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Mr. 113

Mittwoch den 16 Mai

1888.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Schulstraß- 7, '_____________Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. KÄMÄÄft

Amtticher § it.

Betreffend: Remunerirung des Feldschutzpersonals in dem Rechnungsjahr 1887/88. Gießen, 12, Mai 1888.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglicherr Bürgermeistereien der Landgemeinde« des Kreises.

Zur Belohnung besonders pflichtgetreuer Feldpolizeibediensteter ist uns wieder ein entsprechender Betrag zur Verfügung gestellt worden. Wir geben Ihnen daher auf, uns diejenigen Bediensteten Ihrer Gemeinde, welche auf den Feldschutz verpflichtet und einer Belohnung würdig und bedürftig sind bis zum 10 Juni l I. zu bezeichnen. Werden Bedienstete in Vorschlag gebracht, welche schon in vorhergehenden Jahren Remunerationen erhalten haben so genügt die Bezugnahme aus die früheren Berichte, falls eine Veränderung in den Verhältniffen nicht eingetreten ist. Wenn solche Bedienstete zum erstenmal vorgeschlagen werden, so müssen aus den Berichten die persönlichen und dienstlichen Verhältnisse genau hervorgehen.

Vorschläge, welche nach dem oben bestimmten Termine einlaufen, bleiben in diesem Jahre unberücksichtigt.

Dr. Boekmann.

Nr. 23 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 12 d. M, enthält:

be irke 30°^ ,$^önntmadjung, betreffend die Gestattung des Umlaufs der Scheidemünzen der österreichischen Währung innerhalb sächsischer Grenz- (Nr. 1802.) Bekanntmachung, betreffend die Einrichtung und den Betrieb der zur Anfertigung von Cigarren bestimmten Anlagen. Vom 9. Mai 1888 Gießen, am 14. Mai 1888. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

Auszug aus der von Großherzogttchev Ober-Rechnungskammer abgeschloffenen Rechnung der Kreiskaffe des Kreises Gießen für 1883/86.

Rubrik-Nr. Einnahme. jl H

1. Beiträge der Gemeinden und Gemarkungen . . . 92150

3. Gebühren..... . . . 1357 50

4. Strafen......... 4381 41

6. Kapitalzinsen........ 1692 48

8. Proceßkosten........211 27

9. Zurückempfangene Beihülfe von Reservisten . . . 249 81

10. Ersatzposten........ 99. 45

11. Zuschuß aus anderen Kaffen..... 54663 33

12. Aus Gras und anderen Naturalien . . . . 3 10

19. Ausstände aus vorhergehenden Jahren .... 604

20. Kassevorrath aus vorhergehenden Jahren . . . 17286 47

Abschluß.

Gesammtsumme der Einnahme ....

Gesammtsumme der Ausgabe ....

Verglichen, bleibt Rest und dieser besteht: H

a. in baarem Vorrath . . . 6890 51

b. in liquidirten Ausständen . . 626 75

Zusammen wie oben . 7517 26

Davon gehören an:

I. Der Kreiskaffe: jl a. baar 6849 05

b. in Ausständen 626 75 7475 80

II. Dem Fond zur Gewährung von Bechülfen an Reservisten:

a. baar Jt 41,46

b. in Ausständen-- 41 4g

7517 26

Gießen, am 20. December 1886.

Der Rechner der Kreiskaffe.

Grüneberg, Rendant.

Revidirt, ohne daß sich für vorstehenden Abschluß ergeben hat.

Darmstadt, am 2. Mai 1888.

Großherzogliche Ober-Rechnungskammer.

Heß.

Summe der Einnahme . 172698 82

Ausgabe.

22. Besoldungen.........12650

23. Diäten und Gebühren ....... 9252 61

24. Botenlohn und Verkündigungskosten . . . . 116 70

25. Für Bureaubedürfniffe und Geräthschasten . . . 1069 64

26. Kreisunterstützungen.......8116 58

28. Erbauung und Unterhaltung von Kreisstraßen . . 94329 59

29. Für den Lesezirkel der Lehrer-Conserenzen . . . 126 14

31. Zuschuß in andere Kassen......39111 46

32. Beihülfe an Reservisten . 208 35

34. Remunerationen........ 200

35. Uneinbringliche Posten und Nachlässe .... 49

Summe der Ausgabe . 165181 56

In Gemäßheit des Art. 43 der Kreisordnung wird der vorstehende Auszug zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Gießen, am 12. Mai 1888.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses des Kreises Gießen.

Dr. Boekmann.

172698 82

165181 56

7517 26

eine Aenderung

Grimm.

Politische Ueberfieht.

Gießen, 15. Mai.

Das Befinden des Kaisers hat sich in den letzten Tagen consequent gebessert, indem die Krankhettserscheinungen insgesammt an Intensität nachgelassen haben. Das Fieber ist fast gänzlich verschwunden, der Puls ruhiger und gleichmäßiger geworden, die Kräfte haben sich mehr und mehr gehoben und in Folge dessen macht sich auch eine Zunahme des Appetits bemerklich. Der Kaiser, durch nächtlichen Husten weniger belästigt, kann sich wieder leichter, ohne jede Unterstützung, im Zimmer bewegen. Der Monarch ist sonst bei vorzüglicher Stimmung und nimmt reichlich Nahrung zu sich. Die neu eingesetzte Canüle gewährt ihm große Erleichterung.

Von nationalltberaler Seite ist ein eigenartiges journalistisches Unternehmen beschlossen worden, welches lediglich der Förderung der socialpolttischen Fragen gewidmet sein soll, nämlich die Gründung einer »Deutschen Arbeiter-Zeitung." Dieselbe wird vom 1. Juli d. I. ab in Berlin erscheinen und steht sie unter der Aegtde des bekannten Socialpolitikers und nationalliberalen Reichstagsabgeordneten für Bernburg- Ballenstedt, W. Oechelhäuser, mährend außerdem noch eine ganze Reihe anderer her­vorragender Mitglieder der nationalltberalen Partei für das Zustandekommen des Unternehmens thätig gewesen sind. Ob das neue Blatt indessen wirklich zu dem an­gekündigten Zeitpunkte erscheinen kann, hängt noch wesentlich von der Unterstützung nb, welches das Project in weiteren Kreisen der Arbeitgeber und aller Arbeiterfreunde | finden wird, denn bet dem Abonnementspreise von nur 45 $ pro Quartal bedarf die | Deutsche Arbeiter-Zeltung" selbst bei nur einmaligem Erscheinen wöchentlich einer |

Auflage von mindestens 20,000 Exemplaren, wenn ihre Existenzfähigkeit gesichert werden soll. Das Blatt will alle Fragen des socialpolitischen Gebietes in volkstümlicher unparteiischer Weise besprechen und sich hierbei namentlich bemühen, nach Kräften zu einer Besserung des Verhältnisses zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern beitragen, dabet aber im Allgemeinen den Standpunkt der heutigen socialpolttischen Gesetzgebung wahren. Neben dieser seiner speciellen Aufgabe wird das Blatt aber auch die übrigen Gebiete menschlichen Wissens und insbesondere die schwebenden Zeitfragen keineswegs vernachlässigen, hierbei jedoch confessioneüe und spectstsch politische Gesichtspunkte ent­schieden ausschließen.

Im Wahlkreise Altena i. W. Iserlohn findet an diesem Pfingstsamstag die Stichwahl zum Reichstage zwischen dem natwnalliberalen Candidaten Herbes und dem freisinnigen Candidaten Langerhans statt. Ersterer ist seinem Mitbewerber um das Mandat nur um wenige hundert Stimmen voraus und da die Centrumswähler von ihrer Parteileitung strikten Befehl erhalten haben, für Langerhans einzutreten und das clericale Hilfscorps etwa 3000 Stimmen ausmacht, so stehen die Chancen für den freisinnigen Candidaten allerdings sehr günstig, selbst wenn sich die Socialdemokraten der Wahlbethelligung enthalten sollten.

In Wiencriselt" es jetzt fortwährend bedenklich! Kaum hat das Ministerium Taaffe die Klippe des Etats des Unterrichtsministeriums im Abgeordnetenhause glück­lich umschifft, was nur dadurch möglich war, daß Graf Taaffe der renitenten Rechten mit dem Rücktritte des Gesammtcabinets drohte, so sieht sich jetzt das Schifflein des österreichischen Ministerpräsidenten vor einer neue» parlamentarischen Klippe. Es wird dieselbe durch die Spiritussteuer repräsentirt, über welche nunmehr im österreichischen Abgeordnetenhause die Entscheidung vor sich gehen soll und macht der Polenclud.