Verbesserung der Verkehrsmittel, die Erleichterung der menschlichen Arbeit durch die Maschinen und die neuen bewegenden Kräfte nur einer Minderzahl zu Gute kommen, während die Massen über die Unsicherheit und Verschlechterung ihrer Lage und über Ausbeutung durch die herrschenden Klassen klagen. Diese bessergestellten Klassen haben ohne Zweifel mehr Güter und Befriedigungsmtttel als sonst zu ihrer Verfügung, aber diese Güter dienen vielfach nur materiellen, sinnlichen Genüssen. Den unteren Klassen ist durch die ihnen jetzt zu Theil werdende bessere Bildung der Abstand des äuheren Wohlbefindens immer fühlbarer geivorden. Sie sind mehr im Wissen als im Wollen und Selbstbeherrschen gefördert worden. Der Hang nach sinnlichem Genuß hat sich auch unter ihnen bedenklich gesteigert. Die festen Charakter sind seltener und die Sitten lockerer geworben.
Wer rettet die Menschheit vor dem Versinken im Genuß? Wer bringt den Herzen Ruhe und den Völkern Frieden? Wer hilft die Unterschiebe und Feindseligkeiten der Klassen eines und desselben Volkes ausgleichen? Die Massen rufen nach einem Befreier, der das Alte umstürzt und einen gesellschaftlichen Neubau aufführt. Der Befreier ist da, wenn man seinem Rufe nur folgen wollte. Es ist der Pfingst- geist, welcher vor mehr als 1800 Jahren die alte Welt mit aller ihrer Macht und Bildung, mit ihrem Reichthume und ihrer Kunst und hochgepriesenen Cultur aus den Angeln hob und eine neue Welt der Nächstenliebe heraufführte. Es waren arme Leute aus dem Volke, welche einst am ersten Pfingstmorgen der Christenheit einen neuen heiligen Geist verspürten, der sich auf ihre Zungen setzte, ihnen Worte der Weisheit in den Mund legte und ihre Herzen zu Werken der Liebe entzündete.
Der Pfingstgeist der Wahrheit und Liebe hat Wunder gewirkt und kann überall und zu jeder Zeit wieder dieselben Wunder wirken und die Menschen erneuern und bessern, sobald nur Jeder sein Wtffen und Können, seinen Reichthum und Ueberfluß in den Dienst der Gesammtheit stellt und freiwillig Opfer für seinen Nächsten bringt. Auch der Aermste kann seine Mitmenschen reich machen und der Schwache an Wissen kann den Gebildeten durch Glauben und Tugend fördern und stützen.
In dem Emporftreben aller Volksklassen zu Wahrheit, Tugend und Gesittung und in dem Kampfe gegen Genußsucht und Unsittlichkeit liegt die Rettung der Gesellschaft und die Bürgschaft besserer socialer Zustände.
Obwohl Böses und Selbstsucht zunehmen, sehen wir doch auch das Gute und die Nächstenliebe im Fortschretten begriffen. Ein neuer Geist strebt empor aus den Tiefen des Volkes, und Diejenigen, welche sich mit diesem neuen Geiste erfüllen, empfangen von demselben ungeahnte Kraft zum Schaffen und Wohlthun.
Wohl müssen wir noch mit dem Dichter klagen: „Untröstlich ist's noch aller- wärts", aber wir dürfen auch wie er hinzufügen:
„Doch sah ich manches Auge flammen Und klopfen hört' ich manches Herz!"
Lokales.
Gießen, 17. Mai. Die gestrige Generalversammlung des Gleiberg-Vereins war namentlich von Gießen und Wetzlar aus stark besucht. Der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Dr. Curtman, »gedachte Eingangs in warmen Worten des Heimgegangenen Kaisers Wilhelm und des kranken Kaisers Friedrich. Nach Eintritt in die Tagesordnung verlas Herr Quästor Orbtg die Zusammenstellung des Vermögensstandes des Vereins. Danach wurden 1887 an Eintrittsgeldern vereinnahmt 180 J4, an Jahresbeiträgen der Mitglieder 577 JL, an Geldgeschenken 99 v4C, durch Verkauf an Bier wurden gewonnen 756 JL, durch Weinverkauf 160 JL Dagegen treten unter den Ausgaben als Hauptposten auf 495 JL Kapttalzinsen, über 500 Ji. Geschäftsunkosten, 500 JL Rückzahlung von Schulden und 370 JC. besondere Kosten in Folge der veränderten Geschäftslage des Vereins durch die Erwerbung juristischer Rechte, doch sind dies nur einmalige Ausgaben.
Aus dem durch die neuen Statuten vorgeschriebenen Geschäftsbericht des Herrn Prof. Dr. Buchner kann erwähnt werden, daß der Verein Ende 1887 387 Anthetl- schetne ä 20 ausgegeben hatte, davon 11 im Jahre 1887 selbst. Wenn auch durch die Witterung im Sommer wie im Winter manchmal längere Zeit ein Besuch des Gleibergs ausgeschlossen war, so wurden doch 1887 getrunken:
an Bier im Glas 9429 Liter, „ „ in 4831 Flaschen 3623 „
13052 Liter.
Dazu kommt an Wein und Spirituosen
397 ganze Flaschen und
389 halbe „
An Geschenken wurden dem Vereine zugewiesen 30 JL zur Anschaffung eines Feueranihilators, über 61 Jü, welche der Ruderoerein bei einer festlichen Versammlung auf dem Gleiberg sammelte, eine stilvolle Wanduhr, die Herr Uhrmacher Zimmer schenkte, und ein Dutzend Aschentellerchen, welche Herrn Fillmann's Glashandlung dem Gleiberg zuwies.
Es ist in Aussicht genommen, die Mauern der Ruine für Muthwillige unzugänglich zu machen und gegen Regen und Schnee abzudecken.
Die Kgl. Regierung in Coblenz fragte an, ob der Verein bereit sei, auch die Ruine Vetzberg unter denselben Bedingungen wie den Gleiberg zu übernehmen. Nachdem der Vorstand Augenschein genommen, konnte er bet der Generalversammlung diese Uebernahme befürworten und wurde sie auch einstimmig angenommen. Die dem Verein dadurch erwachsenden Kosten sind nicht bedeutend. Nöthtg ist vorerst die Anlegung eines sicheren Fußpfades vom Dorfe aus zur Ruine, später auch das Unterfangen kleiner Mauerstücke und das Abdeckcn derselben.
Der Vorsitzende theilte noch mit, daß die Vorbereitungen zur Ueberschreibung des Gleiberg auf den Verein im Grundbuch bis auf wenige Formalitäten beendigt seien und in der nächsten Zeit zum Abschluß kämen.
Bei dem herrlichen Sommerwetter blieb die zahlreiche Versammlung nach Schluß der Sitzung noch lange im Schloßhof fröhlich versammelt.
Gießen, 17. Mat. Wtr wollen nicht verfehlen, unsere Leser, speciell die zahlreichen Mitglieder des Oberhessischen Vereins für Lokalgeschtchte auf die imJnseraten- thetle unseres Blattes für den dritten Pfingstfeiertag von dem genannten Vereine in Gemeinschaft mit dem Marburger Geschichtsoeretne in Aussicht genommene Schwalmfahrt aufmerksam zu machen. Die Besichtigung von Ziegenhain und Neukirchen wird dem Freunde bauhistorischer Alterthümer reichen Genuß bieten. Von allgemeinerem Interesse aber wird der Besuch des am dritten Feiertage in Neukirchen stattfindenden Schwälmer Nattonalfeftes, der Salatkirms, sein, wo aus der ganzen Schwalm in seinem besten Nattonalputz Jung und Alt zusammenströmt und also die beste Gelegenheit gegeben ist, unsere Schwälmer und deren malerische Trachten und alten Festgebräuche kennen zu lernen. Hoffentlich ist das Wetter günstig und die Betheiltgung eine rege.
Gießen, 17. Mai. Heute Nacht IV/a Uhr entstand in dem Dachstuhle einer Ziegelbrennerei in den Eichgärten Feuer, durch welches das Dach selbst stellenweise stark beschädigt wurde. Durch rasches Eingreifen von Nachbarsleuten konnte nach halbstündiger Löscharbett das Feuer gedämpft und jede wettere Gefahr als beseitigt angesehen werden.
Vermischtes.
Aus dem Großherzogthum Hessen. Die Verwaltung der Unterstützungskasse für bedürftige Pfleglinge der Großh. Landes-Irrenanstalten sagt in ihrem soeben zur Ausgabe gelangten Jahresbericht u. A. folgendes:
Wie wtr schon früher, und beispielsweise in dem Bericht über die Ergebnisse des Jahres 1877, näher dargelegt haben, bemühen wir uns auf zwei verschiedenen Wegen die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Geisteskranken des Großherzogthums zu lenken und die Lage, in welcher dieselben sich befinden, günstiger zu gestalten. Auf dem einen Wege suchen wir durch öffentliche Belehrungen und Bitten, sowie durch zeitweise gemetn- fchaftltche Beratungen mit unseren Vertrauensmännern, vorwärts zu kommen, auf öein zweiten Wege gilt es uns darum, durch alljährliche Sammlungen hinreichende Geldmittel zu gewinnen, um den bedürftigen Pfleglingen der Landes-Irrenanstalten , nach der Entlassung aus der Anstalt, und ferner den Angehörigen unserer Kranken, ; i° lange die letzteren fich noch in der Anstalt befinden, diejenige Unterstützung zu ' gewahren, welche denselben anderswoher nicht zu Theil wird. Den entlassenen Kranken ' nicht, weil die öffentliche Armenpflege überhaupt außer Stande ist, die nach Art und Maß erforderliche, in vieler Beziehung eigenartige Hülfe zu leisten, den bedürftigen
Angehörigen der noch in der Anstalt befindlichen Kranken nicht, weil sich der betreffende Armenverband, von anderen Hindernissen abgesehen, schon durch die Uebernahme des an dre Anstalt zu entrichtenden Pfleggeldes genug belastet erachtet.
n. Was wir wollen, ist nach dem Gesagten gewiß für Jedermann verständlich. Auch kann Nremand bestreiten, daß unsere Bestrebungen auf die Befriedigung eines dringenden Bedürfnisses gerichtet sind und daß unsere Erfolge nicht allein dem Einzelnen, sondern auch der Gesammtheit Nutzen bringen. Hiernach sollte man glauben, daß unseren alljährlichen Bitten um Beistand überall mit der größten Bereitwilligkeit ent- lproche" werde. In der That haben wir ^heute, am Schluffe des Rechnungsjahres 1887/88, alle Ursache, für die ausgiebige Hülfe, welche uns während dieses Jahres geleistet worden ist den herzlichsten Dank hiermit auszusprechen. Während uns im vor gen Jahre in dem Jahre 1886/87, abgesehen von den Gaben der öffentlichen KaPn, von 9130 Gebern (der bis dahin höchsten jährlichen Zahl) der Betrag von 8447 87 (die bis dahin größte lahrliche Einnahme) zugeflossen ist, ergab das jetzt qqo7 oq fT\?r 1 ro e,tncI von 10 741 Gedern eine Einnahme von 8927.28 JL Die seitherige Regel, daß jedes weitere Jahr mit einer Verniehrung der Geber und einer Erhöhung der Einnahme abschloß, hat sich also abermals bewährt. Und wenn wir überdies darauf Hinweisen, wie auf der einen Seite Frau Charlotte Schreger in Darmstadt, in ihrer bekannten hochherzigen Auffassung der den Besitzenden obliegenden Verpflichtungen, unseren Schutzbefohlenen eine Gabe von Eintausend Mark gespendet hat, obwohl sie bereits im Jahre 1874 die Summe von Eintausend Gulden unserer Kasse zugewendet hatte, und wie auf der anderen Seite in kleinen, wenig bemittelten Dörfern zahlreiche Bewohner durch Beisteuern von 3, 5 und 10 Pfennigen ihrem Einverständniß mit unseren Bestrebungen einen rührenden und jeden Geber in hohem Grade ehrenden Ausdruck verliehen haben, so wäre es leicht begreiflich, wenn nicht Wenige, Angesichts dieser Ergebnisse des letzten Rechnungsjahres, zu dem Uriheil gelangen wurden, unser Unternehmen erscheine für alle Zett gesichert und es hänge nur von unserer Thätigkeit und Beständigkeit ab, um die im Jahre 1874 bet der Gründung unserer Kasse ausgesprochene Hoffnung, daß in kommender Zeit Jedermann im Lande ^.opferfreudigen Betheiligung an der Fürsorge für die Irren seine Pflicht und Schuldigkeit erkennen werde, ihrer Verwirklichung entgegenzuführen. Endlich ist auch noch Das wahr, daß, so viele Hülfsvereine für Geisteskranke auch in Deutschland bestehen, nur ein sehr kleiner Theil derselben, ja wohl nicht ein einziger, in demselben Maße wie unsere Unterstützungskasse seit einer Reihe von Jahren von der Thetlnahme gleichgesinnter Freunde getragen wird.
Dennoch können wir dies Alles nur mit der Beschränkung zugeben, daß wir von einem völlig gesicherten Bestand unseres Unternehmens in der von dem Bedürfniß der Geisteskranken geforderten Ausdehnung und Gestaltung noch weit entfernt sind. Wie in jedem Jahre, so ist es uns auch in dem letzten nicht erspart geblieben, mit unserer Bitte um eine Gabe da kalt abgewiesen zu werden, wo wir es am Wenigsten erwartet hatten und wo man, nach unserem Dafürhalten, auch wenn man nun einmal gewohnt war, den Regungen des Mitleids mit schwerem und unverschuldetem Unglück eine maßgebende Bedeutung nicht zuzugestehen, doch die Wichtigkeit und den Nutzen mrserer Bestrebungen für die allgemeine Wohlfahrt und somit auch für das eigene Wohl hatte anerkennen sollen. Solche Vorkommnisse berühren uns um so schmerzlicher, nachdem wir in unseren Berichten schon so ost darauf hingewtesen haben, daß und warum die Fürsorge für die Geisteskranken nur da gedeihen und der durch die Bedürfnisse der letzteren den Familien wie dem Staat erwachsende Geldaufwand nur da die sachlich mögliche Beschränkung erfahren kann, wo die Maßnahmen der Staats- regierung durch die freiwillige und dabei zweckmäßig geordnete Thätigkeit des Volkes ergänzt und befruchtet werden. Hierzu ist aber unbedingt nöthig, daß sich die Masse des Volkes zu einem alle Stände, alle religiösen Bekenntnisse und alle Vermögensklassen in sich aufnehmenden Bund vereinigt, wie wir einen solchen, unter dem stets wachsenden Beistand der Staatsregierung, an der Hand unserer Satzungen, durch das Mittelglied der Schaaren unserer Vertrauensmänner und durch den Mitgliedsausweis eines jährlichen, wenn auch noch so kleinen Beitrags in das Bewußtsein und die gewohnte Thätigkeit unseres Volksstammes einzuführen • feit nun fünfzehn Jahren bemüht sind.
Schon bei einem flüchtigen Blick in das diesjährige Geber-Verzeichniß nimmt man wahr, daß, während z. B. in
Mainz .... 0,2 Procent, Darmstadt ... 0,7 „
Gießen .... 0,7 „
alfo in jeder dieser Städte noch nicht einmal 1 Procent der Einwohnerzahl unseren Bedürftigen eine Gabe zugewendet hat, dies in den kleinen Ortschaften:
Dalheim (Rheinhessen) von 12 Procent, Zell i. O. (Starkenburg) „ 13 „
Grebenau (Oberhessen) „ 21 „
der Bevölkerung geschehen ist und daß den letzteren ähnliche Ergebnisse noch in gar manchen anderen ländlichen Gemeinden erzielt worden sind. Mit anderen Worten, in den größten und wohlhabendsten Städten des Großherzogthums, in den sprichwörtlichen Stapelplätzen der Bildung, schulden uns noch immer Tausende ihren jährlichen Beitrag, sagen wir von 20 oder 50 Pfennigen, obwohl diese Tausende Jahr aus Jahr ein für Zwecke Geld genug übrig haben, deren Werth mit demjenigen, welchen unsere Ziele in sich einschlicßen, auch nicht entfernt verglichen werden kann. Hätte man nicht zwischen Stadt und Land gerade das umgekehrte Verhältniß erwarten sollen? Wie dieses Mißverhältniß entstanden ist und sich erhält, mag hier dahingestellt bleiben. Jedenfalls nimmt unter den verschiedenen Ursachen eine unrichtige Auffassung ober auch eine völlige Unbekanntschaft mit unseren Bestrebungen und ebenso jene durch die Fluth und den Wechsel der Tagesereignisse bedingte ununterbrochene Fesselung und Ablenkung der Aufmerksamkeit, welcher der Städter weit häufiger unterliegt, wie der Landbewohner, eine wichtige Stelle ein. Sei dem aber auch wie ihm wolle, die unermüdlich fortschreitende Beseitigung des erwähnten Mißverhältnisses ist und bleibt eine unserer dringendsten Aufgaben. Wir arbeiten an deren Lösung, indem wir jetzt, gemäß der in dem vorigen Bericht gegebenen Zusage, in der Mitthetlung einzelner Fälle fortfahren, welche die Berechtigung unserer Bestrebungen und die verschobene Art der Aeußerung und Wirkung derselben in, wie wir hoffen, belehrender und überzeugender Weise darthun.
Im nächsten Jahre wird nach der Bestimmung des § 29 unserer Satzungen die Gelegenheit wiederkehren, um von einem anderen Standpunkte aus, nämlich auf dem im Eingang dieses Berichts angedeuteten ersten Weg, unsere nächsten wie unsere entfernten Ziele zu beleuchten und auch auf diese Weise das richtige Verständniß derselben weiter auszubreiten. Möchte alsdann unseren Ausführungen dieselbe freundliche Aufnahme nicht versagt werden, um welche wir im Namen unserer Schutzbefohlenen für unseren heutigen Bericht hiermit ergebenst bitten!
Treis a. d. Lumda. Freitag den 11. d. M., Nachmittags gegen 3Uhr, kamen 3 Handwerksburschen die Chaussee von Mainzlar entlang. Sie ließen sich, am Dorfe angekommen, zur Ruhe nieder und hatten die Vorübergehenden zur Zielscheibe ihres Spottes. Von den Beschwerden der Reise erholt, durchstreiften sie später bettelnd den Ort. In dem Hause des Kirchenrechners Opper fanden sie nur die Frau anwesend. Zwei der Strolche drangen in das Wohnzimmer, während der dritte sich eine Treppe höher hinauf bemühte, um dem 2. Stock des Hauses einen Besuch zu machen. Einer der ersteren gab vor, infolge anstrengender Arbeiten als Bierbrauergehtlfe sich eine Brustkrankheit zugezogen zu haben und bat sich bei der Eigenthümerin des Hauses, behufs Stärkung seiner angegriffenen Gesundheit einige Eier aus. Um den Zudringlichen los zu werden, holte sie demselben ein Ei; der dritte war inzwischen in ein Zimmer des oberen Stockes gedrungen, hatte einen Schrank geöffnet und aus einer Schublade das in derselben befindliche Geld im Betrage von 19 JL entwendet. Außer dem (Selbe würben auch noch ein Paar baumwollene Hosen des Hausbesitzers, ein Kinberhemdchen und eine große Cervelat-, sowie eine Kochwurst mitgehen heißen. Unbemerkt verließ er das Haus, zog die entwendeten Beinkleider unter die seinigen an, kaufte sich hierauf in einem hiesigen Laden einen neuen Gummikragen für 70 Pfg., stärkte sich mit noch einem Genossen durch den Trunk einiger Kännchen Branntwein und durchzog hierauf, von Haus zu Haus weiter bettelnd, das Dorf. Der Diebstahl wäre wohl nicht sofort bemerkt worden, wenn nicht Frau Opper durch ihre ihr gegenüber wohnende Mutter darauf aufmerksam gemacht worden sei, daß sie auch einen Fremden in einem Zimmer des 2. Stockes gesehen habe. Erst auf diese Mtttheilung hin begab sie sich hinaus und wurde zu ihrem Schrecken den Verlust erwähnter Gegen-


