Ausgabe 
16.12.1888 Erstes Blatt
 
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geringe Subvention für die ostafrikanische Gesellschaft sei vielleicht angezeigt wenn man nicht m Denjenigen gehört, die sich stets freuen, wenn es einem Deutschen im Auslande schlecht geht. (Sehr richtig! rechts.) Fehler können auf diesem für uns neuen Gebiete wohl vorkommen. Wir können keine Humanitären Zwecke verfolgen wenn wir etwa die Position aufgeben muffen, die wir in Ostafrtka errungen haben'

Staatss. Grf. Bismarck: Der Antrag hat in weiten Kreisen lebhafte Genug- thuung heroorgerufcn. lieber die Lage der Dinge in Cftafrifa sind die Herren durch das Weißbuch orienttrt, neuerdings ist Portugal der Btokade betgetreten und hat feine Küste blokirt. (Bravo!) Die Culturmisfion ist dadurch verschärft, daß die arabischen Sklavenhändler sich gegen ihr Oberhaupt den Sultan von Zanzibar empörten. Dieser Sklavenhandel vernichtet alle Cuttur in Afrika. Wir werden auf die rückhaltsloseste Unterstützung Englands, das stets an der Spitze dieser Bewegung gestanden, zu rechnen haben. So lange die Greuel des Sklavenhandels bestehen, ist Afrika Gesittung dem Christenthum und der Eultur entrissen. Das erste Mittel gegen die Sklaverei ist mit der Seeblokade begonnen; nicht genug zu loben ist die Umsicht und Entschlossenheit der Führer der Marine. Auch Frankreich hat neuerdings befriedigende Erklärungen be­züglich seiner Stellung zur Blokade in Ostafrika gegeben, was umso erwünschter ist, als Frankreich früher zwar den Bestrebungen freundlich gegenüberstand, jetzt aber seit geraumer Zeit br Sache fern blieb. Es wird von der Regierung eine Vorlage vor­bereitet und es wäre erwünscht, vom Reichstage Andeutung zu erhalten, rote weit die Regierung in dieser Sache gehen kann und wann sie ihr Raum für die Colonialpoltttk gestatten. Die Sklaverei ist unter dem Drucke der Colontalpolitik auch zurückgegangen Zu verwundern ist nur, daß Afrika durch das Treiben der arabischen Sklavenhändler nicht nach mehr entvölkert ist. Die Marine wird allerdings von der Colontalpolitik entlastet werden müssen. Ich hoffe, daß nach einigen Wochen wir eine Vorlage ein- bringen werden, die Ihre Billigung finden wird und die dem deutschen Namen Ehre machen wird. (Bravo!)

Abg. Bamberger (bfr.): Gegenüber den abgeschlossenen Verträgen war eigent­lich der Antrag überflüssig, zumal die Negierung weiß, daß ihr die Zustimmung des Reichstages in solchen Dingen sicher ist. Wir haben das durch rückhaltlose Partei­nahme für Nordamerika im Kampfe gegen die Südstaaten wegen der Sklaveteibefreiung anerkannt. Dem Anträge werden wir deshalb nicht zustimmen. Man wird diese edlen Dinge verquicken mit anderen eigennützigen Dingen. Heut lobt man England wie oft hat man es getadelt und angegriffen. Wir können leicht in denselben Verdacht kommen, dem England Jahre lang ausgesetzt war, daß hinter solchen Dingen nur 3ntereffenpolittf stecke. Dle Reden der Herren Wörmann und o. Helldorff gehen über den Nahmen hinaus, den der Kanzler für die Colonialpolitik gezogen, so daß die Re- glerung spater sich auf die von der Volksvertretung laut gewordenen Wünsche berufen kann. Wir können eine Erweiterung des Rahmens der Colonialpolitik nicht billigen, 'O lange uns nicht die Notbwendigkelt dazu durch eine Veränderung der Lage unserer

!in!Se 0e&ra$t ist. Afrika ist für Colonisation nicht geeignet Wer aber mit Musik in s Geschäft geht, der geht mit zerrissenen Stiefeln wieder heraus. Von den Hamburger Colonialpolitikern dürfen wir uns nicht beeinflusfen lassen. Daß tn Hamburg gut kochen kann, habe ich auch vor dem Zollanschluß schon gewußt. In der Colonialpolitik merkt man, daß vielfach nicht mit eigenem (Selbe gewirthschastet wirL (Sehr richtig!) In Bezug auf Feindseligkeiten in Oftafrtfa überlassen wir der Negierung die Initiative, aber ich verwahre mich dagegen, daß coloniale Abenteuer mte in Tonktn und Massauah auch von Deutschland inicentrt werden. (Bravo! links.)

Kirdorf (Rp.): Der Antrag Windthorst hat eine durchaus internationale jramr. 2luf eine folqje internationale Kundgebung kommt es an; wenn das deutsche Reich .^anb dann wird sie auch zum guten Ende geführt. Das deutsche Volk ist der Meinung, daß unsere Colonialpolitik bis zu dem Punkt gediehen ist, daß mit Pulver und Blei eingegriffen werden muß; dann wird es auch gehen. Herrn I

v ^Uborf^3[uäf^runSen hielten sich durchaus in dem vom Reichskanzler für die Colonial. Politik gezogenen Rahmen. Die Leistungen der ostafrikanischen Gesellschaft sind trotz aller Lugen der Preffe, recht bedeutende. Herr Dr. Beters maa den 6 .auer

welche die B-rw-Itung an chn stellt, aber chm dl-ibt der Ruhm, bal^aanic

afnkamscheu Gesellschaft ohne Waffen ererben zu haben Di SIl°°-u äg«-^ wirb nur von emtgen Hundert Personen betrieben, di- zu b-s-,tig-n nicht schwer stjn kam Rür BMÄ »JÄÄÄ*"»-ÄS Serben9 ienfCit6 $Oßfefen -bensalls^demÄer^de^

2lbs<' ®1 Sc mit dem Grundgedanken des Antrages enroerftanben

nur gewünscht, daß die Sklaverei an allen Orten und in allen ^rm n nS n ' 2)a der Antrag aber ^lonialpolitischen JMeressen diene, werde er gegen den Antrag stimmen

non letzterer Partei stimmt^Wg^G?ldschmid^ ft°/dm AEa^ganS=nommen; 2^LnkWrÄsLL & der

Telegraphische Fepeschen.

t«Uer. C«rr*f»»a»*ni.eureM.

der (SoTrb'^'^nno^'ab^eift® »-»t- Morgen 8 Uhr zur Jagd na»

k14' D-c-mber. Zum Vorsitzenden der Commission für das Genosten- ^urde der Kammerherr Freiherr von Mirbach, .um Slelloerttefcr der ernannt Sd|ent Unb 3um Schriftführer der Adgcordnele Hofsmann (Königsberg) r-< . ReumSnster, 14. Deccmber. Bet dem Brande der Aalbeck'schcn Tuchfabrik sind 13 Personen umgekommen, 9 schwer verwundet worden $

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Darmstadt, 15. December. Prinz Alexander von Hessen ist heute Vormittag 10 Uhr 15 Mi«, gestorben.

Börsenwocheubericht

von E. Wassersclalebeo, Bankgeschäft.

Die Woche eröffnete in matter Haltung auf allen Gebieten. Es war vorzugsweise die Steigerung des Prioatdiscontsatzes, der die Börse verstimmte. Man fürchtet- außerdem die kommende Ultimo-Liquidation und begann thatsächlich bereits am 10. mit Geldver- ^rgungen für Prolongationszwecke. War das auch weise gehandelt und hätte es als ein Moment der Beruhigung dienen können, so fand man doch die, für derartige Gelder be- zahllen Satze hoch und die Course gingen weiter zurück. Besonders matt lagen Banken von denen Dlsconto - Commandit bis 214.50, Credit-Actien bis 248.75 geworfen wurden SMein schon am Dienstag trat ein Tendenz-Wechsel ein. Der Reichsbankausweis, dem man lange mit Bangen entgcgengesehen hatte, erschien. Doch enthielt er nichts von dem was nach den offiziösen Auslassungen zu erwarten stand. Es waren Gerüchte im Umlauf ge-- roefen, Ine von einer Zurückziehung von 100 Millionen Depositen wissen wollten. Statt dessen zeigte der Ausweis nur eine Abnahme der Depositen um wenige 9 Millionen und eme verhaltmßmäßig unwesentliche Schwächung der Notenreserve. Das wirkte günstig. ,,,, r ^cher Zeit trat das Haus Rothschild als Käufer für Renten auf, woraus man zollte daß die ungarische Conversion nunmehr auf die Tagesordnung gesetzt

sollte. Inwieweit diese Kau e des Welthauses thatsächlich im Zusammenhang stehen 2? wäS Oben ^onversionswerk ist für die Nicht-Eingeweihten schwer zu ermitteln. Aber die Börse prüfte nicht lange; sie war froh ein neues anregendes Moment gefunden zu rrC ?^?enrbC,L ®elbDer^tnif|'e und politischen Bedenken waren schnell vergessen h? ? der neuen Strömung. Während des ganzen Restes der abgelaufenen ^0^ bat diese Strömung angehalten und eher an Kraft gewonnen. Ob sie wirklich Be- £r bnnratW,rbx ""K . Ochste Zukunft zeigen. Es darf nicht vergessen werden, daß

bjr schwierigsten Liquidation des Jahres stehen. Es werden bis Ende

"Och außerordentliche Anforderungen an den Geldmarkt herantretcn, und nur ^steigert werden. Wer aber unrtPmftfiSiA b ?°chF^ blc ursprüngliche Kraft innewohnt, mit der sie die ta!"e^roien9felten bec September-Liquidation b. I. überwandt und Jedermann ?lc Woche schließt zu den höchsten (Sourfen. Zwar sind die, gegen den Schluß der ^orwoche erzielten Coursgewinne geringfügig; sie sind aber ziemlich erheblich, verglichen Mit den mebngiien Coursen der Woche. Bon Banken sind besonders Credit gebessert die Stund zurllck-rvb-tt D.z-vnto-Cbmmandst und Darmstädter Bank haben ihren alten S>nmF.nr^»»n Dohuactlen sind Staatsbahn-Actien fest unb schließen 23/8 fl. höher Sombarben unb Galizier haben ca. »/< fl. verloren. Renten waren fest besonders Ungarn' d utsche^onds°b»b"n Men' Übri9cn zeigen nur unerhebliche Aenderungen. Auch ? 2bd ^abcn stch tm Allgemeinen behauptet. Nur 3</2 o/o Consols zeigen einen m?^r?DfCr 4O^°/o- Bemerkenswerth ist noch die Steigerung der Pfälzischen Lud' u ^ÄE 0±r^CtiCn' Di-'-lb-n werden gegenwärtig viel ä^Cap.talanB gekaufi " 11,5 >°lche sehr zu empfehlen, da man außer dem vom Staat aarantirten iiinä-

«rträgnch ,n diesem Jahre noch -in- Superdividende erwartet. 3 e" dn3'

Uebtigen verweise ich auf nachstehenden Courszettel.

Course der Frankfurter Börse.

Staatsanleihen.

Cours vom

7. Dec.

14. Dec.

4% Heisische Obligation.

106.60

106.60

Bauern ....

107.10

107.05

Baden.....

104.95

104.90

Ao/g Sächsische Rente. .

93.60

93.55

2VzO/oBremerL>taatsanl.

101.85

101.80

Hamb.Staatsrente

102.

101.60

4o/yOestr. Goldrente

91.85

91.55

GriechischeMonopol- Anleihe . . .

72.90

72.95

5o/o Rumänische Rente .

94.15

94.10

^VrO/o Russische Anl.. .

94.30

94.70

Cours vom

7. Dec.

14. Dec.

5o/oPortugies.-Anl.v.86

100.40

100.25

4V2°/o do. . . . 5% amort. ©erb. Gold-

95.40

95.35

Rente ....

81.40

81.60

5% SerbischeEisenbahn

Hyp.-Obl. L. A. .

84.90

84.65

4o/oSchwed.Oblig.1880r

102.50

102.95

I0/0Türken conv. . . .

14.95

14.85

5o/o priv. Egypter. . .

102.20

102.15

Argent. Gold-Anl.

v. 1887 ...

93.30

93.75 I

Eisenbahn-Prioritäten.

4°/o Pfälz. Ludwigsbahn

103.95

103.70

102.25

107.30

101.65

82.65

78.10

4o/o Südbahn Lombarder

96.10

96.05

(Bexbach) . . .

Hessische Ludwigsb. 68/69 garant. .

Elisabethb. steuerfrei Gold . . . . 5% Oestr. Staatsbahn. 4% do. do.

3o/o do. do.

I.VUI.Emiss..

3o/o do. Ergänzungsnetz 50/0 Nordroestbahn Gold

103.55

1 102.10

107.30

101.50

82.75

78.05

107.95

3% do. do.

4% Prag-Duxer Gold .

1, Rudolf Gold (Salz­kammergut) . .

Franz-Josef Silber 3% staatl. garant. Jtal.

Eisenbahn . . 3% Livorneser . . . 4% Russische Südwest- Eisenbahn . . 4°/o Wladikawkas garnt.

60.20

100.90

101.70

80.20

59.85

64.90

82.75

79.80

60.10

100.65

101.50

80.20

59.70

64.80

82.60

79.75

Ludwigshafen-Bexbach. Hessische Ludwigsbahn. Pfälzische Nordbahn . Mariendurger-Mlawka.

Eisenbahn-Actie«.

-----

229.90

106.90

109.25

90.50

231.45

106.40

104.

89.

Lübeck-Büchner . . .

Mecklenburger . . .

Gotthardt.....

Jtal. Mittelmeer . .

169.20

156.20

125.60

121.90

168.80

153.10

123.80

121.40

Deutsche Reichsbank . Berlin. Handelsgesellsch. Deutsche Bank . . . DeutscheGenossenschstsb. v.Soergel.ParrisiusLCo.

Bank-Actien.

---

----

141.20

170.20

167.80

133.60

140.

169.20

167.90

133.60

Dresdener Bank. . . Mitteldeutsche Creditb. . Wiener Bank-Verein . Württemb. Veretnsbank

1 141.45

103.

81.12

121.50

140.80

103.

81.50

121.50

Binding-Brauerei . . Stern- do. (Oberrad) Bad. Anilin- u. Soda­fabrik ....

Industrie-Papiere.

170.50

135.90

284.70

173.20

136.40

283.80

Deutsche Verlagsanstalt Farbwerke,vorm.Meister, Lucius & Brüning.

Riebeck'scheMontanwerke

260.50

228.50

167.70

260.

227.

168.50

Pfandbriefe.

4o/o Franks. Hyp.-Pfdbr. v. 86 ab . .

3V2v/oFrnkf.Hyp.-Pfdbr!

4o/oPreuß.Hyp. Act.-Bk.- Psandbr. . . .

3V23/o do......

40/o Preuß. Centr.-Bod.-

99.

103.

99.40

102.80

98.70

103.

99.40

Cred.-Pfandbr. bis 1885 .....

4o/oDeutscheGrundschld.-

Bk.-Pfandbr. .

3V2°/o do......

3V2O/0 Rhein. Hyp.-Bank- Pfanddr. . . .

101.95

103.

99.

98.

I. I. I. 1

c4 co o>" er

O O CD C.

1-*

4% Meininger Pfandbr.

102.50

102.50

Oestr. 1860rfl.500-Loose!

v 1854rfl.250- | 4o/g Meininger Prämien-

Psandbr. ... I

Loose.

---

117.35

113.10

127.10

117.40

113.60

126.90

Braunschweig. 20Thlr.- Loose ....

3% Oldenburger Loose.

3VrO/oKöln:Mindn.Loose

100.60

136.

137.50

100.65

135.90

136.85

5

6o/oChic.2Nilw.f.St.PaulI Prt., rückzahlb. 1910 .'

5o/oChic.Mtlro.f.St.Paul

Prt., rückzahlb. 1921 .

6o/oCentr.Pacif.I.Mctg. rückzahlb. 1895/98 .

ilmerika

101.

110.60 |

nische^E

101.

110.70

senbahn-Bonds.

4% Chicago Burlington

Siebraska 1927 . . 41/g°/o California Pacis.

I. M., rückzahlb. 1912 60/gPactf.of Missouri con- solidattd I. M. r. 1920

88.80

106 P

107.60

89.10

106 P

108.

5% Buderus-Obligat. . I

Diverse Obligationen.

103.45 I

103.25 I

4Vr0/oGrafHenkelv.Don-I

1

1

nersmark, rückz. ä 105 |

104.70 1

104.70