ihrer Aufgabe widmeten. Das Spiel, durch eine einstündige Pause unterbrochen, dauerte bis gegen 6 Uhr; nach Vertheilung der Preise folgte noch ein Stündchen der Rast und Erholung, bis neue Böllerschüsse zum Scheiden aus Waldesgrün und -Kühle mahnten. Froh und durch die beim Spielen und Turnen errungenen Gaben und Preise besonders beglückt, marschierte die Jugend wieder in die Stadt zurück, wo an der Turnhalle der Feftzug, der natürlich nicht mehr in der gleichen Ordnung wie beim Hinausmarsch gc- halten werden konnte, gegen 8 Uhr Abends sich auflöste. Damit war für die kleine Welt das Fest beendet. Datz nun derartige Feste, wie unser Jugendfest, auch von den großen Kindern besucht werden, ist wohl selbstverständlich, aber einer solchen Theil- nahme wie der gestrigen, hatte sich wohl schwerlich je ein Jugendfest zu erfreuen. Während in den Nachmtttagsstunden die Straßen der Stadt vollständig menschenleer, die Läden geschlossen waren, bewegte sich sozusagen ganz Gießen draußen im Philosophenwalde. Trotzdem die Wirthe viel gethan hatten, um die Festtheilnehmer zu befriedigen, reichten die vorhandenen Sitzplätze bei Weitem nicht aus, bis gegen 7 Uhr, nachdem die Kinder nach der Stadt gezogen, einigermaßen „Luft" wurde. Wie lange die letzten der Festtheilnehmer ausgehalten, wissen wir nicht, ebensowenig vermögen wir über das Quantum des verzapften und natürlich auch getrunkenen Bieres Auskunft zu geben, dies werden die Wirthe und Brauer wohl am besten wissen, nur so viel dürfen wir sagen, daß Jedermann seine Schuldigkeit auch nach dieser Richtung gethan haben dürfte. Fassen wir Alles in Allem zusammen, sehen wir Dieb leiept von einigen kleinen unliebsamen Scenen, die ein großes Fest naturgemäß mit sich bringt, ab, so müssen wir das Fest als vollkommen gelungen bezeichnen. Dies verdankt die Einwohnerschaft nächst dem gütigen Himmel, der gestern zur Feier des Tages sein bestes Gesicht zeigte, allen Denen, die sich um das Zustandekommen des Festes besonders verdient gemacht haben: dem Festcomitö, dem Stadtvorstande und den Schulvorständen, den Lehrern und Lehrerinnen, den Fest- und Spielordnern und Spielordnerinnen. Möge die allseitige Anerkennung, die ihre Thätigkeit gefunden, der Lohn für ihre Arbeit und Aufopferung sein.
Gießen, 10. August. Durch Unvorsichtigkeit hat sich heute Morgen ein Arbeiter an den städtischen Wasserleitungsarbetten in der Ostanlage innerlich eine Verletzung zugezogen. Derselbe wurde zur Untersuchung in die hiesige Klinik verbracht.
vermischtes.
Darmstadt, 9. August. Am 28. März d. I. war in Folge von Hochwasser in der Gemarkung Astheim der Sommerdamm gebrochen. Nun ist gestern auch der dort hergestellte Nothdamm dem Andrang des Wassers gewichen und ein großer Thetl der Gemarkung Astheim steht abermals unter Wasser. Es wird von fachmännischer Seite der Vorwurf erhoben, daß durch rechtzeitige gehörige Herstellung des Dammes das jetzige Unglück hätte verhütet werden können. (F. a.)
Offenbach a. M., 9. August. Geheimerath Schweikard, langjähriger Verwalter des fürstlich Jsenburg'schen Palais, hat sich heute früh auf dem Friedhöfe erschossen. Motiv nicht bekannt.
Geinsheim, 8. August. Betrübende Wassernachrichten bringen die Zeitungen von überall her. Auch im unteren Ried steigt die Roth. Schon seil Wochen sammelt sich das Regenwasser, ohne abfließen zu können, weil die Schleuse nach der angeschwollenen Schwarzbach geschlossen ist, in den Gemarkungen von Erfelden und Wolfskehlen abwärts, so daß man überall auf dem tiefer gelegenen Gelände das Wasser vorstehen und die Crescenz verdorben sah. Auf dem ganzen Gebiet, welches zur Ried- entwässerung vorgesehen ist, hat nicht bloß die Fruchternte und das mit Kartoffeln und Rüben bestellte Gelände schweren Schaden erlitten, der besonders die ärmere Klasse trifft, sondern auch die Wiesen konnten zum großen Theil bis heute noch nicht gemäht werden, und an Grummet ist da nicht zu denken. Die Folge davon ist, daß der Preis für das, was man jetzt im Wasser mähen und auf trockene Plätze zum Dürrmachen heraustragen konnte, aufs drei- und vierfache gegen früher gestiegen ist. Auch in den Gemarkungen Trebur und Astheim waren die Wiesen seither schon völlig überschwemmt. Zu allem Unglück bringt jetzt der Rhein, der den ganzen Sommer nicht bedrohlich war, wiewohl er den Stand von 11—12 Fuß Oppenheimer Pegel erhielt, Grund ernster Besorgniß. Rasches Steigen am Samstag auf 14, Sonntag auf 15,8 gestern, (Dienstag) auf 16,2 Fuß gefährdet den Sommerdamm, weshalb in den letzten Tagen in den zwischen ihm und dem Landdamm gelegenen Ländereien, den log. „Auen", fieberhaft gearbeitet wurde. Es ist gelungen, fast die ganze Gerste, zum Theil aus dem Quellwasser heraus, zu mähen. Freilich mußte sie sofort gebunden und noch frisch in die Scheuern eingesahren werden! Aber Wetzen und Hafer sind noch zu unreif, Wiesengras steht noch, und eben 9 Uhr Bonn., wird durch die Schelle Mannschaft aufgeboten, um zu versuchen, ob der kleine Quelldamm, der die Ludwtgsau von den nördlich gelegenen Auen abschließt, durch Aufdämmen mit Grund noch rechtzeitig erhöht werden kann. Denn auf der Hohenau ist der Damm, der im Winter schon einmal gebrochen war, aufs neue durchbrochen und der Rhein droht dadurch von unten her in wenigen Stunden auch unsere Au zu überflulhen. Dann ist nicht bloß was dort steht verloren, sondern auch diesseits des Landdammes wild das Quellwasser höher steigen und furchtbaren Schaden an den bis jetzt noch oelschonten Fluren anrichten. Von den 20 Fluren unserer Gemarkung sind nur 5 dem Gründ- oder Quellwasser nicht unterworfen. Dazu steigt der Rhein, obwohl von oben her, seit gestern Fallen gemeldet worden ist, noch immer. Heute früh steht er 16 Fuß 5 Zoll.
Eben, Nachmittags 4 Uhr, komme ich von einem mehrstündigem Gange in die Aue zurück und vervollständige meinen Bericht von heule Vormittag. Unsere Lage ist nicht ohne, große Gefahr; aber zunächst ist Herr Gutsbesitzer Touchon auf der Hohenaus am härtesten betroffen. Schon von weitem hört man dort das Rauschen des Rheins, der durch den gebrochenen Sommerdamm in dessen Aue stürzt. Die Bruchstelle ist direkt neben der dort stehenden Wassermaschine, der selbst im Wasserschwall
bemfdben ^atz, wo im März der Tamm gewichen war. Der bflM ?IS geschlagene Nothdamm war nicht stark genug, dem jetzigen iU ^n, und zeigte gestern schon gefahrdrohende Erscheinungen, so 10 Mete? wurde. Heute früh */22 Uhr ist er gebrochen: der Kolk ist wohl 10 Meter breit, 5 Meter tief, yerr Touchon hatte alsbald telegraphisch 3 Schiffe voll RbeinseileaCftc?f' bcrcen eines gerade während meiner Anwesenheit auf der Jiöeinfeite des Dammes ausgeworfen wurde, um da einen Nothdamm zu bilden. Doch mor0CrnJrilb nicht möglich fein, die Bruchstelle auf diese Weise der Ö verschließen. Es ist fraglich, ob man dann noch Grund genug läcfe wbma?n^hesCn Thett von der Gemeinde Trebur gelieferten Sand-
mSAtM ^en .Zudrang des Wassers abzuwehren. Derweil strömt aber der J?bcin m die Aue, wo noch 200 Getreide-Morgen auf dem Halm stehen, , letzt schon verloren sind. Ein höchst bedeutsamer Schaden, ohne den, den Herr faaelaueMft^M*11?^611^ ^scenzen erleidet. Die angrenzende Backsteinfabrik von ^len von 9mnm & ? heute Vormittag untergelaufen; ein gerade fertig eingesetzter i7nh m Oteinen, der heute in Brand gesetzt werden sollte, ist im Was er
J" umß durch Verweichen völlig verderben. — Auf der südlich angrenzenden Oberau fing man, um sie vor Ueberfluthung von der Hohenau her zu schützen, heute Mittag an, Grund "u erhöhen 8Um Hauptdamm Ziehende Quelldämmchen durch aufgeworfenen ^^uerhältnißmäßig hochgelegene Oberau wird die Ludwigsaue unters &tfXX mit eiligem Abernten ihrer Kartoffel- und
ff Sa? l Uebrigen hat die Aue Graswuchs, das Heu ist da
fit*?beigentWmer ift ber Fiscus. An d-m biefe 2lue von b-r Kraffts- “"b Kornsanb geheißen, abgrenzenben Ouellbamm fanb ich 15 Mann
SÄ tzt bem Morgen in angestrengter Thätigkeit, es burch Aufsetzen von feuchtem SMit b77nhm?nem,°?efflOT mhbemm 6c n^aficr,V ro.cnn eS- roie erwarten steht, biefe Jiaajt die Ludwrgsaue füllt, den Weg oberhalb in der Kornfandgemarkung zu ver- D-nnhier ist nicht bloß außer Kartoffeln unb Fut.e?gewächsen 7°ch °7ele ,roelb.c.n muß, sonbern es würbe auch, wenn ber Korn- &hef M'nm bn° rolbcr Landbamm zu stehen käme, bem biesseitigen
L b chlimmste Schaben brohew Das Regen- unb Quellwasser, welches hier
Vieles -erhorben hat, würbe bebeutenb vermehrt werben unb ben ganzen Herbst S mebr °us bem Feld zu enffernen sein, auch wenn ber Rhein roieber bebeutenb IT Ja a(?er °.Äen911^ Zkzug fehlt. Es ist noch ein Glück bei allem Unglück, bafe das Hochwaffer nicht 2—3 Wochen früher kam und daß wir mit Ausnahme des Sonntags seit 8 Tagen trockene Witterung haben, die das Ernten begünstigt. Jmmer- L"Lber Schaden für hier, ungerechnet der vermehrten Plage für Menschen und Vieh, sich auf Tausende belaufen. (D. Z.)
Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen.
Coangrlischk Gemeinde.
Gottesdienst.
11. Sonntag nach Trinitatis, den 12. August: Vormittags 9>/- Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
m r ,c Nachmittags 2Vr Uhr: Pfarrer Schlosser.
Nach beiden Gottesdiensten Kollekte für die innere Mission in Hessen. Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr, Pfarrer Schlosser.
, „ Katechismuslehre für bie Mäbcheu, Vormittags 9>/- Uhr, in ber Friebhoss- kapelle, Pfarrer Schlosser.
Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 12. bis 18. August besorgt Pfarrer Dr. Naumann.
Katholische Gemeinde.
Von Um
12. Sonntag nach Pfingsten.
6 Uhr an Beichte.
„ ,7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communion.
Um VilO Uhr: Hochamt und Predigt.
„ 2 Uhr: Andacht.
Nächsten Mittwoch wird das Fest Mariä Himmelfahrt gefeiert und nach dem Gottesdienst eine Kollekte für die Waisenanstalt zu Neustadt gehalten.
AUKatholilcher Gottesdienst.
S?"ntag, d en 12. August, findet in der Stadtkirche Morgens um acht Uhr altkatholischer Gottesdienst statt.
Gottesdienst in der Synagoge.
.Freitag Abend 6« Uhr, Samstag Morgen 8™ Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr Samstag Abend 815 Uhr.
Wärmegrade der Lahn und der Luft, nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr.
Luft 21i/», Wasser 15 Gr.
Gießen, den 10. August 1888. Rübsamen.
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