Ausgabe 
16.10.1888 Erstes Blatt
 
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rmd in feine Kleider gesteckt, ohne Jemanden zu fragen, außer ihrem Vater, dessen 3u. stimmung sie ertrotzt. Reichenmüller kehrt indeß von seiner Reise zurück und trifft Knoche, dessen Tochter ihm ausnehme,id gefällt. In dem Glauben, seinen Geschäftsfreund vor sich -u haben, bespricht er mit dem Steinklopfer das Heiratheprojekt. Knoche, die Verwechslung nicht ahnend, versteht, der alte, reiche Fabrikant wolle sein Schwiegersohn werden und nimmt dessen Vorschläge erfreut an. Elise hat sich inzwischen mit Willy verständigt und imü gt, ihres Vaters Keden aus ihn beziehend, natürlich gleichfalls ein. Im Hause ver- breitete sich mittlerweile die Kunde, der alte Fabrikant habe ein Verhältnis mit El'se und jüoUe diese hetrathen. ©eine Gattin Ulrike hört es ebenfalls und deutet nun die Worte ihres Sohnes m diesem Sinn. Bitter gekränkt richtet sie sich zur Abreise aus Nimmer­wiedersehen. Jetzt vernimmt auch Reichenmüller das Gerücht und, um allem Gerede den Boden zu entziehen we.st er Blaamer, den er für den Stemklopfer hält, mit sammt ferner Tochter die Thure. Ihren Gipfelpunkt erreicht d.e Handlung, als Knoche erfährt, Relchenmuller der alte Sünder", sei schon verheirathet. Da löst sich das Mißverständniß! Er erfahrt daß Willy, der sich ihm gegenüber für einen Commis auSgegeben, fein Schwiegersohn werden soll und ist einverstanden. Reichenmüller glaubt aber noch immer, dre geplante Verbindung mit dem Hause Blaamer sei geglückt; da stellt sich heraus, daß Willys Schwiegervater der Stemklopfer fei. Erst ist er jetzt in Verlegenheit, was thun Doch alo er sieht, daß Fräulein Blaamer sich mit dem Commis Bucher begnügt, seqnek'auch er gern den Bund seines Sohnes mit der Tochter des Stemklopsers.

Die Aufführung war wie bei der guten Besetzung der Zivilen nicht anders zu erwarten eine durchweg gelungene. Der würdige Fabrikherr fand in Herrn Taußiq einen ehr tüchtigen Vertreter. Ihm zur Seite stand Frl. Frey als Ulrike. Eine bessere §.^llung der liebenden Mutter, der sich tief gekränkt fühlenden Gattin, konnte man sich schlechthin nicht wünschen. Der Sohn eines so gut dargestellten Paares war natürlich mindestens ebensogut dargestellt und zwar von Herrn Förster. Der Kaufmann Blaamer wurde von Herrn Hildebrandt vollständig im Geiste der Rolle durchgeführt; entspricht diese auch nicht völlig dem Typus eines Holländers, so ist sie doch urkomisch. Frau Reiners roie gewöhnlich reizend. Der Wechsel von Regen und Sonnenschein in ihrem Spiel ist entzückend und das Plappermäulchen, das, einmal in Gang gekommen, nicht stille stehen will, nicht minder. Auch Frl. Müller wurde ihrer schon etwas ernster gearteten -rite m vollem Umfange gerecht. Von Herrn Reiners (Knoche) läßt sich eigentlich gar Nichts sagen. Wie sollte man dieses Spiel einem beschreiben, der nicht selbst gesehen hat? Wenn schon jedes Wort, das er sprach, jede Geste, die er machte, stürmische Heiterkeit hervorrief, so entfeffeiten die Couplets, die er einlegte, einen nicht enden wollenden Jubel Wir glauben im Interesse des Publikums zu sprechen, wenn wir Herrn Reiners bitten, uns bald noch einmal als Steinklopfer Knoche zu erfreuen. Auch die Darsteller der Neben­rollen trugen wesentlich zur Erhöhung der Heiterkeit und zum Erfolg des Ganzen bei Vornehmlich Herr Hentschel, der Weiberfeind Balthasar, sowie Frl. v. Fels als Sophie Hr. Göhler (Bucher) entledigte sich seiner undankbaren Rolle er hatte eigentlich nichts zu thun, als Lisbeth zutragen" recht gut und spielte mit einer schönen Wärme. Dem Souffleur zollen wir unseren Dank für sein freundliches Entgegenkommen indem er wenigstens etwas mehr im Stillen wirkte. Solch voller Säle, wie diesmal, wollen wir Herrn Reiners noch recht viele wünschen I Th Mn

Gießen, 15. October. In der heutigen Synode des Decanats Gießen wurde langjährigen Herrn Dekan Dr. Strack zu Lang-Göns, welcher aus Rücksicht auf sein hohes Atter eine Wiederwahl abtthnte, Herr Pfarrer Wahl zu Wteseck mit 28 gegen 14 Stimmen, welche auf Herrn Psr. Dr. Naumann dahier tjelcn, gewählt. Zwei Stimmzettel wurden weiß abgegeben. Zum Stellvertreter des Dekans wurde Herr Pfarrer Schlosser mit 26 Stimmen gewählt.

Vermischtes.

Frankfurt, 14.October. Die Dia manten der Fürstin Gortschakofs werden am nächsten Mittwoch die hiesige Strafkammer beschäftigen. Es ist bekannt ©ortfcMoff im November 1886 die Wahrnehmung machte, daß ihr für 200 000 JL Diamanten und Schmuckfachen gestohlen waren, es dürste ferner bekannt sein, daß die Kammerfrau der Fürstin, Frau Anniser, des Diebstahls verdächtig, ent- ro,ur?e/ Dem Sohne der beschuldigten und entlassenen Kammerfrau, einem jungen Jxed)i5gelebrfen in Heidelberg, der an seiner Mutter Unschuld nie gezweifelt, ist es - rote teifils zu Anfang die«es Jahres durch die Tagespresse gemeldet wurde in er,ter Linie zu verdanken, daß jetzt einem Menschen der Proceß gemacht wird der wenn er auch die Diamanten nichl selbst gestohlen, doch jedenfalls von dem Diebstahl wußte. Dem Sohne ist es natürlich weniger um die Bestrafung des Mannes zu thun 5er/ ro.ie utcht )U leugnen itt, in Beziehungen zu seiner verwittweten Mutter gestanden Äh rulH d- Unschuld der letzteren darzuthun. Die Anklage gegen jenen Mann, Jiflcfert aus Karlsruhe, lautet nur auf Hehlerei, obwohl schwerwiegende That- sachen ^atur sprechen, daß er selbst der Dieb gewesen ist. Die Geschichte des Juwelen- dtedttahks ist schon letzt zum großen Theit bekannt; einige hiesige Blätter thellen fit wrciren kurzen Zugen mit, wobei aber jedenfalls zahlreiche interessante Neben- mnstande vergessen find. Was man bis jetzt über den Vorgang weiß. läßt sich in folgende Zetten zulammenziehen: Die Fülsttn Goitschakoff weilte im Jahre 1885 in Karlsruhe. Ihre Kammerfrau, Frau Anna Anniser. lernte hier jenen Otto Rückert kennen und knüpfte mit diesem ein Verhälttnß an. Rückert ließ sich durch Frau Anniser der Fürstin, durch deren Empfehlung er eine Stelle zu erlangen hoffte, vor stellen. Die Fürstin versprach, sich für ihn in Paris zu oerwenoen. Bald hernach reiste die Fürstin nach der französischen Hauptstadt ab. Rückert folgte ihr bald nach und versuchte wiederholt durch der Fürstin Vermittelung Unterkommen zu finden, allein vergebens. Im Juli 1886 trat Fürstin Gortschakofs eine Reise nach Sornato an; ihre Rammen trau Hefe fu in JarU jurüef, dagegen nahm sie deren Tochter mit. Während der Fürstin Abwesenheit ging Rückert im Hotel der Fürstin aus und ein und erlangte duich lein Verhaltniß zur Kammerfrau nicht nur Ortskenntniß, sondern auch Kunde von den Gewohnheiten der Fürstin. Letztere hatte einen Theil ihrer Schmuckgegen-

Hmrdek und Verkehr.

Kartoffeln Ä^Sfi^Ä W-Älta 1W

Die Quellen Warmbrunnen und Wiesenbrunnen, aus welchen der Stoss lu if? e *13 IL!^tcr ^"ll^enden Sodener Mineral-Pastillen gewonnen wird haben ärztlicher Erforschung zusotge durch ihren höheren Kochsalzgehalt den Vorzug, daß sw Erzielung der wohllhatigsten Wirkung aus katarrhalische Zustände wen ger leid t erhitzen und also Mtlder wirken als die eoncurrir.nden Quellen und Brunnenpräparote der berühmtesten Curorte. Dr Cretzschmar schreibt bei der Beurthe.lung der Soden r Heilquellen speciell des Wa.mbrunnens: Der vollkommenste Erfolg kann nicht mehr in Zweifel gezogen wo,den. seitdem an hartnäckigen u-beln Leidende die voltständiae G-n-sung durch fie gesunden haben. Und Sodener Mineral Pastillen erhält ich in allen Apotheken Droguerien und Mrneralwasser-Handlungen. »85 /per Schachtel finb das unverfälschte Product dieser Quellen. Bedarf es noch weiterer Anpreisung? 8057

®cbiffe»a4irtc^ten.

^7°n'r.^»Ocl°ber. lPer transatlantischen Telegraph.s Der Schnelldampfer Ems, Eapt. Tb. Jungst, vom Norddeutschen Llopd In Bremen, welcher am 2. October von Bremen und am 3. Ockober von Southampton abaeaana7n fit gestern 11 Uhr Vormittags wohlbehalten in R.wyork angekommen " 0 '

»amme.fiar. m/°enraM ^Ti?'R?ckk'vr .und^ieselben der Obhut der Tochter ihrer in her Famili- unerwartet der Fürstin ei folgte infolge eines Todesfalles

hl Paris zm.ächfi tu ber ^ü hnSUi^s Juwelenkarten wurde I.ach Wiedereintreffen Schlafzimmer so lange au-b wab?t^ b l h6ernld,t iebodin 5ru AnniserS

nahm und in hm die FmNm den Kasten wieder in Empfang

Fürstin, den Aufbewahruna^ort bpf-°hi' Schlüssel zum Kassenschrank versteckte die Anniser unb P TxT a?!cr Besitzerin selbst, nur Frau

Sch.üsM sfickkauf'dk^" «ÄÄ der

Dieb auafinbia ni marfipn aller Bemühungen nicht gelungen, den

soll es zu danken s- n^ dak Nn^r7 schhi.vfl.ch entlassenen Kamme,frau

(s7ntrnfhrt? fr»rt u&cr ctl1 9°^ au'gehalten hat, gab sich als Oberingenieur am M S'FäSmSää UftXn^fpV ?C^fen ®05?en' audL®°acn fcinc Hausleute bemerkt haben daß er ein lor0^nm dutete. Rückert leugnet jede Schuld. Auf die ftürftin (StorP b?r «r roetblid) unb bezeichnet sie als eine leichtlebige Perlon Den Besitz

der Brillanten erklärt er folgendermaßen: Ein Engländer Allfree der in hitfmln w7rth^n0Cn9rUL^U?{n ^standen, habe von letzterer angeblich Juwelen von hohem Den schinnb "Gewährung erhalten. Allfree habe dieselben ihm, als er (Rückert) nach Deutschland reifte, anvertraut und ihn gebeten, dieselben hi einpr fc. o«??

S I^er hp3Ul^b* ; ^e^r^/enfileiftung habe Allfree ibm 10 000 Frcs verspräche " den L-chatz mdeß abgeliefert habe, sei er statt mit Baargelb mit Schmucklacken bejablt worden und von diesen Schmuckiachen habe er verschenkt resp. verkauft. Allfree n?riAf.rnUn ^"I^u^lich die Schmuckfachen nickt zur Aufbewahrung erhalten sondern gestohlen und ihm einen Tbeil derselben als Bezahlung gegeben, um den Verdacht auf ^n äu lenfen Rückert soll eine gute Schulbildung genossen haben unb um eine Vnt

nicht verlegen sein. Es sprechen aber, wie verlautet, so viele Ding7ge7en ihn Ä AIS - »-»

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