Ausgabe 
9.5.1888 Erstes Blatt
 
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Offiziere lasse aber einen traurigen Schluß auf den Geist und die Bildung des französischen Offiziercorps zu. Deutschland könne nur wünschen, daß solche Offiziere J dem französischen Offiziercorps erhalten blieben, Angesichts der Vorgänge könne man nicht erwarten, daß sich Deutsche an den Ausstellungen Frankreichs betheiligten, um i ihr Eigenthum einer ähnlichen Behandlung auszusetzen, wie die Personen dort erfahren. - Karlsruhe, 7. Mai. Der Großherzog leidet, derKarlsr. Ztg." zufolge, seit< Samstag an einer katarrhalischen Affektion der Luftröhre, verbunden mit einem all- ' gemeinen Erkältungszustand, welcher ihn nöthigt, zeitweise zu Bett zu bleiben, jeden­falls aber das Zimmer nicht zu verlassen. Alle Vorträge, Meldungen und Audienzen wurden abbestellt. c

Paris, 7. Mai. Von den gestrigen Gemeindewahlen in ganz ^rankrerch sind bisher nur die Resultate aus den größeren Städten bekannt. Diese scheinen im All­gemeinen zu Gunsten der Republikaner ausgefallen zu sein, gewähren aber noch keinen Ueberblick des Gesammt - Resultats. Anscheinend sind viele Stichwahlen nothwendig. In Seine-et-Oise sind nur drei Glasfabriken geschlossen; in allen übrigen beschlossen die Arbeiter, f.^tzuarbeiten. DasJournal des Debats" verlangt die Auflösung der Patriotenliga.

Die Abendblätter heben hervor, daß augenblicklich es unmöglich sei, ein präclses Gesammturtheil über die Resultate der Muntcipalrathswahlen zu fällen, da viele derselben, durch rein locale Motive beeinflußt, in keiner Weise mit Politik Zusammen­hängen. Boulanger wurde in Tülle in Folge des freiwilligen Beschlusses der Arbeiter der dortigen Waffenfabrik in den Municipalrath gewählt.;

Paris, 7. Mai. Der Municipalrath votirte 10,000 Francs zur Unterstützung für die Familien der Glashüttenarbetter der Departements Seine und Seine-et-Oise, welche durch die Schließung der Fabriken beschäftigungslos geworden sind. Vor der Abstimmung machte der Seinepräfekt besondere Vorbehalte bezüglich des Votums. Der Setnepräfekt constatirte, daß augenblicklich 2500 Arbeiter der Glashütten beschäftig­ungslos sind.

Der Ertrag der indirekten Steuern im April ergibt ein Plus von 4 Mill., gegenüber dem Voranschlag, ein Plus von 5 Mill, gegen den April 1887. Boulanger wird am Freitag nach Dünkirchen gehen und sich von da nach Lille begeben, wo er am Samstag zu verweilen gedenkt und an einem Bankett für 600 Personen theil- nehmen wird. Er beabsichtigt, am Sonntag die Gruben von Anztn und Denain zu besuchen und am Montag nach Valenciennes, Cambrat und (Laint-Quenttn zu reisen. In Saint-Quentin wird er einem großen Bankett unter dem Vorsitz des Deputirten Turquet beiwohnen.

London, 7. Mai. Unterhaus. Unterstaatssekretär Fergusson erklärte auf eine Anfrage, zwischen der Regierung und dem Papste hätten keinerlei nichtoffiztelle politische Verhandlungen stattgefunden. Was die Samoafrage angehe, so sei Tamasese jetzt de facto König von Samoa und werde als solcher auch von der Regierung praktisch an­erkannt. Die Regierung habe keinen Grund, bei den Differenzen mit dem früheren Könige Malietoa irgendwie Partei zu ergreifen. Die Vertragsbeziehungen zwischen England, Deutschland und den Vereinigten Staaten bezüglich Samoas seien un­verändert. Der erste Lord des Schatzes, Smith, theilte mit, die Pfingstferien würden vom 18. bis 31. Mai dauern.

Konstantinopel, 7. Mai. Da es dem armenisch-katholischen Patriarchen Azarian gelungen ist, die Wiederaussöhnung der Armenier mit den sogenannten Anti- hussanisten herbeizuführen, so verlas der Patriarch in Anwesenheit zahlreicher Ktrchen- genossen ein Reskript, worin die Wtederaussöhnung feierlich bekräftigt wird.

Newyork, 7. Mai. Bei Locust Eap in Pennfylvanien löste sich der erste Theil eines 75 Waggons starken Güterzuges ab und wurde am Fuße des steilen Abfalles aufgehalten. Da die Bremsen des zweiten Thetles versagten, kam derselbe ins Laufen und stieß auf den stehenden ersten Theil. Ein mit Pulver beladener Waggon explodtrte und zerstörte 17 in der Nachbarschaft liegende Häuser, die von Bediensteten der Reading-Eisenbahn bewohnt waren. Die Kohlenvorräthe und Trümmer fingen Feuer. Acht Personen, meistens Kinder verbrannten, viele wurden theils schwer, theils leicht verwundet. 12 Waggons sind zertrümmert.

Berlin, 8. Mai. fPrivatdepesche.^ Bulletin von 9 Uhr Morgens. Der Kaiser hatte eine bessere Nacht und fühlt sich heute kräftiger. Fieber ist gering geblieben.

L o k s t e 4.

Gießen, 8. Mai. In der gestern Abend im Caf6 Leib stattgefundenen Zu­sammenkunft des Hessischen Zweigvereins deutscher Liqueurfabrikanten, in der die bedeutendsten Firmen des hiesigen Platzes vertreten waren, wurde, veranlaßt durch die erneuten Ringbestrebungen und die damit verbundene Beunruhigung der Branntwein­branche, einstimmig beschlossen:

sich mit dem Vorschläge des Verbandes südwestdeutscher Branntwein­interessenten zur Gründung einer Einkaufscommission einverstanden zu erklären mit dem ausdrücklichen Bemerken, von den Brennern, Sprit- Fabrikanten und -Händlern, welche der geplanten Sptritusbank angehören oder fernerhin derartige Projecte unterstützen, nichts zu kaufen, daß es jedoch Jedem unbenommen bleibt, von solchen zu kaufen, die der Sptritusbank nicht beitreten."

Gieße«, 8. Mai. Die gestrige außerordentliche Generalversammlung des land- wirthschaftlichen Provinztalvereins wählte nach Durchberathung der neuen Statuten den seitherigen 1. Präsidenten Herrn Adalbert Freiherrn von Nordeck zur Rabenau wieder, an Stelle des Herrn Regierungsraths Nover, welcher infolge seiner Ernennung nicht wtedergewählt werden konnte, Herrn Gutsbesitzer Sch lenke hier zum Vtce- präsidenten.

Gieße«, 8. Mat. Wegen Vergehen gegen § 175 des R.-St.-G.-Bs. in Ver­bindung mit Einbruch wurde gestern ein hiesiger Einwohner verhaftet.

Ein bei der Kehr-Colonne beschäftigter Mann tälschte auf den Namen seines Vorarbeiters einen Gutschein für eine Woche Mittagessen. Er wurde dteserhalb zur Anzeige gebracht.

Univerfitäts«Chronik.

Der Director des allgemeinen Krankenhauses in Hamburg, Cur sch mann, folgt einem Rufe nach Leipzig als Nachfolger Wagner's.

Dem außerordentlichen Professor der Theologie in Leipzig, Lic. Dr. Eduard König, wurde von der theologischen Fakultät in Erlangen in Anerkennung seiner hervorragenden Leistungen auf dem Gebiete der alttestamentlichen Schrtftforschung und der Hebratschen Sprache die theologische Doctorwürde honoris causa verliehen

Vermischtes.

Marburg, 4. Mat. Ein bedauernswerther Unfall rreignete sich gestern Abend aus der Station Sarnau der Marburg-Laaspher Secunbärbahn, indem der dortige Bahnhoss-Nachtwachter Ebert beim Uebergange oberhalb des Bahnhoss von dem Sufle Nr. 438 überfahren und derart oe, letzt wurde, datz derselbe heute Morgen in der hiesigen chirurgischen Klinik, wohin man rhn gebracht hatte, verstarb.

O Frankfurt a. M., 4. Mai. (Große internationale Hunde-Ausstellung.) Die Vorbereitungen zu dieser m den Tagen vom 10.-13. Mai incl. statlfindenden großen kynologischen Ausstellung, der größten, die jemals auf dem Continent abflehalten wurde, nehmen raschen und erfreulichen Fortgang. Die officielle Eröffnung der Aus­stellung erfolgt am 10. Mai Vormittags in Anwesenheit der hiesigen Behördenspitzen. An demselben Tage, Vormittags 9 Uhr, beginnt bereits die Prämiirung der Hunde durch das Prersrrchter-Collegium. Zur Vorführung der Thiere sind 15 große Lauf- Platze eingerichtet. 1000 Boxen, die in England angesertigt wurden, sind bereits an ihren Bestimmungsort abgegangen. Die Landwirthschastliche Halle wird prächtig decorirt werden. Der Magistrat Frankfurts stellte zu diesem Behufe bereilwilligst Fahnen zur Verfügung. Dte^ Ausstellung wird gegen Feuersgefahr völlig geschützt sein. Vier Feuerwehrleute sind ständig in den Ausstellungsräumen stationirt, das hiesige ' Regiment stellt zu den nothwendigen Handreichungen und Hilfeleistungen 100 Soldaten auf die Dauer der Ausstellung. Das Ministerium der öffentlichen Arbeiten hat ver­

fügt, daß auf allen preußischen Bahnen freier Rücktransport für unverkauft gebliebene Hunde erfolgen soll, die gleiche Vergünstigung haben zahlreiche Privat-Eisenbahngesell- schaften des In- und Auslanves zugestanden. Das lebhafteste Interesse findet natür­lich die Ausstellung in England, dem Eldorado jeden Sports. Von dort aus werden zahlreiche der schönsten und seltensten Rassen zur Ausstellung gebracht werden; englische Berichterstatter und Zeichner haben im Auftrage kynologischer und sportlicher Blätter ihre Anwesenheit während der Ausstellung angezeigt. Von deutschen Concurrenten bringt Prinz Solms die größte Anzahl Hunde, nämlich |45, zur Ausstellung. Die Anzahl der dem Comtis zur Verfügung gestellten Preise wächst von Tag zu Tag. Auch das Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten wird 5 silberne und 10 broncene Preise spenden. Besondere Erwähnung verdient noch, daß Herr Dr. Hans v. Kadtsch-Wien während der Ausstellung jedenfalls im großen Saal des Zoologischen Gartens einen Vortrag über das Thema:Der stichelhaarige deutsche Vorstehhund und seine Stellung zum rauhhaarigen Vorstehhund anderer Rassen" halten wird.

Frankfurt a. M., 7. Mat. Gestern war hier großer Renntag. Die Bicycler liefen bezw. fuhren im Palmengarten und die Pferde am Forsthaus. Das Frühjahrs-Rennen des Rheinischen Rennoeretns bestand aus 5 Nummern, das Velociped- Wettfahren aus nicht weniger als 11. Letztere alle ausrusühren, würde den Raum dieses Blattes allzu sehr in Anspruch nehmen, es sei daher nur erwähnt, daß im Zwetrad-Hauptfahren (5000 Meter gleich 12% Runden, 1. Preis eine completer Silberkasten im Werthe von 200, 2. Preis eine Marmor-Standuhr im Werthe von 100 v4L, 3. Preis ein Bterhumpen im Werthe von 40 JL) August Lehr vom hiesigen Bicycle-Club als Erster das Ziel passirte. Zweiter war Josef Goebel aus Mainz, dem Frankfurter Radfahrer-Verein angehörig, und Dritter Tobias Herbel vom Mannheimer Velociped-Club. Zetten: 10 Minuten 23%o Sec., 10 Minuten 23% Sec. und 10 Minuten 30% Sec. Man ersieht aus den Zeitunterschieden, daß der Kampf ein sehr harter war. Im Dreirad-Hauptfahren (4000 Meter gleich 10 Runden, 1. Preis eine goldene Kette mit Medaillon im Werthe von 150 JL, 2. Preis ein silbernes Schreib­zeug im Werthe von 60 J4) siegte Louis Stein vom hiesigen Radfahrer-Verein in 8 Minuten 34% Secunden. Zweiter: Theodor Jaide vom Velociped-Verein zu Mannheim, Dritter: Otto Stein vom hiesigen Radfahrer-Verein. Interessant war auch das Tandem-Fahren, zu dem leider nur 3 Paare erschienen waren.

Die Pferderennen am Forsthaus ergaben folgende Resultate:

I. Eröffnungsrennen. 400 Herrenreiten. Dist. 1200Meter. Es siegte leicht d'Orotlle's braune StuteMirella" über Graf Leiningens br. St.Carmen". Es liefen nur diese beiden Pterde.

11. Flachrennen. 800 JL Herrenreiten. Dist. 1800 Meter. Es liefen sieben Pferde. Sieger: 1) Ritter v. Lössl's F.-W.Spring-Blossom", geritten vom Artillerie- Lieutenant Freiherrn v. Rettzeustein, 2) Oppenheim's schw. St.EgSrte", 3) Oehl- schlägers F.-G.Donner".

IH. Offiziers-Hürden-Rennen. 1000 JL Dist. 2400 Meter. 8 Hürden 0,9 Meter hoch. Von 4 concurrirenden Pferden blieben Sieger: 1) Frhr. v. Reitzen- stein's F.-W.Durdans", geritten vom Besitzer, 2) Frhr. o. Broich's br. St.Perle fine", 3) v. Kaufmaun'sLangridge".

IV. Jagd-Rennen. 1. Preis 1500 JL, 2. Preis 300 JL Internationales Herrenreiten. Dist. 2400 Meter. Etwa 12 Hindernisse nicht mehr als 3 Meter breit und 0,9 Meter hoch. Es liefen 4 Pferde. Ersteres war N. Suermondt's F.-H. Mikado", geritten vom Besitzer. Zweites: Oehlschläger's F.-H.Nachtwächter", geritten von Riltmeister von Heyden-Linden. Drittes: Ritter v. Lössl's F.-W.Este", geritten vom Besitzer. Der Kampf war hierbei ein sehr harter.

V. Große Steeple-Chase. Ehrenpreis des dahingeschiedenen Kaisers 1800, wovon 1500 .K dem ersten, 300 JL dem zweiten Pferd zufallen. Dist. 4000 Meter mit ca. 15 Hindernissen, 4,5 Meter breit und nicht über 1 Meter hoch. Sieger: 1) H. Suermondt's br. St.Waldine", geritten vom Besitzer, 2) Ritter v. Lössl's F.-St.The Fawn", geritten von Rittmeister von Heyden-Linden, 3) Lieutenant Nolle's br. W.Landsear", geritten von Lieutenant Suermondt.Waldine" gewann leicht mit 2 Längen.

Frankenberg, 3. Mai. Das unbefugte und verderbliche Tragen von Waffen hat gestern in Frankenau einen beklagenswerthen Unglücksfall zur Folge gehabt. Einige auswärts in Arbeit stehende junge Leute aus Frankenau, welche sich heute dahier zur Musterung zu stellen hatten, benutzten gemeinsam einen Wagen Izur Heimfahrt. Kurz vor Frankenau gegen halb 8 Uhr Abends angekommen, will der Johs. Müller, Christian Sohn, ihre Ankunft durch einen Schuß anmelden, zieht den mit einer Spitzkugel ge­ladenen Revolver, schießt und trifft den neben ihm fitzenden Johs. Schellberg, Daniel Sohn, so unglücklich in den Kopf, daß dieser sofort tobt niedersank.

Bewegungsspiele für Knaben unter Aufsicht städtischer Lehrer werden in Berlin von Monat Mai ab jeden Mittwoch und Samstag Nachmittag von 46 Uhr im Friedrichs- und Humboldthatn, im sog. Eichbusch vor dem Schlesischen Thore, am Fuße des Kreuzberges, sowie auf den Exercierplätzen hinter der Ulanencaserne bei Moabit und an der Schönhauser Allee staltfinden. Die Theilnahme an diesen Leibes­übungen steht jedem Knaben frei.

Die zur Landwehr gehörenden Officiere, Unterofficiere und Mannschaften führen jetzt nicht mehr wie früher die betreffende Regimentsnummer auf den Achsel­klappen, da nach dem Gesetz vom 11. Februar l. Js., betreffend die Abänderung der Wehrpflicht, die aus den Brigadeoerbänden hervorgehenden Mobilmachungs-Formationen die Nummern ihrer Brigaden zu führen haben. In Preußen haben die der Landwebr angehörenden Officiere und Mannschaften hiernach die bisher geführten Regiments­nummern auf den Achselklappen mit der Nummer der betreffenden Brigade vertauscht. Bei uns in Hessen soll die Landwehr überhaupt keine Nummer auf den Achselklappen tragen, wie dies bereits an den Stamm - Mannschaften beobachtet werden kann. Die Officiere und Mannschaften der ersten (49.) Infanterie-Brigade (Bezirke Darmstadt I, Offenbach, Friedberg, Gießen) tragen weiße Achselklappen ohne Nummer, diejenigen der zweiten (50.) Infanterie-Brigade (Darmstadt II, Erbach, Mainz, Worms) gelbe Achselklappen, ebenfalls ohne Nummer.

Landwirthschastliche Nachrichten.

(Nachdruck verboten.)

sDie Kreuzung von Weizen und Roggen.j Bei dem heutigen Stande der Landwirthschaft muß Alles dahin streben, möglichst viel und möglichst billig zu pro- duciren. Diesem Bestreben entspringen auch die Bemühungen, immer neue lohnendere Varietäten der Getreide zu erzielen. Damit gewinnen auch die Versuche, Roggen und Weizen, die beiden Verwandten, zu kreuzen, eine hohe Bedeutung. Der Zweck dieses Verfahrens ist der, zu sehen, ob durch die Kreuzung mit Weizen und Roggen eine Pflanze gezüchtet und gewonnen werden kann, welche Körner ergibt, die so gut sind wie Weizen und die dabei als Pflanze dem Roggen entspricht, eine Pflanze, die dort wächst, wo Weizen nicht mehr gedeiht, die sich demnach mit ärmerem und leichterem Boden zufrieden gibt und zeitiger reift als Weizen.

Die Versuche sind nun in England anscheinend erfolgreich betrieben worden. Mr. Charles Bernard berichtete nun vor einiger Zeit imCentury Magazine" über derartige Versuche. Die Fortpflanzungsorgane sind in einer Kapsel eingeschlossen und hierdurch vor jeder Vermischung mit dem Blüthenstmbe anderer Pflanzen geschützt. Um nun eine künstliche Befruchtung vorzunehmen, muß, nach der Uebersetzung der Deutsch, landwirthsch. Presse", eine Oeffnung in der die Weizenblüthe umschließenden Kapsel gemacht und der fremde Blüthenstaub hineingeführt werden. Dies ist der Vor­gang bei der Bildung der zahlreichen Weizenspielarten. Auf analogem Wege wurde nun die Kreuzung zwischen Weizen und Roggen vorgenommen. Bet einer Aehre von Armstrong's grannenlosem, weißem Weizen wurden die Blüthenkapseln sorgfältig geöffnet, die Staubfäden mit einer feinen ecbeere behutsam entfernt, als feite noch grün waren, und als sich dann die Stempel (Blüthenkolben) in dem zur Befruchtung geeigneten Zustande der Entwicklung befanden, wurde der Blüthenstaub einer gewöhn­lichen Roggenähre über selbe geschüttet und dann die Kapseln wieder sorgfältig geschlossen. Diese Operation wurde dreimal wiederholt, die Weizen-Aehre sodann mit eimm Papter- ringe umgeben und der ferneren Entwicklung überlassen. Im Jahre 1883 gelang es, von dieser Aehre 10 gute Samenkörner zu gewinnen. Dieselben wurden am 29. Sep­tember desselben Jahres neuerlich ausgepslanzt. Hiervon gingen 9 Körner auf. Im Sommer des Jahres 1884 entwickelten 8 von diesen Pflanzen gute Körner; bie neunte brachte einige Körner hervor, die anscheinend keimunfähig und werthlos waren.