Nr 15S Dienstag den 10. Juli 1888t
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Dureau r Schul st raße 7.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pfl
Lokales.
Gießen, 9. Juli. Das gestern hier abgehaltene Zweite Turn fest des Lahn- Wetter-Gaues nahm bei günstigem Wetter den glänzendsten Verlauf. Nachdem das ?cest durch ein Banket am Samstag Abend in Stein's Garten, besten Besitzer sein aames ohnehin so prachtvoll angelegtes Etablissement zu einem Festplatze, wie man ibn schöner sich nicht wünschen kann, umgewandelt hatte, gewrstermaßen emgelettet worden, begann der Festtag mit der von Der hiesigen Regimentsmusik am Sonntag Morgen 6 Uhr ausgeführten Reoeille. Die hierauf nach und nach emtrestendenMurner und Turnfreunde vereinigte im Laufe des Vormittags em ^ftubconcert m Stein s Garten. Die Turner von Marburg wurden mit Musik vom Bahnhof abgeholl und nach dem Standquartier, Eafs Schnell, geleitet. Der um 2 Uhr vom Wallthoraus durch die Straßen der festlich beflaggten Stadt gehende Feftzug bot uns ein entzückendes Bild frischen fröhlichen Treibens, denn er wurde nicht, wie vielleicht schon so manche derartige Festlichkeit, durch Regen gestört, wenn auch am Morgen mancher Blick nach Oben mit pessimistischen Gefühlen ob der Beständigkeit des Wetters Q e V enbetroo r b e n. Nun, der Himmel hatte Einsehen, er ließ am Festtage die Mutter Erde hübsch ttocken und ermöglichte somit die Ausführung des Festzuges, des Glanzpunktes des ganzen Festes. Obwohl die Zahl der zum Lahn-Wetter-Gau gehörigen Vereine eine kleine st, so hatte der Zug doch eine stattliche Länge; zwei Musikcorps, sowie das Trommler- und Pfeifercorps des Wiesecker Turnvereins und die Tamboure der Freiw- Gall scheu Feuerwehr gaben demselben das musikalische Geleite. In dem Zuge, eröffnet von der Freiw. Gajl'schen Feuerwehr, marschirten nach dem Festcomllö folgende Turnvereine. Krofdorf, Wieseck, Ltch, Heuchelheim, Marburg, Wismar, Gießen; ferner von sonstigen hiesigen Vereinen die Gießener freiw. Feuerwehr, der Radfahrverein (beider malerischen Tracht seiner Mitglieder und den geschmackvoll ausstaffirten Fahrmaschinen besonders effectvoll) der Schützenverein, Bürgergesellschaft, sowie die Gesangvereine Bauer scher Gesangverein, Harmonie, Lieberkranz und Sängerkranz.
Die Einwohnerschaft Gießens nahm an der ganzen Feier lebhaften Antheil, sie "“"“ÄS SÄ«®« -i. «f «=*"
Gießen, 9. Juli. Angesichts des heutigen herrlichen Wetters sei auf das heute als Nachfeier des gestrigen Turnfestes auf dem Festplatze in Stein's Garten ftatt- findende Concert aufmerksam gemacht.
machte Nachmittags Ihrer Majestät der Kaiserin-Wittwe Victoriaeinen längeren Besuch und unternahm später eine Spazierfahrt. Zum Thee war
berg geladen. Heute nahm Se. Majestät der Kaiser mehrte- Vorträge und militärische Meldungen entgegen und arbeitete mit dem Ehes des Mllitarcabinets, General von Albedpltt Neuen Preußischen Zeitung" zufolge wäre der Generalfeldmarschall Prinz Georg von Sachsen auch zum Fnspecteur des 5., 6. und 12. Armeecorps (erste ArmecInsmUion)^e^nmmt mordeu.^ ^^erallieutenant von Caprivi bei Annahme seines Entlassungsaesuches das Großkreuz zum rothen Adlerorden.
— Der Reichsanzeiger" oeröst'entlicht eine Verordnung vom 2. d. M. über die Recktsverbältniste in den Schutzgebieten von Kamerun und Togo. Danach tritt daselbst das Gesetz über die Consulargerichtsbarkeit am 1. Oktober 1888 in Krc^t. Der Gerichtsbarkeit unterliegen alle in dem Schutzgebiet wohnende oder sich aufhaltende Personen, die Eingeborenen jedoch nur, insoweit fte ber ®ert^^t§barfdt befonber§ unter; stellt werden. Der Gouverneur von Kamerun bestimmt mit der Genehmigung des Reichskanzlers, wer als Eingeborener im Sinne dieser Verordnung anzusehen und inwieweit auch die Eingeborenen der Gerichtsbarkeit zu unterstellen und. Für Kamerun besteht in Kamerun, für Togo in Togo ein Gericht erster Instanz, für beide anftatt des Reichsgerichtes ein Berufungsgericht in Kamerun, welches aus den zur Ausübung der Gerichtsbarkeit zweiter Instanz ermächtigten Beamten als Vorsitzenden und aus 4 Beisitzern besteht. Die übrigen Paragraphen enthalten Detailbestimmungen. Die Todesstrafe ist durch Erschießen oder durch Erhängen zu vollstrecken. Der Gouverneur von Kamerun bestimmt die Art der Vollstreckung.
' Potsdam, 6. Juli. Die Antwort des Kaisers Wilhelm an die Deputation unserer städtischen Behörden lautet wie folgt: ,
Mein Vater hat, wie Sie ja wissen, Potsdam ganz besonders lieb gehabt, und aus vielen einzelnen Anzeichen und Andeutungen habe ich die Ueberzeugung gewonnen, ! daß der Kaiser den Wunsch hatte, in Potsdam auch zu sterben. Mein Vater wußtt sich selbst wohl viel kränker, als er es irgend Jemand merken basten mochte, dennoch • drang er damals auf die Abreise nach Potsdam, obwohl das Wetter ungünstig war und Die Aerzte eigentlich dagegen waren, wohl nur um alle die Platze noch einmal wieder zu sehen, welche ihm so lieb waren, und dann in seiner Vaterstadt sterben.,
7. Juli. Heute Nachmittag fand auf der Werft derAktiengesellschaft Weser der Stapellauf des Avisos „Ersatz Pomerania" statt. Das Schift wurde auf Befehl Sr. Majestät des Kaisers durch den Diceadmical Grafen Monts „Jagd getauft. Ein 'zahlreiches Publikum wohnte der Feier bei.
Dänemark.
Kopenhagen, 7. Juli. Der König und die Königin von Sachsen besuchten I beute 'mit dem König und der Königin, dem Kronprinzen, der Kronprinzessin und I sämmtlichen Ministern die Ausstellung. Die allerhöchsten mid höchsten Herrschaften I durchschriten zunächst die schwedische Ausstellungsabtheilung. Sodann stellte der deutsche I Gesandte die deutschen Ausstellungscommissmien vor, die Gemahlin des Viceconsuls I Faber du Four überreichte der Königin von wachsen, sowie der Königin und der Kron- I Prinzessin von Dänemark Blumensträuße. Hierauf wurde die deutsche Ausstellungs- I Abtheilung eröffnet. Das Arrangement der deutschen Ausstellung und die ausgestellten I Gegenstände von Silber und Porzellan, sowie die Erzeugnifte der deutschen Kunft- j industrie in Eisen, Porzellan, Glas und Leder fanden allgemeine Bewunderung. Die allerhöchsten Herrschaften besuchten hierauf di- russische Abthe.lung, .r. welcher der I russische Gesandte dieselben willkommen hieß, und zum Schluß auch alle übrigen Ab- I theilungen. ___________________
Politische Ueberficht.
Gießen, 9. Juli.
roirb Don verschiedenen Seiten bestätigt, daß Kaiser Wilhelm in diesem
Ke M°n°rch-nb7geknung-n werden X auch äußerlich ganz den Ch-r-e.-r derjen.gen mit demrussischen K-i^hab-n. Kammer Conserenzen der UHen»en
Es hat -un ) , und Italiens in Kistrngen oder in |
stattsinden’roe?^ ^D^ittllienttche^Zeitung „Tribuna" hält wenigstens ^riedrich^ruh auirecbt und behauptet bestimmt zu wissen, daß der italienische
XXrKÄ Ä Wachen nach Deutschland reisen werde. Nttnisterprai v am Freitag seine letzte Sitzung vor den Ferien gehalten.
, , Arbeiten wieder ausgenommen, und wenn man sich vergegen
bau außer den^ imm«htn dach zahlreichen lausenden Geschäften zu erledigen r ArbeUer Alterversargungsgesetz in erster und zweiter Lesung, sowie der bis
em iertia aesteÄe Th-U des bürgerlichen Gesetzbuches und der R-ichshaushaltseta. so 1 hnfe6ben Lundcsrath eine selten umsassende Thätigkeit erwartet. Man glaubt, ÄÄSÄ I
Ä- SS*Ä’Ä -L Sä» [w* rb XSÄXS’ begeben. Am Freitage präsidirte der sitze Friedrich-,i.uhe z g preußischer Ministerpräsident noch einer Sitzung
'SSSW- Ä — W d-- 1-1«
“ ...
aöni«6famitie ein Akt abfpiclt, der auf die Scheidung des Königs Milan serbische« «S «^am $ur mit icm Kronprinzen in Wiesbaden weilt, abivi lt Die Schetdungsgründe sind persönliche undpolitische und sind bereits dem . " !°rbischen Gerichtshöfe wie auch der obersten Kirchenbehorde unterbreitet. Der
«ön a Milan beschuldigt leine Gemahlin, welche di- Tochter des russischen Obers-N ft0n’8 fi, fid) ciammächtig in di- Politik des Landes Mische und Serbien
Äe» S«Ja, der König hat sogar B-weise dafür ’L.'l bie Königin von Rußland und Montenegro her gegen den König con- iv ri« und ihn zur Mdankun» zu Gunsten seines Sohnes zwingen wolle. Niemals mill der König Milan wieder mit seiner Gemahlin zusammen leben, und aus eine ,L„n Don ihr nur dann Verzicht leisten, wenn sich die Königin ver- nm&kt zur GroßjähUgkeit des Kronprinzen im Ausland- zu bleiben, alle Jn- pflichtet, bis zu Bl Kronprinzen dem Könige übergebe. Wie es heißt, will die „iguen un«und enKr«i Kriegsminister Pro.tsch und der
L-ndesbisch-s Zimittije weilen seit Samstag in Wiesbaden, um die Verhandlungen mit Besuche '«öniUfamiH« und der Kopenhagener Welt-
n..°slellun7 tra am Freitag Abend das sächsisch- Konigspaar in Kopenhagen ein. Den hoben Gästen ward seitens der königlich - dänischen Familie ein ausgezeichneter Gmviang zu Theil. Der König und die Königin verblieben den 7. und 8. ^.u i n Kopenhagen und reiften am 9. Juli nach Stockholm.
Deutschland.
ir r cvun Seine Königliche Hoheit ber Erbgroßherzo g wirb I
MSWMW
^Gl-ich-rw° - sind in B-tr°sf einer in Aussicht gestellten Reise des Groß- Gerüchtes. Gl-tcherwe 1 i be{anntIid) nod) im Fürstenlager zu Seeheim - nach englani zu einem Besuch der Königin noch keinerlei definitive Bestimmungen I getroffen. ausgefallen, daß sämmtliche zu den zwölstägigen Uebungen der I
, . - ?,^7.7aenen Ossiztere di- Unisorm des zweiten Großherzogltchen Jnsanter^ Landwehr emgzg sjrßtrntd)telt ist es aber die vom Großherzoge vor Kurzem erst Regiments tragen, jn -Ui Uniform. Kusolge allerhöchster Verordnung tragen
für di- 49 Se S-itz-Paitenand-nA-rm-lauischlägen,
namli* bte tanbn>rt ' Die Preußischen Landwchr-Osfiziere haben sammtlich ^ie^nigeu der 50. Brigade c? ^dachselstücken die Nummer der Brigade zu tragen, „the und °uf d°n F-ldach^^ aalfcrin finb 6eut, anläßlich des G°-
Berli«, - 3 eltc[ Friedrich zahlreiche Glückwünsche dargebracht worden. burtstageS d-s Prmrmi O pHtten Garde-Ulanen Regiments aus dem
Bei dem heutigen "l-ntsererz ercn persönlich die Führung des Regiments
B°r"f^dt°r 2-idr erschien der Kaiser, uo^ Donnerstag findet bei den Majestäten im LdUchlosi- zuP°tsd°m Laßeres Diner statt, zu dem all- Botschafter, Gesandte
und Missionschefs S-laden sind. bcm diesseitigen Botschafter in 1
»• ~ w 1


