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Nr. HO

Samstag den 12. Mai

1888

Amts- und

für den Kreis Gießen

Bureau r S ch u l st r a ß e 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Arankreich.

ländlichen Gemeinderathswahlen ist ebenfalls noch keine genaue Ausstellung möglich das @efän6ntfe^Ä, ba^ ?m Lhre'l789 zcrstöN Hab7 arnd gerade die ländlichen Wahlen sind zur Beurthetlung des Gesammtcharakters der f allen Wiederherstellungen Feind und wollen nichts von dem wieder au

Republikaner und in 16 die Conservativen die Mehrheit im Gemeinderathe, in den übrigen Arrondtssementshauptstädten ist das Resultat wegen der noch ausstehenden Stichwahlen abzuwarten. Nicht ersichtlich ist aus obiger Meldung, in welchen der 206 Gemeindecollegien mit republikanischer Mehrheit die gemäßigten und in welchen die radikalen Elemente überwiegen, nach privaten Berichten sollen allerdings die gemäßigten Republikaner im Allgemeinen gewählt worden fein. Heber das Gesammtresultat der

i Gemeinderathswahlen wichtig. Recht mäßige Erfolge bei den letzteren hat bis jetzt der | Boulangismus aufzuweisen, doch auch über diese specielle Seite der französischen ! Municipalwahlen müssen noch abschließende Nachrichten abgewartet werden.

Die trt den letzten Tagen wiederholt aufgetretenen Gerüchte über eine derartige Verschlimmerung im Gesundheitszustände des greisen Königs Wilhelm von Holland, daß man einer baldigen Katastrophe entgegensehen müsse, werden in holländischen Blät­tern als unbegründet bezeichnet. Da der König am 17. d. M. vom Haag nach feiner I Sommerresidenz Schloß Loo überzusiedeln beabsichtigt, so scheinen die beunruhigenden Nachrichten über sein Befinden allerdings übertrieben zu fein.

Der Führer der irischen Nationalliga, Mr. Parnell, hat nunmehr ent­schieden Stellung gegenüber dem Vorgehen des Papstes gegen denFeldzugsplan" der irischen Revolutionäre genommen. Auf einem von dem sogenannten liberalen Achtziger- Club in London zu Ehren Parnell's gegebenen Festessen hielt letzterer eine Rede, in welcher er u. A. äußerte, die irischen Katholiken würden sich ihre politischen Pflichten nicht non einem fremden Prälaten Dictiren lassen. Die Jntriguen der englischen Re- gi«L>g mit Rom gegen Irland wären stets mißlungen und würden auch dieses Mal kläglich scheitern. Die Nationalliga und die irische Partei hätten übrigens mit dem Feldzugsplan" nichts gemein. Jndeß wolle er dem Verfahren nicht entgegentreten, welches O'Brien, Dillon und die anderen katholischen Führer in der irischen Bewegung gegen das päpstliche Secret einzuschlagen für angezeigt halten sollten. Mit dieser Erklärung hat Parnell, welcher bekanntlich Protestant ist, die Einmischung des Papstes in die politischen Angelegenheiten Irlands offen zurückgewiesen und es ist nicht zu be­zweifeln, daß sich Parnell hierin im Einklang mit seinen katholischen Lanbsleuten be­findet. Es ist noch nicht bekannt, ob man im Vatican gegen die störrischen Irländer nunmehr straffere Saiten aufzuziehen gedenkt oder aber es mit dieser Zurückweisung der päpstlichen Intervention bewenden läßt; jedenfalls könnte der päpstlichen Autorität durch einen offenen Conflict mit dem katholischen Irland schwerlich gedient sein.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Ps. mit B'-ingerlobn« Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

allen Wiederherstellungen Feind und wollen nichts von dem wieder auflichten, was

JalIe.rxI!6oIt) 2 Schutzmannstellm dahier neu besetzt werden. Etwaige Lusttragende wollen ihre Gesuche nebst den nöthiaen Beilaaen (Witnr yaptere, kre.särMches Zeugmß, Leumundszeugmß, selbstgeschriebene Beschreibung de« Lebenslaufes) binnen 8 Tagen bei uns einreichen. 9

Zur Aufnahme in die Schutzmannschaft werden in der Regel erfordert:

1) ein Alter von mindestens 25 und höchstens 35 Jahren,

2) körperliche Gewandtheit und völlige Gesundheit,

3) guter Ruf und günstige Zeugnisse über seitherige Führung,

4) Kenntniß im Lesen und Schreiben,

m . 5) vorschriftsmäßig abgeleisteter Militärdienst

Gießen, am 9. Mar 1888. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

. niii। Fresenius.

Politische Wochenschau

Gießen, 11. Mai.

Die ungünstigen Nachrichten über das Befinden des Kaisers vom Anfang der Woche haben inzwischen durch beruhigendere Meldungen wieder eine Abschwächung erfahren; die Wiedererholung des Kaisers ist soweit vorgeschritten, daß er bereits am Mittwoch Nachmittag das Bett auf einige Stunden mit dem Sopha vertauschen konnte. Indessen sind leider die Krankheitsbilder bei dem erlauchten Patienten ja Öefartig wechselnd, daß sich aus dem momentan wieder etwas günstigeren Allgemein­befinden desselben noch durchaus kein sicherer Schluß auf eine länger anhaltende Besserung ziehen läßt und ist in Folge dessen auch von der beabsichtigten Reise der Kaiserin nach dem Heberschwemmungsgebiete in Westpreußen bis auf Weiteres abge­sehen worden.

Die starke katarrhalische Affection der Luftröhren, von welcher der Großherzog von Gaden befallen worden ist, verläuft langsam, aber regelmäßig. Der hohe Kranke hat kein Fieber, muß jedoch noch fortdauernd das Zimmer hüten.

Die in den ArhefleP ^er beiden Häuser des preußischen Landtages einge­tretene Pause dürste durch vertrauliche Unterhandlungen über das VolkSschuttastengesetz ausgefüllt werden. Es heißt, die Eonfervativen im Abgeordnetenhause feien nicht sonderlich geneigt, sich den Befchlüssen der Herrenhauscommission hinsichtlich des Schul­geldparagraphen unterzuordnen, sondern an der Fassung seftzuhalten, welche demselben durch die conservativ-clericale Mehrheit des Abgeordnetenhauses verliehen worden ist. Da anderseits sicherem Vernehmen nach das Plenum des Herrenhauses den Beschlüssen seiner Commission zustimmen rötll, so droht durch diesen Zwiespalt zwischen beiden gesetzgeberischen Factoren eine abermalige Verlängerung der Landtagssession. Es wird sich ja am nächsten Montag bei der nochmaligen Abstimmung im Abgeordnetenhause über das Schullastengesetz zeigen, inwieweit die der Regierung zugefchriebenen Be­mühungen, aus die Eonfervativen im Sinne einer Nachgiebigkeit gegenüber den Be­schlüssen der Herrenhauscommission einzuwirken, von Erfolg gewesen sind.

Das Gerücht, der französische Botschafter am Berliner Hofe, Herbette, beabsichtige, zu demissioniren, da er sich mit dem gegenwärtigen radicalen Ministerium in Frankreich nicht im Einklang befinde, hat bis jetzt noch keine Bestätigung erfahren. Der Botschafter trifft am Montag von feiner Urlaubsreife wieder in Berlin ein, um die Leitung der Botfchastsgefchäfte wieder zu übernehmen und muß die aufgetauchte Meinung, der Urlaub lei nur der Vorläufer zu der Demission Herbette's gewesen, wohl zum Mindesten als verfrüht bezeichnet werden.

Die Unterredung, welche der Reichskanzler nach einer Notiz desGeneral­anzeigers" in Frankfurt a. M. jüngst mit zweihervorragenden Persönlichkeiten des Auslandes" gepflogen haben soll, scheint nur ein Phantasieproduct des Berichterstatters des genannten Frankfurter Blattes zu sein. Wenigstens dementirt dieNordd. Allg. Ztg." entschieden die Mittheilungen über den Inhalt dieser angeblichen Unterredung. In derselben sollte sich Fürst Bismarck dahin ausgesprochen haben, daß für die nächste Zeit keine Friedensstörung zu befürchten fei, auch hätte er sich durchaus zuversichtlich über die friedlichen Absichten des Ezaren geäußert, welcher den panslaoistischen Führern keinerlei Einfluß auf die auswärtige Politik einräumte; den Boulangismus soll Fürst Bismarck ebenfalls erwähnt und ihn als bedeutungslos für Deutschland hingestellt haben. DieNordd. Allg. Ztg." erklärt nun diese Äußerungen für vollständig er­funden und fügt ihrem Dementi die Bemerkung hinzu, es fei nicht die Gewohnheit des Fürsten Bismarck, seine Meinungen auf Schleichwegen der Oeffentlichkeit zu über­mitteln; wer sich über die Ansichten des Kanzlers zu unterrichten wünsche, solle sie in feiner Reichstagsrede vom 6. Februar suchen, aber nicht in unwahren und unlauteren Zwecken dienenden Zeitungsnotizen.

Die Gerüchte über angebliche Veränderungen in der österreichisch-ungarischen Diplomatie erfahren jetzt das erwartete authentische Dementi. Die officiösePol. Eorresp." in Wien bezeichnet diese Gerüchte als unbegründet und bezeichnet lediglich die Nachricht, der österreichische Botschafter in London, Graf Karoly, werde im Laufe des Jahres von seinem Posten zurücktreten, als verbürgt, lieber den Nachfolger Karoly's fei noch keine Entscheidung getroffen.

Die Meldungen über die französischen GemeinderathSwahlen lauten noch fortgesetzt lückenhaft. Bis Mittwoch Abend waren erst die Ergebnisse der Municipal­wahlen aus 222 Arrondissements-Hauptorten bekannt und erhielten in 206 Orten die

PariS, 9. Mai. Der Ministerpräsident Floquet eröffnete heute die Ausstellung zur Erinnerung an die Erstürmung der Bastille. In seiner Eröffnungsrede sagte bei selbe: Es werde Niemand jemals mächtig genug sein, um in dem freien Frankreich

Deutschland.

Darmstadt, 9. Mai. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Aller - gnadigft geruht:

Am 5. Mai der am 17. April l. Js. durch die Stadtverordneten zu Worms erfolgten Wahl des Gerichtsaffeffors Dr. Georg Schmidt zu Worms zum Bürger­meisterei-Beigeordneten der genannten Kreisstadt die Bestätigung zu erteilen.

Darmstadt, 9. Mai. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Major Frhrn. v. Follenius, Eommandeur des Großh. Gendarmerie- Distticts Rheinhessen.

Darmstadt, 8. Mai. sMilitärdienstnachricht.j Walter, Hauptmann und Eompagnie-Ehef vom 2. Großh. Hess. Jnf.-Reg. (Großherzog) Nr. 116, unter Ent­bindung von dem Eommando zur Dienstleistung bei dem 3. Hess. Jnf.-Reg. Nr 83 Stellung zur Disposition mit Pension und seiner bisherigen Uniform, zum Mitgliede des Bekleidungsamts des XI. Armee-Eorps ernannt.

Karlsruhe, 9 Mai. Heber das Befinden Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs uurd mitgetheilt, daß bte starke katarrhalische Affektion der Luftröhren einen zwar lang­samen, aber regelmäßigen Verlauf nimmt. Fieber ist nicht vorhanden, doch muß der Großherzog das Zimmer hüten.

,, 9 Mai Bei dem Umbau des hiesigen Riebeckschachtes sind durch

theilweifen Einsturz 18 Arbeiter verunglückt. (S. Depeschen).

, 3 HEburg, 9 Mai. Die Hamburger Bürgerschaft nahm debattelos den Antrag des Senats betreffend die definitive Ausdehnung des nördlichen Freihafenbezirkes, an. Der Senat wrrd demnach auf Grund des Anschlußoertrages dem Reiche gegenüber die Erklärung abgeben, daß das in das Eigenthum des Staates übergegangene Areal zwischen Kleinsleeth und St. Anna einerseits, St. Annensleeth und Neuwandrahm andererseits, einschließlich letztgenannter Straße, zu bem Freihafenbezirk zugezvgen roerbe, daß aber hinsichtlich weiterer Zuziehung des im Anschlußvertrage bezeichneten Stadttheiles zur Ausdehnung des Freihafens, eine Frist auf drei Jahre nach erfolgtem Anschlüsse beim Bundesrath beantragt werde.

Kesternich.

Söien, 9. Mai. DiePolit. Eorresp." erfährt aus authentischer Quelle, daß die von den Zeitungen verbreiteten Gerüchte über bevorstehende bedeutende Verände­rungen tm österreichischen diplomatischen Eorps vollständig unbegründet sind. Richtig sei nur, daß der diesseitige Botschafter in London, Graf Karolyi, im Laufe des Jahres in den Ruhestand treten werde und daß über den Nachfolger desselben noch keine Ent­scheidung getroffen sei.