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Samstag den II Februar
1888;
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
ähite*ut Schulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Hßeil.
Bekanntmachung.
SamStag den 18. I. M, Vormittags 10 Uhr, findet im Regierungsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung de- Kreistags deS Kreises Gießen statt.
Tagesordnung: 1) Prüfung von Kreistagswahlen.
2) Prüfung der Kreiskafferechnung für 1886/87.
3) Erstattung des Rechenschaftsberichts für 1886/87.
4) Feststellung des Kreiskaffevoranschlagslfür 1888/89.
Gießen, den 9. Febmar 1888. Der Vorsitzende des Kreistags des Kreises Gießen.
__Dr. Boekmann.____________________________
Betreffend: Die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig - sreumlUgen Dienst aus Grund von Scyutzeugmjsen.
Bekanntmachung.
Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch auf die nachfolgenden, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständige Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden.
1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs-Commission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzog- thum Hessen gestellungspslichtig ist, d. h. seinen dauern
den Aufenthaltsort hat-
2. Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem der sich Meldende das 20. Lebensjahr vollendet. Der Nachweis der Berechtigung zum einjährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres zu erbringen.
3. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Acteniormat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird.
4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:
a. Geburtszeugniß;
b. ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit ».Fähigkeit, den Freiwilligen
während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen;
c. ein Unbeicholtenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realschulen, Progymnasien und höheren Bürgerschulen) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen junge« Leute durch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist;
8. das Schulzeugniß.
Sodann wird noch besonders bemerkt:
Zu pos. b: daß in den: Einwilligungs-Attest die Erklärung des Vaters oder Vormundes, in der Lage zu sein, den Freiwilligen während des emjährigen Dienstes unterhalten zu können, nicht fehlen darf.
Zu pos. (1: daß de Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reifezeugnisse für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifezeugnisse für die Prima der Gymnasien und Realschulen I. Ord., sämmtlich nach dem Schema 17 zur Ersatz-Ordnung (I. Theil der Wehr - Ordnung vom 28. September 1875 Reg.-Vl. Nr. 55 von 1875) ausgestellt sein müssen.
Im Uebrigen wird smf die Bestimmungen der §§ 88, 89, 90, 93 und 94 der angeführten Ersatz-Ord. verwiese«.
Großherzogliche Prüfunzs-Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: Dr Z - ller
Politische Wochen - Ueberfkcht.
Gießen, 10. Februar.
Die epochemachende Reichstagsrede de« Fürsten Bismarck über die europäische Lage hat ein gewaltiges Echo in ganz Europa geweckt und pielt sie in den politischen Betrachtungen der Presse aller Länder auch jetzt noch die erste Rolle. Eine geradezu enthusiastische Ausnahme ist der Kundgebung des Reichskanzlers in den österreichischen und ungarischen Blättern zu Theil geworden, wobei allerdings schon die Veröffentlichung des deutsch-österreichischen Bünd- nißvertrages vorgearbeitet hatte. Sehr sympathisch klingen auch die Urtheile der englischen und italienischen Presse — steht man von einzelnen Ausnahmen ab — über die Bismarck'sche Rede, dagegen lauten die Commentare, welche die Pariser Blätter zu diesem weltbewegenden Ereignisse geben, um so absprechender und zeugen sie fast ausnahmslos von dem gehässigen Bestreben, den Auslassungen des Fürsten Bismarck bedrohliche Motive zu unterschieben und sie ihres doch unverkennbar friedlichen Charakters zu entkleiden.
An der mächtigen Wirkung der Kanzler-Rede auf das Ausland hat indessen dis Haltung des Reichstages und der gejammten deutschen Nation gewiß mit ihren Anthetl. Die in den Beschlüssen des Reichstages vom Montag bekundete einmüthige Zustimmung aller Parteien des Reichstages zu den Worten des Kanzlers wie die Begeisterung, mit welcher dieselben nicht nur im Parlamente, sondern auch draußen im Lande, in allen Gauen Deutschlands ausgenommen worden find, redet zum Auslände eine außerordentliche verständliche Sprache, denn Freund und Feind des deutschen Reiches weiß es jetzt ganz genau, daß alle deutschen Stämme wiederum wie Ein Mann zusammenstehen würden, wenn es von Neuem gälte, einen Angriff aus das Vaterland abzuwehren. Hoffentlich wird diese ernste Lehre, welche die denkwürdige Reichstagssitzung vom 6. Februar in sich schließt, vor Allem bei den dunkeln Elementen, denen das kräftig emporstrebende Kaiserreich der Hohenzollern ein Gegenstand steter Befehdung ist, auf lange hinaus nachwirken!
In der Socialistengesetz-Commission des Reichstages sind die seitens des Abg. Dr. Windthorst zu dem bisherigen Gesetze beantragten abschwächenden Amendements abgelehnt worden.
In der Erregung, welche die hochpolitischen Ereignisse der letzten Tage hervorgerufen haben, ist es wohl nicht allseitig beachtet worden, daß die Nach
richten über den deutschen Kronprinzen jetzt wieder etwas beunruhigender klingen. Die Nachrichten der „Kreuzzeitung" und der „Post", nach welchen sich der Luströhrenschnitt beim Kronprinzen vielleicht eher nothwendig machen könnte, als bislang angenommen worden sei, haben sich leider bestätigt, denn die uns heute zugegangene Privatdepesche meldet, daß gestern Dr. Bramann diese Operation bereits vorgenommen, daß aber der Zustand des Kronprinzen befriedigend sei.
Jenseits der Vogesen ist die Stimmung, welche die Darlegungen des Fürsten Bismarck über die allgemeine Lage hervorgerufen haben, eine denselben recht ungünstige, wie schon angedeutet. Ohnmächtige WutA Grimm, Haß und ähnliche Regungen spiegeln sich in den Betrachtungen der frcknzösischen und speciell der Pariser Presse über die Bismarck'sche Rede zum größten Theile wieder, obwohl der Kanzler Frankreich eigentlich gar nicht zu nahe getreten ist. Vielleicht ärgert die Franzosen das nationale Selbstbewußtsein, welches so hell aus den Aeußerungen des deutschen Kanzlers strahlt? Sei es, die blindwüthige Kritik der Franzosen vermag an der Bedeutung der Bismarck- Rede kein Jota 'zu ändern.
In Oftafrika scheint der längst erwartete Zusammenstoß zwischen den Italienern und dem abyssinischen Heere endlich bevorzustehen. Wenigstens berichtet der italienische Telegraph aus Massauah von kleinen Scharmützeln, die seit einigen Taaen zwischen den den Italienern befreundeten Stämmen und den Vortruppen des Negus stattfinden und welche man vielleicht als die Einleitung zu den entscheidenden Kämpfen betrachten darf. Nach der Verstcheruna de» osficiösen Telegraphen hätten die Abyssinier in diesen kleinen Neckereien überall den Kürzeren gezogen, während die Verbündeten der Italiener überhaupt keine Verluste gehabt baden sollen. _________________________
Deutscher Reichstag;
33. Sitzung vom 9. Februar 1888.
Erster Gegenstand der Tagesordnung ist zweite Berathung des Anleihegesetzes für Zwecke des Reicbsheeres.
Abg. Frhr. v. Huene als Referent der Budgetcommission constatirt, datz die gewünschte Specifictrung der Vorlage in der Commission vom Kriegsminister gegeben und eingehend discuttrt worden fei. Die Commission erklärte sich durch die gegebenen Mittheilungen für befriedigt und bitte das Haus, die Vorlage unverändert anzunehmen.


