Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Amtlicher Hßeil.
Das Großherzoalichc Stcucr-Commissariat Gießen
an die Großh. Bürgermeistereien des Landbezirks.
hier abhokn S°mmun°lst°uerzettel sind gefertigt und ersuchen wir Sie, solche, zur Ersparung von Porto, in den nächsten Tagen, mit sicherer Gelegenheit ________Gießen, 12. Mai 1888.______________________________Süffert.
Gefundene Gegenstände: 1 Trauring, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Messer, 1 eiserner Reif, 1 gold. Armband, 1 weiße» Taschentuch^' _ M. T., 1 Brille mit Futteral.
am 12. Mai 1888. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
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Politische Ueberficht.
Gießen, 12. Mai.
Das officielle Bulletin aus Charloltcnburg vom Vormittag des 9. d. M. besagt, daß das Befinden deS Kaisers in den letzten Tagen verhältnißmäßtg gut und das Fieber ganz gering gewesen sei. Der Schlaf ist allerdings öfters unterbrochen gewesen, doch war er erquickend und haben sich auch die Kräfte wieder gehoben.
Der BundeSrath soll in seinen Ausschüssen die Vorberathung des Genossen- schaftsgesehentwurfes bereits beendigt haben, doch fehlt es noch an näheren Mtttheilungen über den Verlauf dieser Verhandlungen. Was den Stand der bundesräthlichen Vorarbeiten zum Arbeiter-Altersversicherungsgesetze anbelangt, so heißt es, daß diese ebenfalls kräftig weiterschreiten, so daß diese wichtige gesetzgeberische Materie wenigstens in ihrem erlten Stadium bis zum Eintritt der sommerlichen Pause in unserer inneren Politik erledigt werden dürfte.
Die dem preußischen Abgeordnetenhause noch im letzten Theile seiner Session zugegangene Vorlage über die Regulrrung der Flußläufe der Oder und der Spree ist bekanntlich in der betreffenden Commission einstimmig und ohne Abänderung angenommen worden und somit erscheint das Zustandekommen auch dieses Gesetzes, im Anschlüsse an die Weichsel- und Nogatregulirungs-Vorlage gesichert. Der die Regulirung der Oder und der Spree bezweckende Gesetzentwurf will den oberschlesischen Berg- und Jnduftriedistrict durch Gewährung einer leistungsfähigen Wasserverbindung nach den wichtigsten Absatzmärkten des Inlandes lebens- und concurrenzfähtg erhalten und damit der zahlreichen Arbeiterbeoölkerung Oberschlesiens die Arbeitsgelegenheit und den Arbeitsverdienst sichern.
Die Hamburger Bürgerschaft (Stadtverordneten-Collegium) hat den Senatsantrag, betreffend die definitive Ausdehnung des nördlichen Freihafenbezirkes debattelos angenommen. Der Senat wird demnach auf Grund des Anschlußvertrages dem Reiche gegenüber die Erklärung abgeben, daß das zwischen Kleinfleeth und St. Anna einerseits, St. Annenfleeth und Neuwandrahm anderseits gelegene Areal, einschließlich letztgenannter Straße, zu dem Freihafenbezirk zugezogen werde, daß aber hinsichtlich weiterer Zuziehung des im Anschlußoertrage bezeichneten Stadttheiles zur Ausdehnung des Freihafens eine Frist auf drei Jahre nach erfolgtem Anschlüsse beim Bundesrathe beantragt werde.
Von hochamtltcher russischer Seite liegt nach längerer Pause wieder eine Aeußerung zur bulgarischen Frage vor. Der Petersburger „Negierungsbote" wendet sich gegen verschiedene Hetzarttkel, welche der panslaolsttsche Journalist Tatistschew jüngst in der „Nowoje Wremja" über die bulgarischen Angelegenheiten gebracht hatte und läßt sich das Petersburger Regierungsblatt ungefähr dahin vernehmen: Die Ereignisse aus dem Kriege 1877/78 seien noch zu frisch, um einer unparteiischen geschichtlichen Kritik unterzogen werden zu föimen und müsse daher die russische Regierung mit den über den letzten Orientkrieg aufklärenden Actenstücken noch zurückhalten. Diese Reserve sei um so mehr geboten, als die aus dem Kriege resultirenden Ergebnisse mit der gegenwärtigen politischen Lage eng verknüpft seien. Weiter tritt der „Regierungsbote" der Meinung entgegen, die russischen Vertreter in Bulgarien hätten in ihrer Action eine schwankende Haltung eingenommen und alsdann kommt das Blatt auf die Ursachen der Verschlechterung in den russisch-bulgarischen Beziehungen zu sprechen, die es einen- theils in den unfertigen Zuständen Bulgariens, anderntheils in „russenfeindltchen" Einwirkungen sucht. Zum Schlüsse spricht der „Bote" die Hoffnung aus, daß die bulgarischen Staatslenker von ihren „Verirrungen" zurückkommen und endlich das Wohlwollen Rußlands für Bulgarien anerkennen würden und betont, daß die russische Regierung an ihrem auf Bulgarien bezüglichen Programme durchaus festbalten werde. Irgendwelche Drohungen gegen Bulgarien enthält diese hochofficiöse russische Auslassung zwar nicht, aber sie läßt deutlich erkennen, daß Rußland seinen Standpunkt in der bulgarischen Frage nicht verändert hat und die Dinge an sich herankommen lassen will und diese Speculation erscheint bet den sich mehrenden Wirren in Bulgarien nicht unberechtigt.
In England ist jetzt viel von militärischen Reformen die Rede, die aber im Wesentlichen nur die Sicherung des Landes gegen einen feindlichen Angriff bezwecken, also lediglich auf die Defensive gerichtet sind. In einer Unterredung mit einflußreichen Parlamentsmitgliedern erklärte der Kriegsminister Lord Stanhope ebenfalls, daß die englische Regierung bestrebt sei, die Vertheidigungsmittel des Landes zu stärken und wies er hierbei namentlich auf die Nothwendigkeit hin, London gegen einen Angriff von der Themse aus möglichst zu schützen. Lord Stanhope entwickelte alsdann die Grundzüge der im Kriegsministerium in Ausarbeitung begriffenen Wehroorlage, welche auf Errichtung eines aus regulären und Miliztruppen bestehenden Armeecorps zielt, während die Freiwilligen 'zur „Unterstützung dieses Corps so schnell wie möglich" concentrirt werden sollen." Hierbei drückte der Kriegsminister sein besonderes Vertrauen hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der Freiwilligen aus und theilte er schließlich | mit, daß denselben sogar Artillerie, aus 250 Feldgeschützen und 80 Geschützen größeren I Kalibers bestehend, gegeben werden solle. — Dies Alles ist ganz gut und schön, aber 1
kommt doch vor Allem darauf an, daß England's Wehrkraft auch in einem conti- nentalen Kriege zur Geltung kommt und dieser Auffassung scheint man sich in den leitenden Kreifen des britischen Jnselreiches noch immer zu verschließen.
Dr. Mackenzie läßt in englischen Blättern erklären, daß er niemals der Preffe irgendwelche Milthetlungen habe zugehen lassen, ausgenommen solche zur Widcrleauna falscher und übertriebener Berichte. B 0
In Paris fand cm Mittwoch eine Art Vorfeier zur Reooluttonsfeier des nächsten Jahres statt, indem die historifche Ausstellung zur Erinnerung an den Bastillensturm eröffnet wurde. Der Ministerpräsident Floquet wohnte dem Eröffnungsacte bei und titelt er hierbei eine Rede, in welcher er unter Hinweis auf die Bedeutung des Baftillenfturmes sagte, die Franzosen hätten Götzenbilder umgestürzt, die Jahrhunderte lang verehrt worden seien und betonte, daß die heutigen Franzosen nicht Götzen verehren wollten, die nur nach Wochen zählten. - Meister Boulanger werden die Ohren gewaltig brummen!
Deutschland.
Darmstadt, 11. Mat. Das Großherzogl. Regierungsblatt (Beilage Nr. 12) enthält: '
1. Ueberficht der von Großherzogl. Ministerium des Innern und der Justiz genebmtgten Umlagen zur Bestteitung von Comunalbedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Erbach pro 1888-89. ^cuicuivcn
2. Namensveränderung. .
Am 28. April wurde der am 23. März 1877 zu Ulrichstein geborenen Tochter des Dr. Otto Jochem, Louise Lina Ottilie Jochem zu Darmstadt gestattet, daß dieselbe statt ihres bishertgen in Zukunft den Familiennamen „Scheer" führe.
3. Dienstnachrichten.
Am 15. April wurde der von dem Herrn Grafen zu Erbach-Erbach auf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Kirch-Beerfurth präsenttrte Schulamtsaspirant Gustav Kraft aus Hungen für diese Stelle bestätigt; am 17. April wurde dem Schullehrer Ehristoph Metzler zu Trebur die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Harbach übertragen; am 21. April wurde der Heizer an der Main - Neckar-Bahn Hermann Breitwieser zum Lokomotivführer bei dieser Bahn und der Hilfsheizer bei der Main- Neckar-Bahn Ludwig Nungesser aus Eberstadt zum Heizer bei dieser Bahn, beide mit Wirkung vom 1. Mai an, ernannt; am 22. April wurde dem Schulverwalter Theodor Görtz zu Offstein eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Groß - Winternheim an demselben Tage wurde dem Schulverwalter Anton Jost zu Ebersheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Dromersheim, an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Heinrich Büttner aus Ober-Wegfurth eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Ingelheim übertragen.
4. Concurrenzeröffnung.
Erledigt ist: Die mit einem ev. Lehrer zu besetzende III. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu König mit einem Gehalte von 900 Jt Dem Herrn Grafen iu Erbach-Schönberg steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu. Die Concurrenzeröffnung für die IV. Lehrerstelle zu König in der Beilage Mr. 8 wird zurückgenommen.
Kugkavd.
London, 10. Mai. Das „British Medical Journal" veröffentlicht ein Schreiben Sir Morell Mackenzie's, d. d. Charlottenburg, 8. Mai, in welchem derselben erklärt, er habe niemals an die Presse irgendwelche Informationen gegeben, ausgenommen solche, die ausdrücklich gestattet waren behufs Widerlegung falscher und übertriebeckdr Berichte.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Correspondenz-Brrrearr.
ir Berlin, 11 Mai. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Das Befinden des Kaisers hat sich in den letzten Tagen verhältnißmaßig günstig gestaltet, insofern die Krankhettserscheinungen insgesammt an Intensität nachließen. Das Fieber ist fast gänzlich geschwunden, der Puls ruhiger und gleichmäßiger, die Nächte bringen tieferen, stärkeren, wenn auch durch den noch immer reichlichen Auswurf unterbrochenen Schlaf. Die auf Stärkung und Kräftigung berechnete Ernährung wird gut vertragen, wenn auch der Appetit noch zu wünschen übrig läßt. Trotz der Zunahme der Kräfte reichen dieselben noch nicht aus, um freie Körperbewegung und Verweilen außerhalb des Bettes oder des bettähnlichen Sophas zu gestatten.
— Der Kaiser nahm Vormittags die regelmäßigen Vorträge entgegen unb Fonferirte darauf mit Wilmowski.
»erlitt, 11. Mat. Dt- „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: D-r Geburtstag der Königin von Großbritannien wird voraussichtlich am 24. Mai durch die Hochzeit des Prinzen Heinrich mit der Prinzessin Irene begangen werden. Die Vermählung findet in der Schloßkapelle von Charlottenburg statt, und wenn die Besserung im Befinden des Kaisers, wie sie sich gestern so erfreulich zeigte, anhält, so ist die Hoffnung nicht ausgeschlossen, daß der Kaiser bei der Trauung zugegen sein kann. Die Braut wirb in Begleitung des Großherzogs von Hessen und ihrer bisherigen Umgebung in dem königlichen Extrazuge von Darmstadt abgeholt, an der Grenze des Königreichs fderltd) empfangen und unter den der Braut eines preußischen Prinzen gebührenden Ehren^.


