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Nr. 189 Mittwoch den 15. August 1888.

Meßmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

. ~ , in, r. n _ ., . . .. kop Preis vierteljährlick 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Vureaur S ch u l st r a ß e 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf,

Amtlicher Hheik.

Betreffend: Den Ankauf von Rindvieh Simmenthaler Race in der Schweiz.

Bekanntmachung.

Der Ausschuß des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhessen hat beschlossen, durch eine von demselben ernannte Commission, zu der die Herren Pachter Karl Hahn zu Wenings, Gutsbesitzer Keudel zu Liederbach, Rentmeister Hofsmann zu Stockhausen und Bürgermeister Reitz zu ©öM, letzterer als Vorsitzender, ernannt worden sind, in aller Kürze eine größere Anzahl von Rindvieh Simmenthaler Race in der Schweiz ankausen zu laffen.

Zur Bestreitung der Transportkosten des Viehes, dann zu derjenigen der Reisekosten der Commission sind für den Fall, daß der Ankauf zu Stande kommt, 1600 aus den zur Hebung der Viehzucht im Staatsbudget vorgesehenen Mitteln erbeten worden. Das von der Vereinscommiffion angekaufte Vieh soll nach Eintreffen zu Friedberg unter den Bestellern zur Versteigerung gebracht werden.

Der Unterzeichnete fordert nunmehr die Landwirthe Oberhessens, die sich an diesem Bezug von Vieh betheiligen wollen, hiermit auf, ungesäumt dem Unterzeichneten mittheilen zu'wollen, was sie an Rindvieh Simmenthaler Race auf die angegebene Weise mitbeziehen wollen, unter Angabe des Geschlechtes und des ungefähren Alters des Viehes. v ,

Die Besteller des Viehes haben demnächst auf Anforderung alsbald an den Rechner des landwirthschaftlichen Vereins von Oberheffen vor Abgang der Commission für einen Bullen je 600 .X und für ein Rind 700 in Reichskaffenscheinen ä 100 JL einzuzahlen. Rach erfolgter Versteigerung soll dann die Abrechnung auf den Steigpreis erfolgen. Die Anmeldungen müssen bis längstens zum 24. d. M. erfolgt sein.

Friedelhausen, am 9. August 1888. Der Präsident des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhessen.

Adalbert Freiherr Nordeck zur Rabenau.

der Geist des Fortschrittes. Die neue Linie ward durch hen Orientexpreßzug eröffnet, welcher, von Wien kommend, am Sonntag früh mit den geladenen Gästen in Belgrad eintraf. Hier fand die officielle Begrüßung durch den Minister Mtjatovic statt, auch in Risch und Pirot erfolgte großer Empfang und in Zaribrod, der bulgarischen Grenzstation, wurde der Eröffnungszug durch den bulgarischen Minister Ratcheoitsch begrüßt. Heber die Ankunft des Zuges in Soffa war aber bis Montag Abend selt­samer Weise noch keine Depesche eingegangen und ebensowenig natürlich auch über die Weiterfahrt nach Eonftantinopel, woselbst der Orient-Expreßzug am Dienstag früh Eintreffen sollte; vermuthlich ist die Weiterreise von Zaribrod aus nur unter größeren , lnterbrechungen erfolgt.

AniverfilLLs-KhromL.

gnünburfl ist an Stelle von Scanzoni nunmehr nachdeml Pro­fessor Kitsch in Breslau un£ Kaltenbach in Halle abgelehnt - Professor Hofmeier auä @ie8en berufen worben, welcher dem Stuf auch folgen wirb.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Correspondenz. Bureau.

Berlin, 13 August. Dem Vernehmen nach ist Graf Moltke auf Ansuchen mittelst eines äußerst hulboollen allerhöchsten Handschreibens von ben Funktionen eines Ehess bes Generalstabs ber Armee entbunben unb zum Präses der Landesvertheidigungs- Commifston ernannt worben. Gras Walbersee würbe zum Ches bes Generalstabs ber Armee ernannt. ,

Durch gestrige Cabinetsordre ist der kommandirende General Obernitz unter Belassung seines Verhältnisses als Generaladjutant zur Disposition gestellt. General Ileutenant Schichting wurde zu seinem Nachfolger ernannt.

DttiSburg, 13. August. Nachdem gestern anläßlich der -weiten^General­versammlung des evangelischen Bundes in der überfüllten Kirche ein Gottesdienst ab- aebalten worden sowie die von etwa 4000 Personen besuchte Versammlung statt- gefunden hatte, erfolgte Vormittags die Eröffnung der Berathungen durch den Vor- sitienden des Vorstandes, Grafen v. Wintzingerode. Nach Verlesung der Adresse an den Kaiser hielt der Vorsitzende eine ergreifende Ansprache, welche mit einem von der Versammlung begeistert aufgenommenen Hoch auf den hohen Schirmherrn der evan­gelischen Kirche schloß. Etwa 2000 Mitglieder sind erschienen.

München, 13. August. Cardinal Hergenröther, der sich von dem jüngst erlittenen leichten Schlaganfall fast vollständig erholt hat, ist heute nach Innsbruck abgereis August. Bei der gestrigen Untersuchung fand Hostath Maier

den Rustand der Augen der Großherzogin im Allgemeinen befriedigend, wenngleich er noch immer größte Schonung und Ruhe anempfiehlt. Mit ärztlicher ZuMmmung über­siedelte das Großherzogliche Paar heute Nachmittag 4 Uhr von Baden-Baden zu längerem Aufenthalt nach Schloß Mainau.

Daris, 13. August. Bei der gestrigen Ankunft Boulanger s in St. Jean d'Anaelei) gab es einen Auflauf, bei welchem der Antiboulangift Perrin, Profeftor des LrHnpn mehrere Revo verschlisse abaab. Perrin wurde sofort ergriffen, feuerte

Sw ST 'mSJ nach kurzem Verhör wieder freigelassen.

Die Gensbarmerie stellt- bie Ruhe wieber her. Zahlreiche Personen würben oer- hastet, aber bis auf fünfzehn wieder freigelassen. Boulanger reifte Abends nach $an* 13 Auaust Nach einer Reuter-Meldung aus Pietermaritzburg vom

13 bS.^Ä Gouverneur von Natal ber Regierung von Transvaal mit, er * . u 9fnaT4pfi>rnnfl e^äuvtlinas Dinizulu von Undabuko, welchen er des

sts sm» se s gortsch für unbegründet.

Politische Rundschau

Gießen, 14. August.

In Frankfurt a. O. findet an diesem Donnerstag die Enthüllung des Prinz- Friedrich-Karl-Denkmals in Gegenwart des* Kaisers statt. Die Feier wird vorwiegend einen militärischen Character tragen und werden u. A. an derselben der commanbirenbe General bes 3. Armeecorps, bie Deputationen ber auswärts stehenden Stäbe unb Truppentheile bes 3. Armeecorps, bie sämmtlichen Sanitäts-, Reserve- unb Lanbwehr-Officiere, sowie bie Militärbeamten ber Frankfurter Garnison theilnehmen. Die Enthüllung bes bem berühmten prinzlichen Heerführer errichteten Denkmals finbet än einem Tage statt, welcher zu den größten Ehrentagen ber preußisch-beutschen Armee zählt, benn am 16. August 1870 war es, baß die zweite Armee unter bem Obercornmando bes Prinzen Friebrich Karl von Preußen bie französische Rheinarmee unter Marschall Bazaine bei Dionville (Mars-la-Tours) in^heisem, blutigem Ringen festhielt und so deren Einschließung in Metz entscheidend vorbereitete.

Wie außerordentlich ernst und streng Kaiser Wilhelm seine militärischen Pflichten nimmt, bewies wieder einmal die am Samstag unter persönlicher Leitung des Monarchen stattgefundene größere Hebung der Potsdamer Garnison. Schon früh um 5 Uhr war der Kaiser zu Pferde und aUarmirte selbst, nur von einem Adjutanten begleitet, die einzelnen Truppentheile in ihren Kasernen. Die sich an ben Allarm an- schließenben Manöver der Potsdamer Garnison bewegten sich in der Richtung gegen Spandau und dauerten bis gegen Abend, stets unter dem persönlichen Commando des ^at|eT^n bem Wahlkreise Ansbach-Schwabach, dessen seitheriger nationattiberaler Vertreter gestorben ist, macht sich eine Ersatzwahl zum Reichstage nothwendig. Der Wahlkreis befand sich bis 1887 in ben Hänben ber Volkspartei, der er als­dann durch die Nationalliberalen entrissen wurde, aber erst nach hartem Kampfe. Die Volkspartet hat nunmehr ben früheren Abgeorbneten bes Wahlkreises, Kröbcr, als ihren Candibaten ausgestellt, dem bie Freisinnigen als Candibaten ben Landtags- abgeorbneten Leidig gegenübergestellt haben unb wollen für benfelben dem Vernehmen nach auch die Nattonalliberalen stimmen.

In Rheinland-Wesisalen ist in Hinblick auf dieAffaire Thummel eine Agitation zur Aufhebung der gesetzlichen Beschränkungen der Eonsessionen (S K> des Strafgesetzbuches) in's Werk gesetzt worden. Regierungsseitig scheint aber keine sonderliche Neigung vorhanden zu sein, denn dieNordd. Allg. Ztg." wendet sich gegen die erwähnte Agitation in einem offenbar osficiösen Artikel, in welchem erklärt wird daß eine Abänderung der betreffenden Strafbestimmungen einfach eine Untergrabung des bürgerlichen Friedens bedeuten würde.

Ein angebliches chtffrirtes Telegramm des Fürsten Bismarck soll in Wien verloren gegangen sein. DasNeue Wiener Tageblatt" weiß hierüber zu berichten, daß das am 4. Juli in Friedrtchsruh aufgegebene Telegramm an den damals in Wien weilenden serbischen Minister Vitacovics gerichtet gewesen, aber nicht in die Hande des Adressaten gelangt sei; angestellte Recherchen hätten nur ergeben, daß der betreffende Telearaphenbote behaupte, das Telegramm verloren zu haben. Der Umstand, daß erst jetzt der Verlust der angeblich schon am 4. Jisti aufgegebenen Bismarck'schen Depesche bekannt wird, erhöht die Wahrscheinlichkeit der ganzen Sache gerade nicht'.

Im sranzöfischen Nord-Departement findet am nächsten Sonntag die Er­satzwahl für Boulanger statt, welcher bekanntlich sein Deputirtenrnandat für das Nord- Departement niedergelegt hat. Dem Vernehmen nach will Boulanger trotz feiner erft vor Kurzem erfolgten Mandatsniederlegung im Nord-Departement wiederum cand.dlren, woraus «ar -.hellt, daß der unzufriedene Ex-General dtefe abermalige Ersatzwahl nur a[§ Mittel zum Zweck, d. h. zum Agitiren gegen bie Regierung benutzt.

Der Pariser Arbeitersirike geht infolge der ablehnenden Haltung der Unter­nehmer der Erdarbeiten gegenüber den Vorschlägen des Schiedsgerichts einsiwellm weiter. Nicht mit Unrecht befürchtet man daher neue Exce se der Str kenden, da die­selben durch die Weigerung der Arbeitgeber, über die Lohnfrage noch ferner zu unter- handeln, sich in sehr gereizter Stimmung befinden sollen.

Am Sonntag hat die Eröffnung der wichtigsten Strecke derOrientbahnen, der Linie Belgrad-Lofia-Constantinopei. stattgefunden, womit also die türkische Hauptstadt in Anschluß an das westeuropäische Eisenbahnnetz gebracht worder.ist. Auch die Eröffnung dieser wichtigen internationalen Eifenbahnroute ist, gleich denenigen der Stricke Belgrad-Saloniki, nicht ohne vorausgegangene gegenteilige Jntriguen und Eifersüchteleien der zunächst beteiligten Staaten erfolgt, aber auch hier siegte schließlich