Ausgabe 
18.8.1888
 
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Bureau r Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Stete

wonach die Großmächte in Rom die Erklärung abgegeben haben sollten, daß die Capi- tulationen auf das Gebiet von Massauah nicht anwendbar seien. Es bedeutete dies also, vah Italien Recht gegeben wurde und daß es dnnnach berechtigt war, von den sremden Staatsangehörigen in Massauah Steuern zu erheben. Jetzt kommt aber das Journ. de St. P^tersb." und erklärt, daß eine solche Mitthetlung der Mächte in Rom nicht erfolgt sei, wobei das Organ des Herrn v. Giers deutlich durchblicken läßt daß Rußland das Verfahren Italiens in Massauah nicht billigt; man darf nun einiger­maßen gespannt darauf sein, was italienischersetts auf die Auslassung des Petersburger Blattes erwidert werden wird. Jedenfalls ist diplomatisch wenigstens die Massauah- Frage mit der officiellen Hissung der italienischen'Tricolore an der Ostküste Afrikas noch nicht erledigt. Außerdem hat Die ganze Affaire jetzt noch eine Weiterung dadurch erfahren, daß der Khedive von Egypten in einer an den Sultan gerichteten Depesche gegen die Annexion von Massauah wie gegen die Besetzung Zulas durch die Italiener protestirt hat. Jtalientscherseits ist man infolge dessen mit einer nochmaligen histori­schen Darstellung der Festsetzung Italiens in Oftafrika hervorgetreten, welche die Be­rechtigung der Italiener zur Annexion Massauah's nachweist; augenscheinlich sind aber hiermit die Acten über die Massauah-Frage noch lange nicht geschlossen.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 W

Telegraphische pepeschen.

BBolflS telegr. Correfponderrz. Bureau.

Berlin, 16. August. Die Kaiserin Augusta ist heute früh von Coblenr in hat sich alsbald nach Babelsberg begeben, wo ihr der Kaiser Nachmittags sofort nach seiner Rückkehr von Frankfurt an der Oder einen Besuch avitattete.

16. August. Der mit der Stellvertretung des Chefs der Admiralität ft' kommandirender Admiral Graf Monts ist unter Belassung in

.1.!..?^kn»--rh°ltniß von der Stellung des Chefs der Marinestatton der Nordsee entbunden, Contreadmtral Goltz ist zum überzähligen Viceadmiral befördert und zum

Keutschlaud.

^^ugust. Der Kaiser soll ausdrücklich bestimmt haben, daß der

General-Feldmarschall Graf Moltke noch ferner in Beziehung zum Generalstabe bleibt und auch seine bisherige Dienstwohnung im Generalstabsgebäude beibehält. Als beson- Adstltanttn^erhLlt^"^^ anzusehen, daß der Feldmarschall einen persönlichen k s ^d^rlin, 14. August. Im Anschluß an die Mittheilung von der Ernennung bq?n^hafe9rrr^° QtC *,um $0*faenbßn der Landesoerthetdigungs-Commission erklärt bk f^0enberma6en biC Zusammensetzung und die Aufgabe dieser Commission

an deren Spitze bis zum Tode Kaiser Kronprinz stand, ist zusammengesetzt aus den höchsten militärischen Autoritäten und besteht aus dem Chef des Generalstabes der Armee, den Generallnspecteuren der 5db= und Fuß-Artillerie, dem Chef des Jngenieurcorps, dem Director des allgemeinen Krtegsdepartements (in Vertretung des Kriegsminifters) und den vom Kaiser besonders dazu ernannten Mitgliedern. Die Commission erhalt ihre Auftrage bittet von dem obersten Kriegsherrn und berichtet auch direct an Allerhochst- oenselben. Ihre Ausgabe ist es, zu prüfen und zu begutachten, ob und wo neue Be- sestigungen im Deutschen Reiche anzulegen sind, ob alte Festungen eingehen können und außerdem andere organisatorische und reglementartsche Fragen, welche ihr voraeleat werden, zu erörtern. In den Arbeiten der Landesoerthetdigungs-Commission gipfeln daher die hochwichtigen Entscheidungen über alle Fragen, die sich auf Festungsanlagen und Aeftungsbau, sowie auf die Einrichtung von verschanzten Lagern, von Brücken und Pußbefesttgungen, von größeren zum Unterhalt und zur Ausrüstung des Heeres dienenden Werkstätten, Magazinen, Depots rc. beziehen. Ebenso gehört zum Ressort der Landesvertheidigungs-Commrssion die militärische Beurtheilung und Begutachtung aller die Entwickelung und Ausbreitung des Straßen- und Eisenbahnnetzes betreffenden Angelegenheiten.

Betreffend: Statistische Erhebungen bezüglich der Gemeindejagden. Gießen, am 14. August 1888.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an di« Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des «re,fe».

. , Sie wollen uns unter Benutzung nachstehenden Formulars nach dem Ergebniß der letzten Verpachtungen den Flächengehalt, die Verpachtunasart und

das Erträgniß Ihrer Gemeindefagden angeben. unv

, In der besonderen RubrikBemerkungen" würde anzugeben sein, wenn die Gemeindejagd nachträglich im Ganzen, abweichend von dem anfänaliLen

Ausgebot m Bezirken verpachtet sein würde.

* x^ Gemeinden die vor dem Jahre 1848 bestehenden und in Folge des Gesetzes vom 2. August 1858 zurückgefallenen Jagdberechtigungen Dritter noch nicht abgelöst haben, ist dies ebenfalls unterBemerkungen zu erwähnen. w B B

Erledigung erwarten wir binnen 5 Tagen.

I. V.: Jost.

Politische Rundschau.

Gießen, 17. August.

Der diesmal zurückgelegte siebentägige Zeitabschnitt war zunächst eine Woche patriotischer Erinnerung, benn in ben Tagen bes 14. bis 18. August fanben vor nun achtzehn Jahren jene blutigen Schlachten um Metz statt, welche bie Einschließung ber französischen Rheinarmee in bem genannten großen Waffenplatze durch die deutschen Heere zur Folge hatten. Die Namen Courcelles, Colombey-Nouilly, Vtonville Mars la Tour, Gravelotte, St. Privat, St. Marie, sie bedeuten ebensoviel deutsche Sieges­und Ehrentage und deren alljährliche Wiederkehr erweckt darum in, Herzen des deut­schen Volkes stets ein besonderes patriotisches Echo. An jene Kampfestage erinnern denn auch zwei größere Feierlichkeiten dieser Woche, die Einweihung deS Prinz- Friedrich-Karl-Denkmals in Frankfurt a. O. und jene des großartigen Sieges- denkmals in Leipzig. Die Frankfurter Feier, ausgezeichnet durch die Gegenwart des Karsers, fand am Donnerstag statt, dem Jahrestage der Schlacht von Mars la Tour, durch welche Prinz Friedrich Karl als Oberbefehlshaber der 2. Armee den weiteren Abzug der Franzosen nach Westen verhinderte. Für die Enthüllung des Leipziger Sregesdenkmals welcher auch bas sächsische Königspaar, kaum erst von seiner scan- binaoischen Reffe zurückgekehrt, beiwohnen wird, ist der 18. August ausgesucht worben, weil an diesem Tage das sächsische Armeecorps durch feinen siegreichen Angriff auf ?! Woat, itn Verein mit der preußischen Garde ausgefühlt, wesent-

lrchen Antherl an dem für tue Deutschen günstigen Ausgang der Entscheidungsschlacht von Gravelotte hatte.

Ährte noch am Donnerstag Nachmittag von der Frankfurter Denkmalsfeier nach Potsdam zurück und begrüßte die Kaiserin-Wittwe Augusta, Beendigung ihres Sommeraufenthaltes in Coblenz seit Donnerstag auf Schloß Babelsberg residirt.

Im Laufe der Woche hat mit dem Rücktritte des Generalfeldmarschalls ?on Ceitun0 des Generalstabes ein großer Abschnitt der deutschen Miltargesch.cht- einen äußerlichen Abschluß gesunden. Es ist bekannt, wie Moltke sich in uneemudlichem Arbeitseifer noch bis in die jüngste Zeit hinein den Pflichten seiner Stellung an der Spitze des deutschen H-ereswesens gewidmet, daß er aber schon m « Wunsch hegte, von seinem Posten zurücklreten zu dürfen und dieser vollberechtigte Wunsch ist dem greisen Feldherrn nunmehr erfüllt worden. Der Kaiser entsprach dem diesbezüglichen Gesuche des F-ldmarschalls in einer für den- ,-lb-n besonders ausz-,chn-nden Weise, indem der Monarch in einem Handschreiben erttarte daß er nur dem w -derholt-n Demissionsgesuche Moltk-'s willfahre und darauf rechne, daß in etwaigen ernsten Zeiten sein Rath der Armee nicht fehlen werde. Auch ist d-e Ernennung des Grasen Moltke zum Präsidenten der Landesv-rth-tdigungs- Commisiion als ein Beweis zu betrachten, daß der berühmte Strateg- auch ferner in lebendiger Berührung mit der Armee bleiben wird, deren Siege er in drei Feldzügen durch serne genialen Entwürfe vorbereitet. Und daß der Geist desgroßen Schweigers" in der preußisch-deutschen Armee fortleben wird, dafür bürgt schon der Name seines Nachfolgers, des brsherigen Generalquartiermeifters Grafen Walbersee ber als ber be- fübtöfte unb bedeutendste Schüler Moltke's gilt und schon seit Jahren den greisen Feld- marlchall in ber Leitung ber Geschäfte des Generalstabes kräftig unterstützt hat. Die herzlichsten Wünsche von ganz Deutschlanb aber begleiten benalten Moltke" auf den Ruheposten, ben ihm bie Gnade seines kaiserlichen Herrn angewiesen möge der I große Feldherr auf demselben noch lange in der Mitte der Nation weilen!

p.fcer bie Bildung einer derrtfch-rmffifcherr Comrrrifstorr be­

hufs Einleitung von Besprechungen über einen deutsch-russischen Handelsvertrag lauten fortgesetzt widersprechend. Jedenfalls befindet sich die ganze Angelegenheit, wenn Über­haupt etwas Wahres daran ist, noch in weitem Felde.

Auf auswärtigem Gebiete ward die Woche zum guten Thetle durch die Masfauab- Frage beherrscht. Der französisch-italienische Stteit über die Capitnlationen von Massauah schien nach einer Mitthetlung ber ofsiciösenAgenzia Stefani" beigelegt,

9U, 192 Samstag ben 18. August 1888.

Kichmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Lausende Nummer.

Namen der Gemeinden.

Flächengehalt der Gemeindejagden, ha.

In wieviel Bezirke eingetheilt.

Erlös aus der Gemeindejagd.

Bemerkungen.