Es stellte sich indeß bald heraus, daß die guten Körner nur Weizen ergaben, wenn auch in den oertchiedensten Varietäten. Erhöhte Wichtigkeit gebührt jedoch dem zweiten Thetle dieses Versuches, der sich auf die anscheinend werihlosen Samenkörner bezog. Eine der ursprünglichen 9 Pflanzen trug 14 Aehren, welche jedoch nur 17 oer- schrumpfte und schmale Körner ergaoen. Die Pflanze an stch wies einige Eigenheiten des Roggens auf und dies gab Hoffnung, daß einige dieser Körner keimfähig wären. Die 17 Körner wurden am 29. September 1884 gesteckt; hiervon gingen 15 Pflanzen auf, 2 wurden zufällig zerstört, die übrigen 13 wuchsen und überwinterten gut. Im Juli 1885 boten sie einen sonderbaren Anblick. Die Aehren waren Wetzen-Aehren, ähnelten jedoch ausgesprochen jenen des Roggens. Die Pflanzen waren durchschnilltich 1 Meter hoch, die höchste maß 115 Centimeter. Im Ganzen wurden 107 Aehren oder 71/, per Pflanze gezählt. Alle Aehren enthielten mehr oder weniger Korner. Von jeder Pflanze wurde je ein Korn ausgewählt, das ganz vollkommen entwickelt und in jeder Richtung hin gutes Samenkorn zu sein schien. 5 von diesen Körnern waren größer als das größte Weizenkorn, einige sogar größer als Roggenkörner, alle jedoch den Roggenkörnern ähnlich. Im Ganzen schienen diese Körner Weizen zu sein und doch hatten sie etwas von der Gestalt des Roggens. Die Untersuchung des Mehlgehaltes unterblieb mit Rücksicht auf die geringe Quäntttät dieser Ernte.
So stehen jetzt die Versuche. Es ist die Frage, ob die gewonnene Spielart zwischen Weizen und Roggen beständig ist, damit wäre das Problem der Kreuzung des Weizens und Roggens gelöst und der Landwirthschaft ein großer Dienst erwiesen.
Gießen, 8. Mai. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund X 1.05—1.10, Hühnereier pr. St. 5 2 Stück 9 H, Enteneier 5— H, Gänseeier
St. 9—1OH, Käie vr. St. 4—8 A. Käsematte per St. 3 Erbsen per Liter 16 H, Linsen per Liter 30 Tauben per Paar X 0.70—0.90, Hühner per Stück X 0.85, bis 1.00, Hahnen per Stück X 1.70—2.20, Enten per Stück X 2.00—2.50, Ochsenfleisch per Pfund 56—84 Kuh- und Rindfleisch 45—50,$, Schweinefleisch 50—6u $, I
Hammelfleisch 54-64 H, Kalbfleisch 40—46 $, Kartoffeln per 100 Kilo X 4.50-6.50, Zwiebeln per Centner X 13.00—14.00, Milch per Liter 12—18 H, Weißkraut Stück D-00 $.
Herborn (an der Köln-Gießener Eisenbahn), 7. Mai. Auf den heutigen hiesigen Markt wurden gebracht: 232 Ochsen, Kühe und Rinder und 1046 Schweine. Der nächste Markt ist am 28. Mai d. I.
Frankfurt, 7. Mai. Der heutige Viehmarkt war gut befahren. Ange- trieben waren 335 Ochsen, ca. 24 Bullen, ca. 276 Kühe und Rinder, ca. 392 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 59-61, 2. Qual. X 54-56, Kühe und Rinder 1. Qual. X 53-55, 2. Qual. X 46-48 per 100 Pfund Schlachtgewicht Jcalber 1. Qual. 52—55 $, 2. Qual. 45—48 $ per 1 Pfund Schlachtgewicht.
,, Ar a? kfurt, 7. Mai. (Getreide-Dreise.) Weizen eff. hiesiger u. Wetterauer
19,75, fremder X 18,50—20,50, Roggen eff. hies. X 14,00—14,25, fremder 'M ^0'00—00,00 Gerste effectiv hiesige und Wetterauer X 15,00—17,50, fremde X 00,00—00,00, Hafer eff. hies. X 14,25—14,75, fremder X 00,00—00,00.
Wöchentliche Ueberficht der Todesfälle in der Stadt Gießen.
18. Woche. Vom 29. April bis 5. Mai 1888.
Einwohnerzahl: 19 001 (incl. 1600 Mann Militär).
Sterblichkeitsziffer: 35,6 o/go. Kinder
Es starben an:
Zusammen:
Erwachsene:
im
1. Lebensjahr: 2.-
vom
—15. Jahr:
Lungenentzündung
6
5
—
1
Lungenschwindsucht
2 (1)
2 (1)
—
_
Nierenentzündung
1 (1)
1 (1)
—
—
Krebs
1 (1)
1 (1)
—
—
Diarrhöe
1
1
_
Lebensschwäche
1
_
1
—
Diphtherie
1 (1)
—
—
1 (1)
Summa: 13
9
2
2
Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
Kirchliche Anzeigen der evsngel. Gemeinde.
Gottesdienst.
Himmelfahrttag, 10. Mai:
Vormittags 9^2 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Nachmittags 2 Uhr in der Friedhofkapelle: Pfarrer Schlosser.
Allgemeiner Anzeiger.
Aufforderung.
Heinrich Schreiner II. Eheleute von Ruttershausen haben einen Kaufbrief über Flur V Nr. 41 dasiger Gemarkung von Georg Kinkel von La, dessen Quittung nicht beglaubigt ist. Wer noch Ansprüche auf den Kauf- schMng hat, muß solche binnen 6 Wochen hier gellend machen, sonst wird die Zahlung als erfolgt angenommen und Verfügung wegen Löschens des beschränkten Eintrags er* theilt.
Gießen, den 3. Mai 1888.
Großh. Amtsgericht.
Langsdorfs. 3958
Bekanntmachung.
B et r.: den Hess. - Rheinischen Bergbauverein zu Gießen.
Im Gesellschafts-Register Großh. Amtsgerichts Gießen wurde heute folgender Eintrag vollzogen:
„Laut notarieller Verhandlung vom 4. April 1888 ist die Bestellung des W. Wild en Hayn und des Sebastian Alexander Scheidet als Vorstandsmitglieder widerrufen und Lagegen:
1. Director Friedrich Ernst zu Trais-Horloff,
2. Regierungsrath a. D. Albert Müller in Charlottenburg in den Vorstand gewählt worden."
Gießen, den 30. April 1888.
Neidhart, 3937 Gerichtsschreiber.
Freiwillige Immobilien- Perfleigerung.
Mittwoch, den 16. Mai l. I., Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Ludwig Schmidt I. Eheleuten in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 35 Nr. l34/ioo — 195 Meter Hof- raithe auf die Grünberger- Straße,
Flur 35 Nr. 268Vio — 455 Meter Grabgarten daselbst,
Flur 34 — Nr 599G t0 — 382 Meter Hof- raithe zwischen dem Wäldchen und dem Schießhaus,
Flur 34 Nr. 599’/m — 79 Meter Grabgarten daselbst
einer einmaligen freiwilligen Versteigerung ausgesetzt werden.
Gießen, 8. Mai 1888.
Großherzogliches Ortsgericht Gießen- I- V. d. V-:
Vogt, Ortsgerichtsmann. 3948
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Für die am Freitag den 11. d, Mts. vorzunehmende
Mahl von 43 Mitgliedern der evangelischen Gemeindevertretung
sind Stimmzettel entworfen worden, auf welchen die austretenden Mitglieder zur Wiederwahl und für die weggefallenen wählbare Gemeindeglieder zur Neuwahl vorgeschlagen werden. 3946
Diese Stimmzettel können in der Buchhandlung des Herrn W. Ferber eingesehen und in Empfang genommen werden; sie sind auch am Wahltage an der Kirche zu haben._______________ Mehrere Wähler.
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Freiwillige Immobitien- Verjteiaerung.
Mittwoch, den 16. Mai l. I.,
Nachmiltags 2 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Johann Christian Retter Erben in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 1 Nr. 308 — 19 Meter Hofraum, Miststätte und Waschküche in der Kaplansgasse, Flur I Nr. 309 — 181 Meter Hofraum mit Scheuer daselbst, Flur I Nr. 565 — 69 Meter Hofraithe auf dem Seltersweg getrennt oder zusammen einer freiwilligen Versteigerung ausgesetzt werden.
Gießen, den 8. Mai 1888.
Großh. Ortsgericht Gießen.
I V. d. V-:
3917 Vogt, Ortsgerichtsmann.______
Versteigerung von Wein und Cigarren.
Mittwoch, den v. d. MtS., Vormittags 10 Ubr, indem früher Bramm- schen Locale (Neustadt 55) dahier versteigere ich im Auftrage von H. Werner in Gießen:
10—12 Mille Cigarren in besserer, guter und Mittel-Sorte,
5 bis 7 Mille feinere Cigarretten, 80 Flaschen Rothwein und eine Parthie schwedisches Feuerzeug. Versteigerung findet bestimmt statt. Proben von Wein und Cigarren werden bei der Versteigerung ausgegeben.
Gießen, den 7. Mai 1888.
Engel, 3961 Gr. Gerichtsvollzieher.
Ieilgeöotenes.
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