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Ur 236 Dienstag den 9. October 1888.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bureaur Schulstraße 7.

M k o .^Ä Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. $Urd) die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pst

Amtlicher Jheit.

Betreffend: Den Wiesengang. Gießen, am 3. October 1888.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an di- Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Nach Artikel 7 der Wiesenpolizei. Ordnung ist im laufenden Monat der Wiesengang von den Wiesenvorständen unter Zuziehung der Feldschützen und Wiesenwärter vorzunehmen. bi(je[ben ^-rzu baldigst aufzufordern und uns die über den Wiesengang aufzunehmenden Protokolle bis längstens

Das Großherzogliche evangelische Dekanat Gießen

Ende l.Htototo[Ien h^en die Wiesenvorstände, war Sie denselben noch besonders eröffnen wollen, hauptsächlich folgende Punkte aufzunehmen:

11 ob die Anordnungen, weiche Sie bei dem letzten Wiesengang getroffen haben, befolgt worden sind und welche nicht;

21 welche Anordnungen von den Wiesenvorständen zur Beseitigung der bei dem diesmaligen Wiesengang vorgefundenen Mängel von Ihnen getroffen worden sind oder vorgeschiagen werden; hierbei wird den Wiesenvorständen besonders empfohlen, ihr Augenmerk namentlich auch auf bie Reiniauna der Wiesen von Gestrüpp, Gesträuch, Moos 2c., auf die Entfernung der Herbstzeitlosen, des Erdauswurfs aus den Be- und Ent- wäfferungsgräben, auf die Verebenung der Maulwurfshügel und dergleichen und auf die Unterhaltung der Be« und Entwässerungsgraben zu richten und hierbei nach den bestehenden Bestimmungen zu verfahren; . <

31 Vdrbefferungsvorschläge in Bezug auf größere Wiesenfluren, namentlich solche, zu deren Ausführung die Bildung von Waffergenoffenschaften J nach dem Gesetze vom 30. Juli 1887 über die Bäche und nicht ständig fließenden Gewässer (Reg,erungi-Blatt S. ISS) erforderlich ist.

qu Nr 2 erläutern wir, daß Sie in der Regel, insofern kein besonderer Anstand vorhegt, jedem der betreffenden Wiesenbesitzer speciell eröffnen wollen, welche Mängel der Wiesenvorstand vorgesunden hat und daß diese Mängel binnen der vom Wiesenvorstand zu bestimmender- FristJo. (jewtJ ju be. seitiaen wären, als sonst die nöthigen Herstellungen aus Kosten der Säumigen angeordnet würden. Rach fruchtlosem Ablauf der gefetzten Frist wollen Sie nach Anhörung des Wiesenvorstandes weitere Anträge stellen. Jedenfalls sind die von Ihnen getroffenen Anordnungen in den von Ihnen ernzusendenden Protokollen^einstMllen^zu^rwahnen.^^^^g $ Theilnehmern zu unterzeichnen. War ein Mitglied des Wiesenvorstandes verhindert, am Rundgange

DÜLrk ui nehmen fo ift bies dtn Scbtuffe bes zu bcmcrfcn. t

9 * S bet asiefenüorflanb, ber aufeer bem Grobherzoglichen Bürgermeister ober BeigeorbneLen, minbestens noch aus zwei Or semwohnern welche Wiesen besitzen ober solche zu benutzen ober zu verwalten haben, bestehen soll, nicht mehr vollstänbig sem, so wollen Sie ben Gememberath wegen Ergänzung bes Wiesenvorstanbes vernehmen unb uns bie Anträge bes Gemeinberathes in besonberer Verhanblung vorlegen.

v. Gagern. _______________________________

an die Herren Abgeordneten zur Dekanatssynode.

Da bie Lanbessynobe Dienstag ben 16. October beginnen soll, so muffen wir bie DekanatSsynobe Montag ben 15. October in Gießen Kalten, Morgens 9 Uhr. Sie wollen sich also zur rechten Zeit zum Gottesbienst einsinben.

v vr. Strack.

Blick auf sich und hört man allgemein als den Tag der Eröffnung derselben den 20 No­vember bezeichnen. Nach den offictösen Ankündigungen werden dm Reichstag u. A. die Fragen der Alters- und Invalidenversicherung und der Reform des Genossenschafts­wesens durch die betreffenden Gesetzentwürfe sicher beschäftigen. Was dagegen die weitere Meldung anbelangt, daß die Regierung mit neuen Vorschlägen über die Be­handlung der socialdemokratischen Bewegung an den Reichstag zu treten gedenke, so sollen in dieser speciellen Richtung nach neuerlichen Versicherungen der Berliner Regierungsblätter in den maßgebenden Kreisen noch durchaus keine Entschlüsse ge­faßt sein.

Der Berliner Magistrat hat den Beschluß des Stadtverordneten-Collegiums, 500,000 Mark für eine zu Zwecken der Volkswohlfahrt dienende Kaiser - Jriedrich- Stisturrg zu bewilligen, genehmigt und auch dem anderweitigen Beschlüsse der Stadt­verordneten, Sammlungen zur Errichtung eines Kaiser-Friedrichs-Denkmals in Berlin einzuletten, zugestimmt.

Kaiser Wilhelm hat Wien nach dreitägigem Aufenthalte, der sich als eine Kette fortlaufender Festlichkeiten zu Ehren des hohm Gastes erwies, am Freitag Nach­mittag wieder verlassen, um zunächst dem Watdwerk in der Steiermark obzuliegen. An den Hofjagden in diesem Alpenlande nehmen außer den beiden Kaisern auch König Albert von Sachsen, Kronprinz Rudolf, der Großherzog von Toscana und Prinz Leopold, nebst einigen Herren aus der Umgebung der beiden Kaiser Theil. Die Jagden dauern bis zum Abend des 9. October, während welcher Zeit das große Gefolge Kaiser Wilhelms in Wien verbleibt. Erst am 10. October reist dasselbe nach Mürz­zuschlag, an der Südbahn, ab, von wo aus Kaiser Wilhelm am gedachten Tage Vor­mittags 9 «Uhr nach Italien wettrrreist und wird seine Ankunft in Rom Donnerstag den 11. October, in der fünften Nachmtttagsstunde erfolgen.

Politische Rundschau

Gießen, 6. October.

Mit freudigstolzer Genugthuung sind alle Kreise der dcutschenNation erfüllt über die wahrhaft großartige und begeisterte Aufnahme, welche Kaiser Wilhelm in Fortsetzung seiner Reise in der österreichischen Hauptstadt gefunden hat und mit vollstem Rechte erblicken Deutschlands Stämme in dem ihrem Oberhaupte in Süßten >u Theil gewordenen Empfange eine neue kräftige Bestätigung der engen Verbrüderung zwischen D-utfchland und dem habsburgischen Kaiserstaate. In ganz besonders hervor- trctender Weise ist jedoch die Fortdauer des deutsch-österreichischen Waffen- und Freundschaftsbündnisses durch die zwischen Kaiser Franz Joses und Kaiser Wilhelm an festlicher Tafel, inmitten einer glänzenden und hochansehnlichen Versammlung ge­wechselten Trinksprüche vor aller Welt bekräftigt worden. Beide Monarchen tranken nicht nur auf ihr gegenseitiges Wohl und aus das ihrer Häuser, sondern auch aus die unverbrüchlich- Waffenbrüderschaft und Kamcradschast ihrer Armeen, wobei namentlich Kaiser Franz Joses mit warmer Begeisterung von der preußisch-deutschen Armee als dem leuchtendsten Muster aller militärischen Tugenden sprach. Die auserlesene Tischgefellschaft begleitete di- ganz- hochbedeutungsvolle Scene mit Kundgebungen des Beifalls welche saft über die Grenzen höfischer Etikette hinausgingen und auch in den Völkern" Deutschlands und Oesterreich-Ungarns hat diese weltgeschtchtliche Ttschscene in der Wiener Kaiserburg einen mächtigen Widerhall gefunden. Denn in diesen Trink- sprüchen haben die beiden Kaiser das vor neun Jahren geschlossene Bündniß ihrer Reiche seierlichst erneuert, es ist durch die erhebenden Kaiserworte sür Gegenwart und Zukunft in markantester Weise aus's Neue geweiht worden, während zugleich die Waffenbrüderschaft und treue Kameradschast der beiderseitigen Heere nunmehr ihre Be­siegelung durch die bedeutungsvollen Wechselreden der erlauchten Monarchen erfahren hat.

hn den inneren deutschen Angelegenheiten treten die zum 30. October b-vorst-b-nden preutzischen Landtagswaylen mehr und mehr tn den Vordergrund, hn allen Vartellagern ist die vorbereitende Thätigkcit für diesen entscheidenden Tag tm vollsten Suat unb zur Stund- ist wohl kein Wahlkreis mit der Ausstellung seiner Eandidvtm mehr zurück. Ein allgemeiner Ueberblick über die Wahlbewegung ergiebt ein ziemlich " enartiges Gemälde derselben, denn nicht selten kommt es vor, daß die­selben Paheten welche sich in einem Wahlkreis- entschieden gcgenüberstehen, in einem andern ganz einträMg mit einander gehen und so kommt es, daß man Nationalliberale und Freisinnige und Nationallib-rale und Conservative, dann auch Eonservattoe und Freiconservattve bald st» bekämpfen, bald st» gegen eine dritte Parte, v-re,ntgcn steht, so daß sich hieraus -in recht buntes Bild des Parieitreibens ergiebi. Was indessen peciell die Haupistadt Berlin anbetrifft, so hat sich hier m,t dem Zerschlagen des Wahlcartells zwischen den Hochconservatioen etner-, den Rat ona l,b-ralen und ge- mäßigten Conservativen anderseits voll-Klarheit eingestellt, die Eartell-Part-.-n werden getrennt marschiren und auch getrennt schlagen; d-r L-i-g der Freis,nnigen in Berlin erscheint hiermit gesichert. Inmitten der Vorbereitungen sur di- preußt chen Landtags- wahlen zieht indeffm auch bereits die bevorstehende R e t ch s t a g s, e s s i o n den

Deutschland.

Berlin, 6. October. Die Kaiserin Friedrich beabsichtigt, zufolge einer Mit­theilung derKreuzzeitung" aus Rom. auf Grund einer letztwilligen Verfügung ihres Gemahls, auch dem zu Constanz in Garnison liegenden Infanterie-Regiment Nr. 114, dessen Ehef Kaiser Friedrich gewesen, die Regiments-Uniform und Waffen, welche der­selbe bet feierlichen Gelegenheiten getragen, am 18. October überreichen zu lassen. Die Officiere des Regiments wollen diesen Tag festlich begehen und haben den Sindaco von San Remo durch das Regiments-Commando bitten lassen, ihnen einige Zweige von Palmen aus der Villa Ztrio senden zu wollen, weil dies wesentlich zur Erhöhung des Festes beitragen würde. Der Bürgermeister wird nicht nur dieser Bitte will­fahren, sondern auch eine große Palme und andere seltene Pflanzen aus der Villa Lttrio übersenden. ,

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Nach Meldungen der englischen Zeitungen soll der Admiral Fatrfax auf der Fahrt von Tonga nach den Samoa-Inseln beab­sichtigen, an der Saoage-Jnsel anzulaufen, um einem Gesuche der Eingeborenen zu entsprechen und das englische Protektorat zu errichten. Uns ist nicht bekannt, ob dre Eingeborenen das englische Protektorat nachgesucht haben, sicher ist dagegen, daß die englische Regierung nicht in der Lage ift, das Protektorat über die Savage-Insel an-