Ausgabe 
18.11.1888 Drittes Blatt
 
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nn. Darmstadt, 15. November. Die Eröffnung deS 13. Jahrescurfes der Landesbaugewerkschule fand heute durch den Präsidenten der Großh. Centralstelle, Herrn Geh. Rath Fink und im Beisein des General-Secretärs Dr. Hesse, sowie fammtlicher Lehrer statt. Der' Präsident der Centralstelle begrüßte die erschienenen Schüler und wies darauf hin, wie durch die fortwährend gesteigerte Frequenz der Anstalt die Herstellung eines Neubaues in's Auge gefaßt werden mußte. Die Großh. Staatsregierung habe berettwilligst die Mittel zur Perfügung gestellt, so daß der Bau bereits heute fertig dastehe. Leider könne derselbe in diesem Jahre, bedingt durch die Ungunst der Witterung, der Benutzung noch nicht übergeben werden, im nächsten Jahre sei dieses doch sicher der Fall. Zur Schule hatten sich in diesem Jahre 125 Schüler angemeldet. Von diesen mußten etwa 20 wegen Platzmangel zurückgewiesen werden. Die übrigen Schüler werden in drei Cursen (worunter ein neuer für Metallarbeiter) unterrichtet. Mit dem Unterricht wurde sofort begonnen.

nn. Darmstadt, 15. November. Ein im Allgemeinen wohl seltener Fall von Untreue eines Militär-Beamten wurde heute vor der hiesigen Strafkammer verhandelt. Auf der Anklagebank sitzt der Garnison-Verwaltungs-Bauinspector Franz Nitschke aus Offenbach a. M., welcher des Vergehens im Amte angeklagt ist. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, daß er als Beamter Gelder im Betrage von 2131 JL, welche er zur Aufbewahrung empfangen hatte, nach und nach unterschlagen und für seine Person verwendet zu haben. Der Gerichtshof, welcher das reumüthtge Gcständniß des An­geklagten in Betracht gezogen hatte, erkannte aus das geringste Strafmaß und zwar auf eine Gefängnißstrafe von drei Monaten. Der Angeklagte war durch schwere Schicksalsschläge und durch große Noth zu diesem Verbrechen veranlaßt worden und bot heute ein bedauernswerthcs Bild der Reue über seine unglückliche That bet Ver­lesung des Urtheils.

nn. Darmstadt, 15. November. Gelegentlich der gestrigen Sitzung der Stadt­verordneten stand unter Andel em auch die unterm 18. October beschlossene Umwand­lung der 4s/g städtischen Anlehen in 3* 1/» °/o Schuld auf der Tagesordnung. Im Namen der Finanz-Commision refertrte Herr Otto Wolfskehl. Nach dessen Ausführungen sind eine große Anzahl von Bankinstituten zur Offertenabgabe etnaeladen worden. Nach Prüfung der eingegangenen Angebote scheint dasjenige eines Consortiums, an dessen Spitze die Frankfurter Deutsche Veretnsbank steht, und welches die convertirten Stücke ohne eine Vergütung, die nicht convertirten mit einem Aufgeld von 4 H pro 100 v4L übernehmen will am vortheilhaftesten. Die Versammlung schließt sich dem Vorschlag der Finanz-Commission, welche diese Offerte zur Berücksichtigung empftehlt, einstimmig an. Bezüglich Erbauung eines neuen Sparkassengebäudes liegt jetzt das Projekt vor und soll dasselbe auf dem bereits angekauften Rttsert'schen Platz errichtet und außer der Wohnung des Rechners noch 3 Miethwohnungen enthalten. Die Bau­kosten betragen 118 000 Bei der Feier des Sedanfestes hat sich ein Deficit von

331 vHv ergeben und beschließt man die Uebernahme dieser Summe auf die Stadtkasse.

Worms, 15. November. Das zweite pädagogische Seminar im Großherzog- thum, zur Vorbildung für Candidaten des höheren Lehramts bestimmt, ist feit dem 7. d. M. beim Gymnasium und der Realschule hier errichtet worden. Der unlängst zum Dtrector beider Anstalten ernannte Herr Nodnagel, vordem Director des Real­gymnasiums in Gießen, ist ein ausgezeichneter Schulmann, unter dessen Leitung die neue Anstalt sicher dieselben Erfolge erreichen wird, wie das seit Jahren am Gymna­sium in Gießen bestehende pädagogische Seminar. (Fr. G.-Anz.)

sDer Urstudent.) Bei Gelegenheit des 20jährigen Stiftungsfestes im vorigen Semester des mathematisch-naturwissenschaftlichen Vereins in Bonn wurde

unter andern folgendes von Dr. Looser aus Essen frei nach Scheffel gedichtetes Lied gesungen:

Der Urftudent."

(Eine paläontologisch-fossile Historie.)

Es wühlten drei Geologen

Einmal k la Schliemann umher;

Die Formationen, sie wurden

Durchschnüffelt die Kreuz und die Quer.

Die fanden im Jura und Trias

Manch vorsintflutliches Vieh

Von hochinteressanter Statura Und Schädelphysiognomte.

Da haben sie eines Tages, Tief unten in Kreide versteckt, Ein schlankes, fossiles Gerippe Vom genuß homo entdeckt.

Sie weinten vor Freude und Wehmuth

Dort an dem verbleichten Gebein, Um ihren fossilen Bruder

Eine Thrän' in die Kreide hinein.

Dann gruben sie weiter und weiter In seinem verkleideten Bett Und fanden nicht fern davon liegen Ein prächtiges Katerskelet;

Dann Scherben von einem Humpen Und Münzen aus fremden Land, In denen die Numismatik SofortBtermarken" erkannt.

Da ward in ihren Schädeln Auf einmal sonnenhell:^

| Sie hatten den ersten Studentew

' Als Petrefaktum zur Stell';

\ Der Ahne, der Urstudiosus

j Lag vor ihnen wunderbar!

b Wie der in die Kreide gerathen, Das wurde sofort ihnen klar.

Wir glauben unsere geschätzten Leser ganz besonders auf die von der Firma Bohm * Romberg in Schieber im Annoncentheile angepriesenen neuen Universal- Feucranzünder Hinweisen zu müssen. Wie sehr das Bedürfnlß vorherrscht, ein rascheres und bequemeres Anzündemtttel als Holz und dergl. zu haben, beweist die traurige Thatsache, daß trotz der immer wiederkehrenden Unglücksfälle noch Petroleum zum Feueranmachen verwendet wird. Die neuen Feueranzünder haben zunächst den Vorzug der Billigkeit, außerdem sind sie beim Gebrauch sehr reinlich und vollständig gefahrlos. In der kurzen Zett ihrer Existenz haben sie sich dermaßen schon einge­führt, daß sie, sobald ihre vorzügliche Beschaffenheit erst allgemein bekannt geworden, sich zweifelsohne zu einem ebenso großen Consumarttkel wie die. Reibhölzer erheben werden.

Das s eltene Ju bilä u m der 200sten Medaille konnte dieser Tage die Firma PH. Mays ar th u. Co., Fabriken landwirthschaftlicher Maschinen in Frankfurt a. M., Berlin N. und Wien II. feiern.

Seit ihrer Etablirung im Jahre 1872 bis jetzt ward sie mit 200 Medaillen aus fast allen Ländern der Welt preisgekrönt und hat auf den in diesem Jahre beschickten Ausstellungen wiederum die ersten Preise, darunter die goldene Medaille auf der Welt­ausstellung zu Barzelona, die goldene Medaille auf der internationalen Ausstellung zu Triest, die goldene Medaille der Schweiz'erischen Landwirthscha fts-Gesell- schast zu Bern, ferner die silbernen und bronzenen Medaillen aus den Ausstellungen zu Königsberg, Kassel, Köln und München davongetragen.

In Anbetracht, daß die Ansprüche, die an das landwnthschaftliche Maschinen­bauwesen gestellt werden, von Jahr zu Jahr höher gehen, so ist das vorerwähnte Er- gebntß ein erfreulicher Beweis für die fortschreitende Entwickelung der Leistungsfähig­keit der deutschen landwirthschafttichen Maschinen-Jndustrie im Allgemeinen, wie für das unermüdliche und erfolgreiche Streben der Firma PH. Mayfarth u. Co. im Besonderen.

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Freitag den 23. November 1888 werden nachverzeichnete Gegenstände öffent­lich gegen Baarzahlung versteigert und zwar:

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Schotten, den 12. November 1888.

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Allgemeiner Anzeiger.

Bekanntmachung

Der Plan über die für die Kaplansgaffe festgestellten und höheren Orts genehmigten Baufluchtlinien liegt in Gemäßheit des Artikels 7 der allgemeinen Bauordnuna zur Einsicht auf dem Stadtbauamt offen.

Gießen, den 14. November 1888.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

______________________A. Bramm. 9243

Bekanntmachung.

Der Vorstand der Vorfchußkasse zu Holzheim beschloß in heutiger Sitzung, den Zinsfuß der eingelegten Kapitalien vom 1. Januar 1889 an von H auf 3Vz Procent herabzusetzen.

Holzheim, am 12. November 1888.

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