Ar. 289 Viertes Blatt. Sonntag den 9. Decemder
1888.
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
O«rea«r Schulftraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 PH
Vermischtes.
nn. Darmstadt, 7. Decembcr. Der Verbandstag der hessischen land- wirthlchaftlichen Creditvereine fand gestern Vormittag unter dem Vorsitze des Verbands-Directors Herrn Kreisrath Haas unter zahlreicher Bethetligung der Verbands- Vereine im Darmstädter Hof dahier statt.
Der Vorsitzende drückte vor Eintritt in die Tagesordnung seinen Donk der oberen landwirthschastlichen Behörde aus, welche ibr Interesse an den Verhandlungen dadurch bekunde, daß sie sich durch Herrn Landesöconomierath Dr. Müller habe vertreten lassen. Erschienen waren etwa 60 Verbandsmttglieder, welche ca. 30 Vereine vertraten. Dte Aufstellung der Statistik hat im abgelaufenen Jahre bedeutende Schwierigkeiten dadurch verursacht, daß die Vereine hinsichtlich ihrer Thättgkeit unrichtige Angaben machten und den Termin zur Statistikabgabe versäumten.
Den Jahresbericht erstatteten die Herren Kreisrath HaaS und Verbandsrevisor Ihrig, auS dem wir Folgendes entnehmen:
Die Hauptthätigkril erstreckte sich auf die Revisionen, welche nach dem neuen Genoffenschafts-Gesetz bei sämmtltchen Vereinen innerhalb vier Jahren zweimal erfolgt
Es wurde ferner constatirt, daß die landwirthschaftliche Buchführung in vielen Vereinen zu wünschen übrig lasse und der Wunsch zu Ausdruck gebracht, datz hier unbedingt Wandel geschaffen werden müsse.
Der Verband zählte zu Ende 1887 81 vereine mit 7532 Mitgliedern, gegenwärtig umfaßt d-rselbc 87 Vereine. Die Thätigkeit nach Innen und nach Außen war eine rege und waren es namentlich die Erstattung von Gutachten und eine Reihe von Auskunftsertheilungen, welche die Thättgkeit der Verbendsleitung entfalten ließen. Durch den Verbandsreoisor wurden in 1886 28 Vereine, 1887 29 Vereine revidirt und deren Rechnungen calculatorisch auf dem Rechnungsrevisionsbureau geprüft. Der Umsatz des Verbandes an Maaren und Samen rc. belief sich pro 1887 aus nicht weniger als 12 345 321 vM Die Einnahmen betrugen 6 293 065 JL, dte Ausgaben 6 052 ^ne^lebhafte Debatte entwickelte sich durch dte von Herrn Dtrsctor Hetdenreich angeregt Frage, der Zweckmäßigkeit halber von Verbands wegen die kalkulatorische Rechnungsprüfung ein treten zu lassen. Nach längerer Debatte entschied man sich für Beibehaltung dcS alten Modus. K
Die vorgelegten Verbandsrechnungen pro 1886 und 1887 wurden vorgelegt und nicht beanstandet und dem Vorstand Decharge ertdeilt.
In den Ausschuß wurden gewählt für die nächsten drei Jahre die Herren Dettweiler-Laubenhetm, Ramge-Ueberau, Bichmann-Heppenheim, Breitenbach- Dorheim, Haas-Offenbach, Schmidt-Guntersblum und Lang-Pfungstadt.
Hierauf hielt der Verbands-Director Herr Kreisralh Haas-Offenbach einen Vortrag über die Frage: „Welchen Einfluß werden die Bestimmungen des neuen GenossenschaftsgesetzeS auf dte Verhältnisse der ländlichen Cred tvereine ausuben und schlug am Ende desselben nachstehende Resolution vor, welche einstimmig angenommen roUr$e' Der heutige Verbandstag der landwirthschastlichen Creditvereine Hessens schließt sich den Beschlüssen des Berliner Veretnstages bezüglich des Gtnossenschaftsgesetzes an und ermächtigt die Verbandslettung, mit allen Mitteln die Einfügung derjenigen Bestimmungen in das Gesetz zu bekämpfen, welche als eine Verbesserung des dem Bundesrath vor gelegten Entwurfs zum Genossenschaftsgesetz nicht anrusehen find.
Hierauf wurden die Verhandlungen geschloffen. Später vernniaten sich die Delegirten zu einem gemeinsamen Mittagsmahle, welches durch heitere Reden und eine Reihe von Toasten sich zu einem sehr antmnten gestaltete.
Altenheim, 6. December. (Das Unglück am Rhein.j Zu dem bereits telc- araphisch von uns gemeldeten Unglücksfall bei Altenheim schreibt die „Sir. P. -. Die Gemeinde Altenheim hat an dm Reichsmtlttärfiscus von ihrem auf der badischen Sette gelegenen Gemeindewald kleine Strecken zur Abholzung abgetreten. Die Abholzung sollte demnächst vorgenommen werden, nachdem eine Abschätzung erfolgt. Zuf Begutachtung des WerthcS des Holzbestandes hatte sich gestern Morgen eine Gomml^on des Gemeinderaths von Altenheim, bestehend aus dem Bürgermeister Sutter und den Ge- meüiberätben Roth Strohsack I., Hügel, Ringel und Strohsack II., in Begleitung zweier Walohüter in den etwa IVa Stunden von Altenheim gelegenen Wald begeben. Am Spätnachmittag, als die Arbeit zu Ende, setzten dte acht Personen mit einem fachen ubPer den Rhein, um sich in dem nächsten, am elsässischen Ufer gelegenen Wtrthshaus Qum Altenhetmer Hof" zu erwärmen und einen Imbiß zu nehmen. Um 4 h Uhr bestiegen sie Dann wieder das Schiff, sieben davon, um ihrem Untergänge entgegenzu-- ♦abren Der einzig Ueberlebende der Gesellschaft, der jetzt krank darnieberliegende Ge- meinderath Strohsack I., Hal feinen Verwandten über den Vorfall das Folgende erzählt. Wir batten uns zu acht in dem ziemlich großen Schiff zurecht gesetzt und waren gegen
Uhr vom Ufer abgestoßen. Auf dem Rhein lag ein so dichter Nebel, daß man aum die Hand vor den Augm sehen konnte. Das Land entschwand denn auch bald unseren Blicken, wir wurden aber durch einen Ruf aufmerksam gemacht, der da etwa {Ifjrt ietz^ oder ,Jhr sitzt letz" lautete und von dem Dammmetster her kam, der unserer Abfahrt beiwohnte. Wir bemerkten auch bald, bafc mir in
Äon men waren und datz der Rachen Wasser bekam. Kaum hatten wir die e Wahr- J A " aemacbt als unser Rachen sich plötzlich quer gegen den Strom drehte und die Wellen" in^beiüelben binetni^^lu0en. In demselben Augenblick sah ich, w e vier von über Bord fielen und im Wasser verschwanden. Wir Andern sprangen auf und standm nun in dem schräg mit dem Strom gehenden, mit Wasser gefüllten Rachen L* rief meinen Gefährten zu: „Rur ruhig bleiben, wenn Gott will, so wird er uns retten'" Aber sie werden die Worte nicht mehr gehört haben, denn ber Nachen drehte bas Vorderlheil desselben hob sich empor und in demselben Augenblick M L Sr iffik lanae ich °°n dem Strome sortgesührt wurde, weiß
e aber noch rechtzeitig den Riel des umgestülpt d-dintreibenden RachenS ^^n,?Anttrenuunaen gelang eg mich aus den Nachen dinauszuardei en und m ch SftaÄwS denn im Rheine aus dem umgestürzten Nachen dahin dort ^nzuiegcn. rübren sonst war mir bet dem Schwanken des Bootes B Tod sich^ Mdne Gtteder wurden in der Kälte starr und ich gab mich oer xoo betrieben, weiß ich nicht, vielleicht 4 bis o
schon verloren. Wie lang cy t g^ Plötzlich fühlte ich den stachen unter
Minuten, für d) er roar auf einen festen Gegenstand gestoßen, jetzt noch
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wo es ihm gelang, den Verunglückten soweit berzustellen, daß derselbe heute Morgm über Straßburg seinen Heimweg antreten konnte. In Altenheim wartete man gestern Abend vergebens auf die Heimkehr der Commisstonsmitglieder und der Waldhüter; man glaubte, alle würden am elsässischen Ufer übernachten. Erst heute Morgen kam die Trauerkunbe in's Dorf, in welchem großer Schrecken und Aufregung herrschte, denn gar viele Familien sind durch den Unglücksrall betroffen worden. Sämmtliche Verunglückte waren verheirathet und beide Waldhüter hinterlassen bedürftige Familien, von denen die eine 7 Köpfe zählen soll. Hier ist edlen Menschenfreunden Gelegenheit gegeben, zu helfen.
— In Tübingen hat vor einiger Zeit ein junger Mann, welcher bei Uni- versitätsmechaniker Albrecht beschäftigt ist, den Berechtigungsschein zum einjährig-freiwilligen Dienst erhalten — nach § 89,6 der Militär-Ersah-Ordnung — weil er durch Anfertigung eines für ein Universitäts-Institut bestimmten Apparates bewiesen hat, daß er in seinem Fache Hervorragendes leistet.
— In Fürth wurde ein Mann verhaftet, der seine Frau am Hochzeitstage erschossen hat.
Eine Wanderung durch die Gießener Wrihnachtg- AussteUungen.
(Fortsetzung aus Nummer 287.)
Weitere besonders im Hautzhalt eine bedeutende Rolle spielende, well das nöthige Licht verbreitende Artikel bieten unsere Lampen-Han-l«Ngen. Bei dem seit Jahre» wogenden Kampf auf dem Gebiete der Beleuchtungs-Industrie zwischen Gas, Petroleum und Elektr'.cität, kann eS nicht ausbleiben, daß gerade hinsichtlich der Petroleum-Beleuchtung, weil der am wenigsten kostspieligen und überall zu gebrauchenden, die größten Anstrengungen zur Erzielung eines möglichst großen Lichteffectes gemacht wurden — und dies auch mit Erfolg. Stach den neuesten Erfahrungen conftruirte Brenner und Lichtschirme haben es ermöglicht, die Petroleum-Beleuchtung selbst da anzuwenden, wo sonst bedeutende Ansprüche an das Licht gestellt werden. Die Rolle, die die Lampe gerade zur Winterszeit svielt, hat ihr einen bedeutenden Rang in der Reihe der übrigen Gegenstände im Haushalte eingeräumt; sie ist sozusagen der Mrttel- punkt des Familienlebens, der „Brennpunkt" der Häuslichkeit, und je geschlossener der Kreis der Familienglieder an den langen Winterabenden um sie ist, mit desto größerer Sicherheit kann man annehmen, daß das Familienleben ein mustergültiges ist. Nicht minder laßt die Behandlung (hauptsächlich die Reinhaltung) der Lampe, die za zur Erzielung einer guten Beleuchtung die Hauptsache ist, auf das Walten der Hausfrau schließen. „Schreiben Sie es auf Ihren Lampenschirm!" sagte ein Herr zu nner^im Rufe nicht besonders großer Reinlichkeit stehenden Dame, die im Laufe des Gesprächs fragte, wo sie es hinschreiben solle, datz der Herr heute aar so „tun angebunden" sei. Da nun die Lampe neben ihrer Eigenschaft als Lichtspenderin noch den Vorzug besitzt, ein ganz vorzüglicher Zimmerschmuck zu sein, so dürfte sie sich ganz besonders zu einem Festgeschenk eignen, fei es nun als Tisch- oder als Hängelampe. Von der einfachsten HauSlampe bis zur reichst becorirten Salonlampe ist in den hiesigen Geschäften eine solche Auswahl zu finden, daß alle Ansprüche in Bezug auf Ausstattung und Preis befriedigt werden können. Wilhelm Orbig und C. A. Faber am Marktplatz, Ehr. Rosenberg am Seltersweg, Gg. Marx und Beruh. Kullmann in der Marktstraße, Joh. Schneider am Wallthor, Gg. Stoff er in der Brandgasse und Heinr. Moll in der Löwengasse sagen gewiß größte Verschwiegenheit zu, wenn schon jetzt bei ihnen bestellt und gekauft wird. . m
Wenn wir schon erwähnten, daß dem sich seit Jahren .geltend machenden Bestreben des Publikums, möglichst geschmackvolle Wohnräume zu haben, unsere Mobel- Fabrikanten gerecht zu werden sich bemühen, so stehen diesen, wenn es gilt unsere Wohnungen auch decoratio geschmackvoll auszustatten, gewiß die Teppich'Handl«tt-^r nicht nach. Die Ausstellungen von Ernst Blodner und Wilh. Reiber am Settersweg Th. Brück in der Schloßgasse und S. Weimersheim Nachf. am Kreuz zeigen, daß sie allen Geschmacksrichtungen und Anforderungen zu entsprechen vermögen. Die prachtvollsten Muster von Teppichen, Läufern, Vorlagen und Vorhängen zeigen sich dem Auge des Beschauers — und wir möchten dieMige Hausfrau kennen lernen, die ihrem Eheherrn nicht zum mindesten um den Hals fällt, wenn er ihr einen schonen *ePPl£Vi* n'nidlt minder wesentlichen AM-il an der Ansichmücknpg unln-p-Wohw- räume haben auch die Arbeiten der BUder-, Spiegsl- «Nd Vergolder-»sschLfte, von denen hier die Firmen Carl Leid, O. Hochstätter, L. S ch mivt, Ehr. D. Fi ll- mann und I Hirz erwähnt zu werden verdienen. Wundervolle Photographie- Rahmen und -Ständer, Etagdren, Holzschnitzereien, Kleiderhalter u. s. w. laden zum Kauf ein und deuten durch ihre künstlerische Ausführung an, daß auch sie würdig sind, in die Reihe der Weihnachtsgeschenke ausgenommen zu werden.
Als nützlich, wenn nicht gar nothwendig und zugleich die Zierde unserer : Wobnuna-n vervollständigend, seien noch die Arbeiten unterer Dptif« angeführt, I de»m Thermometer, Barometer, Stereoscope, Fernrohre, Operngucker u. s. w. find ganz j nützttche und werthvolle Sachen, die als Festgeschenke gewiß gern genommen merben; > Sxu vergessen eine große Anzahl sonstiger Lehr- unb Lernzwecken bienenbe Apparate, nSÄeufle u. s. w. u. s. w. Carl Heyer unb Gebrüder Schmidt (Liebrick's Nachfolger) am Neuenweg, L. Möller in der d^hof^aße, W. Hvsch in den Neuen Sauen, I. Schellenberg am Seltcrsweg unb H. Schmidt in der
f,s HffÄRS. »W W.J.I. ÄÄ" Ä sie«
unnmtolW Mahnerin an nns-re Pflicht, die uns zugemessene Z-ti^.gehörig und nutz- krinAPtih in npfmertben Eine aute Uhr aber ist auch eine Tugendsvidertn, denn wer 1 Ä L°^ acht-t -ian-, s.ch di- Tugend der Pünktlichkett an, di- h-ut° mehr wi« l ft di-^GrunUage geschäflUcher Thüt,gleit fein fall. Und doch gi-bt -s so viel- Menschm, !
der L-brjung , Gesellen, Dienstmädchen, sowie Langschläfer aller Berufe und Gesell, i schaftsklassen haben sie schon gestört; wie ungezogen können sie schon in
werden, wenn sie am Abend vorher aufgezogen werden. ^ie Uhr m em ^in^ L°ann ÄW. ‘VeSÄr am Kreuz, Gg, Spietz am Ktrchenplatz,


