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beube Couse^eajLN über Militär-CrebiLe finden demnächst in Budapest während der Anvffenheit der Kaisers statt. Viel bemerkt roivD die hier vorliegende Petersburger Meldung vesGrajhbcmi:)", daß der Allianzoertrag erst nach der von deutscher Seite eingeholten Zustimmung Rußlands publicut worden sei. Andraffy widersprach vorgestern dec Behauptung, her Allianivertrag hätte ursprünglich sür Oesterreich nicht die gleichen Rechte stipulirt, er sagte, der Ver­trag wurde von zwei Männern entworfen, die einander nicht überlisten wollten, wurde von Staaten geschloffen, deren Interessen solidarisch find. Auf dem gestrigen Iahresban'et des ungarischen Rational- Casinos wurde dem Grafen Androffy eine große Ovation bereitet. Gras Bela Szechenyi pries die tactoolle, vorauesehende Politik Andraffy's, der, durch Vaterlandsliebe geleitet, die Allianz schloß und dadurch der Monarchie den Frieden stcherte. (Minuttnlanger Bei­fall-sturm.) Andrc-ffy erhob sich und verneigte stch. Auch Oberhosmeistec Graf Szapary brachte einen Lriuklpruch auf Andraffy aus, dem die Krone der bür­gerlichen Verdienste gebühre. (Reue stürmische Ovation.) Andraffy sprach aus begre flicher Reserve nicht.

Der Kronprinz theilte heute einer Polens Deputation mit, Botschafter Lobanoff hätte gestern erklärt, er erwarte, daß die Allianz-Publication in Peters­burg tiefen Eindruck machen werde. (Fr. I)

Krankreich.

Pari-, 6. Februar. De Haltung der Presse ist andauernd ruhig, dagegen wird in politischen Kreisen vielfach die Frage erörtert, wie Frankreich fich zu einem Angebot, al« Entgegnung auf die Veröffenllichung des deutsch' österreichischen Vertrages ein Bündniß mit Rußland einzugehen, verhalten werde. Soweit ftch übersehen läßt, wird die Möglichkeit eines solchen Vorschlages hier keineswegs mit Begeisterung angenommen, da man fich nicht verhehlen kann, daß daraus in kürzester Zeit der Krieg entstehen würde; seit dem Beitritt Italiens zum Dreibund glaubt aber Frankreich, daß selbst ein französisch-russisches Bünd- rutz nur ungenügende Aussichten auf Erfolg bietet. Es ist Grund zur Annahme vorhanden, laß Frankreich im März 1887 vertrauliche russische Anregungen zum Abschlüsse eine- Bündnisses, und zwar unter dieser Begrür.dung, zurückge­wiesen hat, wovon auch schon früher die Rede gewesen ist.

Spanien.

Madrid, 7. Februar. Die Kammer hat mit 176 gegen 19 Stimmen das anläßlich des Conflictes mit dem Militär in Rio Ttnto von den Confer- vativeu gegen die Regierung beantragte Tadelsvotum abgelehnt.

Aumärrien.

Bukarest, 7. Februar. Nach dem definitiven Resultat der Kammer- wahlm sind gewählt 116 Anhänaer der Regierung, 43 Oppositionelle und 5 Unabhängige; 19 Stichwahlen sind erforderlich.

Deutscher Keichstag.

31. Sitzung vom 7. Februar 1888.

'M der Tagesordnung steht zunächst zweite Berathung des Antrags betr. die Verlängerung der Legislaturperioden.

Abg. Dr. Windthorst: Er habe zu seiner Freude vom Staitssecretär v. Bötticher gehört, daß von den Reichsressorts kein Gutachten über die Aufhebung des allgemeinen Wahlrechts ohne Zustimmung des Reichstags eingeholt worden fei; er bedauere aber, daß eine ähnliche Erklärung nicht auch seitens der beiden mitunter­zeichneten Parteien erfolgt sei. Das sei um so gefährlicher, als die bekannte ErkHßung des Herrn o. Pullkamer im Abgeordnetenhause betreffend Aenderu.rg des Reichs­wahlrechts noch immer unwtderlegt sei. Herr v. Helldorf habe vor einiger Zeit hier erklärt, die Aufhebung des allgemeinen gleichen Wahlrechts sei nur eine Frage der Zeit. Er habe den Eindruck gewonnen, als stände man am Anfänge eines schweren Conflicts. Es sei bedauerlich, daß dieser Antrag von demselben Reichstage beschlossen werde, der so große Lasten dem Bolte auferlegt habe.

Abg. v. Kardorff (Rchsp.): Herr Windthorst möge doch bedenken, daß seine Partei selbst zu der Annahme der indirecten Steuern verholfen habe. Der Vorwurf, daß dieser Antrag einen Sturm auf das dtrecte Wahlrecht bedeute, sei völlig ungerecht­fertigt. Das allgemeine Wahlrecht bestehe zu Recht und gerade die Parteien, von denen dieser Antrag ausgehe, hätten am allerwenigsten Veranlassung, dasselbe aufzu­heben. Dr. Bamberger habe früher jür die Verlängerung der Perioden gesprochen und geschrieben, hoffentlich werde er nächstens auch einmal eine sehr glänzende Rede für die Doppelwährung halten. Die Ermahnungen Dr. Windthorst's seien werthlos, zumal er irüher sogar für zweijährige Budgetperioden eingetreten sei. Herr Windthorst habe seine schöne Position im vorigen Reichstag leichtfertig verscherzt. Wäre er (Redner) Mitglied der nationalltberalen Partei, so würde er schon beantragt haben, Herrn Windthorst zum Ehrenmitglied der Partei zu machen. (Heiterkeit.) Was das Kartell betreffe, so beständen keine Abmachungen; sollten jedoch solche jemals beschlossen werden, so würde Herr Windthorst der Letzte sein, der etwas davon erfahre. ^Heiterkeit.)

Abg. Rickert (freis.): Diesem Anträge fehlten alle sachlichen Gründe; seine volle Bedeutung aber habe die Schlußrede des Herrn v. Helldorff enthüllt. Daß dieser Antrag eine Verminderung der Rechte des Volkes involvire, habe der genannte Herr bereits 1885 zugegeben. Herr v. Bennigsen erkläre sich für die Aufrechterhaltung des bestehenden Wahlrechts, aber es frage sich nur, ob er und seine Genossen in Zukunft noch die Macht haben werden, einen Ansturm auf dasselbe abzuwehren. In zwei Dingen in Religion und Politik müßten die Gewissen frei bleiben, das sei es was seine Partei gegen den Antrag Stellung nehmen lasse. Er gebe zu, daß der Wahlkampf ein erbitterter und widerwärtiger sei, aber solle man den Gensdarmen allem den Wahlkampf überlassen i Sei seit 1881, wo Herr o. Bennigsen das System Puttkamer so scharf tadelte, dasselbe etwa besser geworden? Die Conservatioen sagten sich einfach, wenn sie die Majorität hier bekämen, hätten sie dieselbe auch auf fünf Jahre; seien sie in der Mnderheit so könnten sie auf die Auflösung des Hauses rechnen. Man wolle 700 000 Wählern der Socialdemokratie das Recht nehmen wenigstens alle drei Jahre zur Wahlversammlung zusammen zu kommen. Das Haus habe gehern einmütig beschlossen, Alles zur Stütze des Reiches in militärischer Be­ziehung -u bewilligen; das genüge aber nicht, das Volk müsse auch geistig und politisch stark gemacht werden.

^dg. o. Helldorff (cons.): Er habe niemals behauptet, daß der Akt des Wahrens die Autorität gefährde, fondern vielmehr, daß die Autorität gefährdet werde durch die Art der Agitation. Er erkläre nochmals, daß weder zwischen den Kartell- ^atTOnMnDAtnlt«6aIb C05fcrO5tloen Partei Erwägungen über die Aenderung des Wahlrechts gepflogen seien. Wie komme Herr Windthorst dazu, Fragen zu stellen w,e die coniecoatioe Partei in Zukunft unter diesen und jenen Umständen,u der Frage stehen wurde? Was würde er sagen, wenn er (Redner) ihn fragte, roie er unter Sn unb lenen Umftänben über die Wiederherstellung des Königreichs Hannover denke t Wer wie die Socialdemokraten und die Fortschriuspartet die Agitatimi gebrauche der werde gegen den Antrag stimmen. (Beifall.) w

. vr. p Marquardsen lnatl.): Er erinnere zunächst daran, das! man

stuher stets der Ansicht geroefen sei, daß die Frage der Dauer der Legislaturperioden nur eine Frage der Zweckmäßigkeit sei. Das Meiste, was Herr Rickert über Wahl- rU u?BaVe a<!t 0ef,öre mo')1 in i,n preußischen Landtag. Herr Bamberger ?ur zur Zeit gegen diesen eigentlich seinen Antrag und werbe wohl in -iukuntt Perioden"befürwortet. nationaUi6eralc Partei habe seit Jahren eine Verlängerung der '

Abg. Dr. Hänel (freis.): Die zur Verhandlung stehende Frage sei als eine l reine Zweckmäßigkeitsfrage angesehen worden; dürfe man aber auf bloße Opportunitäts­gründe hin die Verfassung ändern? Er stelle diesen Gründen Thalsachen gegenüber. Er behaupte, das Interesse, das die Wähler bei den Wahlen äußern, sei ein weit j größeres, als das, was die Gewählten an den Geschäften des Reichstages beweisen. ; Man habe auf England exemplificirt. Es gehöre in England zu den Kuriosen, wenn > einmal ein Parlament eines natürlichen Todes sterbe, die meisten würden aufgelöst. Aber auch der Hinweis auf andere Staaten verfange nicht; denn man dürfe doch nur auf föderative Staaten blicken und in keinem föderativen Staate gebe es längere Perioden als bei uns. Wir müßten uns doch außerdem sagen, daß die Rechte unseres Parlaments nur geringe seien und daß wir die Verantwortlichkeit für Steuerlasten : hätten, wahrend die Vortheile den Einzelstaaten zu Gute kämen. Herr Miquel habe | vor Jahren bereits gesagt, daß das deutsche Volk gerade als Gegenrecht für die i Strebungen des Particularismus, mit denen wir noch sehr zu rechnen haben würden so oft als möglich an die Wahlurne geführt werden müsse. Der erste Streich gegen das Wahlrecht sei die Verweigerung der Diäten gewesen. Der Reichskanzler habe , gestern ausgesprochen, daß er gegebenen Falls nicht auf die Pflichttreue, sondern auf die Begeisterung des Volkes sich stützen müsse. Trete dieser Antrag nicht die Rechte des Volkes mit Fußen? Kein Dialectiker könne bestreiten, daß derselbe die 93er- Minderung der Volksrechte bedeute. (Beifall links.)

Die Discussion wird hierauf geschlossen.

Persönlich bemerkt Abg. Böckel (Antisemit), daß er gegen den Antrag stimmen werde.

Die namentliche Abstimmung über S 1 des Antrags ergiebt die Annahme mit 183 gegen 95 Stimmen.

S 2 stellt fest, daß dieses Gesetz mit Ablauf der gegenwärtigen Legislaturperiode des Reichstags in Kraft treten soll.

Abg. Rickert beantragt folgenden Zusatz: Die Mitglieder des Reichstags erhalten auf Reichskosten Reisekosten und Diäten. Bis die Frage durch ein Reichs- gefetz geordnet ist, stellen die Regierungen die Reisekosten und Diäten fest.

Abgg. o. Kardorff und o. Bennigsen bestreiten den Zusammenhang dieses Antrags mit der vorliegenden Materie.

Die Abgg. Rickert und Dr. Windthorst treten dafür ein, daß ein materieller Zusammenhang zwischen beiden Fragen durchaus existire.

Abg. v. Bennigsen betont, daß ebenso wie der Antrag Rickert auch ein Antrag aus Aeudcrung jedes anderen Paragraphen der Verfassung zulässig wäre.

(Soc.) beantragt, die Frage der Zulässigkeit dieses Antrags der veschaftsordnungscommission zur Prüfung zu überweisen.

Der Antrag Singer wird abgelehnt und beschlossen, den Antrag Rickert nicht mit dem Anträge Bennigsen zusammen zu behandeln.

S 2 und der ganze Antrag wird hierauf angenommen.

ar x morgen 1 Uhr. Wehroorlage, Antrag Lohren (Brodtaxen),

Antrag Munckel-Reichensperger. *

TelegravhrM Depeschen

Wolfl'ö telegr. Eor^espondenr"B«rea«.

, ..Berlin, 7. Februar. Se. Majestät der Kaiser empfing Vormittags den Polt- asidenten, horte eine Reihe militärischer Meldungen und conferirte dann mit rUbedyll und Caprivi. Nachmittags machte der Kaiser eine Ausfahrt und empfina darauf den Fürsten Bismarck. ö

OQn71. Budget - Commission des Reichstages nahmj heute unverändert die 280 Millionenanleihe sur Militarzwecke an.

m t Dem Reichskanzler Fürsten Bismarck gehen aus zahlreichen Orten unseres Vaterlandes enthusiastische Zustimmungs- und Beglückwünschungstelegramme aus Anlaß der gestrigen Rede zu.

- 7" Das Gerücht, Professor Bergmann sei nach San Remo gereift, ist unbe­

gründet. Bergmann reifte gestern nach Kiel, von wo er heute zurückkehite.

. . Derli«, 7 Februar. Alle Zeitungen ohne Unterschied der Partetstellung heben

überwältigenden Eindruck der ßeftrigen Rede Bismarck's und die rückhaltlose Ein- muthigkelt hervor, mit welcher der Reichstag den Vorlagen zustimmt. Die9tordd. Allg. Ztg. sagt, diese Kundgebung drücke nicht nur die Uebereinstimmung des ganzen deutschen Volkes mit der Politik des Reichskanzlers aus, sondern bezeuge auch die Einigkeit und Kraft, womit das deutsche Volk die Aufgabe, der Hort des Friedens zu sein nach jeder Richtung zu erfüllen bereit ist. - DieNationalzeitung" glaubt, der Aus pruch Bismarck's gegen jeden Angriffskrieg werde der dauernde Leitstern der deutschen Neichspolitik sein und bleiben. Der Reichskanzler habe, indem er das deutsche NU* dem Gedanken vertraut mache, sich an die Leistung der schweren Militärlasten als Grundbedingung unserer Zustände zu gewöhnen, die Nation von einer Gemüths- versafsung befreit, Me das winhschaftliche Leben lähmte.

Wien, 7 Februar. DiePresse" entnimmt der Rede Bismarck's eine größere Friedenszuoer ficht, als erwartet wurde, wenn sie sich auch auf die eigene militärische Starke stutze und nicht aus Harmlosigkeit des Gegners rechne. DieDeutsche Leitung" memt, die deutsche Nation werde der Rede des Fürsten bewundernd zujubeln. Das 9teue SBtener jtageblatt" sagt, im Munde Bismarck's klinge der Hinweis auf die Augen öffnen rote Prahlerei; seine Erklärungen müßten Freund und Feind die . 3 DasFremdenblatt" schreibt: Die Rede Bismarck's wird für längere Beit

treue Spiegelbild der die Welt beherrschenden Situation bleiben, welche keine un- uricbenöftorung befürchten läßt, aber doch die Staaten veranlaßt, auf ihre I."- ^tungsfähigkeit bedacht zu sein. Was der Kanzler über die Publikation

de? Bundnißvertrags und über die Natur des Bündnisses mit Oesterreich-Ungarn und des en Zweck im deutschen Reichstag ausgesprochen, stehe in vollster Ueberetnfttnununa mit der in Oesterreich-Ungarn herrschenden Auffasfung und tfi dem innigen, aus der Gemeinsamkeit der Zwecke und der politischen Anschauung herausgewachsenen Bünd­nisse voUkommen adaquat; es wird dem Friedensbuud neue moralische Kraft verleihen. Der mächtige Appell an Deutschlands Macht und Wehrkraft, an das stolze Bewußtsein mH iugefallenen Stellung, die dieses gegen seine Feinde

P11! ^U/7?erl^c s^ark genug ist, wird überall einen lang dauernden Nach­hall finden. Da die Kraft des deutschen Reiches dem Frieden und dem Rechte gilt, »en, die_es stärken können, und darunter auch das gewaltige, aus der lliede des Kanzlers strömende moralische Moment, als willkommene Bundesgenossen des Friedens und der Ordnung begrüßt werden, fc.rrw.n drbruar. DerNemzet" schreibt: Bezüglich der Rede Bismarck's herrsche die allgemeine Ansicht vor, daß dieselbe eine der mächtigsten Kundgebungen unserer Zeit ist Hinsichtlich der internationalen Frage und deren Bedeutung für bie nfreulick * U"b ba§ $atcrIanb wirke die Rede nicht nur beruhigend, sondern geradezu arr -- ?<**<$* Februar. Flourens richtete an die Wähler des Departements Basses- Alpes, in dem er sich als Kandidat hat aufstellen lassen, ein Manifest, worin es heißt: Er strebe, daß Frankreich groß, geeinigt und glücklich sei, daß die Demokratie die Frei­heit immer mehr entwickeln und der Frieden zugleich mit der Sicherheit des Landes und der nationalen Würde gewahrt bleiben möge.

m . London, 7. Februar. Sammtliche Morgenblätter sprechen sich über die gestrige ^ebe BiSmarck S dahin aus, daß dieselbe eine beruhigende Wirkung auf Europa aus- ÜbC<n roCt^' ;rroci<£ \Xt cinc mächtige Bürgschaft für bie Erhaltung bes Friedens biete. Der Daily Telegraph" sagt, die Zwecke Bismarck's verdienten bie lebhafte Unter­stützung und den herzlichsten Beifall eines jeden Engländers.

7- Februar. DieNawoje Wremja" (Neue Seit) begrüßt die Rede Bismarcks sympathisch unb sagt, der erste Eindruck derselben fei ein guter unb amSCtrbieAn*C Äcbc ru^ unb selbstbewußt, wohl durchaus aufrichtig unb ohne ^weiser ineoitaj.

Mipopti ^.^"^agen, 7. Februar. Das Leuchtschiff bei Drogdeu verließ die Station

Konstantinopel, 7. Februar. Heute ist ein kaiserliches Jrade veröffentlicht worben, weiches die Aenderung in der Suezkanal-Conventivn genehmigt.