Ausgabe 
10.3.1888 Erstes Blatt
 
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Don Um

« Betriebsüberschuß der Oberhessischen Eisenbahnen gibt zu eingehenden Debatten Veranlassung, indein die Großh. Regierung eine Viehrausgabe von etwa 74 000 «tt gegenüber dem vorigen Budget eingestellt hat.

Die Mehrheit des Ausschusses wünscht bei dem Personal-Etat der Nebenbahn Nidda-Schotten Strick des mit 1200 JL eingestellten Stations-Assistenten; ebenso bei der Nebenbahn Stockheim-Gedern Strich der mit zusammen 2600 Jt eingestellten (Hehalte für 2 Stationsassistenten. Die Minderheit beantragt Strich der beiden Bahn­meisterstellen bei Nidda-Schotten.

Betriebsdirector Altvater plaidirt in eingehendster Weise für den von der Regierung eingestellten Betrag, welcher es nur möglich mache, diese Bahnen in ordnungsmäßiger Weise zu letten.

Abg. Schröder glaubt, daß man mit den vom Ausschuß vorgeschlagenen Beträgen vorerst recht gut auskommen könne, zumal man sich von den Einnahmen dieser Nebenbahnen nicht viel versprechen dürfe.

Auf anderen Bahnen, z. B. den Straßenbahnen der Feldabahn sei viel weniger Personal verwendet als die hier vorgesehenen Etats aufführen.

Abg. Sturmfels spricht für die Regierungsforderung, ebenso Abg. Schade.

Nach erfolgter Abstimmung wird, nachdem die Mehrheit des Ausschusses ihren Antrag auf Strich zurückgezogen, die Regierungsforderung angenommen.

Zu Ttt. 5, Erhebungen durch die Lokalkassen und Ttt. 6, Unmittelbare Er­hebungen der Hauptstaatskasse, erfolgt keine Bemerkung und wird somit der Ausschuß- Antrag auf Einstellung der unter Kap. 2, Tit. 16 aulgeführten Beträge von zusammen 907 494.65 Jt mit -allen gegen eine Stimme angenommen.

Es folgt Haupt-Abtheilung III, Jndirecte Auflage.

Kap. 4, Ttt. 1, Tranksteuer von Wein und die Petition der Wetnwirthe des Großherzogthums um Aufhebung der Weinsteuer.

Hierzu ist ein Antrag der Abgg. Ohly, Bergsträßer, Arnold und Vogt eingegangen:Die Kammer wolle hohe Staatsregierung um Vorlage eines Gesetzes ersuchen, durch welches die Besteuerung des Wetn-Eonsums gleichmäßig und in gerechter Weise geregelt werde."

Der Antrag wird an den Ausschuß verwiesen.

Abg. Ullrich (Soc.) und Pennrich erklären sich gegen jede indirecte uni) directe Besteuerung des Weines, welcher et« Nahrungsmittel des Volkes sei.

Abg. Schröder erklärt sich im Sinne des Antrags Ohly für eine event. Besteuerung. , c ..

Der Ausschuß beantragt Einstellung von 280 000 JL in Einnahme und die Eingabe der Wirthe für erledigt zu erklären.

Der Antrag wird mit allen gegen 5 Stimmen angenommen.

Schluß der Sitzung V,2 Uhr.

und Gießen handele, indem mit Lang-Gons und Umgebung der Umfang des Bezirkes abschttcße, für welchen eie gewünschie Verbindung mit Gießen von besonderem Interesse sei. Als Zeit der Ankunft und bezw. Abfahrt der Züge in Gießen wurde für den Sommer 5« Uhr Morgens, für den Winter 6t2 Uhr Morgens und bezw. 620 oder 625 Uhr Abends als wünfchenswerth bezeichnet.

Metzen, 9. März. Heute Vormittag '/r9 Uhr begann unter dem Vorsitz des Herrn Landgerichtsdireclors Mutb vor der hiesigen Strafkammer die Verhandlung gegen den früheren Landtagsabgeordneten Reinhard Sckaum von H^rrenhag bet Büdingen, welcher angeklagl wild, daß er durch zwei selbstständige Handlungen in den Jahren 1886 und 1887 bei der Untersuchungsfache gegen ihn wegen Betrugs es unter­nommen habe, die Zeugen Ernst Stemmler von Wiesbaden und Wilhelm Wolter von Leipzig zur Begehung eines Meineids zu verleiten. Verbrechen gegen § 159, 74 des Str.-G.-B. Als Beweismittel dienen die gerichtlichen Geständnisse, die Acten, betr. die Strafsache gegen Schaum wegen Betrugs, die Eorrespondenzen des Schaum mit einer Reihe von Personen und endlich Zeugen. Es sind 10 De- und 7 Entlastungs­zeugen geladen. f*

Den ganzen Vormittag nimmt die Verlesung der verschiedenen von Schaum geschriebenen ober veranlaßten Briefe an Zeugen aus dem Prozeß vom 9. Decbr. v. I. bezw. Personen, welche mit diesen in Berührung kamen, in Anspruch. Um 1 Uhr wurde die Verhandlung bis Nachmittags 3 Uhr vertagt. Eingehender Bericht folgt in nächster Nummer.

SchiffSuachrLchte».

Bremen, 7. März. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Trave, Eapt. W. Willtgerod, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 26. Februar von Bremen und am 27. Februar von Southampton abgegangen war, ist gestern 9 Uhr Abends wohlbehalten in Newvork angekommen.

Bremen, 8. März. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Elbe, Eapt. G. Meyer, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 26. Februar von Bremen und am 28. Februar von Southampton abgegangen war, ist heute 5 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.

Katholische Gemeinde.

Vierter Fasten-Sonntag. ^Laetare).

7 Uhr an Beichte.

8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communis«. VglO Uhr: Hochamt und Predigt.

2 Uhr: Fasten-Andacht.

Am Freitag um 6 Uhr: Fasten-Andacht und Predigt.

Gottesdienst in der Äynagogr.

Freitag Abend 530 Uhr, Samstag Morgen 830 Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr

Samstag Abend 64® Uhr. ________

Kirchliche Anzeige» der Dtsdt Wiegen.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

Sonntag Lätare, den 11. März:

Vormittags 9Vr Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Abends 6 Uhr: Pfarrer Schlosser.

Kinderkirche, Nachmittags 2 Uhr, Pfarrer Schlosser.

Montag, den 12. März, Abends 8 Uhr Bibelftunde in der Kleinkinderschule, Markus Kap. 15, von Vers 33 an, Jesu Sterben und Grablegung.

Pfarrer Dr. Naumann.

Mittwoch, den 14. März, Abends 6 Uhr: V. Passionsandacht in der Kirche. Pfarrer Schlosser.

Am Sonntag Judica, den 18. März, wird Beichte und heiliges Abend­mahl im Vormittagsgottesdienst gehalten werden.

Die Pfarrgeschäste in Der Woche vom 11. bis 17. März besorgt Pfarrer Dingeldey.

verwischte-.

Großen-Linden, 8. März. Auf Antrag der hiesigen Bürgermeisterei und Befürwortung der GroßherzogUcken Handelskammer Gießen, der Stadt Gießen und der Vorstände der benachbarten Orte hat die Königliche Bahnoerwaltung genehmigt, vom 1. April d. I. einen neuen Zug zwischen Friedberg und Gießen und zurück ver­kehren zu lassen. Der Zug von Friedberg trifft Morgens hier um 5 Uhr 31 Min. und in Gießen um 5 Uhr 40 Min. ein und geht Abends um 6 Uhr 25 Min. von Gießen nach Friedberg zurück. Hierdurch wird den Arbeitern aus hiesiger Gegend, welche in Gießen beschäftigt sind, Gelegenheit geboten, von und nach der Arbeit zu fahren und zwar von dem hiesigen Haltepunkte aus zu einem sehr mäßigen Preise. Die hier zur Ausgabe gelangenden Arbeiter-Wochenbillete kosten nur 1 JL, fo daß eine der 12 Fahrten nur 8Vs H kommt. Diese beiden neuen Züge werden mit 3. und 4. Classe ausgerüstet und werden nur versuchsweise verkehren. Sollten die Arbeiter und das übrige Publikum an dieser neuen Einrichtung sich nur wenig betheiligen, dann werden die Züge nur bis 1. Juni d. I. gefahren. Bei genügender Betheiligung dagegen werden btefe Züge dauernd bleiben und im Sommer zu oben angegebener Zeit und im Winter Morgens um 6 Uhr 26 Min. in Gießen eintreffen und Abends um 6 Uhr 35 Mm. von dort abgehen. Die Züge werden auf allen Zwifchen-Stationen und Haltepunkten der Strecke Friedberg Gießen anhalten.

Frankfurt, 8. März. Gestern Nachmittag, als die Depeschen aus Berlin ein­trafen, welche von dem langen tiefen Schlaf des Kaisers berichteten und die Anwesenheit des Reichskanzlers und Moltke's im Kaiserlichen Palais meldeten, herrschte hier eine un­glaubliche Aufregung. An den Eingängen zu den Hauptblättern, wo die Telegramme sofort angeschlagen wurden, dauerte das Gedränge bis in die Nacht hinein. Alles trat gegenüber diesen Nachrichten in den Hintergrund, selbst San Remo und der allverehrte Kronprinz für kurze Zeit. Des Kaisers Befinden war das alleinige Gesprächschema. An den Zeitungs­kiosks sand ein förmlicher Kampf um die Blätter statt. Erst um 8 Uhr, als der Telegraph das Erwachen Kaiser Wilhelm's aus dem tiefen Schlaf meldete, wurde die Stimmung im Volk ruhiger. Die Stimmen zahlreicher Colporteure, welche das Allerneueste ausriefen, dröhnten dem Wandernden aber noch spät Abends entgegen.

Lokale-.

Metzen, 8. März. sAuszug aus den Sttzungsprotocollen der Großh. HandelskammerZ Sitzung vom 24. Januar 1888. Gegenwärtig waren die Herren Eommerzienrath Silbereisen, F. E. B. Koch, S. Heichelheim, A. Katz, C. Klingspor, A. Kraatz, R. Scheel und Hch. Schirmer.

Die Wahlbestätigungsurkunde über die letzte Ergänzungs- und Ersatzwahl Gr. Handelskammer wurde verlesen, wonach die im Dezember v. I. stattgehabte Wahl der Herren Kraatz, Scheel, Schirmer und Gail als Mitglieder der Handelskammer die Ge­nehmigung Großb. Ministeriums erfahren hat. Bei der hieraus vorgenommenen Neu­wahl eines Vorsitzenden der Handelskammer pro 1888 wurde Herr Eommerzienrath Silbereisen von Steuern zum Präsidenten der Handelskammer erwählt. Da die Amts­zeit der im Jahre 1885 auf Grund des § 2 der Verordnung vom 5. Juli 1881 betr. die Bildung eines Eisenbahnbeiraths durch die Handelskammer gewählten Vertreter abgelaufen war, so wurde zu einer Neuwahl derselben geschritten und Herr Commer- zienrath Silbereisen als Vertreter der Handelskammer und Herr Heichelheim als dessen Stellvertreter gewählt. Gioßh. Ministerium hatte der Handelskammer dieGrund­züge zur Alters- und Jnvaliden-Versicherung der Arbeiter" zur gutachtlichen Aeußerung mitgetheilt. lieber den Inhalt derselben referirte der Secretär, die Berathung mußte jedoch wegen Mangels an Zeit auf die folgende Sitzung aufgehoben werden.

Sitzung vom 27. Januar 1888. Gegenwärtig waren die Herren Lommerzien- rath Silbereifen, Gail, Heichelheim, Katz, Klingspor und Kraatz.

Es wurde ein Schreiben des Herrn Scheel verlesen, wonach derselbe seinen Austritt aus der Handelskammer anzeigt. Nach kurzer Berathung über dieGrund­züge der Alters- und Jnvaliden-Versicherung", und nachdem verfchiedene bereits darüber erstattete Gutachten zur Kenntniß der Handelskammer gebracht worden waren, wurde zunächst beschlossen, eine Commission, bestehend aus Herrn Gail, Klingfpor, Koch und Schirmer mit der Ausarbeitung eines berichtlichen Gutachtens an Großh. Ministerium zu 6eauftragen, und sollte dasselbe in der nächsten Sitzung zur Vorlage gelangen. Verschiedene vertrauliche Mittheilungen über ausländische Schwindelfirmen in Paris und New-Z)ork, foroie bezügl. der Beschickung eines Musterlagers in Belgrad mit deut­schen Jndustrieerzeugnissen wurden Derlei en. Besondere Anfragen etwaiger Interessen­ten Tonnen an die Handelskammer gerichtet werden. Eine Anfrage Gr. Amtsgerichts Gießen, ob in hiesiger Gegend in der Art eines Handelsbrauchs gleichmäßige aus­nahmslose Behandlung des Geschäftsverkehrs der Stadt zwischen Fruchthändlein und creditwürdigen Müllern kleinerer Betriebe dahin gehandhabt werde, daß die käutlichen Lieferungen der Fruchthändler überhaupt nicht mit bestimmter Creditfrist von 2, 3 oder mehr Monaten stattfinden, und daß die Fruchthändler den Müllern, welche in Ange­messener Zeit Zahlung leisten, Zinsen nicht anforbern, würbe in verneinenbem Sinne beantwortet, ba eine als Hanbelsusance sich characterisirende Gepflogenheit bes geschäft­lichen Verkehrs in ben angegebenen Beziehungen nicht conftatirt werben kann.

Sitzung vom 10. Februar 1888. Gegenwärtig waren die Herren Commerzien- rath Silbereisen, Gail, Klingspor, Kraatz und Schirmer.

Der von der beauftragten Commifsion entworfene Bericht über dieGrundzüge zur Alters- und Jnvaliden-Versicherung" an Gr. Ministerium wurde verleben und in der vorgelegten Form genehmigt. Heber die angeregte Anstellung eines deutschen Be- russconsuls in Batavia, sowie Einrichtung einer birecten Verbindung von Nieder- ländisch-Jndien nach der Deutschen-Ostasiatiscken Postdampferlinie soll auf Auffordern Großh Ministeriums berichtet werden, daß man sick im allgemeinen Handelsinteresfe für die Anstellung eines Berufsconfuls ausfprechen könne, dagegen die Einrichtung der birecten Verbindung von Niederländifch Indien mit der Deutscken-Ostasiatifcken Post- bampferlinie jedenfalls zur Zeit für noch nicht angebracht halte. Eine Anfrage der König!. Eisenbahn-Direction Hannover betr. die Personenzug-Verbindung Gießen Großen-LindenFriedberg wurde unter Bezugnahme auf ein Gefuch Großh. Bürger­meisterei Großen-Linden dahin beantwortet, daß man eine Berücksichtigung des erwähn­ten Gesuchs insoweit empfahl, als es sick um eine Verbindung zwischen Lang-Göns

Allgemeiner Anzeiger.

Bürger-Gesellschaft.

Wegen des Ablevens Sr. Moj. unseres Kaisers fällt die auf Sonntag ! den 11. er. projectirte Abendunterhaltung aus.

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