Nr. 241 Erstes Blatt. Sonntag den 14. October im
Giekener Anwwr
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Amtlicher Tßeik.
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Gießen, am 13. October 1888. Großherzogliche, Poltzeiamt Gießen.
._________________________ Fresenius.
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™ t j i l v ., ^7- «uiajeiiai aus oas Herzlichste für die warmen
t ?^orte, welche Sie an mich gerichtet haben. Die Berufung auf die von unfern fRStern Kaisers, wo^uf'diese^Ä das^de? Kaiser ! Bundesgenossenschaft findet in mir ein lebhaftes - ™
benutzte gehörte ehemals dem Kaiser Karl V Die Straßen welche der Kaiser auf 1 fptt ^ Führung ihrer großen Herrscher beide mit dem der Rabrt nnrh hpm ™-------- _77ilV-oeF.w£ver-aui i kett erkämpft. Die Gletckar akeit iinfprpr ßMrfitrfifp k„
der Fahrt nach dem Vatikan passirte waren auf das Reichste geschmückt, die Eingänge zum Vatikan auf das prachtvollste decorirt. An der Engelsbrücke b fand sicZ ekn Transparent mtt folgender Inschrift: „Heil Wilhelm H., dem deutschen Kaiser in Rom tt»^4«^^n Lauptstadt des Königreichs Italien, dem erhabenen Gaste des Königs Hubert. Die Tausende, die sich hinter dem Spalier bildenden Militär in für^ters pachten ununterbrochen Hochrufe auf Kaiser Wilhelm und König K?.?? ff aus. — Bei dem Empfang tm Vatikan richtete der Papst an jeden Einzelnen buldoolle Worte; die Verabschiedung desselben vom Kaiser trug einen gleich herzlichen §b"ra^er wie beim Empfang. Es war 3 Uhr 40 Minuten, als der Kaiser, Prinz Sfp? »bciZ Vatikan verließen. Bei der Rückfahrt in den Quirinal
spielten die Musikcorps der Spalier bildenden Truppen wie bet der Herfahrt die WMrmischenZurufen.^ Menschenmassen begrüßten den Kaiser ununterbrochen „rtr K ^ptiobtT. Gegen 1 Uhr fuhr das Gefolge des Kaisers in Privatwagen Dor bem preußischen Gesandtschaftspalais vor. Von hier aus erfolgte die Aufiabrt -um Vatikan. Der Kaiser saß in einem eigenen von Berlin gesendeten Hofwagen.
^biteren Wagen folgten die General- und Flügeladjutanten, Staatsmintster Bismarck conbr?^i öesammte höhere Gefolge. Der Kaiser begab sich zuerst rum Besuche des n fben Bsinz Heinrich, welcher später eintraf, wird erst später vom
Papste empfangen. Die Rückfahrt erfolgte in der nämlichen Weise wie die Herfahrt Gctta?afel ?m^Quttinal."^ Gesandtschaftspalais. Heute Abend um 7 Uhr ist große
Rom, 12 October. Bei dem heutigen Galadiner brachte König Humbert fol- Freude und lebhafter Dankbarkeit begrüße ich hier in A^ner Residenz, hier in der Hauptstadt Italiens den Kaiser und König Wilhelm II. mit mp^p^lÜ aC§ Oberhauptes einer großen Ration und einer ruhmreichen Dynastie, mit welcher ich aus alter Freundschaft verbunden bin, in der Hauptstadt Italiens ist arnb b^..Allianz, welche von uns für den Frieden Europas und für die Unserer Volker^beschlossen wurde. Ich trinke auf das Wohl Sr. K. und fiöntoin'i.nh T auf das Wohl Ihrer Majestät der Kaiserin und
Konigm und auf das deutsche Heer, den Schutz und Ruhm Deutschlands". — Kaiser Wilhelm antwortete: „Ich danke Ew. Majestät auf das Herzlichste für die warmen
j Eeit erkämpft Die Gleichartigkeit unserer Ge?chichte bedingt, daß^unsere^ Vötte^sttts werden zur Aufrechterhaltung dieser Einheit, welche die sicherste Garantie für den Frieden bietet. Unsere Beziehungen haben den lebendigsten Ausdruck gefunden in der erhebenden Begrüßung, die Ew. Majestät Hauptstadt mir hat zu Theil Edm assen Ich trinke auf bas Wohl Ihrer Majestäten des Königs und'der Kö- ?n üan"nif4ee Sprache.^" " "alienische Heer". Den letzten Satz fprach der Kaiser
October. Staatsminister Graf Bismarck stattete Crispi einen ein- siundtgen Äezuch ab.
121 October. Bei dem zu Ehren des Kaisers von Schlözer gegebenen Frühstück s?ßcn zur Rechten des Kaisers Cardinal-Staatssecreiär Rampolla, zur Linken S“1 Hobcnlohe, gegenüber Prinz Heinrich, dem Letzteren zur Rechten der päpst" §fecrc4a^.2,!omnnt’ ä„ur £in'en der päpstliche Secretär Agliardi Graf ?ed, en; O-r letztere trank auf die Gesundheit des
ft Graf Bismarck und anderen Herren des kaiserl. Gefolges, welche der Kaiser ft.,?°pste vorstellte. Nach dem Empfange stattete der Kaiser dem Cardinalstaats- ?EJU*. 1besichtigte unter dessen Geleit den Vatikan und die der "reußifchen^Ges^ndtschast "bfuhr. ” ’ " ^°8'"' *" rotl*Cm ber ftai|er
1 x' Stober. Ministerpräsident Crispi richtete gestern an den Fürsten Bismarck folgendes Telegramm! „Inmitten des Enthusiasmus, mtt welchem rbr er- «"und unseres Königs, das Haupt der unserem Lande ver- ihn ^imnthtr°mCn der Hauptstadt Italiens empfangen worden und welcher
s!. we"den sich meine Gedanken bewegt an Eure Durchlaucht. Ich wünsche daß das Echo des Jubels, von dem Rom widerhallt, bis zu Ihnen gelange, um Ihnen pImh?enhn*fCrh''CAr ^^^^uische Volk Deutschland liebt und die Freundschaft dieses aAf' Elches durch die Rathschläge Euer Durchlaucht zu solchem Ruhm Hmbp«°hMhP^rD6c Mö?e unser Bündniß stets ein so herzliches und in;
mf!6en ium beider Volker und zum Besten des Friedens tu Europa".— erwiderte: „Ich danke Ew. Excellenz aus vollem Herzen, daß Sie im f%riApLtfe,9Tna°h ^lC ser Begegnung unserer Souveräne beiwohnten, welche dem hphPHt^s Ausdruck der herzlichen Freundschaft beider großen Rationen gleichbedeutend ist, an mich gedacht haben. Das Bewußtsein, gemeinsam an der Befestigung der gegenseitigen Freundschaft unserer Souveräne, sowie unserer Lander gearbertet zu haben, und unser fester Wille, diese Freundschaft aufrecht zu er- und immer intimer zu gestalten, bilden meinem Herzen die theuere Verbindung ber glanzenden Feste, welche Rom feiert, mit dem einsamen Walde, den ® i?>r ^er Monaten mtt mir zu durchwandern die Freundlichkeit hatten."
m ex ^'dO^ber. Unter den dem Kaiser-gestern im Quirinal vorgestellten Persönlichkeiten befanden sich die Ritter des AnnunziatencQrdens, die Präsidenten des Senats und der Kammer, und die Dttnister, ausgenommen der Ministerpräsident, der 9er unb bcr ^nrineminister, welche dem Kaiser bereits am Bahnhof vorgestellt wmden waren. Der Kaiser drückte allen die Hand und richtete huldvolle Worte bnprhn*°/ftcILUn? soll der Kaiser des letzten Besuches desselben in Fnedrichsruh gedacht und einige Worte über das befriedigende Ergebniß des Besuches empUfanfle8 fetarbanü6d fef“6011 ber ßaifer- b“6 cr DOn dem überaus herzlichen
12. October. Nach einer Meldung aus Tiflis vom 11. ds. wohnte b^'Uilte mtt dem persischen Gesandten einer Truppenparade bei. Hernach besuchten der Kaiser und die Kaiserin verschiedene Lehranstalten und wohnten der ftattnunb ne n89?nnCha ^°d-bminstituts bei. Abends fand bei ihnen ein Galadtner statt und ein Ball des grusinischen Adels.
nn?™'fa2;^ctor?cr\ her Feuersbrunst in der Petroleumrafsinerie der
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mit Steinen auf die Polizisten geworfen wurde. Letztere machten von ihren Stöcken Gebrauch, wobei 100 Personen leicht verwundet wurden. Der Polizeichef befahl die Ansammlungen in den Straßen energisch zu zerstreuen. Der Bürgermeister ermahnte b^Einwohner, sich jeder Zusammenrottung auf den Straßen und Plätzen zu
... Tarnet' 13. October. Ihre Großh. Hoheit Prinzessin Alix ist heute Vor- Mittag aus Balmoral in Schottland zurückgekehrt.
Lokales.
„ ,ri Gießen, 13. October. Der Unterricht in der hiesigen Fortbildungsschule beginnt nächsten Montag den 15. d. M, Abends 7 Uhr. Zum Besuche der Schule sind alle Knaben verpflichtet, welche wahrend der letzten drei Jahre aus der Volksschule entlassen worden sind und sich hier aufhalten.
Gießen, 13. October. Einen entschiedenen Lacherfolg errang gestern Abend das Kneisel's tollem Schwank „Papageno". Die Handlung des Stuckes, die übrigens in dm Hauptmotiven eine unleugbare Aehnlichkeit mit Raimund's c? S 011Menschenfeind' hat, ist zu verwickelt, als daß man sie in eine knappe Erzählung zusammendrangen könnte. F
Die Aufführung war eine äußerst gelungene. Herr Reiners (Bollwitz) war ein Haustyrann, „wie er im Buche steht", sein Spiel war besonders in den letzten Auf- zugen vorzüglich. Frl. Fey (Karoline) lernten wir jetzt sehr vortheilhaft auch von einer anderen Seite kennen, als seither. Sie bewies glänzend, daß sie nicht blos „böse Sieben naturwahr zu spielen versteht. Frl. Müller war als Wanda rührend in ihrem
{ h . — Die Fahrt des Kaisers in den Vatikan erfolgte um 1 Uhr 15 Min in vierspännigem, von Berlin eingetroffenen Hofwagen, Spitzreiter vorausi Reben dem Kaiser
Schlözer. Prinz Heinrich fuhr in 'einem''GefandkfchEswu°en^
Miethwagen, in den nach dem Vatikan führenden Straßen bis zum Peters- SnnLUnb wnc -bem ium Vatikan führenden Eingänge bildeten italienische Truppen I^ .es. Auf oem ganzen Wege bis zum Petersplatze wurde der Kaiser mit^^lebhaftem Enthusiasmus begrüßt. Um 1 Uhr 35 Min. traf der Kaiser im Vati^n n Im 1 bearüfct »n C ’S? » der Kaiser von einem Zuge Palastgarde mit der päpstlichen Fahne i PrftPn6Tr Om R uospolt und vom Mgr. Stnistri empfangen und bis zum
ersten Treppenabsatz geleitet, wo der Majordomus des Papstes, Macchi der Secretär LkLLLLÄ und Officiere der Schweiz^u"rde ibn empfingen bis '^n°^aa!le führten. Hier wurde der Kaiser von della Volpe und anderen imh «Mhbprn r s0Crn hes Papstes empfangen. Gmsdarmen, Schweizergarden, Palastgarden und Robelgardm erwiesen in den Sälen, welche der Kaiser und seine Begleitungpassirten uub^brtHto Thronsaales schrii. der Papst b.m KäK m' gegen
X wl* kin„Prioatkabinel. wo rin eigens -rrichieler Baldachin war. unter SltereT trat ÖÄ für1tbcn Kaiser, den Papst und den Prinzen Heinrich standen, letzterer trat nach der ersten Unterredung des Kaisers mit dem Papste ein. Später
Tekegrapyische Aepesche«.
tBoltr» telegr. «orrespouden,. Bureau.
. Berlin, 12. October. Der Generalarzt der Armee, Dr. von Lauer, veröffentlicht m der „Kreuzzeitung" eine Danksagung für die ihm anläßlich seines achtzigsten Geburtstages zugegangenen überaus zahlreichen Beweise freundlicher wohlwollender Dheilnahme.
— "dost"schreibt: Angesichts des ablehnenden Verhaltens derjenigen Conservativen welche Herrn Stocker auf den Schild heben, gegen jede, den Mittelparteien annehmbare Verständigung über die Wahl im ersten Berliner Landtags-Wahl- tr k DOhil Bertrauensmännern der gemäßigt Conservativen, Freiconservatlven und Rationalliberalen der Beschluß gefaßt werden müssen, sich ihrerseits gemeinsam zu
«buielnsam m die Wahlbewegung einzutreten. Die Action dürfte dem- I nächst m die Oeffentlichkeit treten. i
Q k^-rttn, 12. October Die Berliner „Pol. Rach." erfahren, daß eine seiner I gelt dem Äaner Friedrich für die geheime Correspondenz mit den obersten Reichs- ! Horden zur Verfügung aestellte Chiffre, welche sich zur Zett des Todes des Monarchen J Oterbezimmer befand, abhanden gekommen und spurlos verschwunden sei. s Es liege hierbei zweifellos ein Diebstahl vor.
Wien, 12- October. Ein Artikel des „Fremdenblatt" bekämpft neuerdings die ?ettens^^^inp^M^?^io^en, .^lche, als gegen die Integrität der .Türkei gerichtet, ! m”rhp§nf 9T ,*7 aUmYXHtd)t Ottens der Westmächte, jemals unterstützt werden ! dorischen Fra^e blätter warnen Bulgarien vor dem Aufwerfen der mace- !
m October. Kaiser Wilhelm richtete an den Oberst des 34. Regi- !
ments folgendes Schreiben: „Ich bringe die letztwillige Bestimmung meines in Gott : ruhmden Großvaters zur Ausführung, indem ich Ihrem Regiment beifolgend den j Unisoim-rock, welchen Seine Maiestät als Oberst-Inhaber des Regiments getragen, zum ' Andenken übersende." Der Uniformsrock wurde im Officterscasttio aufbewahrt
Rom, 12 Oc!tober. Der Kaiser unternahm heute früh in Begleitung des '
^nn,°|r,rrm?e ihm zum Ehrendienst zugetheilien Generals Drignct einen
Spazierritt nach Centocello, wo morgen Parade stattfindet. Er kehrte um 10 Uhr ; jurürf, empfing den Besuch König Humbert's und begab sich gegen 11 Uhr in Be- I S atU"l»e§rart n?Cn ^^nrich zu Herrn v. Schlözer zum Dejeuner, an welchem noch i ba§ nächste Gefolge, die Cardinale Rampolla und Hohenlohe, sowie die Prälaten I ^Otzen^Vattkan Zurück ^e^na^mcm ®le geistlichen Würdenträger kehrten gegen 1 Uhr '


