revifion acut werden. Bei einem am Freitag beim Cabinetschef Floquet stattgefundenen politischen Diner soll derselbe erklärt haben, er müsse bei der Revision beharren und würde seine Demission geben, wenn die Kammer die Revision ablehnte, oder aber sie nur mit Hilfe der Monarchisten votirte; er könne nur das Votum einer ausschließlich republikanischen Mehrheit annehmen. Floquet scheint zu ahnen, daß eS mit seiner Ministerherrltchkeit vermuthlich doch zu Ende geht!
Die Lage in Afghanistan wird immer verworrener. Nachrichten aus englischer Quelle sprechen die Befürchtung aus, daß ein Aufstand der Bergstämme in der Gegend von Ghusni gegen den Emir Abdur Rhaman bevorstehe; über die angebliche Niederwerfung des Aufstandes Jschak Khans durch die Truppen des Emirs liegt noch keine bestätigende Meldung vor.
In Chicago herrscht wieder einmal das Strikefieber in bedenklicher Weise. Die Angestellten der dortigen Pferdebahn-Gesellschaft haben die Arbeit eingestellt und kam cs zwischen ihnen und der Polizei zu einem Zusammenstöße, bet welchem über 100 Personen, meist Strikende, verwundet wurden. Don Setten des Bürgermeisters wurde die Bevölkerung ermahnt, sich jeder Zusammenrottung auf den Straßen und Plätzen zu enthalten._____________________________________________
Deutschland.
Berlin, 13. Octobcr. Die englische Armee nimmt ihrer Zahl nach unter den Heeren der europäischen Großmächte bekanntlich den allerletzten Platz ein. Da aber das britische Weltreich zum Haupttummelplatz seiner Streitkräfte nicht sowohl das Festland, sondern die See erwählt hat und seinen Stolz darin setzt, als „Königin des Meeres" zu gelten, so ist die öffentliche Meinung Englands wegen der numerischen Unbedeutendheit des Landheeres um so leichter getröstet, als es jenseits des EanalS für ein nationales Dogma gilt, daß die Armee durch ihre Qualität ersetze, was ihr an Quantität mangelt. Der soeben veröffentlichte milttär-ftatisttsche AuSwetS pro 1887 beziffert den Effektivstand des Landheeres am 1. Januar o. I. auf 211,021 einschließlich des Offictercorps. Von dieser Geiammtzahl garnisonirten 107,270 Mann im Vereinigten Königreiche selbst, 28,035 allein in Irland, 4738 entfielen auf das egypttsche Besatzungscorps; 25,848 standen in den Colonien außer Indien; Indien selbst war mit 72,345 Mann belegt, der kleine Rest von 820 Mann befand sich auf dem Hin-, beim. Herwege nach oder von Indien und Egypten. Im Allgemeinen ziehen die Londoner Blätter aus den ziffernmäßigen Angaben der in Rede stehenden Heercsübersicht günstige Schlußfolgerungen; namentlich constatiren sie mit Behagen, daß die Armee zahlreicher war als je zuvor, und daß Desertion, sowie andere Verbrechen unter der Fahne eine abnehmende Tendenz bekunden, bet erhöhtem Erziehungsstande. Was ihnen hingegen minder gefällt, ist der bemerkbar heroortretende Rückgang der Rekrutenziffer, dem Abhilfe geschaffen werden muß, wenn das Heer sich auf seiner jetzt erreichten ziffermäßigen Höhe behaupten soll. Ein weiterer, nachdrücklich bemängelter Punkt betrifft den unzulänglichen Bestand an Cavallertepferden. In der Thal hat der an sich schon auffallende Unterschied zwischen den Präsenzziffern von Eavalleriemannschaften und Pferden in dem letzten Jahre noch zugenommen. Denn während 1880 auf einen Effektivstand der Garde- und Linien - Caoallerte von 17724 Mann einschließlich der Officiere nur 11,714 Pferde kamen, stieg inzwischen die Mannschaftsziffer auf 19,260 Mann, bei sich gleichbleibendem Pferdebestand. Es ist unzweifelhaft eine Schwäche der englischen Heeresorganisation, die ihre ernsten fachtechntschen Bedenken hat, und deren Remedur von den caoallertstischen Autoritäten oft genug, aber immer erfolglos, in Anregung gebracht worden ist. Jndeß scheint es, als ob die neuesten, von der deutschen Praxis geleisteten Fortschritte in der strategischen und faktischen Ausnutzung der Cavalleriewaffe auch den Engländern einzuleuchten beginnen. Wenigstens ertönt der Ruf nach zeitgemäßer Reorganisation der Caoallerte lauter und lauter und dürften sich die parlamentarischen Budgetpolitiker wohl oder übel zu finanziellen Zugeständnissen an den Etat deS LandheereS für den beregten Zweck herdeilassen müssen.
Vermischtes.
△ Mainz, 14. October. Zwischen Delegirten der Stadt und der hessischen Staatsrcgierung fand gestern unter dem Vorsitz des Staatsraths Dr. v. Knorr eine Besprechung hier statt zu dem Zweck, um verschiedene Meinungsdifferenzen über die Unterhaltung der aus dem Unioersitätsfonds stammenden und daneben von den Lehrern der höheren Lehranstalten benutzten Professorenhäuser hier auf dem Wege der mündlichen Besprechung zu beseitigen. Durch gegenseitiges Entgegenkommen war der angestrebte Zweck nach kurzer Zett erreicht. — Um dem bei den Abendschulen vielfach vorkommenden Unfug thunltchst zu steuern, hat der hiesige Schulvorstand beschlossen, den Schülern, welchen es ihre Verhältnisse und Zett gestatten, diesen Winter Gelegenheit zu geben, den gesetzlichen Fortbildungsunterrtcht in den Stunden von 5—7 Uhr Nachmittags zu genießen. Für die sich hierzu anmeldenden Schüler werden besondere Klassen errichtet. — Gestern ist hier ein Polizeibefehl erlassen worden, welcher das unsinnige Peitschenknallen verbietet und Zuwiderhandelnden Strafe androht. — In der großen Militärconseroenfabrik haben vergangene Woche die Schlachtungen wieder angefangen. Bis zum Frühjahr werden durchschnittlich etwa 12 Ochsen täglich geschlachtet.
A Mainz, 14. October. Vor etwa 2 Jahrerr ist der hiesige Bankier Josef Hirsch junior unter der Anschuldigung des Betrugs verhaftet worden. Damals wußten eine Reihe von Blättern von großen Betrügereien zu berichten, welche H. begangen haben sollte. Nach zweijähriger Untersuchung ist H. am 3. d. Mts. außer Verfolgung gesetzt roorben, da sich kein Moment einer strafbaren Handlung ergeben hat.
— Den kommenden 24. November wird die Mainzer Liedertafel in der Stadtballe ein Cäcilienfest veranstalten. Dasselbe soll durch das lang hier nicht gehörte Händel'sche Oratorium „Josua" eingeleitet werden.
— sWas der Volksmund vom October tagt!] Wenn der „Herbst", d. b. in diesem spectellen Fall die Weinlese, gut werden soll, so muß der Michel (Michaelis) den Butten tragen und nicht der Galle (Gallus, 16. October), sagt man in Schwaben, denn dort, wie überall, ist und heißt — schon seit dem 8. Jahrhundert und Karls des Großen vergangenen Zeiten — October: der „Wein-Monat!" Doch er hat auch noch andere Namen, noch andere Gaben und Attribute, der stürmische Gesell des Herbstes, die minder nützlich und erfreulich sind, als der edle Rebensaft, in dem nicht nur Wahrheit, sondern auch Humor und Heiterkeit zu finden ist, als bestes Gegenmittel, nämlich: „Retfmonat" und „Nebelmonat", und manche Wetter-Prophezethung knüpft sich an seine bunt-bewegte Laufbahn, wie z. B.: „Sitzt das Laub im October noch fest, ein starker Winter nicht warten läßt!" oder: „Jst's im October naß, so wtndets im December baß!" u. s. w. — Jedenfalls eilt man sich, Alles was draußen in Feld und Flur etwa noch zu holen ist, sicher unter Dach und Fach zu bringen, denn „Sanct Gallen läßt Scbnee fallen!" weil der heilige Gallus, gestorben 646 als Abt des seinen Namen tragenden hochberühmten Schweizer Klosters von St. Gallen, seinen Gedächtniß- tag — so sagt man — leider gern durch ein festlich weißes Schneegewand begeben soll. Deshalb: „Rach Sanct Gall bleibt die Kuh im Stall!" und: „GalleS, schaff heim Alles!" heitzt's ferner, wenn man schleunigst die Feldfrüchte, besonders aber das Kraut, an seinem Tage bereits wohlverwahrt zu wissen wünscht, ebenso wie das beliebteste Obst des Winters und deS Weihnachtsfestes: die Aepfel. — Ja: „Auf St. Gallentag muß jeder Apfel in seinen Sack!" — Uebrtgens sind in Bezug auf die gastronomische Bedeutung und den Witterungs-Einfluß des heiligen Gallus die Ansichten insofern auSeinandergehend, als es sehr leicht möglich ist, daß der Volksmund ursprünglich den Gallustag des alten Styls gemeint hat, den 28. October nämlich, der noch jetzt — als . Tag „Simon" und Juda" — auf gut Plattdeutsch folgendermaßen charakterisirt wird: „Sanct Simon Jüd bringt den Winter unter die Lüd" — mit anderen Worten: erst der 28. October ist eigentlich als der eigentliche Wtnterbringer zu betrachten. — Nach anderer Lesart wäre sogar St. Gallustag, der 16. October, „des Sommers letzte Rose", d. h. der freundliche Spender der letzten schönen, milden Tage für da? alte Jahr und vor dem neuen Frühjahr. — Doch auch darüber stnd die ländlichen Gelehrten nicht recht einig, denn sie verschieben gern die frohe Aussicht auf den „Nachsommer" noch etwas weiter, biS der Herr Winter, der bekanntlich gar nicht mit sich bandeln läßt, durch eine richtige, tüchtige Ladung Schnee plötzlich, ohne vorherige Einladung seine Visitenkarte abgibt!
Repertmr der vereinigten Stadtthcater zu Frankfurt a. W.
Opernhaus.
Dienstag den 16. October: Erstes und vorletztes Gastspiel der Kammersängerin Frau Pauline Lucca. Carmen. (Carmen: Frau Pauline Lucca.) Außer Abonnement. Erhöhte Preise.
Mittwoch den 17. October: Die Reise um die Erde in 80 Tagen. Außer Abonnement. Große Preise.
Donnerstag den 18. October: Die Hugenotten. Große Preise.
Freitag den 19. October: Zweites und letztes Gastspiel der Kammersängerin Frau Pauline Lucca. Margarethe. (Margarethe: Frau Pauline Lucca.) Außer Abonnement. Erhöhte Preise.
Samstag den 20. October: Das Nachtlager in Granada. Hierauf: Wiener Walzer. Große Preise.
Sonntag den 21. October: Cid. Große Preise.
Sivanspielyan-.
Dienstag den 16. October: Cornelius Voß. Große Preise.
Mittwoch den 17. October: Zur Feier des 25jährigen Wirkens des Herrn Paul Zademack an hiesiger Bühne. Neu einstudirt: Adelaide. Hierauf: Der zerbrochene Krug. Zum Schluß: Neu einstudirt: Der gerade Weg der beste. Außer Abonnement. Große Preise.
Donnerstag den 18. October: Abonnements-Vorstellung für einen ausgefallenen Freitag. Cornelius Voß. Große Preise.
Freitag den 19. October: Tartüffe. Hierauf: Der Geizige. GroßePreise.
Samstag den 20. October: Hamlet. Große Preise.
Sonntag den 21. October: Gastspiel der Frau Niemann-Raabe. Zum ersten Male: Francillon. Schauspiel in 3 Akten von Alexander Dumas. Erhöhte Preise.
Für das Gastspiel der Frau Pauline Lucca im Opernhause sind dieselben erhöhten Preise angesetzt worden wie solche gelegentlich früherer Gastspiele berühmter Künstlerinnen erhoben worden sind. Bestellungen von Plätzen für dieses Gastspiel werden täglich entgegengenommen.
Allgemeiner Anzeiger.
Für die hiesige Entbindungs- und Hebammenlehranstalt sollen ca. 400 Ctr. Speisekartoffeln im Wege ; der öffentlichen Submission angetauft werden.
Schriftliche Offerten nebst Proben sind bis zum 25. October c. an die . unterzeichnete Direclion einzusenden. Die Directum der Entbindungs- und
Hebammen-Lehr-Anstalt.
Alefeld. 8269
Dienstag, den 30. Moder,
Nachmittags 2 Uhr,
soll auf dem hiesigen Ortsgericht die den Georg Stühler Eheleuten in Gießen gehörige Hofraithe:
Flur 34 Nr. 592,1 — 510 Meter zwischen dem Wäldchen und dem Schießhaus
öffentlich meistbietend versteigert werden- Gießen, den 17. September 1888.
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7433 Dogi, Ortsgerichtsmann.
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7974 Liebigstraße.
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Im Auftrag:
F. Hoffmann.
Nähere Auskunft ertheilt Herr Louis Rothenberger.
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Die Zusammenkunft ist am Hatten- rüder Vicinalweg an der Nieder-Bes- singer Grenzschneise.
Lich, den 13. October 1888.
Großh. Bürgermeisterei Lich.
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Näheres Neuenweg 58.


