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Ein Dienstmädchen machte eine Lohnforderung von 280 gegen ihre Dienstherrschaft geltend. Dieselbe bestritt, dem Mädchen etwas schuldig zu sein. Große Heiterkeit erregte die Widerklage, welche in einer Gegenforderung für Atzung des Schatzes gipfelt. Zwei Jahre lang soll derselbe heimlich aus der herrschaftlichen Küche und dem Keller seine Nahrung erhalten haben. Er habe keinen schlechten Appetit ent­wickelt, es sei stets viel gekocht worden, aber nie etwas für den anderen Tag übrig geblieben, da der Liebhaber alles aufgegessen habe. Wenn die Sache nicht entdeckt worden wäre, so würde schließlich die Familie aufgefressen worden sein. Die Klägerin müßte darum einsehen, daß sie moralisch zum Ersatz des durch ihre Liebelet angerichteten Schadens verpflichtet sei. Es wird aus Beweis erkannt und muß nun der Liebhaber, gegenwärtig Soldat, vor dem Gericht als Zeuge erscheinen.

Das von der deutschen Nation zum Andenken an die deutschen Seeleute, welche in Folge des Unterganges desGroßen Kurfürsten" auf der Höhe von Sandgate am 31. Mui 1878 ihren Tod fanden, errichtete Monument aus dem Friedhöfe in Folke­stone ist aus Kosten des englischen Parlamentsmitgliedes und Dtrectors der Südost- Eisenbahn, Str E. Watktn, renovtrt worden. Das Denkmal bedeckt das Grab von über hundert deutschen Matrosen.

Das Telephonwesen schreitet mit Riesenschritten seiner Vervollkommnung, seiner immer größeren Leistungsfähigkeit und ausgedehnteren Verwendung entgegen. Während auf dem letzten internationalen Telegraphencongreß von dem Telephon über­haupt noch keine Rede war, hat aus Anregung Frankreichs der geschäftsführende Aus­schuß des nächsten in Paris zusammentretenden Congresses für diesen Rebenzweig des Telegraphenwesens schon die Bildung einer eigenen Telephonsection vor. Diese Section, die alsdann auch bet allen künftigen Telegraphen Congressen functioniren wird, soll, einer demN. W. T." aus Paris zugehenden Meldung zufolge, zunächst die Herstellung eines internationalen Telephonnetzes in größtem Style ausarbeiten, eines Netzes, in welchem Hauptlinien/ wie: Wten-Metz-Paris, Berlin-Wten-Rom, Metz-Amsterdam- London und Berlin-Brüssel-Paris das Skelett bilden würden. Bei diesem Ausbau der Telephovlinien ist die Vereinbarung eines internationalen Telephontarifes und eines ebensolchen Telephon-Reglements, analog dem Telegraphenübereinkommen, eine Natur- nothwendigkett und auch diese sollen auf dem Congreß angebahnt werden. Gleichzeitig soll nach einem Anträge Italiens der Eongreß dabin wirken, daß sämmtliche zum Weltpostverein gehörigen Posten zur Annahme und Auszahlung von Postanweisungen bis 500 Francs berechtigt werden, was bis jetzt nur bei der Hälfte der Fall ist. Während übrigens die vorstehenden Programmvunkte alle Aussicht haben, verwirklicht zu werden, ist wenig Hoffnung vorhanden, daß der Antrag auf gemeinsame Herab­setzung der Telegraphengebühren Annahme findet. Und doch wäre auch diese sehr wünschenswerth gewesen.

sApparat zum Tödten der Schweines Der Director des städtischen Schlachthofes zu Erfurt, Beztrksthierarzt a. D. A. Kleinschmidt, hat einen neuen Apparat zum Tödten der Schweine erfunden, der aus einem an einem Stiele befestigten Cylinber besteht, in welchem ein Bolzen mit einer Feder ruht. Die Anwendung ist eine sehr einfache. Der Apparat wird in der Mitte des Kopfes aufgesetzt und der Bolzen durch einen kurzen, aber kräftigen Scklag dtrect in das Gehirn getrieben. Durch die in dem Cylinder vorhandene Feder schnellt der Bolzen nach dem Schlage sofort wieder zurück. Die Wirkung ist ganz überraschend: die Schweine fallen lautlos um und man hört vor und nach dem Abstechen nicht einen einzigen Schrei. Bei An­wendung dieser Methode machen sich folgende Vortheile bemerkbar: 1) Die Thtere bluten besser aus beim Abstechen, als wenn eine Erschütterung oder Zerstörung des ganzen Gehirns in Folge des Keulenschlages erfolgt ist. 2) Die Thiere sterben sehr schnell. 3) Die Thierquälerei wird ganz wesentlich vermindert, man hört bei An­wendung dieses Apparats kein Schreien, Stöhnen und Wehklagen. DieRundschau aus dem Gebiete der Thiermedtcin", in welcher der Apparat zuerst beschrieben wurde, äußert sich über denselben wie folgt:Dieser Apparat ist sowohl von mehreren Collegen, sowie auch von uns geprüft worden. Wir haben uns von der Zweckmäßigkeit und Brauchbarkeit selbst überzeugt. Die ersten Versuche mißglückten uns, nachdem aber gelang die Tödtung der Schweine schnell und sicher in jedem einzelnen Falle." Auch dieInternationale Fleischer-Ztg." beobachtete bei der Anwendung des Kleinschmtdt'schen Apparates günstige Erfolge.

Von der Verballhornung der deutschen Sprache durch anglo-amerikanische Blätter hat bereits so manche ergötzliche Probe die Runde durch die deutsche Presse gemacht. Das Monströseste in dieser Branche dürfte jedoch jetzt von dem vornehmsten Organ der Bundeshauptstadt geleistet worden sein, welches seinen Lesern die Spetsen- karte von einem dem deutschen Kaiser zu Ehren gegebenen Gastmahle folgendermaßen mittheilt:

Zander in Rheinwein, Gedimpft.

Burgundy Schänken mit Gemüsen.

Pastenten Von Rebhühnern mit Trüffeln.

Hummer nash Ostender Art. Puladdenbraten Salet. Mehlspeice Von Aeplfeln. Butter und Käse.

Gefrorents Tachsisch.

Die Heiterkeit, mit welcher die Deutsch-Amerikaner von jenem unorthographischen Menu Kenntniß nahmen, war eineungedimpfte".

sDas Scherflein der 2Btttroe.J In einer Schule trug sich im Religionsunterricht Folgendes zu: Der Herr Pfarrer unterrichtet über das Almosen- geben und führte u. A. das reiche Almosen des Pharisäers und das Scherflein der armen Wittwe als Beispiele und zur Erläuterung an. Auf seine Frage, wie viel wohl das Scherflein der armen Wittwe betragen habe, gab eine Schülerin zur Antwort: 12 Mark 45 Pfg." Ueber diese seltsame Antwort befragt, erklärteste:Im Kate­chismus steht:Das Scherflein der armen Wittwe. Mark. 12, 45." (Markus, 12. Kapitel, 45. Vers.)

Bet einem Schneidermeister war die Lieferung eines Anzuges, bestehend in Rock, Hose und Weste, bestellt worden. Nach erfolgter Lieferung behauptete der Be­steller, daß der Rock nicht sitze, deßhalb unbrauchbar sei und müsse er aus diesem Grunde den ganzen Anzug zurückweisen, wenngleich er gegen die Hose und Weste nichts einwenden könne. Der Lieferant erbot sich zwar, den Rock passend herzustellen; da aber der Besteller hierauf nicht etngehen wollte, klagte der Lieferant auf Abnahme des Anzuges gegen Zahlung von 90 JL Der vernommene Sachverständige hat nun die Unbrauchbarkeit des Rockes, namentlich daß er zu eng sei, begutachtet, und daß er, um brauchbar zu werden, vollständig auseinandergetrennt roerben müsse. Ob er aber auch dann passend herzustellen, bliebe noch sehr fraglich, da auch die Armlöcher zu tief ausgeschnitten wären. Das Gericht hat die Klage zurückgewiesen und den Beklagten nicht für verpflichtet erachtet, den Anzug nach erfolgter Reparatur des Rockes abnehmen zu müssen, da er im Ganzen für eine bestimmte Summe vereinbart worden sei und gerade der Rock das theuerste und wesentlichste Stück eines Anzugs bildet.

London, 11. October. Aus Newyork wird gemeldet, daß die Pratt'sche Petroleumraffinerie, die größte Amerikas, in Brand geratben ist. Der Hamburger PetroleumdampferHafis", welcher am Bollwerk lag und für Hamburg Ladung auf­nahm, wurde von dem Feuer ergriffen und brannte auf. Die Flammen breiteten sich auch noch auf andere dort liegende Schiffe aus, die sämmtltch zerstört wurden. Weitere Einzelheiten fehlen noch. (F. 3.)

m L«ut-.z In der Ortschaft Rztzmaaitz starb nach b-m

»JL , vor ehugen Tagen die Grundbefitzerswitlwe Anna Barack im hohen Alter ??gleich leit 6 Jahren erblindet, war sie noch bis zum letzten Augeu- häuslichen Geschäfte zu besorgen. Bor 10 Jahren starb ihr ^vuu.welcher ebenfalls das hohe Alter von 118 Jahren erreichte. Um sie trauern 5' eine 96jährige Tochter und eine 94jährige Schwiegertochter,

werter befinden sich am Leben eine große Anzahl Enkel, Urenkel und Ururenkel.

sich nicht buUen.] Der Chefredacteur besBudapester Sägeblatt Reichstagsabgeordneter Dr. Carl Grecsak, wendete sich an den Grafen Pista Karolyt mit der Bitte, einem seiner Mitarbeiter ein Interview bei dem Prinzen von im ungarischen Abgeordnetenhause Gepflogenheit ist, daß alle Mttgttedec des Reichstags sich dutzen und diese Vertraulichkeit sogar als eine Art ^egralischer Pflicht aufgefaßt wird, gebrauchte Grecsak in seinem Schreiben an den Grafen Karolyt ebenfalls das Wörtchen Du, im Uebiigen demselben alle jene Titu­laturen beilegend, welche dem Grafen kraft seiner gesellschaftlichen Stellung zukommen. Heute war nun im Abgeordneten hause das Gerücht verbreitet, Graf Karolyi hätte vr.Grec ak einen ptovocirenden Brief geschrieben. Aus diesem Anlässe sieht sich Letzterer veranlaßt, das Schreiben zu veröffentlichen, welches lautet:

Verehrter Herr Abgeordneter! Ihren vom 20. September batirten Brief habe empfangen; allem da ich mich nicht erinnere, daß der Herr Abgeordnete jemals mir 00er daß ich jemals dem Herrn Abgeordneten das Dutzen angeboten habe, so bin ich jur Ueberjeuflung gelangt, daß Sie dem Briefcouvert eine irrige Adresse zu geben beliebt haben. Ich könnte und würde niemals Einen dutzen, von dem ich dazu nicht im Voraus ermächtigt worden; ebensowenig acceptire und dulde ich dasDu" von Einem, den ich nicht dazu berechtigt. Ich autorisire Sie, Herr Abgeordneter, diese Zeilen Jedermann zu zeigen und dieselben Jedermanns Urtheil zu unterbreiten. ft?rotyV"e be' Lehrter Herr Abgeordneter, Ihr Abgeordneten - College Graf Pista

Wie verlautet, hat Graf Pista Karolyt auch bei Koloman Szell, zur Zeit, als dieser Ftnanzminister war, sich das Dutzen verbeten.

Literarische».

Das eben erschienene dritte Heft des neuen Jahrgangs derJllussrirteu Welt" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) reiht sich seinen Vorgängern nicht nur würdig an, sondern es übertrifft dieselben alle noch durch den um acht volle Seiten vergrößerten Text. Es beweist dies auf's Neue, daß die Verlagshandlung keine Opfer scheut, das vor siebenunddreißig Jahren in's Leben gerufene Blatt immer großartiger UJ1 rÄcic!^Qlti6er gestalten. Zu den Fortsetzungen der beiden spannenden Romane Justiz der Seele" von Anton Freiherr von Perfall undWer ist sie?" von Hans Wachenhusen gesellt sich das harmonisch abschließende Ende der NovelleDie letzte Gletscherfahrt", während eine kurze, launige Erzählung:Der Manöverhaie", zu köst­lichen Situationen voll prickelnden Humors führt. AusNatur und Leben" wird auch diesmal wieder viel Interessantes und Belehrendes berichtet; Anekdoten, Witze und Rathsel schließen das Heft in gewohnter reicher Fülle ab. Die Illustrationen sind ganz prächtig! Gleich auf der Stirnseite lacht Defreggers lieblicher StudienkopfDie Lisi" dem Leser entgegen, ein großes zweiseitiges Bild führt unter italienischem Himmel zu einem ländlichen Kirchenfeste; den Gang der Weltgeschichte begleitenDas Lustschloß Peterhof", die Porträts desrussischen Thronfolgers" wieLudwig Herrfurths", des neuen preußischen Ministers des Innern; über Land und Meer führen Skizzen vom Himalaja, von Georgetown, Nürnberg und Rettenbach bei Ischl, zu kleinen häuslichen und sommerlichen Freuden zwei ansprechende Genrebilder, während die harmlose Satire durchDie Magnetiseure Hansen I. und II." humorvollst vertreten ist. All das bietet ein einziges Heft dieses beliebten Familien-Journals für nur 30 Pfg.

»Wassersport^ Nr. 2, 1888/89, Verlag von A. Braun & Co., bringt unter Rudern: Die Meisterschaft von Holland. Wiener Stimmungsbilder. Von Ulm nach Budapest (Schluß). Nachrichten. Unter Segeln: Der Plattensee. Aus Skandinavien (Schluß). Start der Modell-Regatta (mit Bild).Yarana" (mit Bild). Nachrichten. Unter Schwimmen: Nachrichten, desgleichen aus Eislauf. Unter Allgemeines: Gasdoc te (Eingesandt). Nachrichten. Briefkasten und officielle Mittheilungen der Clubs.

Telegraphischer Gchiffsbericht

derRed Star Line" Antwerpen.

Dbiladelphia, 9. October. Der PostdampferPennsylvania" derRed Star Line" ist von Antwerpen heute wohlbehalten hier angekommen.

Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

20. Sonntag nach Trinitatis, den 1;4. October: Vormittags 9/, Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Vor Schluß des Gottesdienstes Einführung und Verpflichtung des neugewählten Mitglieds des Kirchenoorstardes Herrn Rentner August Heß.

Nachmittags 21/» Uhr: Pfarrer Dingeldey

Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr, Pfarrer Schlosser.

(Die Kirche wird von diesem Sonntage an geheizt werden).

Montag den 15. October, Vormittags 9 Uhr, Gottesdienst zur Eröffnung der diesjährigen regelmäßigen Dekanatssynode des Dekanats Gießen

Bibelstunde: Montag den 15. October, Abends 8 Uhr, in der Kleinkinder­schule, 1. Mos. Kap. 1, von Vers 26 an, der Mensch nach Gottes Bild geschaffen. Pfarrer Dr. Naumann.

Am Sonntag den 21. October, Feier des heiligen Abendmahls.

Beichte am Samstag zuvor, Nachmittags 2 Uhr.

Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 14. bis 20. October besorgt Pfarrer Dr. Naumann.

Katholische Gemeinde.

21. Sonntag nach Pfingsten.

Samstag: Nachmittags um 4 Uhr und Abends um V38 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte.

Sonntag: Morgens um 7 Uhr hl. Messe; um 3/*10 Uhr Hochamt mit Predigt; Nachmittags um 2 Uhr Andacht.

Gottesdienst io der Synagoge.

| Freitag Abend 5°° Uhr, Samstag Morgen 850 Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr, 1 Samstag Abend 5*°.

Allgemeiner Anzeiger.

Vohmmgs-Verüliderung.

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