Ar. 212 Erstes Blatt. Dienstag den 16. Oktober ' 1888.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Vureaur Schulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn«
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50
Aeutschland.
Darmstadt, 13. October. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Landgerichtsrath Scriba aus Gießen.
Darmstadt, 13. October. Seine König!. Hoheit der Großherzog haben Aller- gnädigst geruhl:
Ank 10. October dem Landgericbtsratb Wilhelm von Grolman zu Darmstadt das Ritterkreuz erster Classe des Verdienstordens Philipps des Großmülhigen zu verleihen;
am 13 Oetobcr den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Alsfeld Hugo Ta sch 6 2um Amtsrichter bei dem Amtsgericht Offenbach zu ernennen.
Berlin 13. October. Dem Professor Herrig, Mitglied der Ober Militär- Examinations-Eommission und Lehrer an der Haupt - Kadettenanstalt zu Lichtenfelde, wurde beute anläßlich seines 50. Lehrer-Dienstjubiläums durch den Direktor der Kriegsakademie der Kronenorden zweiter Klasse überreicht. Im Laufe des Tages brachten viele Deputationen ihre Glückwünsche dar und zahlreiche Glückwunsch - Telegramme und -Briefe trafen bei dem Jubilar ein. Am 20. October findet zu Ehren des Professors Herrig ein Festmahl statt.
— Nachdem das Erscheinen der Uebersetzung der amtlichen Protokolle der deutschen Aerzte durch Dr. Mackenzie in England mit ollen Mitteln bis heute verhindert worden ist, hat die Berliner Verlagsbuchhandlung der deutschen Broschüre in letzter Stunde die englische Uebersetzung doch so weit gefördert, daß dieselbe heute in Berlin ausgegeben werden kann.
StoTten.
Rom, 14. October. Dem heutigen Frühstück im deutschen Botschaftshotel wohnten auch Ministerpräsident Crispt, der Krtegsminister, der Marlneminister, der Unterrichtsminister, der Bürgermeister von Ronr und die obersten Hofchargen bei. Nach dem Frühstück trat Se. Majestät der Kaiser auf den Balkon hinaus, wobei die zahlreich vor dem Hotel versammelten Deutschen und Italiener ihn mit begeisterten Zurufen begrüßten. Hieraus empfing Se. Majestät die Deputation der deutschen Kolonie, welche die Adresse der letzteren überreichte, sprach seinen Dank aus, lobte die künstlerische Ausführung der Adresse und unterhielt sich mit den Mitgliedern der Deputation eingehend über die Kunst in Nom. Als Se. Majestät die Botschaft verließ, saß neben ihm im Wagen der deutsche Botschafter Graf Solms, in dem zweiten Wagen fuhr Se. König!. Hoheit Prinz Heinrich. Beide wurden von der Menge mit großem Enthu- stasmus begrüßt. Sympathische Zurufe wurden auch dem Staatsminister Graf Bismarck und dem Ministerpräsidenten Crispt zu Thetl.
Rom, 12 October. Der König Humbert har Sr. Majestät dem Kaiser Wilhelm das Großkreuz des Miltlarordens von Savoyen, des höchsten italienischen militärischen Ordens, verliehen. Se. Majestät der Kaiser hat den Kronprinzen von Italien als Lieutenant ä la auite des 1. Hessischen Husaren-Regiments Nr. 13 gestellt, dessen Chef König Humbert ist. Der König hat dem deutschen Botschafter Grafen Solms Las Großkreuz des St. Mauritius- und Lazarusordens, den General - Lieutenants v. Hahnke und v. Wittich, sowie dem Wirklichen Geheimerath und Cabtnetsrath Dr. v. Lucanus das Großkreuz des Ordens der italienischen Krone verlieben und den Botschastsrath v. d. Goltz zum Großofficier des Ordens der italienischen Krone ernannt.
— Die bei dem italienischen Hofe beglaubigten Botschafter und Gesandten werden, zvie verlautet, von Sr. Majestät dem Kaiser morgen nach Beendigung der Truppenparade in der deutschen Botschaft empfangen werden.
Rom, 13. Octob^r. Bei der gestrigen Galatafel, zu welcher 120 Einladungen ergangen waren, nahmen Kaiser Wilhelm und König Humbert die Plätze in der Mitte der Tafel ein. Zur Rechten des Kaisers saß die Königin, neben dieser Prinz Heinrich, links vom König saß die Herzogin von Aosta, neben dieser der Kronprinz. Dem Kaiser und dem König gegenüber saß der Herzog von Aosta, zur Rechten desselben die Herzogin-Wittwe von Genua und der Herzog von Genua, an der linken Sette des Herzogs von Aosta saß die Herzogin Isabella von Genua, neben dieser Staats- mtnister Graf Herbett Bismarck. Nach der Tafel fand Cercle statt, die bis gegen 101/» Uhr dauerte.
— Etwa eine Stunde vor Beginn der Galatafel hatte Kaiser Wilhelm den Ministerpräsidenten Crispt zu sich berufen lassen und demselben eine längere Audienz ertheilt. Am Schluffe der Audienz verlieh Se. Majestät dem Ministerpräsidenten unter huldvollen Worten den Schwarzen Adlerorden.
Rom, 13. October. Die Toaste bei der gestrigen Galatafel wurden enthusiastisch ausgenommen, namentlich wurde die Betonung des Bündnisses beider Völker und die Nothwendtgkeit zur Erhaltung des Friedens in der Rede Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm freudigst begrüßt.
— Bei der gestrigen Vorstellung des Kaiserlichen Gefolges im Vatikan richtete Ler Papst an dasselbe sehr freundliche Worte (in französischer Sprache) und gab wiederholt seine Freude darüber kund, Deutsche hier begrüßen zu können, wo so viel Angehörige der deutschen Nation, namentlich Gelehrte und Künstler, sehr verdienstvoll gewirkt haben.
Rom, 13. October. Seit dem frühen Morgen ist eine gewaltige Menschenmenge nach Centocelle hinausgeströmt, um der Parade vor dem Kaiser Wilhelm beizuwohnen. Um 9V< Uhr fuhren die Königin und die Herzoginnen von Aosta und von Genua, auf dem Wege vom Publikum lebhaft begrüßt, nach dem Paradefelde. Um 9V2 Uhr folgten in einem Zweispänner, mit begeistertem Jubel der Bevölkerung begleitet, Ihre Majestäten Kaiser Wilhelm und König Humbert. Kaiser Wilhesm trug Garde-du-Corps- Uniform mit der Kette des Anunziaten-Ordens und dem großen Bande des Militär- Ordens von Savoyen, König Humbert Gcneralsuniform mit dem Schwarzen Adlerorden. Se. K. Hoheit Prinz Heinrich, der Kronprinz von Neapel, die Herzoge von Aosta und von Genua, Staatsminister Graf Bismarck und das kaiserliche und königliche Gefolge begaben sich ebenfalls zu Wagen nach Centocello. Kaiser Wilhelm und König Humbert werden dort zu Pferde steigen.
Rom, 13. October. Se. Majestät Kaiser Wilhelm hat gestern während des Besuches beim Papste dem Letzteren eine Tabatidre aus Gold, mit Edelsteinen besetzt und mit dem Bilde des Kaisers auf dem Deckel, überreicht. Desgleichen hat Seine Majestät dem Mgr. Mocenni eine retchgeschmückte Tabatiöre geschenkt.
Rom, 12. October. Nach dem heutigen Frühstück in der deutschen Gesandtschaft » schenkte Se. Majestät der Kaiser dem Cardinal Rampolio ein kostbares mit Edelsteinen t besetztes Pectorale. j
Rom, 13. October. Die heutige Truppenrevue ist glänzend verlaufen. Ihre ; Majestäten der Kaiser Wilhelm und der König Humbert, welche um IO1/» Uhr auf dem J Paradefelde eintrafen, ritten, von einer glänzenden Suite gefolgt, zunächst die Front '
der in Parade aufgestellten Truppen ab. Hierauf gegen 11 Uhr formirten sich die Truppen zum Voibkimarsche. Zuerst erfolgte der Vorbeimarsch der Infanterie, alsdann derjenige der Fußartillerie, der Alpentruppen, der Bersaglieri, welche im Laufschritt defilirten, und endlich derjenige der Cavallerie und der reitenden Artillerie. Die Parade war um 121/2 Uhr beendet. Se. Majestät der Kaiser sprach dem König seine Anerkennung über die Haltung und Leistungen der Truppen, sowie allerhöchstseinen Dank aus. Bei der Abfahrt von dem Paradefelde erwiesen sämmtliche Truppen, die in der Parade gestanden und inzwischen auf's Neue Aufstellung genommen hatten, den allerhöchsten Herrschaften nochmals die Honneurs. Die Königin, sowie sämmtliche Prinzessinnen hatten dem glänzenden Schauspiele in einem eigens dazu errichteten Pavillon beigewohnt. Die unabsehbare Menschenmenge, welche die Umgebung des Paradefeldes und die nach der Stadt führenden Straßen füllte, begrüßte die allerhöchsten Herrschaften bei der Hin-, wie bei der Rückfahrt mit begeisterten Kundgebungen.
Telegraphische pepeschen.
Wolfs'S telegr. Eorrespondenz«Bureau.
Wien, 14. Ociober. In einer Unterhaltung mit einem Redacteur der „Presse" sprach sich der König von Serbien mißbilligend über den Führer der Fortschrittspartei, Garaschanin, aus wegen dessen incorrecten Vorgehens in dem Ehescheidungsproceß und wegen anderer scharf zu verurtheilender Handlungen desselben. Garaschanin habe genau gewußt, daß die Königin von jeher jede gegen Oesterreich-Ungarn gerichtete politische Strömung unterstützt hätte. Eine radicale Entscheidung in diesem Proceß sei nothwendig, weil es sich dabei nicht nur um eine persönliche Angelegenheit des Königs, sondern um eine politische Frage handele. Die Beziehungen Oesterreich-Ungarns zu Serbien seien durch die thatsächlichen Verhältnisse gegeben. Es sei eine unberechtigte Vermuthung, daß Oesterreich- Ungarn die Annexion Serbiens anstrebe; kein politisch maßgebender Factor in Oesterreich- Ungarn habe eine derartige Absicht. Der König sprach sich mit der größten Wärme über den Kaiser Franz Josef aus, der als Freund Serbiens die Bewunderung und Verehrung des Königs und seiner Untertanen in vollstem Maß verdiene.
Rom, 14. October. Nach der „Riforma" wurden heute in Ventimiglia 6 Kilo kleine Zettel beschlagnahmt, welche einen ähnlichen Inhalt hatten, wie die am Donnerstag in Rom bei der Ankunft des Kaisers geworfenen. Dieselben stammen aus Marseille und sollten nach Neapel geschickt werden, um am Tag der Ankunft des Kaisers daselbst vertheilt zu werden.
Rom, 14. October. Der Kaiser, der König und die Königin, sämmtliche Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses mit ihren Gefolgen, der Staatsminister Graf Bismarck, der Ministerpräsident Crispi, der Botschafter Graf Solms und andere bekannte Persönlichkeiten begaben sich Abends um IOV2 Uhr nach dem Capitol, wo sie von dem Bürgermeister und den städtischen Behörden empfangen wurden. Die Herrschaften besichtigten das Museum und begaben sich alsdann nach dem großen Saal. Bei dem Betreten des letzteren spielte die Musik die deutsche Nationalhymne. Es folgte hierauf die feierliche Jnaugurirung der anläßlich des Besuches des Kaisers entworfenen Gedenkinschrift. Hierauf begann das Concert. Nach Beendigung desselben besichtigten die Herrschaften den sogen. Conservatoren-Palast und verweilten dann kurze Zeit am Büffet. Gegen Mitternacht erfolgte die Rückfahrt. Dem Empfang, welcher auf das Glänzendste verlief, wohnten etwa 3000 Personen, darunter zahlreiche Damen, bei. Das Capitol war mit electrischem Licht auf das prächtigste erleuchtet.
Rom, 14. October. Gestern Abend wurde in den Kasernen ein Tagesbefehl des Kriegsministers bekannt gegeben, in welchem derselbe mittheilt, daß der Kaiser Wilhelm und der König sich höchst befriedigt über die Haltung der Truppen bei der heutigen Revue ausgesprochen. — Die „Riforma" sagt, selbst die empfindlichsten und argwöhnischsten Ge- müther würden an den gestern Abend zwischen den beiden Herrschern gewechselten Toasten nichts auszusetzen finden. Nichtsdestoweniger seien diese Toaste höchst bezeichnend; der des Königs Humbert werde Diejenigen beruhigen, welche von der italienisch-deutschen Allianz aggressive Neigungen befürchten, derjenige des Kaisers Wilhelm zeige allen Gegnern, daß Nichts im Stande sei, das Bündniß beider Länder zu zerreißen. Beide Toaste ergänzten sich gegenseitig. — Die „Gazetta Offiziale" meldet im amtlichen Theil: Der Kaiser und König Wilhelm II. hat gestern in officieller Form Se. Heiligkeit den Papst im Vatican besucht und königliche Truppen waren von der preußischen Gesandtschaft bis zum Vatican in Spalier aufgestellt, um dem Kaiser auf seinem Weg die militärischen Ehren zu erweisen. — Der „Osservatore Romano" betrachtet den Besuch des Kaisers Wilhelm im Vatican als einen Act von höchster Wichtigkeit. Derselbe habe sich unter Umständen vollzogen, die seinen Werth verdreifachen. Die Stellung der italienischen Regierung werde weder eine befestigtere, noch stärkere, und die römische Frage bleibe völlig intact; so lange diese nicht gelöst sei, bleibe die Sicherheit wie die Existenz des italienischen Staates immerhin im Ungewissen. — Der Erbprinz und die Erbprinzessin von Meiningen begaben sich heute Abend nach Neapel. Der Prinz Alexander von Preußen und die Großfürstin Katharina von Rußland werden morgen erwartet.
Rom, 14. October. Kaiser Wilhelm und Prinz Heinrich nebst Gefolge begaben sich um 111/4 Uhr nach der deutschen Botschaft, um daselbst dem Gottesdienst beizuwohnen. Hierauf findet ein Dejeuner statt, an welchem auch der preußische Gesandte bei dem Vatican, v. Schlözer, Theil nimmt. Nach dem Dejeuner wird eine Deputation der deutschen Colonie, bestehend aus dem deutschen Consul v. Nast, dem Präsidenten des deutschen Künstlervereins, Gerhardt, dem Secretär desselben Vereins und dem Maler Tubenthal, dem Kaiser eine Adresse überreichen.
Rom, 14. October. Kaiser Wilhelm und Prinz Heinrich fuhren heute Nachmittag um 2 Uhr bei der Rückkehr aus der deutschen Botschaft nach dem Pantheon, legten daselbst auf den Sarg Victor Emmanuels Kränze nieder und begaben sich sodann nach dem Quiri- nal zurück. Auf dem ganzen Wege wurden sie von der alle Straßen füllenden Bevölkerung mit begeisterten Kundgebungen begrüßt.
Rom, 14. October. Als Se. Majestät zu dem Gottesdienst die Botschaftskapelle betrat, reichte Allerhöchstderselbc dem Geistlichen, Lic. Rönnecke die Hand und nahm mit Sr. K. Hoheit dem Prinzen Heinrich und dem Botschafter Graf Solms vor dem Altar Platz. Seiner Predigt hatte der Geistliche Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln" zu Grunde gelegt.
Bei der Ankunst vor dem Pantheon nahm Se. Majestät der Kaiser den für den Sarg. Victor Emanuels bestimmten Lorbeerkranz Allerhöchst selbst vom Wagen und trug ihn in die Kirche; bei der Niederlegung desselben am Sarge waren die vor dem Grabe aufgestellten Gardeveteranen behilflich. Der Lorbeerkranz war mit goldenen Früchten und breitem Bande in den deutschen Farben geziert Se. Majestät der Kaiser und Prinz Heinrich zeichneten sich sodann in die aufliegende Besuchsliste und zwar auf ein besonders für sie hergerichtetem Blatte ein. Auf einem anderen Blatte trugen Graf Bismarck und die anderen Persönlichkeiten der Begleitung, unter denen, sich auch der italienische Botschafter Graf de Lauuay befand, ihre Namen ein. Se. Majestät schrieb: „Wilhelm H, Deutscher Kaiser, König von Preußen." Hieran schloß,


