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15/01/1888 Zweites Blatt
 
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Virreau r Schnlstraße 7.

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Erscheint täglich mit Ausnahme des MotttagS.

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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hßeik.

Bekanntmachung.

Oesterreichischerr

Bekanntmachung.

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Local - Reglement,

- die Anlage von Sammelplätzen und Lagerräumen für Ihierifche Abfälle betreffend.

c ra . . .T . her Städteordnuna wird nach Anhörung der Stadtverordnetenversammlung mit Genehmigung Grobherzoglichen Ministeriums des Jnner?nn?L Nr. Ä b. I- 28246 für den Bezirk der Stadt Gießen verordnet, was folgt:

unb Laaerräume für Knochen, Klauen, Haare, frische Häute und sonstige Abfälle, wozu auch die Raume für das Trocknen der frische« Häute gehören, muffen mindestens 300 Meter von bewohnten Theilen der Statt angelegt werden.

Uebertretungen werden mit Geldstrafe bis zu 30 Mark, an deren Stelle im Unvermögensfalle entsprechende Hast tritt, bestraft.

§ 3.

Di? Polireiverordnuna tritt mit dem Tage deren Verkündigung in Straft.

Gi-i-n »M7 s»«» 1888. *

Aeutschland.

2lu« den» Großherzvgthum Hessen, 11. Januar. S3el . SBe- xatbuna des neuen Staatsbudgets wird auch die in den letzten Jahren vielfach besprochene Frage bet Reorganisation der Centralstelle für die ^andwirthschas und die landwirthschastlichen Vereine ihre Erledigung finden. Nach den Crlau terunaen «um StaalSbudget glaubt die Regierung unter Aushebung icner Cen tralstelle eins obere landwirthschafiliche Behörde errichten zu sollen, welcher utter Oberleitung de« Ministeriums d-r Innern und der Justiz die Verwaltung der landwirthschastlichen Angelegenheit übertragen wird. Diese Behörde soll. au« einem Mitglieds der Ministerium« aU Vorsitzenden, einem landwirthscyaftlich technischen und einem culturtechntschen Referenten bestehen, denen in den geeig

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Ausgabe, die Lanewirthschaft und Landescaltur zu sücdern, infoweit der Staat hierzu berufen ist, insbesondere werde sie die Functionen einer Lander-Com miiston in Feldbereinigungssachen der fachlichen Centralbehörde nach dem Wasiergesetze und dem Gesetze über die Landercultur-Genossenschaften übernehmen, alle Mcliorationrpläne prüfen und deren Ausführung überwachen, das Staat«- c$.,tereff3 bei landwirthschastlichen Vereinen und Genossenschaften wahren, das landsirthschaslliche Unterricht«- und Prämiirungrwesm leiten. Rach Errichtung Meier Behörde kommen die Stellen des Generalsecretärr der bandwirthschait- lichen Vereine und de« Landescultur-Jnspector«, al« solche inWegfall, bezw. gehen in erst-re über. Die Landescultur-Jngenieure werden ^der^Bchürde U 'lCr söetlin, 10. Januar. Nachdem die französischen Blätter vom Schlage des Jntranstgeant", derAgence Libre" u. s. w. wochenlang die Anklage wiederholt hatten, daß preußische Geheimpolizisten in der Schweiz den Mord- anschlag gegen den Kaiser von Rußland angezelteU hätten, den sie nachher den Nihilisten in die Schuhe geschoben, bringt heute derJntransigeant folgender Telegramm au« Genf:Der Untersuchungsrichter in Zürich hat dem Vorsteher der Bundespolizei die Acten mitgctheilt. Die Untersuchung beseitigt die &etau«. forberung zu einem Verbrechen, stellt jedoch fest, daß Haupt und L-chröder besoldete ©enblmge der deutschen Polizei find. Die »Spione Eben bah.r nicht vor Gericht gestellt, jedoch ausgewiesen werden. Wo bleiben nun die scheußlichen Verleumdungen, welche die französischen Blätter de« °^"annten Kaliber« unablässig gegen die preußische Polizei und sogar unmittetoar gegen den deutschen Reichskanzler geschleudert haben? mUhpr

Berlin, 11. Januar. Am nächsten Dienstag tritt der Reichstag wieder zusammen. Die Plenarsitzungen in der ersten Zeit dürsten vorzugswetie der »weiten Etalsberathung gewidmet fein. Daneben wird man über auch bal Berathung des Socialistengesetze» und de« Anträge« auf Verlängerung Legislatur-Perioden erwarten dürfen. Von den Commissionen wird dieMige zu Berathung der sog. Landwehr-Vorlage die Aufmerksamkeit vorzugsweise aus fich

ziehen. Es stehen sonach schon für die nächste Zeit wichtige Verhandlungen und wahrscheinlich auch Entscheidungen bevor.

England.

London, 10. Januar. Nichts einfacher und bescheidener, als die gestrige Ueberführung der sterblichen Ueberreste des tobten sranMschen Cäsar» und feiner Sohnes von Chislehurst nach Farnborough. Um 10 Uhr Morgen» rückten berittene Artilleristen von Woolwich mit zwei Lafetten an, auf welchen die Särge, bedeckt mit der Tricolore und Veilchenkränzen, nach der Bahn ge- schafft wurden. Monsignore Goddars hielt einen kurzen Trauergottesdienst ab; die Kaiserin Eugenie war durch Herrn Pietri und den jungen Herzog von Baffano vertreten: Polizisten aus Blackheath bildeten Spalier. Nach Ankunft der Son- Verzugs in Farnborough um 1 Uhr bildete sich ein Trauerzug nach dem neu­gebauten Mausoleum, wo zwei Marmor - Sarkophage die Särge au nehmen. Des Kaisers Sarg auf der Rechten trägt die Inschrift: »^k>olöon NI. R. I. P und der kaiserlichen Prinzen Sarg auf der Linken die Worte. Napoleon Prince Imperial, n6 ä Paris, 16. Mars 1856, mort en soldat 1 Itrotroliozy Afrique Australe, 1. Juin 1879. R. I. P- Unter Öen ßeü)* tragenden befanden sich der Herzog von «affano, der Prinz Lucian Bonaparte, die Generäle Wood und DrmyLowe, Major Bigge, Stallmeister der Kömgin, unb verschiedene Osficiere der englischen Artillerie aus Woolwich, zu deren Regi­ment der Prinz gehörte. Wie ersichtlich, war das ganze eine einfache Familien- feier, weit entfernt von jeder politischen Kundgebung im Interesse de« vorläufig absterbenden Bonapartismu«. Die musterhafte Haltung der Kaiserin Eugenie fand darin eine neue Bekräftigung. DerStandard , welcher heute der Sarg­übertragung einen warmen Leitartikel widmet, erinnert an den Wohlstand m Frankreich unter der Regierung des Manne« von Sedan und vergleicht damit die zerfahrenen Zustände der dritten Republik, die unter ihren Errungenschaften vorläufig nichts al« ihr eigene« Dasein auszuweisen habe. Er ist eine wahr­haftige Odyssee, die der britische Abgesandte Gerald Portal i" ^byssinien durch- gemacht hat. Er ist soeben in Kairo angelangt und erzählt ferne Erlebnisse wie folgt: Nach langen Kreuz- und Quersahrten langte er in Begleitung be« Major» Beech, eine« abysstnischen Dolmetscher« und seines englischen un^ abysfi« Nischen Trosse« in Armara im Hauptquartier de» Ra« Alula an unb warb sofort gefangen genommen.Ihr seid Spione, Helfershelfer der Italiener und wollt nur Zeit gewinnen; also bleibt ihr hier." ^ehn Tage lang blieben sie in einer Zariba (einer leichten Verschanzung au« Erdwerk unb ®e^üpp) e n- geschlossen bewacht von Soldaten, bi« am 19. November em Befehl d » Nezu» anlangte, welcher die Abgesandten vor sich beschied. Ra« Alula haltezu ge­horchen, schrieb aber Portal einen andern Reiseweg über Berge, Flüsse und Ebenen vor, reizte die Dörfer gegen ihn aus, damit er und seine Begleiter den König verfehlten. Endlich am 4. December erreichten sie da» Lager des Königs in Wolfiia und wurden zur Audienz zugelassen, wobei der König aber fein