Lokales.
Gießen, 8. Januar. [Kunftuerein für das Großherzogthum Hessens Der Verwalluntzsrath Hal für daS Jahr 1888 wiederum zwei Kupferstiche als Veremsgabe auSgewählt und zwar: 1. „Heimkehr der Sieger", nach Defregger von Zimmermann und 2. „Der Klosterbrand" nach Lesftng von Abbema und Werner. Die Kupferstiche sind die Gegenstücke zu den im vorigen Jahre vertheillen Nereinsdiällcrn und der VerwallungSrath Hal deshalb beschlossen, den elfteren Stich denjenigen Mitgliedern, welche „Das letzte Aufgebot", und den letzteren Such denjenigen Mitgliedern, welche „Die Vertheidtgung" bezogen haben, zuzustellen. Mit Rücksicht auf die Bestimmungen in 8 6 der Statuten werden die verehrlichen Mitglieder zuvor ergebenst ersucht, ihren Wunsch gefälligst in der unerstrecklichen Frist bis zum 11. Februar l. I. erkennen zu geben, o!) sie überhaupt im laufenden Jahre ein Vereinsblatt zu beziehen wünschen. Die Urnerlassung einer Bestellung in der bestimmten Frist wird als Verzicht auf den Bezug eines Vereinsblattes angesehen »erden. Die hiesigen Mitglieder haben ihre Bestellung an Herrn Unioersitäts Amtmann vr. Dietz zu richten. Die diesjährige ordentliche Generalversammlung des KunstoereinS findet am 11. l. Mts. zu Darmstadt statt.
Gießen, 8. Februar. Der hiesige Gabelsberger Stenographen-Verein feiert Donnerstag den 9. Februar, Abends 8 Uhr (nicht um 9 Uhr, wie es in der vorgestrigen Annonce irithümlich heitzl) den 99iährigen Geburtstag des Meisters Gabelsberger, des Erfinders des nach ihm benannten Stenographiesystems, in seinem Vereinslocal, oberes Zimmer im Gasthaus „zum Löwen", durch ein Bierbankett und sind Freunde des Vereins und der Stenographie herzlich willkommen.
Der Verein beabsichtigt auch in aller Kürze wieder einen Unterrichtskursus unter der Leitung seines bewährten Vereinslehrers und zweiten Vorsitzenden, Herrn stud. philol. Pfaff, zu eröffnen; worauf hierdurch aufmerksam gemacht wird. Jöei dem großen Nutzen, welchen die Stenographie den Gebildeten aller Stände bietet, dürfte eine zahlreiche Betbeiligung zu erwarten sein.
— Unser Wunsch im gestrigen Blatte, daß unserem ältesten Mitbürger Herrn Louis Gail ein sonniger Lebensabend beschieden sein möge, sollte leider nicht in Erfüllung gehen. Heute Morgen 8 Uhr, an feinem 96. Geburtstage, ist berjelbe sanft in die Ewigkeit hinübergeschlummert. Möge ihm die Erde leicht sein!
Der deutsch-österreichische Bündnisvertrag.
Der Ernst der Weltlage spiegelt sich in einem Ereignisse wider, dessen Bedeutung unter den augenblicklichen Zeitveihältnissen ganz unverkennbar ist: In der Veröfient- lichung des Allianzvertrags zwischen Deutschland und Oesterreich - Ungarn. Derselbe, abgeschlossen zu Wien am 7. October 1879 und deutscherseits vom Botschafter Prinz Neuß und österreichischersetts vom damaligen Minister des Auswärttgcn, Grafen Andrassy, unterzeichnet, enthält nur drei Artikel, die indessen über die gegenseitigen Rechte und Pflichten der beiden Eontrahenten und über den Zweck ihres Bündnisses nicht den geringsten Zweifel bestehen lassen.
Art. 1 des Bündnißvertrags bestimmt: Sollte wider Verhoffen und Wunsch der Eontrahenten eines der beiden Reiche von Rußland angegriffen werden, so sind die Eontrahenten verpflichtet, einander mit der gesarnmten Kriegsmacht beizustehen und den Frieden nur gemeinsam und Übereinstimmend zu schließen. — Art. 2: Werde ein Theil von einer anderen Macht angegriffen, so ist der andere Contrahent verpflichtet, dem Angreifer nicht beizustehen und eine wohlwollende neutrale Stellung einzunehmen. Wenn jedoch Rußland den Angreifer unterstützt, so treten die Verpflichtungen des Artikels 1 in Kraft; Kriegsführung und Friedensschluß erfolgen gemeinsam. — Artikel 3: Der Vertrag soll friedlichen Charakter behalten und, um Mißdeutungen auszuschließen, geheim gehalten, einem Dritten aber nur mit beiderseitiger liebereüv stimmung mitgetheilt werden. Beide Eontrahenten geben sich nach den bei der Begegnung in Alexandrowa ausgesprochenen Gesinnungen des Kaisers Alexander der Hoffnung hin, daß die Rüstungen Rußlands sich^ als bedrohlich für sie in Wirklichkeit nicht erweisen und haben zu der MtUheilung für jetzt fernen Anlaß, sollte sich aber die Hoffnung wider Erwarten als irrthümlich erweisen, so erkennen beide Eontrahenten es für ihre Pflicht und Loyalität, den Kaiser Alexander zu verständigen, daß der Angriff auf einen als ein Angriff gegen beide angesehen werde.
Das hochwichtige Schriftstück ist zuerst tm amtlichen „Reichs- und Staats- j anzeiger" veröffentlicht worden, mit der einleitenden Erklärung, die Verbündeten hätten z die Veröffentlichung ihres Bündnisses beschlossen, um allem Zweifel über dessen rein s defensiven Charakter ein Ende zu machen, und seien sie überzeugt, daß hierdurch die ’
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etwa bestehenden Zweifel beseitigt würden. Allerdings scheinen die Verdächtigungen, denen der deutsch österreichische Friedensbund bis in die jüngste Zeit hinein von verschiedenen leiten ausgesetzt gewesen ist, den ersten Beweggrund zu seiner Bekanntmachung gebildet zu haben. Daneben bedeutet dieselbe aber auch unverkennbar eine an die Adresse der europäischen Friedensstörer gerichtete Drohung, denn klipp und klar wird es in dem Vertrage ausgesprochen, daß die beiden Verbündeten sich im Nothfalle mit ihrer ganzen Macht beistehen werden und was das bedeutet, werden hoffentlich die den europäischen Frieden fortwährend bedrohenden dunklen Elemente nicht unterschätzen. Vor allen Dingen wird aber durch die Bekanntgabe des Alltanzvertrags allen Mißdeutungen über die Stellung der beiden Eontrahenten Rußland gegenüber ein Ende gemacht, sie sind einander für den Fall eines russischen Angriffs zu Schutz und Trutz fest verbunden und kann Über diesen wichtigen Punkt also nicht mehr der geringste Zweifel bestehen.
Etwas anders ist es mit einem Kriege zwischen Deutschland und Frankreich, denn hierauf bezieht sich offenbar Artikel 2; in diesem Falle braucht Oesterreich-Ungarn nur eine wohlwollende Neutralität zu beobachten und ist nur dann zur Unterstützung seines Bundesgenossen verpflichtet, wenn Rußland Miene macht, den Franzosen dei- zuspringen. Der Vertrag ist auf unbestimmte Zeitdauer abgeschlossen.
Jedenfalls ist die Veröffentlichung des deutsch-österreichischen Bündnißoertrages nach reiflichen Erwägungen und in der Absicht erfolgt, überall reinen Wein einzuschenken. Gespannt darf man nun auf die Aufnahme fein, welcher dieser bedeutsame Schritt vor Allem in Rußland finden wird, denn nach einer solchen klaren Kundgebung der beiden verbündeten Kaisermächte wird und mutz sich jetzt endlich Rußland ent- fcheiden, ob es Krieg oder Frieden haben will.___________________________________
„Monopol-Seide“. (Modebericht.) „Dom Fel»
zum Meer" 1887 - Heft 8 schreibt:
.... „Durch Einführung der „Monopol-Seide“ hat sich der Zürcher Seiden- Industrielle v. Henneberg ein wahres Verdienst um die nach einem einfachen und gediegenen Seidenstoff seit lange vergeblich Umschau haltende Damenwelt erworben. Das Gewebe ist dauerhaft wie Leder, weich wie Sammt, glänzend wie Atlas; aus reinster Seide auf Lyoner Stühlen gewoben, erscheint es als eines der solidesten und reichsten Fabrikate, welche die Webindustrie seit lange erzeugt. . . .
Nur direct und nur acht, wenn auf der Kante eines jeden mfctre eingedruckt ist
1077 | G- HEITNEBERG’S „MONOPOL“ | u^“^.
’m Meisch-Fepton,
X unentbehrliches Nährmittel für Magenkranke, Schwache u.Genesende. Von Aerztenverordnet.
Kemmerich
Wöchentliche Neberficht der Todesfälle in der Ltadt Gieße«.
5. Woche. Vom 29. Januar bis 4. Februar 1888.
Einwohnerzahl: 19 001 (inet. 1600 Mann Militär).- Stcrblichkcitsziffcr: 38,3«/».
Es starben an:
Zusammen:
Erwachsene:
Kinder
im
1. Lebensjahr: 2 -
vom
-15. Jahr:
Krebs
2 (2)
2 (2)
_
—
Nierenentzündung
1 (1)
1(1)
—
—
Leberentzündung
1
1
—
_
Orarial-Geschwulst
1 (1)
1 C1)
_
_
Lungenerweiterung
1 (1)
1 (1)
—
—
Wochenbettkrankheit
1
1
—
_
Altersschwäche
1
1
—
_
Atrophie
1
—
1
_
Krämpfen
1
—
1
—
Lebensfchwäche
1
—
1
_
Diphtherie
1
—
—
1 -
Dtasern
1
—
1
_
Tuberkulöser Gehirnentzündung 1
—
—
1
Summa: 14
8
4
2
Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
Alk gemeine Gewerbverein Gießen.
Generalversammlung: Donnerstag, den 9. Februar,
Abends 8 Uhr im „Hotel Victoria".
Tagesordnung: Neuwahl des gejammten Vorstandes.
Die Mitglieder werden dringend um BetheiliguM ersucht.
1049 Der Vorsitzende: v. Ritgen, Geh. Raty.
MT8 Wiener Hof.
Heute Mittwoch Abend:
Grosse humoristische Soiree
der Gesellschaft „Fidele Rheinländer"
(2 Herren, 2 Damen)
Anfang 8 Uhr.1090 Gntree frei
r Anzeiger.
Brenn- u. Nutzholz-Versteigerung in der fürstlichen Oberförsterei Mch.
Montag den 20. Februar l. I. sollen im District Höler (Dippelöcher rc.) öffentlich versteigert werden:
a) an Buchen Brennholz: 416 rm Lcheiter, 82 rm Knüppel, 318 rm Stöcke, 35 Hunoert Wellen;
b) an Nadel-Brennholz: 5 rm Knüppel, 2 rm Stöcke, 10 Wellen;
c) an Nutzholz: 6831 Fichten - Stangen, 56,65 fm haltend, Bohnenstangen, Hopfenstangen, Baumvfähle, Leiterbäume u. s. w. und 12 Buchen-Abschnitte von 16,93 fm Inhalt.
Die Zusammenkunft ist Vormittags 9J/2 Uhr aus dem Häuserweg am Parkthor bei den Fichtenstangen im District Höler.
Lich, am 7. Februar 1888.
1078 Dr. Dieffenbach, Forstrath.
Um ferneren Verwechselungen vorzubeugen, bemerke ich, daß -Herr Landgerichts - Director Dr- Stammler Vorstand d?s Zw^ig-HülfsvereinS Gießen ist.
Stammler^
1091 . Kreisarzt a D.
| J. G. D. Bapst *
w 1066 empfiehlt Haushaltungs Ausstattungen, «g Kochgeschirre, emaillirt, verzinnt und in Gußeisen, W Eimer, emaillirt, verzinkt und schwarz lackirt, Gr Feuergeräthe, Kohlenkasten, roh, lackirt mit und ohne
Deckel, ffi Kohleneimer, Sreinkoblenlöffel — Schippen Ä und Stocheisen, Ofenvorsetzer — Ofenschirme. Ä x Kohlenhandlung en gros & en detail. A
Aestaumlions-Aebernahme.
Dem geehrten Publikum von Gießen und Umgegend die ergebenste Anzeige, daß ich mit dem Heutigen die Restauration
zum Wiener Hof
übernommen habe. Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt.
Guter Mittagstisch von 80 an und höher.
Warme Küche zu jeder Tag-szeit
Es soll mein Bestreben sein, meine werthen Gäste auf's Beste zu bedienen.
Gießen, den 8. Februar 1888.
Achtungsvoll
Slehirich Gaafke,
1075 Restaurateur zum Wiener Hof.
X Steinkohlen- Briguets X
' welche ganz rein aufbrennen und für jede ' Feuerung sich eignen, empfiehlt 1093 Gk Unverzagt, Kohlenhandlung, Kaplansgaffe 5.
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