Berlin, 7. November. Der „Reichsanzeiger" meldet: Der Kaiser hat mit der Stellvertretung des Reichskanzlers in Ftnanzangelegenhelten des Reichs den Staats- secretär des Schatzamts v. Maltzahn beauftragt.
Berlin, 7. November. Professor DuboiS-Reymond erhielt anläßlich seines heutigen itebenzigsten Geburtstages bereits tn aller Morgenfrühe von Freunden, Collegeu und Assistenten zahlreiche prachtvolle Blumenspenden; eine Ausschmückung des Auditoriums hatte er sich verbeten. Gleichwohl wurde er bet dessen Betreten von den Zui^cern, welche seinen Tisch mit einem Lorbeerkranz geschmückt hatten, freudig begrübt Der Gefeierte dankte mit herzlichen Worten und entzog sich nach Schluß der Dorleiun.t allen weiteren Gratulationen durch einen Ausflug, welchen er mit Familie nach feiner Potsdamer Besitzung unternahm.
Hamburg, 7. November. Der Senat erließ heute die folgende Bekanntmachung: ^Der Kaiser geruhte dem Senate ein Schreiben zugehen zu lassen, welches lautet: Nach der Rückkehr in meine Residenz liegt es mir am Herzen, meinen Dank für die zahlreichen und erhebenden Beweise treuer Anhänglichkeit an Kaiser und Reich, welchen ich während meines Aufenthaltes in der alten und berühmten Hansastadt auf Schritt und Tritt begegnet bin, in bleibender Form schriftlich zu wiederholen. Die begeisterte Aufnahme, welche ich in Ihrem blühenden, mächtig aufstrebenden Gemeinwesen gefunden, hat meinem Herzen wohlgethan und mir die freudige Gewißheit bereitet, daß der bewahrte oaterläno.sche Geist Hamburgs fortlebt. Das große Werk, dessen Zustandekommen ich beiwohnte, legt von diesem Geist eine neue Probe ab und beweist, daß Hamburg jederzeit mit Anspannung aller Kräfte für die Interessen und die Wohlfahrt des gemeinsamen Vaterlandes werkthätig einzutreten gewillt ist. Ich bitte Sie, für die mir bereitete unvergeßliche Aufnahme meinen kaiserlichen Dank enrgegenzunehmen und den Ausdruck desselben zur Kenntntß Ihrer Bürgerschaft zu bringen. Marmorpalats, 1. November. Wilhelm."
Bern, 7. November. Bei dem gestrigen durch Berstung des Wasserreservoirs der elektrischen Bahn Vevey-Chillon heroorgerusenen Unglücksfall tn Montreux sind sieben Personen umgekommen und sieben verwundet, von denen einer heute gestorben ist. Fünf Häuser sind eingestürzt und viele beschädigt.
Wien, 6. November. Die Vereinigung der deutschen Opposition im Abgeordnetenhaus vollzog sich heute Abend. Plener beantragte im deutsch-österreichischen Club, nachdem mit dem deutschen und deutsch-nationalen Club eine Verständigung hierüber erzielt worden war, daß sich die Linke unter dem Namen „Vereinigte deutsche Linke" vereinige, welche sich die Wahrung der Staatseinheit, den Schutz des Deutschthums und der berechtigten Stellung der Deutschen in Oesterreich, sowie die Erhaltung und Entwickelung^freiheitlicher Grundsätze in unserer Verfassung zur Aufgabe stellt. Der neue Club zählt 111 Mitglieder. Plener sagte in seiner Rede u. A. auch: „Beide Clubs wollen, daß der Staat einheitlich und mächtig verbleibe, daß die Deutschen eine maßgebende Stellung erhielten; als große Partei werden sie sich Ansehen verschaffen und jedes feindselige Regime abwehren. Eine große Partei darf niemals an der Zukunft verzweifeln. Wenn es wahr wäre, daß das Deutsche für immer von der Zukunft ausgeschlossen sei, dann wäre diese Zukunft slavtsch-söderalistisch und würde den Zerfall herbeiführen. Nur unsere Principien verbürgen die Zukunst Oesterreichs, deß- halb wollen wir unserem Club einen dauernden festen Bestand geben. Lange anhaltender Beifall folgte der Rede. Die Anträge des Vorstandes wurden einstimmig angenommen.
Pest, 7. November. Der Wehrausschuß des Abgeordnetenhauses bcrieth das Landesverthetdtgungs - Budget. Minister Fejeroary erklärte den Unterschied zwischen der früheren und der neuen Ausrüstung der Landwehrmänner, welch letztere 800 Gr. leichter und viel zweckmäßiger sei. Der Minister führt im Verlaufe der Debatte aus, Mehrausgaben seien einerseits durch die Entwickelung der Landwehr, andererseits durch deren Ausrüstung hervorgerufen. In Europa herrsche das allgemeine Bestreben, die Armeen numerisch zu verstärken, Oesterreich-Ungarn habe die Armee nicht vermehrt, sondern die beiden Landwehren in die ordre de bataille ausgenommen. Eine Vermehrung des Präsenzstandes der Landwehr sei zukünftig überhaupt nicht in Aussicht genommen. Der Minister weist auf die Nolhwendtgkeit hin, da die Landwehr 1890 im Falle eines Krieges mit Mannlicher Gewehren bewaffnet sein wird, nach 1889 für die hn^zu erforderliche Ausrüstung vorzusorgen. Die Regierung werde die hierfür , entfallenden, Zahlungen nur ratenweise und vom Jahre 1890 angefangen, tn das Budg> t einsteUen, damit das Budget für 1890 nicht auch hierdurch überlastet werde. Der Ausschuß nabm hierauf das Lanbesvertheidtgungs-Bubget in der General- und Spec ardebatte an.
Paris, 7. November. In zwei Stellenvermittelungsbureaux in der Rue ] Doncher und der Rue franyatse fanden in der vergangenen stacht Dvnamit-Explosionen statt, wodurch beträchtlicher Schaden angerichtet wurde. Personen sino nicht verunglückt. Die Urheber sollen Anarchisten sein.
Paris, 7. November. Ein (Kommunique der „Agence Havas" sagt bezüglich der gestrigen Rede Lord Salisbury's im Oberhause: „Wir glauben zu wissen, daß das auswärtige Ministerium Frankreichs das Recht zur Durchsuchung der^Schiffe nur tn Betreff der Einfuhr von Waffen und als Folge einer zeitweisen beschränkten Blokade zuläßt. Was die Schwarzen betrifft, so ist es richtig, daß, unabhängig von den vor etlichen Wochen erthellten Instructionen zur Ueberwachung Seitens unserer Schiffe, die Regierung beschlossen hat, Fahrzeuge des indischen Geschwaders an die Küste Ost- afrikas zu dirigiren."
— Der Marinemtntfter erhielt ein Telegramm aus Saigon, wonach der frühere König von Anam mit dem Sohne des Ministers Thuyet, welcher getödlet wurde, gefanu-'n worden ist. Der König und sein Minister Thuyet waren bekanntlich nach den L rgängen tn Hue in das Gebirge geflohen, woselbst sie bin Widerstand gegen Franli ich fortsetzten.
London, 7. November. Nach der zwischen England und den Vereinigten Staaten gewechierten Correspondenz verlangte der amerikanische Gesandte tn London, Mr. Phelps, die Abberufung Lord Sackvtlle's. Lord Salisbury erklärte, er erwarte von Serien des Herrn Phelps die Beibringung von Mrttheilungen, welche Lord Sackoille an die Vertreter von Zeitungen gelangen ließ, wodurch der Senat und der Präsident sich beletdigt gefühlt haben, da hierin der Hauptgrund liege, aus welchem der Staats- secretär Bayard Lord Sackoille seine Pässe zugesandt habe.
Rewyork, 7. November. Grant, der (Kandidat der Demokraten von Tammang Hall, ist zum Mayor von Newyork gewählt worben. Die Wahlbewegung war durchweg eine starke.
— Den letzten Nachrichten^zufolge siegte Harrison im Staate Connecticut; er soll ebenso tn Indiana und allen Staaten des Nordens eine Majorität erhalten Haven, so daß set»e Wahl »um Präsidenten gesichert erscheine. Der „Newyork Heralb" sagt, das Resultat tn Indiana, Nevada und Caltofornia sei zweifelhaft.
Newyork, 7. November. Die Meldungen über den Ausfall der Wahlen für bie Präsidentenwahl sind bis jetzt noch sehr unvollständig und vielfach widersprechend. Die Zeitungen bringen je nach deren Partetstandpunkte sehr von einander abweichende Schätzungen über die voraussichtlichen Resultate. Fest steht, daß Cleveland in der Stadt Newyork eine erheblich größere Majorität erhält als im Jahre 1884. In den südlichen Staaten sollen die Wahlen durchgehends für Cleveland sein. Die Ruhe ist nirgends gestört worden. Man nimmt an, daß Hill zum Gouverneur von Newyork wiedergcwählt ist.
— Die bis jetzt vorliegenden Wahlresultate sind noch immer ungewiß, jedoch r* scheint es, daß Harrison eine Mehrheit für sich hat, welche die meisten Blätter auf 218 gegenüber 183, welche Cleoeland erhielt, schätzen. Beide Parteien beanspruchen immer noch Californien und Indiana.
— Die Republikaner haben bei der gestrigen Präsidentschaftswahl gesiegt in den Staaten Colorado, Illinois, Iowa, Kansas, Maine, Massachusetts, Michigan, Minnesota, j Nebraska, Neoada, Newhampshire, Newyork, Ohio, Oregon, Pennsylvania, Rhode- | Island, Vermont und Wiskonsin. Die Demokraten sind in allen übrigen Staaten, ! ausgenommen (Kalifornien und Indiana, über welche ein sicheres Resultat noch aussteht, siegreich gewesen.
Lokales.
Gießen, 8. November. Gestern Abend hielt Herr Bernhard aus Leipzig im ■ oberen Locale der „Bavaria" den angekündigten Vortrag über die soziale Lage der • Handlungsgehülfen und den Verband deutscher Handlungsgehülfen. An- : knüpfend auf die jetzigen, durch die neuesten Fortschritte im Verkehrswesen überhaupt
AniversttLts - tzhroniL.
— Die vier Universitäten der Schweiz, Bern, Zürich, Basel und Genf, hatten im letzten Sommerbalbjahr zusammen 2050 Studenten, worunter 197 weibliche (nur 21 aus der Schweiz selbst, aus Rußland 91, aus Deutschland 15 und aus Nordamerika 8), von denen 103 sich der Medtcin und 94 der PhilofopSic widmeten.
Greifswald, 5. November. Die hiesige Universität hat in dtestm Winterhalbjahr 181 Studenten weniger als im letzten Sommer, 868 gegen 1049. Der Ausfall
bedingten Verhältnisse des Kausmannssiandes, sowie derjenigen der Handlungsgehülfen - m ^"^nnzipalen , verbreitete sich Redner hauptsächlich Über die in dem Statut b£$ ! c?cn Z^cke: Stellenvermittelung, Unterstützung bei Stellenlosigkeit,
Rechtsschutz, Krankenunterstutzung, Gewährung von Begräbnißkosten, Wittwen- und i W"i8^nston Alpers- und Jnoaliditätsversorgung. Der Verband, welchem;, rr ca. 18000 Mitglieder angehoren, besitzt in den in Leipzig erscheinenden „Verbandsblättern^ ein eigenes Organ, verfugt über bedeutende Fonds tn oen einzelnen Unterftützungskassen. Ed °on den Vertreternder deutschen Kaufmannschaft, den Handelskammern und Privaten unterstützt und hat sich die Aufgabe gestellt, den Kaufmannsstand in sittlicher Beziehung zu heben und zwar durch Regelung des Lehrlingswesens und die Vertretung der Interessen der Handlungsgehülfen im Allgemeinen und seiner Mitglieder im Besonderen; dabei sind andere Mittel, die geeignet sind, die Hebung des deutschen Kauf- mannsstandes und des Handels zu erreichen, nicht ausgeschlossen. Zur Erreichung des letzten Z^les durfte die sog. Unterrichtsabtheilung mit zu rechnen sein, von welcher
$l$b.rie!c ,n En Fächern des kaufmännischen Wissens verbreitet werden. Herr Bernhard legte in allgemein verständlicher Weise die Bestrebungen und die Prin- zipien, auf welche diese beruhen, dar und schloß feinen Vortrag mit der Aufforderung an die Anwesenden, in ihren Kreisen für die Ausdehnung des Verbandes und Heranziehung neuer Mitglieder nach Kräften thätig zu sein. v
m 8. November. sTheater.j Wir verfehlen nicht, unser theaterliebendes
Publikum auf das ausgezeichnete Lustspiel „Herr und Frau Soctor", welches morgen grtiiag den 9 November zur Ausführung gelangt, aufmerksam zu machen. Verfasser dieses amüsanten Stuckes ist der tn der Theatcrwelt woblbekannte und beliebte Schrift- steller H. Heinemann. Wenn wir hinzufügen, daß unser beliebter Director Reiners die Hauptrolle in Händen hat, so sind wir überzeugt, daß es nur dieses Htmoei es be- burfte, um das Theater vollständig zu füllen und können die Versicherung geben, daß Niemand die Vorstellung unbefriedigt verlassen wird.
. Bietzen, 8. November. In den letzten Tagen wurden innerhalb der Stadt verschiedene Einbruchdiebstahle verübt. In der Nacht vom 5. auf den 6. November wurden einem an der oberen Bahnhofstraße wohnenden Metzgermeister und Wirth aus seinem Secretar ca. 500 JL an Geld und eine größere Anzahl Biermarken gestohlen. Von den Biermarken wurde gestern Nachmittag ein Theil in der Wieseck an der Bahnhof- frrafee aufgetunben. — In derselben Nacht wurde die Ladenthüre eines an der unteren Bahnhofstraße wohnenden Metzgermeisters zu erbrechen versucht. — In der lltacht vom 6 aus den 7. November wurde bet dem Amtstaxator I. Rothenberger am Lindenplatz etngebrochen. Der Dieb nahm seinen Weg vom Hofe der B oller'fchen Metzgerei aus mittelst Leiter durch ein Küchenfenster und sprengte den Schließhaken der Küchenthüre wurde aber an dem weiteren Vordringen durch das Bellen eines Hündchens verhindert' Als dringend verdächtig, diesen Einbruch verübt zu haben, wurde ein hiesiger früherer Schreinermeister gefänglich eingezogen. v
Vermischtes.
» l 'r 71 November. fMilitärdienstnachrichten.j v. Herff, Unter
arzt der Marine-Reserve vom Landwehr-Bataillons-Bezirk I. Darmstadt, zum Assistem- arzt 2. Cl- der Maiine-Referoe befördert; Demmerle, Wallmeister in Mainz, zum Fortistkations-Bureau-Asststenten ernannt.
Rödgen (Kreis Friedberg), 5. November. Die 26jährige Frau eines hiesigen Ortseinwohners gebar demselben heute Vierlinge, drei Mädchen und einen Knaben; alle Kinder waren nicht lebensfähig und sind tobt zur Welt gekommen. Die Mutter befmbet sich soweit wohl. (£). Anz.)
. _ 7- November. In der jüngst abgehaltenen Hauptversammlung
des Thierschutzvereins erfolgte auch die Bewilligung der vorgeschlagenen Geldprämien und zwar von je 10 JL an die Gendarmen Grauling (Grünberg), Hofmann (Ober- Ramstadt), Buckner und Boxheimer (Mainz), Ruppert (Hirschhorn), Hellwig und Frölich (Bensheim); von je 5 JC an die Gendarmen Engel und Herber (Brensbach), Dörr (Groß Karben), Ruhl (Schotten), Fitting (Mainz), Greb (Reinheim) und Woif (Wenmgs), sowie an den Schutzmann Weiß (Gießen); von je 3 an die Gendarmen Schulz (König), Englert (Erbach), Rehs (Reinheim), v. Landenberg, Mandel und Ditter (Mainz), Henkel (Grebenau), Weil (Seibelsdorf) und an die Schutzleute Bommers- heim (Gießen), Wolf, Stöhr, Ost, Wex, Bär und Kurze (Darmstadt).
nn. Darmstadt, 7. November. (Technische Hochschule.) Schon vor einiger Zeit wurde Seitens einer zum Zweck der Untersuchung des Raummangels an unserer Hochschule ernannten Commission eine Denkschrift Großh. Staatsregierung übergeben, worin tn eingehender Weife, verursacht durch die immer mehr sich steigernde Frequenz, auf den bereits sich fühlbar machenden Raummangel an der Anstalt hin- geroiefen wurde. Die Großh. Staatsregierung scheint den in dieser Denkschrift nieder- gelcgten Bedeokm beizutreten, da gestern Nachmittag Se. Excellenz Herr Staatsminister Fmger. sowie Herr Geh. Staatsrath Knorr die Räumlichkeiten der Hochschule in Augenschein nahmen und sich, wie ich höre, ebenfalls über die Unzulänglichkeit der Lehrsäle ausspiachen.
△ Mainz, 7. November. Don dem komunnden Jahre an wird Mainz aller Wahrscheinlichkeit nach eine ständige Sommerbühne haben. Der bekannte hiesige Groß- industrielle Schröder-Sandfurt beabsichtigt nämlich im Anschluß an die großen Restaurationslokalitäten der „Rheinischen Brauerei" unmittelbar am Centralbahnhof ein Sommertheater im Style des Eden-Theaters in Straßburg bauen zu lassen. Die vorbereitenden Schritte zur Ausführung des Projectes sind bereits geschehen und schweben sowohl Unterhandlungen mit einem Bauunternehmer wie mit dem Director unseres Sladttheaters, welch letzteren man zur Uebernahme und Leitung der Sommer- dühne zu bewegen sucht. Wenn Letzteres gelingt, so dürfte dies für das von allen Seiten mit Freuden begrüßte neue Unternehmen nach jeder Richtung hin eine sichere Garantie bieten.
△ Mainz, 7. November. Die Verletzungen, welche Amtsrichter Dr. Hohfeld durch das erwähnte nächtliche Rencontre mit einem Soldaten erlitten, haben sich glück lieber Weise weniger gefährlich erwiesen als man anfänglich glaubte und befindet sich vr. Hohfeld bereits wieder auf dem Weae der Besserung, lieber das Vorkommniß selbst herrscht in allen Kreisen der Bürgei schäft die höchste Entrüstung und steht man einer exemplarischen Strafe des Angreifers entgegen.
△ Von der Maijnspitze, 7. November. In Kostheim kam es gestern zwischen einer von Dem Hochheimer Markt kommenden größeren Bande Zigeuner und Sand- färchern zu einer mörderischen Keilerei, wobei auf der einen Seite die Messer und auf der anderen Seite schwere Schiffsgeräthe als Waffen dienten. Auf beiden Seiten floß Blut, doch zogen die Zigeuner vor den die Uebermacht habenden Sandfäichein den Kürzeren. Gensdarmerie brachte schließlich die Streitenden auseinander und zwang die Zigeuner, sich mit der fliegenden Brücke auf das linke Mainufer zu begeben.
— (Selbstmord auf Befehl.) Einen höchst eigenthümlichen Selbstmord Albrechtskaferne zu Czernowitz der Zugführer Mireutza vom 41. österreichischen Infanterie-Regiment vollführt, ober vielmehr — so fonberbar es klingt - an sich vollführen lassen. Mireutza, der wegen getäuschter Liebe schon feit längerer Zeit den Tod gesucht haben soll, scheint nicht den Muth besessen zu haben, selbst Hand an sich zu legen und verfiel auf den Gedanken, einen seiner Untergebenen zur Aus» funrung der That zu kommandiren. Als das Regiment am 26. o. M. Mittags vom Exercierplatze in die Kaserne eingerückt war, suchte er sich den geschicktesten feiner Rekruten aus und forderte denselben, um ihn von feinem eigentlichen Zweck nichts merken zu lassen, auf, Zielübungen zu machen. Diese Hebungen wurden, Der Meldung Wiener Blätter zufolge, derart angestellt, daß sich Mireutza eine Papierfcheibe vor die Brust heftete und den Rekruten erst mit ungeladenem Gewehr Schießrersuche machen liefe. Als ihm der Rekrut genügend inftruirt und zielsicher schien, verwechselte er das ungeladene Gewehr mit einem icharf geladenen und kommandirte „Feuer". Tie Kugel traf dtrect in's Herz und der Lebensmüde fiel augenblicklich tobt zu Boden.


