nahezu proscribirt. 1844 mußte Dr. Kirchgässer in Coblen; öffentlich sich rechtfertigen, DCil er einem Typhuskranken reinen Champagner und nicht ganz verwässerten Wein verordnet hatte. C. O. Weber, der leider früh verstorbene berühmte Chirurg von Heidelberg, sagte noch 1865, es sei ein bedenklicher Leichtsinn, fiebernden Menschen Wein zu geben, wie es die Engländer thäten, der Wein schade im Anfang aller Fieber, eil steigere die Temperatur. Davon habe er sich durch thermometrische Messung wiederholt überzeugt. Redner zeigt, was das Experiment in der Frage nach den erregenden Eigenschaften des Weingeistes Bejahendes ergeben hat. Der Weingeist hebt den Puls, cir bewirkt stärkere und raschere Zusammenziehung des linken Herzens; dieses arbeitet also mehr in einer gegebenen Zeit und hat kürzere Ruhepausen. Das Blut bewegt sich freier als gewöhnlich durch die Kapillaren. Für die Athmung, diese neben der Herz- thätigkett wichtigste lebenserhaltende Function, haben alle bisherigen Versuche nichts Bestimmtes ergeben. Das lag an der Unvollkommenheit der Untersuchungs-Methoden. Erst vor Kurzem hat Zuntz gezeigt, daß kleine Gaben Weingeist die Athemgröße beim ousunden Menschen, d. h. die Menge der ein- und ausgeathmeten Luft um durchschnittlich 9pCt. vergrößern. Was den Einfluß des Weingeistes auf die Absonderung btr Verdauungssäfte anlangt, so ist es richtig, daß die Mehrzahl der theoretischen Mtersucher ein Verlangsamen der normalen Verdauung unter seinem Einflüsse gefunden zu haben glaubt. Aber es fehlt nicht an experimentellem Widerspruch dagegen. Es scheint, daß erstens auch hier die kleine oder große Gabe eine ausschlaggebende Be- drutung hat und daß zweitens in krankhaften Zuständen die Dinge ganz anders liegen können, wie beim Gesunden. Die praktische Erfahrung hat diesen Theil unserer Frage zu lösen. Die Losung wird nicht überall zu Ungunsten des Weingeistes als eines tmtestinalen Erregungsmittels ausfallen. Jeder hat an sich zu erproben Gelegenheit, tafe leichte Formen der Magenstörung oft beseitigt werden durch den Reiz der kleinen Gabe eines guten concentrirten Alkoholikums. Von größtem Belang ist die Entscheidung über den Nährwerth des Weingeistes beim Kranken. Bei der Ansicht, wonach Mmlich der Weingeist „en totalit6 et cn nature“ den Körper wieder verlasse, konnte selbst von den geringsten nährenden Kraft desselben keine Rede sein. Eine gründliche Prüfung im Laboratorium des Redners hat ergeben: Von mäßigen Gaben Weingeist Ward am meisten ausgeschieden durch Nieren und Lungen, eine viel geringere Menge tmrch die Haut und nichts durch den Darm. Im Ganzen erschienen gegen 3Proeent. Beim fiebernben Menschen halten Redner und Heubach schon früher gefunden, daß die Abscheidung unzersetzten Weingeistes aus den Nieren innerhalb der nämlichen niedrigen «Äffern sich bewegte ja oft gleich Null war. Der Weingeist kann nicht anders als zu Llohlcnsäure und Wasser in unserem Organismus verbrennen. Wird er aber verbrannt, sv biibet er Wärme und diese wird als lebendige Kraft nutzbar werden für das Auf- rLchthalten der Bewegungen, ohne deren Andauer unser Leben nicht bestehen kann. Es ergibt sich, daß 1 Liter mittelguten Rheinweins an Nährwerth solcher Art gleich ist 5 bis 6 Eßlöffeln eines leicht verdaulichen Oeles, wobei jener noch den großen Vorzug frit, gesunkene Tätigkeiten der Organe gleichzeitig und dtrect zu heben und ohne Schwierigkeit in die Lymph- und Blulbahnen überzugehen. So weit die theoretische Forschung mitzureden hat, ist die Frage: Ist der Weingeist ein Nährmittel? — in t-ejahendem Sinne erledigt. Beim gesunden erwachsenen Menschen zeigt sich nach Auf- riübine kleiner Mengen, die, besonders in concentrirter Form, schon ein deutliches Gefühl von erhöhter Wärme im Magen und später in der Haut Hervorrufen, keine außerhalb der normalen Schwankungen liegende Veränderung des in's Rectum ein- ^sführten Thermometers. Narkottsirende Mengen Weingeist drücken die Körperwärme i-m mehrere Grad und auf mehrere Stunden herab. Alles, was ich Gutes vom Weingeist gesagt habe, geht nur den kranken Menschen an. Der gesunde braucht kein Erregungsmittel für das Herz, den Kreislauf, das Athmungscentrum, den Magen und Darm; der genügend ernährte braucht kein Sparmittel für seinen Körper, keinen Ersatz für Isessen Eiweiß; der nicht fiebernde braucht keine Dämpfung für die innere Warme. Wenn der xsesunde Mensch den Weingeist in irgend einer Form aufnimmt, so kann das nur unter dem SZitel des Genusses geschehen, den gute Alkoholika gewähren, oder unter dem Titel der Erfrischung für überstandene geistige oder körperliche anstrengende Arbeit. In beiden Fällen c!.ber ist das Maßhalten die unerläßliche Bedingung, denn dicht dahinter liegt der Gift- (iarten des Weingeistes mit feinen zahlreichen vielgestalteten Arten. — Correferent Prof, i-on Jaksch-Graz behandelt die therapeutische Seite dieser wichtigen Frage und beschäftigt sich weniger mit dem Weingeist als solchem, als vielmehr mit den drei Kate- gorieen desselben: Wein, Bier und Branntwein. Man kann in der Verwendung des Weingeistes bei Kranken auch zu weit gehen, zu Anfang dieses Jahrhunderts haben Hunderte von Menschen hierdurch ihr Leben verloren. Daß der Weingeist ein Genuß- Mittel ist, führt Redner aus, darüber sind alle einig, daß er ein Nährmittel ist, kann noch bestritten werden, für das Krankenbett aber dürfte die Frage in dem von dem Referent ausgeführten Sinne entschieden sein. Redner macht besonders auf den Wein- ßieist als therapeutisches Mittel gegen Diph theritis aufmerksam. Von all' den Mit- i«ln, die gegen die mörderische Krankheit der Diphtheritis angewendet werden, empfiehlt inch vielleicht der Alkohol am meisten. Durch den Weingeist wird die Verbreitung des Giftes im Organismus gehemmt. Wenn wir beim Typhus Weingeist verabreichen,
thun wir es nicht, um zu erregen, sondern um den Kranken entsprechend zu nähren, sämmtliche Functionen des Kranken gehen dann relativ gut vor sich. Gerade bei der Weingeisttherapie des Typhus ist aber auch viel gesündigt worden, man heilte den Kranken vielleicht vom Typhus, trieb ihn aber einer viel schwereren Krankheit entgegen, nämlich dem Alkoholismus. Auch Redner warnt schließlich vor dem Mißbrauch des Weingeistes seitens der Gesunden.
Der Nachmittag wurde durch hochwissenschaftliche Vortrage der Herren E. Pfeiffer, Jürgensen und Filchne ausgefüllt. Um 6 Uhr „flieg" das solenne Congreßdiner. Prof. Deube hielt den Kaisertoast, dem die Versammlung die Absingung der National- Hymne folgen ließ; Jürgensen pries in beredten Worten Wiesbaden und seine herrliche Natur. Herr Dr. v. Jbell erwiderte in schwungvollen Worten mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf das Gedeihen des Congresfes. E. Leyden toastete auf Leube, Curschrnann auf die ausländischen Gäste, Catani-Neapel auf die deutsche Wissenschaft, den Schluß bildete Becker-Heidelberg mit einer ebenso witzigen als hnmor- vollm Tafelrede. Die Stimmung war eine sehr gehobene, um 11 Uhr verließ der Schreiber dieses als Letzter der Mohikaner die gastlichen Raume des Kurhauses. Verpflegung, sowohl die „Atzung" als der „Weingeist" standen auf der gewohnten philippinischen Höhe.
Handel und Verkehr.
Limburg, 11. April. Rother Weizen pro Malters 15.70, weißer Weizen JL 15.30, Korn JL 10.40, Gerste JL 9 50, Hafer JL 6.80, Erbsen JL 00.00, Kartoffeln JL 0.00.
Frankfurt, 11. April. Auf dem heutigen Markt kosteten Karttoffeln per Malter JL 6.00-7.00, das Gescheit» 00--H, Eier das Hundert JL 0.00—0.00, daS
St. 6—7 Butter im Großen JL 00.00—00 00, im Detail das Pfund JL 1.10 bis 1.30, Weißkraut per Stück ÖO-OO H, Rothkrcmt per Stück 30—40 H, Kohlrabi per Stück 0—0 H, Ochsenfleisch per Pfund 45—70 H, Kuh- u. Rindfleisch 35—60 Kalbfleisch 35—50 H, Schweinefleisch 60-70 H, Hammelfleisch 50-60 H, 1 Hahn JL 0.00-0.00, 1 Huhn JL 0.00—0.00, 1 Ente JL 0.00-0.00, Gans Pfund 00—00 1 Taube 00-00 H, Welsche JL 0.00—0 00.
Schiff-nachrichte n.
Bremen, 10. April. sPer transatlantischen Telegraph.] Der Schnelldampfer Werra, Capt. R. Bussius, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 31. März von Bremen und am 1. April von Southampton abgegangen war, ist gestern 4 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen.
— Warnm stehen die Sodener Mineral-Pastillen bei ärztlichen Autoritäten in so hohem Ansehen? Sehr einfach Deshalb, weil diese Pastillen nicht ein Extract und Gemisch von kraftlosen Wurzeln und Würzelchen, sondern weil sie unverfälschte Produkte der Natur sind, die aus dem Schootze der Erde entsprungen und Salze und andere heilkräftige Stoffe in wirksamster Weise aus der Tiefe an's Licht bringen. Daher mutzten die strengsten Medicmalpolizeibehörden des In- und Auslandes auch die Heilkraft derselben anerkennen und empfehlen sie auch thatsächlich als vorzügliches Sanitätsmittel für alle katarrhalischen Entzündungen der Brust, des Halses, des Kehlkopfes, sowie der Verdauungsorgane. Für 85 per Schachtel in allen Apotheken erhältlich. 24
Für die Ueberschwemmtcn gingen ferner ein: Ung. 2 JL, N. N. 3 JL, Kreis- assistenzarzt Dr. Schmidt 10 JL, I. S. 4 C. W. Wwe. 3 »AL, A. M. 10 «X, C. Sirconlomb 2 JL, Frau Greiner 2 JL, C. K. 5 JL, Premier-Lieut. C. 10 JL, A. M. 5 JL, Dr. Stammler 10 JL, Oscar Zack, Reinertrag seiner Vorlesung am 10. d., 132 JL, Kahle 1 JL 50 H. F. N. 5 JL, F. H. 5 JL, Carl Emmelius 50 JL, insgesammt 259 JL 50^, mit den bereits quittirten Beträgen nunmehr 2092 JL 37 H.
Weitere Gaben nimmt gerne entgegen
Die Expedition des Gießener Anzeigers.
In der Quittung der Nr. 80 vom 6. April waren die Spender zweier Gaben nicht aufgeführt und zwar: 4-k'-Tisch bei Haubach 3.50 JL, L. M. 5 Die Summen selbst sind in der Quittung enthalten, da die aufgeführten Posten nur 170.40 JL betragen, während über 178.90 JL quittirt wurde.
Gottesdienst der israelitischen ReUgionsgeseltschast.
Freitag Abend 650 Uhr, Samstag Vormittag 800 Uhr, Samstag Nachmittag
3*o Uhr, Samstag Abend 7™ Uhr. _________________________________
Oeffenlliche Aufforderung. |
Die Erbschaft des am 6. April l'. I. verstorbenen Privatmannes TheodorWortmannzuGieHen üft von dessen Tochter, als gesetzlichen Erbin, unter der Rechtswohlthat des [ Inventars angetreten worden. Es ; werden daher Alle, welche Ansprüche * am fraglichen Nachlaß zu bilden haben, ( . hiermit aufgefordert, solche binnen .
14 Tagen schriftlich oder mündlich ’ nn der Gerichtsschreiberei unterzeichne- | öen Gerichts anzumelden, anderenfalls eauf ste bei Ordnung des Nachlasses Rücksicht nicht genommen werden kann.
Gießen, den 10. April 1888.
Großh. Amtsgericht.
Stammler. 3050
NeffenUlche Bekanntmachung.
Dem verstandesschwachen Eberhard Wagenbaeh zu Aiten- Buseck ist Eberhard Doll daselbst als Curator beigegeben worden.
Rechtsgeschäfte mit jenem können gültig nur unter Zustimmung dieses abgeschlossen werden.
Gießen, den 8. April 1888.
Großh. Amtsgericht.
Stammler. 3049
3047 Ein gebrauchter, gut erhaltener
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