Ausgabe 
13.10.1888
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 240 E/Mstag den 13. October

Keßemr Anzeiger

Wits- und Anzcigeblatt für den Kreis Gießen.

Ivnreaur Schulftraße 7»

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf,

Amtlicher HheiL

Betreffend: Vertilgung der Blutlaus. Gießen, den 10. October 1888.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien und Ortspolizeibeamten des Kreises d,»LL* 1 3' ~ « 2- »« -«* «* W». «in«.,i, Ei-

v. Gagern.

Betreffend: Die Voranschläge der evangelischen Kirchenfonds. ' Gießen, den 11. October 1888--------

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die evangelischen Kirchenvorstände des Kreises.

Nach § 4 der Instruction zur Fertigung der Voranschläge über die Vermögensverwaltung der evangelischen Kirchen vom 31 Auoutt 1SS5 h«.

Voranschlag von dem Vorsitzenden und aussührenden weltlichen Mitgliede des Kirchenvorstandes nach Anhörung der Kirchenr/chnerszeitigtÄubÄ^dak

Bürgermerstere. «»ter Mittheilung einer Auszugs aus dem Voranschlag von der Höhe des nothwendigen Beitrags

Voranschlag der erforderliche Credit ordnungsmäßig gewahrt werden kann. u ju geoen, damit tn dem Gemeinde-

Dem Vernehmen nach find viele von Ihnen mit Einsendung des Voranschlags und der Benachrichtigung der Büraermeiüeiei nnrh im snMTMnk

Wir erwarten, daß - soweit noch nicht geschehen - den obigen Bestimmungen alsbald nachgekommen wird

v. Gaqern.

WoSitifebe Rundschau.

Gießen, 12. October.

Auf die Kaisertage itt Oesterreich ist nunmehr die Kaiserwoche in Italien gefolgt und mit ihr erhält die Südenfahrt Kaiser Wilhelms ihren effectoollen Abschluß- Ein deutscher Kaiser wieder tn Italien, wieder in der ewigen Stadt wie wunder­bar erneuern sich doch zuweilen die WandelbUder der Geschichte! Aber in wie ganz anderem Lichte erscheint doch die Romfahrt Wilhelms II., wenn man auf die früheren Jtalienzüge der deutschen Kaiser zurückdlickt! Als damals die Träger der deutschen Kaiserkrone von den Ottonen an während des Laufes von Jahrhunderten über die Alpen nach Italien , dem gelobten Lande einer unseligen deutschen Politik, zogen, da thaten sie es fast stets im kriegerischen Gewände und an der Spitze ihrer Heere, um in thorichtem Wahne auf italienischem Boden die Wurzeln der deutschen Kaisergewalt zu suchen. Wie viel sind nicht Ströme deutschen Blutes auf der lombar­dischen Ebene bis hinunter zu den Gefilden Apuliens um dieses Phantom der deutschen Kaiserhenlichkeit auf italienischer Erde geflossen, während unter diesen Kämpfen daheim die Macht und das Ansehen des Kaiserthums mehr und mehr in Trümmer ging! Der innere Verfall des alten deutschen Reiches und die Schwächung seiner Machtstellung auch nach außen, sie sind nicht zum geringsten Theile auf die Jtaliensahrten der deutschen Kaiser zurückzuführen und lange, lange hat noch Deutschland die Nachwehen Lieser verkehrten italienischen Politik verspürt.

Nun ist nach langer Zett wieder ein deutscher Kaiser über die Kette der Alpen nach den herrlichen Gauen Italiens gezogen, aber nicht, um mit gewaffneter Hand in die Verhältnisse der Aperminenhalbtnsel einzugreifen, sondern, um durch seinen Besuch am italienischen Köntgshofe die unverbrüchliche Freundschaft wiederum zu beweisen, deren Band das neue Italien und das neue Deutschland so innig umschlingt. Wie -schon der Besuch Wilhelms II. in der Kaiserstadt an der Donau das Bündniß Deutsch­lands mit Oesterreich-Ungarn durch die hochbedeutsamen fürstlichen Toaste in der Wiener Hofburg aller Welt auf's Meue als unlösbar fest verkündete, so legt nun das Erscheinen des jugendlichen deutschen Monarchen in der weltberühmten Siebenhügel- fiadt am Tiberstrande in gewichtigster Weise Zeugniß ab für das deutsch-italienische Bündniß- und Freundschaftsverhältniß und für die feste Zugehörigkeit des italienischen Königreiches zum Bunde der beiden centraleuropäischen Großmächte und nach dieser Richtung hin muß zunächst auch immer wieder die Bedeutung der Romfahrt WilhelmsII. gesucht werden.

In dem italienischen Volke selbst würdigt man auch vollkommen die Beweg­gründe , die Kaiser Wilhelm nach Wien und nach Rom geführt haben und in dem enthusiastischen Empfange, der dem erlauchten Reisenden von seinem Eintritte in ita­lienisches Gebiet an tn sich immer steigernder Potenz seitens der Bevölkerung zu Theil wurde, kam die Genugthuung der Italiener über den Katserbesuch bereits zum vollen Ausdruck. Kaiser Wilhelm war am Mittwoch Mittag 1 Uhr von Mürzzuschlag aus, wo die Verabschiedung von Kaiser Franz Josef, König Albert von Sachsen und Prinz Leopold von Bayern stattfand, mit seinem von Wien vorher eingetroffenen Gefolge unb Villach, wo sich Prinz Heinrich von Preußen seinem kaiserlichen Bruder anschloß, nach Pontebba weitergereist. Pontebba ist die italienische Grenzeisenbahn- statwn gegen Kärnthen hin, woselbst die erste Begrüßung Kaiser Wilhelms durch die Abgesandten König Humberts erfolgen sollte und war der Bahnhof der kleinen Station auf das Prächtigste zum würdigen Empfange des kaiserlichen Gastes herausgeschmückt worden. Am Mittwoch Abend traf der kaiserliche Extrazug in Pontebba ein und be­grüßte die vor dem Bahnhofe zusammengeströmte, nach vielen Tausenden zählende Menschenmenge den Kaiser mit brausenden Hochs. Nach kurzem Aufenthalte setzte der Kaiser die Reise über Mestre, Pistoja woselbst der Kaiser am Donnerstag Morgens das Frühstück einnahm und Florenz fort. In letzterer Stadt wurde der Kaiser vom italienischen Botschafter in Berlin, Grafen de Launay begrüßt und auf der weiteren Fahrt nach Rom, die ohne größeren Aufenthalt vor sich ging, begleitet.

Aeutschiand.

Allergn?d1gE"ruht:"' **'*' 6dne ÄBni81id,e ®°6eit ber Grvßhcrzvg haben , 10. October den Rath bei der Provinzialdirection der Provinz Rheinhessen.

Regterungsrath Gustav v. Zangen zum Kreisrath des Kreises Oppenheim-

""c», selben Tage den Mtnisterialsecretär bet dem StaatsministertumLegattons- rath Dr. Andreas Bretdert zum Kreisrath des Kreises Erbach zu ernennen;

, am October dem Vorstande des Poltzetamts Darmstadt Regterungsrath Konrad v. Grolmann den laufenden Rang eines Kreisraths;

, 3 am 10. October dem Mtnisterialsecretär und Vorstand der Mintsterialregistratur des Ministeriums des Innern und der Justiz Heinrich Rößler den Charcckter als Regrerungsrath zu verleihen;

am 11. October den Amtmann bei dem Kreisamt Darmstadt Ludwig Frhrn. v. Senarclens-Grancy mit dem AmtstttelRegterungsrath" zum Rath bet ber Provtnztaldirection der Provinz Rheinhessen;

an demselben Tage den Amtmann bet dem Kreisamt Büdingen Dr. Karl Melior zum Amtmann bet dem Kreisamt Darmstadt, sowie den Amtmann bet dem Kreisamt stlbm Kreisamt^^ Gernmtngen-Hornber g zum Amtmann bei dem-

an demselben Tage den Amtmann bet dem Kreisamt Alsfeld Heinrich Jrle zum Amtmann bet dem Kreisamt Dieburg;

an demselben Tage den Regierungsassessor August Rach zu Heppenheim zum Amt?

mann bei dem Kreisamt Alsfeld; v 6 r

an demselben Tage den Regterungsassessor Gustav Römheld zu Friedberg zum

Amtmann bet dem Kretsamt Büdingen zu ernennen.

orn Darmstadt, 11. October. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben

Allergnadtgst geruht: 0 ö

am 10. October den Amtmann bet Großh. Kreisamt Darmstadt Dr. Georg Freiherr von Wedekind zum Mtnisterialsecretär bei Großh. Staatsministerium zu ernennen; 0

an demselben Tage den Landgerichtsrath bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg Wilhelm von Grolmann auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen mit Treue und Eifer geleisteten Dienste in den Ruhestand zu versetzen.

Wahrend Aller Augen auf die glänzenden Kaisertage in Italien gerichtet sind kommt von dem Kaiserbesuch in Württemberg ein unerfreulicher Nachklang' Es ist, wie nach den vorliegenden Berichten kaum bezweifelt werden kann, in jenen Tagen von anarchistischer Seite ein verbrecherischer Anschlag gegen Kaiser Wilhelm be- übsichtrgt gewesen, glücklicher Werse aber durch die getroffenen Vorsichtsmaßregeln noch zettelt worden. Die am 28. September in Villingen in Baden erfolgte Verhaftung des aus Bayern gebürtigen und in der Schweiz wohnhaften Anarchisten ^roppmann soll mit der Affaire im engsten Zusammenhänge stehen. Auch aus Italien w den letzten Tagen vorgenommenen zahlreichen Verhaftungen verdächtiger Persönlichkeiten, besonders in Neapel, berichtet, doch ist es noch ungewiß, ob hierbei der Kaiserbesuch mit eingewirkt hat; nach anderweitigen Meldungen soll es sich um einen großen Schlag gegen das Unwesen der in Unteritalien und ©teilten noch immer blühenden Maffia und Camorra, weitverzweigter Banditenoerbindungen unter voli- trschem Deckmantel, handeln. v

Gegenüber dem das Tagesinteresse so sehr in Anspruch nehmenden Kaiserbesuche in Italien kann die Revue der innerdeutschen Begebenheiten nur sehr summarisch Ausfallen. Besonders Neues liegt da indessen nicht vor, wenn man nicht hierher die sich mehrenden Berichre über Parteioersammlungen, Candidatenaufstellungen und Pro­grammreden anläßlich der bevorstehenden preußischen Landtagswahlen rechnen will Des Breiten und Langen wird von der Tagespresse noch die Affaire Geffcken erörtert' dre man aber meist noch immer durch die Parteibrille betrachtet. Dagegen müssen noch immer die ersten Nachrichten über die bisherigen Ergebnisse der gegen Professor Geffcken eingeleiteten Untersuchung abgewartet werden. 1 "NN