Rr. 298
Freitag den 14. Decemder
^lMts- und Anzcigeblatt für den
1SLL
Kreis Gießen.
jvrrreaur Schulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
reiS vier^ljährltch 2 Mark 20 Pf. mit Brinaerlohn.
>urch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 M
Das Großherzogliche Steuer-CmmnWriäsMeßels
au die Großherzoglichen Bürgermeistereien deS Landbejirk».
Wahrung der Besitzwechsel aus dem Jahre 1888 ersuchen wir Sie um baldige Einsendung der Ortseremvlare der BrandkataNer fnim-if WAo w etwa doch noch bis Jahresschluß mit Declarationen hierher gelangen oder dermalen sich hier befinden P «ranbratafi«, soweit solche
1888 Wahres abgebrannte oder niedergelegte und bis jetzt nicht wieder aufgebaute Gebäude, müßten, falls solche für
noch Berücksichtigung finden sollen, vor Ende des Jahres anher vorgelegt werden. ™
x)te Brandkataster ersuchen wir Sie mit Gelegenheit hier abholen zu lassen.
Gl eß en, am 12. December 1888 Puffert
D„ @1.6«, d-, 11. 1888
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
u,.b »«.».»,-«1-.»,,» d.« u-d bl, ln B,.„b.„w,„.,fc
-- —-—_____________von Gagern.
®U6el«‘ln* b«6 l« Wl«"l »er P-pi°n>-,«b-ldin,»B,mI-,m-ll!«HG d-» g.m 3,«„tat ** 3“ “ 1889 »"**« I" ®"“<« Ä*R»lÄ
(Siefeett, am 8. December 1888. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
-----------von Gagern.
Politische Rundschau.
Gießen, 13. December.
Gegenüber den in deutschen wie ausländischen Blättern wiederholt aufgetauchten Angaben, wonach bei der jüngsten Unpäßlichkeit Kaiser Wilhelm- sich auch das alte Ohrenleiden des Monarchen bemerklich gemacht habe, versichert die „Nat.-Ztg.", gestützt auf Mittheilungen von berufener Sette, daß diese Gerüchte völlig unbegründet seien. Das Unwohlsein des Kaisers sei eine einfache Grippe gewesen, die lediglich Husten und Schnupfen hervorgerufen habe, während von einer Wiederholung oder gar Steigerung des einstigen Ohrenletdens keine Rede sein könne. Kaiser Wilhelm habe feit zwei Jahren, seitdem die Mittelohrentzündung geheilt sei, überhaupt keinerlei Beschwerden an dem angegriffen gewesenen Organe mehr gehabt. Gegenwärtig ist der hohe Herr von seiner Erkältung jedenfalls wieder vollständig hergestellt und beabsichtigt er, an einer der nächsten Hofjagden theilzunehmen..
Nachdem die Alter-- nnd JnvaliditütS-Bersicherrrrrg-vorlage im Reichstage am Montag an eine besondere Commission verwiesen worden ist, wird diese hochwichtige Materie dem Plenum für längere Zeit entrückt bleiben. Ja, es werden bereits Stimmen laut, welche es als unwahrscheinlich bezeichiten, daß die Alters- und Invalidenversicherung in der gegenwärtigen Session das Plenum des Reichstages überhaupt nochmals beschäftigen werde, da die vorMssichtliche vollständige Umarbeitung des Entwurfes die Commission monatelang bescyaftigen werde. Nach Lage der Ler- hältnisse ist diese Voraussage nicht gerade von der Hand zu weisen, um so mehr muß gewünscht werden, daß die Commission nach Beendigung ihrer mühevollen Thätigkeit zu einem positiven Ergebnisse gelangt, welches dann hoffentlich dem Reichstage gleich zu Beginn der nächsten Session unterbreitet werden kann.
In der Dienstagssitzung der Budgetcommission des Reichstages kam es gelegentlich der Mehrforderung für einen Vicekonsul in Sansibar zu einer ausgedehnten Erörterung der colonialpolitischen Angelegenheiten mit besonderer Berücksichtigung der ostafrtkantschen Frage. Staatssecretär Graf Herbert Bismarck machte hierbei Itamens der Reichsregierung Mttthetlungen, über welche die Commission Amtsverschwiegenheit beschloß, trotzdem verlautet bereits, daß in Folge dieser Erklärungen des Graffn Bismarck die deutsch-ostafrikanische Gesellschaft auf keinerlei Retchshilfe zu rechnen habe. Eine Vorlage über die ostafrtkantschen Angelegenheiten soll dem Reichstage erst nach Neujahr zugehen. Dagegen ist an diesem Freitag im Reichstage die Debatte über das Weißbuch hinsichtlich der ostafrtkantschen Vorgänge und in Verbindung hiermit die Dtscussion über den Centrumsantrag in Sachen der Sclaoereifrage zu erwarten und sieht man da sehr interessanten Erörterungen über den Stand der gesammten deutschen Eolonisationsbestrebungen entgegen.
Im (Kanton Zürich hat das Ergebntß der am vorigen Sonntag vollzogenen Volksabstimmung über das neue Schulgesetz große Erregung hervorgerufen. Das Gesetz wollte namentlich die Zahl der Schuljahre von sechs auf acht erhöhen, dagegen d'ie Unentgeltlichkeit der Lehrmittel einführen und hatte es sich seitens der Presse unbedingter Billigkeit zu erfahren, ebensowenig war von den politischen Parteien des Cantons Widerspruch gegen das ganz im Geiste der Aufklärung gehaltene Gesetz erhoben worden. Um so überraschender wirkt daher dessen Ablehnung bei der Volksabstimmung, obwohl die Mehrheit nur 433 Stimmen betrug, während die Unentgeltlichkeit der Lehrmittel sogar mit einer Mehrheit von über 11,000 Stimmen abgelehnt wurde und es ist daher begreiflich, daß dieses unerwartete Absttmmungsresultat das politische Tagesgespräch im Eanton Zürich bildet.
Der französische „Bürger-Kriegsminister", Herr de Freycinet, kann sich eines । großen parlamentarischen Erfolges erfreuen. In einer einzigen Sitzung, am Dienstag, I nahm die Deputirtenkammer das außerordentliche Kriegsbudget für 1889, 138 Millionen •
j Francs betragend, mit 345 gegen 9 Stimmen unverkürzt an. Nur erklärte der monarchistische Abgeordnete Lamarzelle, die Rechte stimme nicht aus Vertrauen zum j Ministerium Floquet, sondern lediglich im Interesse der Landesverthetdigung für die : außerordentlichen Credite, aber diese Erklärung ändert nichts an der bedeutsamen That- sache, daß Herrn Freycinet und somit dem französischen Gesammtcabinet das außerordentliche Militärbudget fast einstimmig und ohne sonderlichen Widerspruch bewilligt worden ist.
Der in Spanien eingetretene theilweise Cabinetswechsel hat sich ohne die in diesem Lande bet Mtnisterwechfeln sonst üblichen politischen Erschütterungen vollzogen was für die zunehmende Festigung der Verhältnisse im „Lande der Kastanien" sprich/ Auch das neue spanische Ministerium steht unter der Präsidentschaft Sagasta's und hat Sagasta erklärt, daß das neue Cabinet entschlossen sei, die Militär- und die Wadl- reform durchzuführen.
Während fo die politische Krisis jenseits der Pyrenäen überraschend schnell, vorübergegangen ist, steht Italien vor einer tnnerpoltttschen Krisis, zu deren Beseitigung es des ganzen energischen Characters des römischen Cabtnetschefs Crispt bedürfen wird. Wie bekannt, sind von der Finanzcommission der italienischen Deputirten- kammer die regierungsseitig vorgeschlagenen Steuererhöhungen, deren Erträgnisse zu militärischen Zwecken verwendet werden sollen, abgelehnt worden. Die Kammer selbst macht Miene, sich auf den Standpunkt ihrer Commission zu stellen und Herr Crtspi wird daher sein- ganze Rednergabe und seinen ganzen persönlichen Einflutz ausbleten müssen, um Italien vor der aus der Finanzfrage drohenden Krisis zu bewahren.
Zu den Kämpfen zwischen den Deutschen und den aufständischen Arabern in Bagamoyo liegen jetzt auch von englischer Seite Berichte vor, welche die vollständige Nieoerlage der Insurgenten bestätigen. Dieselben wurden von den Deutschen, die durch ihre Marinetruppen kräftigste Unterstützung fanden, schließlich aus Bagamoyo hinausgeworfen und in das Innere zurückgetrieben, wobei sie ihre sämmtlichen Geschütze an die Deutschen verloren. Hoffentlich werden nun die ostafrikanischen Rebellen bald merken, daß die Deutschen nicht mit sich spaßen lassen! — Zur Blokade an der Sansibarküste wird jetzt gemeldet, daß auch ein türkisches Kriegsschiff an der Blokirung theilgenommen hat. Außerdem besagt eine fernere Depesche aus Sansibar, daß der Commandant des dort anwesenden italienischen Kriegsschiffes „Dogali" am 5. December eine Blokade-Erklärung im Auftrage seiner Regierung und im Namen des Sultans von Sansibar erließ. Seitdem hat die „Dogali" an der Ausübung der Blokade bereits actio Antheil genommen.
Aeulschlaad.
Darmstadt, 11. December. Nach leidlich verbrachter Nacht haben Seine Großh. Hoheit der Prinz Alexander den Tag zumeist schlummernd zugebracht. Die Herz- lhättgkeit ist nicht besser geworden. Puls matt.
Dr. Küchler. Dr. Weil.
Darmstadt, 12. December. Der Finanzausschuß der zweiten Kammer hält am Donnerstag den 20. December, Vormittags 9Vz und Nachmittags 3‘/2 Uhr, zwei gemeinschaftliche Sitzungen mit den Vertretern der Großh. Staatsregierung ab. Gegenstände der Berathung sind: 1) Anstellung eines zweiten Directors an der Straffammer zu Darmstadt; 2) Festsetzung der Mtethpreise der die Dienstaussicht führenden Amtsrichter; 3) Anstellung eines zweiten Fabrikinspectors; 4) Bewilligung von 1800 für einen weiteren Assistenten an der chirurgischen Klinik in Gießen; 5) Uebernahme des Gymnasiums zu Laubach zu Lasten der Staatskasse; 6) Abtretung der sogen. Deewiese an die Stadt Friedberg; 7) Uebertragung der für eine Finanzperiode zur laufenden Unterhaltung bewilligten Credite auf die folgende Finanzperiode; 8) der Bau von. Nebenbahnen im Großherzogthum.


