beisetzung der Leiche des Kaisers Friedrich beizuwohnen. Ponsonby ist der Ueberbringer eines Schreibens der Königin an die Kaiserin Victoria. Auf dem Bahnhof befanden sich der Herzog von Cambridge, sowie der deutsche Botschafter Graf Hatzfeld zur Verabschiedung.

Petersburg, 17. Juni. Anläßlich des Ablebens des Kaisers Friedrich ist für vier Wochen Hoftrauer angefagt worden. Im Gefolge des Großfürsten Wladimir, welcher bei den Beisetzungsfeierlichkeiten in Potsdam den Kaiser vertritt, besinden sich ein General-Adjutant ä la suite, ein General-Major und ein Flügeladjutant. Die deutschen Colonien in Petersburg und Moskau lassen durch besondere Deputationen prächtige Silberkränze auf den Sarg Kaiser Friedrichs niederlegen.

Petersburg, 17. Juni. Anläßlich des von derKöln. Zeitung" angedeuteten Inhalts der bevorstehenden Proclamation Kaiser Wilhelms sagt dasJournal de St. Petersbourg", es unterliege keinem Zweifel, daß die auswärtige Politik in dem­selben Sinne wie unter den Kaisern Wilhelm und Friedrich geleitet werden würde. Das Journal hofft, daß die denkwürdigen Worte des sterbenden Kaisers Wilhelm für den erhabenen Enkel em heiliges Vermächtniß fein und die leitenden Gesichtspunkte für die Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland abgeben würden. Alles be­rechtige zu der Annahme, daß die Beziehungen Angesichts der tiefen Sympathien, welche alle Klassen der russischen Gesellschaft fortwährend bei den schmerzlichen Ereignissen, von denen die Dynastie und die deutsche Ration heimgesucht worden sind, bezeigt haben, sich nur bessern und befestigen können.

Petersburg, 17. Juni- Der Minister von Giers ist von seinem Sommer­aufenthalt in Finnland, *on welchem er sonst jeden Montag nach Petersburg kommt, bereits gestern hier angekommen.

New-Aork, 17. Juni. Die deutschen Vereine in New-Aork und in Chicago haben beschlossen, anläßlich des Ablebens des Kaisers Friedrich der kaiserlichen Familie ihr Beileid auszudrücken.

^beamten, sowie der Unteroffiziere und Mannschaften des Regiments. Zu dorselben Stunde, für welche ursprünglich als Glanzpunkt der Jubiläumsfeier die große vernahmen die Mannschaften unter präsentirtem Gewehr die Kunde von dem Ableben ihres obersten Kriegsherrn; in dem Augenblick, in welchem un Falle der Feier des Regimentsfudiläums bei der Parade das Hoch auf den Kaiser Friedrich erschallt wäre, ertönte das Hoch auf den Kaffer Wil he lm fürwahr ein iefergreffender Augenblick für unser 116. Regiment. Das trotz des ungünstigen Wet- ters zahlreich dem feierlichen Acte beiwohnende Publikum verharrte in ernster Ruhe, üi5 Die Mannschaften, ohne Spiel wie sie gekommen, wieder abrückten.

cvn Schulen blieben am heutigen Tage für den Unterricht geschlossen.

Zn den Vormittagsstunden wurde in denselben eme Trauerfeier für des hochseligen. Kaisers Friedrich Mafestät abgehalten. y 0

.-.Auch heule Vormittag blieben fast alle Läden anläßlich der Beifetzungsfeier- tichketten in Potsdam verhängt oder waren schwarz ausgestattet, ebenso hatten zahl­reiche Hauser durch Aushängen von Fahnen Trauerschmuck angelegt, um so der innigen Theil- nähme unseres Volkes an dem Hinscheiden seines innigftgeliebten Kaisers' Ausdruck iu verleihen. 0

. .T Laut Krcisamtlichtt Anordnung sind anläßlich des Hinscheidens Kaisers Friedrich bis auf Weiteres alle öffentlichen Lustbarkeiten, Concerte rc. nicht gestattet- Bietzen, 18. Juni. (Kafferirauer der hiesigen Volksschulen). Heute um 9 bezw 1° W Begingen die beiden Gruppen der städtischen Schulen Hierselbst die Trauerfeier um Kaffer Friedrich. Ausführlichen Bericht hierüber behalten wir uns für morgen vor.

Gießen, 18. Juni. Mit Rücksicht auf die eingetretene nationale Trauer hat in einer gestrigen Sitzung das Festcomils beschlossen, das 17. Turnfest des Gaues Hessen, welches in Wetzlar stattfinden sollte, ausfallen zu lassen.

Ium 18. Ium 1888.

Wie herrlich die siegreichen Kämpfe Wilhelms des Großen So groß ist, fürstlicher Dulder Dein Kamps mit dem Tode, Dem Zoll für Zoll Du lassen mußtest das Leben;

O herrlicher Heid, Du Zoll für Zoll ein Kaiser! Unsagbar schmerzvoll war das letzte der Jahre. Wie Prometheus einst an den Felsen geschmiedet Wehrlos die Brust dem Herzzerfleischenden Geter Bot, den die Tochter vergeblich gestrebt zu verscheuchen, Haft Du, Heros der Jetztzeit wehrlos gelitten linier den grausamen Krallen der tückischen Krankheit. Ach wäre Dir nur Der Tod auf dem Schlachtfeld geworden! Ja wär' er gekommen nach ruhmvoller langer Regierung! Wie groß bist Du o Held, Du siegst beim Erliegen! Gottes Rathschluß ergeben, mit Staunen erregender Selbstbeherrschung und Ruhe, wohl fast ohne Gleichen, Sayst Du an Deinen Krankheitsfelsen geschmiedet Dich beständig umkreisen den Todesgeier.

Ob auch die treuste Gemahlin, die Schaar Deiner Aerzte Unermüdlich in hoffnungslosem Bekämpfen Wohl Hinhalten den Tod, doch das Leben erhalten, Ach Gott, vermochte sie nicht die innigste Liebe.

Ob Du auch Meere durchfahren, ob Länder durchzogen, Heilung suchend verweiltest an sonnigem Gestade, Des Geiers Fittig streifte stets Dein Haupt;

Du sahst es wohl, doch mußtest Du es leiden. So zogst Du heim, wo längst Dein Sehnen weilte, Berufen auf den höchsten Erdenthron, Em todeswunder Held, den Pfeil im Herzen! Du hast in allen Treuen Deines Volkes Wohlsein und Heil geleitet und erstrebt, Soviel Dir nur die Schmerzen Raum gelassen, Groß denkend, selbstlos bis zum letzten Pulse. Was Du geworden wärest Deinem Volke, Nach banger Krankenzett ist's nicht zu deuten. Bestieg wohl je ein Prinz den Thron der Vater Huldvoller und leutseliger?

Ruhmvoller gekrönt mit Siegeslorbeer?

Geliebt von Nord und Süd von Ost und West, Ein lebend Band für Alle deutschen Stämme, In jedes Deutschen Herz auf aller Lippen, Alsunser Fritz" der Liebling seines Volkes? Und nun in Friedrichskron, wo er geboren, Da legte Friedrich seine Krone nieder Die Doppelkrone seines schönen Reiches Und, Gott sei Dank, auch seine Dornenkrone. Einst schalste festlich froh Kanonendonner In voller Dchußzahl die Geburt zu künden! Run hallen dumpf durch alle deutschen Gaue Die Trauerglocken, welche kaum verstummten, Sie klagen mit Alldeutschland beide Kaiser.

Den Vater, der so heiß sich nach dem Sohn g cf ebnet So gerne einmal noch ihn hätte reden hören;

Und nun den Sohn, erlöst von bittern Leiden! Sie beide hier auf Erd die höchsten Herrscher Sie stehen jetzt vor einem höhern Throne Und werden freudevoll mit Heller Stimme Den loben, der allein ein Herr ist über Alles. Wohl leben Beide fort in deutschen Herzen Und Du, Held Friedrich, bleibst für allzeitUnser Fritz", Den jeder Deutsche sah, den jeder kannte, Dem jedes Herz in Lieb' entgegenbrannte.

Gott gebe Dirne fröhliche Urständ droben. Wir aber schau'n voll Gottoertrau'n und Liebe, Voll Zuversicht zu Deutschlands neuem Aar, Zu unserm treuen festen lieben Kaiser;

Dem wolle Gott der Herr in Gnaden geben, Gleich seinem Ahnherrn, Segen und Gedeihen Und Glück und Heil und langes reiches Leben. Gott schütze Dich, Du Schirmherr Deines Reiches. Du Liebling Deines Volks und Deines Heeres, Heil, Heil Dir Kaiser Wilhelm, Lieb' und Treue Dir für immer. Rudelli.

Vermischtes.

2 o f * 1 t t.

Gießen, 18. Juni. Der gestrige Sonntag, welcher angesichts der feit lange vor­bereiteten Feier des 75 jährigen Bestehens unseres Regiments zu einem für Militär und Bürgerschaft gleich freudigen Festtage bestimmt war, sollte leider ein Tag der allge­meinen Trauer werden. Gleich als wollte die Natur ihre Theilnahme an dem uns Deutsche betroffenen großen Verluste bezeugen, so strömte den Tag über ein heftiger Regen hernieder, der bis gegen Abend anhielt. Abgesehen von einer großen Anzahl Landleute, die ihre im Regimente dienenden Angehörigen besucht hatten, war der Verkehr von Publikum in den Straßen ein äußerst geringer, die meisten Läden waren geschlossen, die Wirthschaften schwach besucht kurz, die Stimmung, die an gewöhnlichen Sonntagen hier sonst eine ziemlich gehobene ist, hatte sich in das Gegentheil verwandelt zeigte sich doch auch fast die Mehrzahl der Passanten, na­mentlich die Damen, in Trauertoilette. Laut Kaiserlicher Verfügung vom 16. Juni wurde verordnet, daß die Armee sofort zu vereidigen fei, und so vollzog sich gestern 1 Mittag gegen 12 Uhr auf dem Brandplatze vor umflorten Fahnen und unter strömen­dem Regen der feierliche Act der Eidesleistung des gefammten Offizier-Corps, Der fonsti-

Frankfurt, 17. Junt. Seitdem ich Ihnen zuletzt schrieb, hat der Telegraph die Trauerkunde nach allen Windrichtungen getragen. Die erschütternde Nachricht von dem Ableben des alloerehrten Herrschers und kaiserlichen Dulders hat, obwohl man auf diesen Ausgang gefaßt fein mußte, alles Uebrige in den Hintergrund gedrängt. In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag kam hier in Frankfurt das Publikum nicht zur Ruhe; dis spät in die Nacht hinein umstand eine vielköpfige Menge die Zeitungsredactionen in der Erwartung, es werde bald ein neues Telegramm einlaufen und der Wortlaut desselben angeschlagen werden. Dtur ganz allmälig zogen sich die Harrenden zurück, um am Freitag Morgen alsbald ihre Schritte wieder zu den Zeitungsdruckereien zu lenken. Als die Nachricht eintraf, daß der Zustand unverändert hoffnungslos sei, machte sich in den Mienen der Menge eine tiefe Niedergeschlagenheit bemerkbar; es darf überhaupt gesagt werden, daß die Trauer um den Heimgegangenen edlen Fürsten und Dulder, umunfern Fritz", wie man im Volke Kaiser Friedrich immer noch nannte, eine tiefe und innige ist. Alsbald nach dem Eintreffen der Todes­nachricht wurden auf allen öffentlichen und zahlreichen Prioatgebäuden Trauerflaggen gehißt, viele große Geschäfte fchlossen, die Schaufenster wurden ausgeräumt und die.